Erotissima Vol.2

Sechs erotische Kurzgeschichten - dreams on demand...
 
 
Cupido Books (Verlag)
1. Auflage | erschienen am 1. Februar 2014 | 128 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-944490-01-4 (ISBN)
 
Der zweite Band unserer Geschichten zum Träumen, voller Sinnlichkeit, voll praller Erotik ... hier sind sie: Texte, die Frauen Freude bereiten. Private Glücksmomente - Dreams on Demand! In diesem Buch finden Sie Geschichten, die nicht dort aufhören, wo es interessant wird; Geschichten aus dem Alltag, Geschichten die passiert sind, und Geschichten von denen man sich wünscht, dass sie passieren. Sie werden hoffen, dass sie Ihnen passieren. Sie werden sie ganz sicher lieben, unsere Geschichten! Unsere Autorinnen (und Autoren auch) schreiben tabulos und frei, direkt und lustvoll. Sie liefern Geschichten und Träume, die unter die Haut gehen ... nur für Sie. Eric Lichtenberg (Alles) Es ist alles schon da, seit langer Zeit, tief unter der Oberfläche, ungenannt, nur geahnt. Alles. Joleen Carter (Mallorca, der Sex und sie) Verpasste Gelegenheiten, traurige Erinnerungen - Michael hat es final versaut. Doch Nina ist da anderer Meinung. Greta Leander (Alles bestens) Man muss nicht immer über ALLES reden... Manchmal ist es vielleicht sogar besser, die Dinge einfach in die Hand zu nehmen. Eve Bauhaus Japanische Kirschen Robin ist Drucker. Robin druckt Märchen - märchenhafte Bücher... Greta Leander (Angekommen) Wie sagte schon Ina Deter: 'Frauen kommen langsam - aber gewaltig.' Und manche kommen langsamer als andere... Isadorra Ewans (40somes) Was geht, bei den Frauen ab 40? Konstantin scheint es zu wissen. Und hält damit nicht hinter dem Berg. Sehr zur Freude einer einzelnen Dame...
Deutsch
4,53 MB
978-3-944490-01-4 (9783944490014)
3944490010 (3944490010)

Alles


Eric Lichtenberg


„Kann ich so los?“, reißt Noras Stimme Paul und mich aus unserem Gespräch über die Aufstiegschancen von Sankt Pauli.

Sie steht im Türrahmen des Wohnzimmers, und mir bleibt die Spucke weg. Wortwörtlich. Sie trägt einen kurzen Rock mit aufgenähten Taschen und recht grobe kniehohe Stiefel, dazu ein schwarz glänzendes Top, das sich weich an ihren Körper schmiegt. Mir ist schon länger klar, dass aus der rotzfrechen Göre eine Frau geworden ist, aber da Nora normalerweise nicht sehr auf ihr Äußeres achtet, blieb mir so ein Anblick bisher erspart. War vielleicht auch besser so.

Neben mir räuspert sich Paul unbehaglich. Wenn es für mich schon ein Schock ist, Nora so zu sehen, wie muss es dann erst für ihren großen Bruder sein? Er hat immer auf sie aufgepasst, obwohl er oft genug verdammt genervt war von ihrer Anhänglichkeit. Für ihn stand es außer Frage, dass sie zusammen in einer WG leben würden, sobald seine Schwester zum Studieren nach Hamburg ziehen wollte. Und Nora hat die Chance ergriffen, so schnell wie möglich ihren strengen Eltern zu entfliehen.

„Was ist anders an dieser Party, dass du dich so…“, sagt Paul und macht eine vage Geste, die Nora in ihrem gesamten Erscheinungsbild umfasst, „… aufbrezelst?“

Nora lacht und streicht sich eine Strähne ihres dunkelbraunen Haares hinters Ohr. „Es gibt da jemanden, der mich zu lange ignoriert hat“, meint sie augenzwinkernd.

„Wenn der Kerl nicht auch so sieht, dass du toll bist, hat er es nicht verdient, dass du dich mit ihm beschäftigst“, grollt Paul und verschränkt die Arme vor der Brust.

Kurz huscht ein seltsamer Ausdruck über ihr Gesicht – weich und eine Spur wehmütig. Doch ein freches Grinsen verscheucht die Regung sofort. „Manchen Männern muss man eben ein wenig auf die Sprünge helfen. Also: Gehe ich so als männermordende Venusfalle durch?“

„Auf eine schräge Art … ja“, erhebe ich das erste Mal die Stimme.

„Danke“, erwidert Nora. „Dann ist mein Outfit perfekt.“

Sie schenkt mir ein Lächeln, das sich tief in meinem Magen einnistet. Verdammt. Seit einiger Zeit wird das immer schlimmer. Ich weiß noch genau, wann ich das erste Mal auf eine fast schmerzhafte Weise begriffen habe, dass Nora nicht mehr das ungelenke kleine Mädchen ist, das Paul und mich als Teenager in den Wahnsinn getrieben hat. Auf der Feier ihres einundzwanzigsten Geburtstages ist sie ziemlich abgestürzt und hat heftig mit einem Typen aus ihrer Uni rumgeknutscht. Ich konnte nicht wegsehen. Es war heiß, und gleichzeitig wollte ich den Kerl von ihr wegziehen und ihm die Fresse polieren. Ein Blick in Pauls Gesicht hatte mir verraten, dass er zumindest letzteren Gedanken mit mir teilte.

Natürlich haben wir nichts davon getan. Nora ist längst erwachsen und würde uns zur Schnecke machen, wenn wir uns in ihr Liebesleben einmischten. Dennoch … seit einigen Monaten erwische ich mich immer häufiger dabei, ihr hinterher zu sehen. Diese typische Geste, mit der sie ihr Haar zurückstreicht, macht mich kirre. Jedes Mal möchte ich meine Hand ausstrecken und die Weichheit der Strähnen erspüren. Über diesen Punkt hinter ihrem Ohr streichen, bis sie den Kopf zur Seite neigt, einer Einladung gleich.

Das Ziehen in meinem Schritt bringt mich zur Besinnung. Betreten sehe ich auf die Flasche Bier vor mir und beginne, am Etikett zu knibbeln. Ich blicke nicht auf, als Nora sich verabschiedet und Paul ihr ein „ruf an, wenn irgendwas passiert!“ hinterher ruft. Die Tür fällt ins Schloss und hinterlässt eine Stille, die nichts mit der Abwesenheit von Geräuschen zu tun hat, denn aus der Stereoanlage dringt nach wie vor Musik.

„Heilige Scheiße“, raunt Paul.

Er sieht wirklich ein wenig geschockt aus. Als er einen wohl ähnlichen Ausdruck auf meinem Gesicht wahrnimmt, fangen wir beide gleichzeitig an zu lachen. Wir lachen, bis ich Seitenstiche bekomme und ihn japsend bitte, endlich mit dem Scheiß aufzuhören. Als wir uns halbwegs beruhigt haben, fischt Paul wortlos seine neuste DVD hervor und stellt die Musik aus. World War Z, genau das Richtige für einen Donnerstagabend: Massenpanik und Zombiehorden.

Obwohl der Film gut und sehr spannend ist, trudeln meine Gedanken doch immer wieder zu Nora. Was sie wohl gerade macht? Ob der Kerl, auf den sie scharf ist, gerade mit ihr spricht? Mit ihr tanzt? Sie anfasst? Fuck, ich muss diese Bilder aus meinem Kopf verbannen. Ich schnaufe frustriert. Paul bemerkt, dass ich nicht bei der Sache bin. Seine eindringliche Musterung ist mir unangenehm.

Er kennt mich viel zu gut. Seit der ersten Klasse sind wir befreundet, und seit seinem dreizehnten Geburtstag und der damaligen Keilerei mit Björn Vollmer und seinen Kumpanen sind wir unzertrennlich. Paul ist mein bester Freund, der Bruder, den ich nie hatte. Wir haben viel zusammen erlebt und haben so manchen Scheiß gemeinsam durchgestanden. Er war für mich da, als mein Dad schwer krank wurde und wir nicht wussten, ob er dem Krebs noch entrinnen kann. Ich habe Paul aus dem tiefen Loch geholt, in das er gefallen ist, nachdem Steffi vor zwei Jahren mit ihm Schluss gemacht hat. Habe nicht zugelassen, dass er sich verkriecht und alle wegbeißt, die ihm nahestehen. Nach einer Weile hat er akzeptiert, dass ich mich nicht so einfach vertreiben lasse, und hat endlich geredet. Danach ging es aufwärts.

Paul ist mir verdammt wichtig, und er weiß einige Dinge über mich, die nicht in unserem gemeinsamen Freundeskreis publik sind. Wir haben meinen ersten Kuss mit Lisa Kretschmann ausführlich diskutiert und sind damals zu dem Schluss gekommen, dass Küssen einfach nur nass und ziemlich ekelig ist. Einige Jahre später hat uns die Neugierde dazu getrieben, es miteinander zu versuchen, das Küssen. Es war immer noch etwas feucht und ungeschickt … aber es war auch gut. Ich schätze, dass ich in den darauf folgenden Experimenten mit Paul irgendwann gerafft habe, dass auch Jungs ganz interessant für mich sind.

Gerade jetzt wäre mir allerdings lieber, ich wäre zu hundert Prozent schwul, dann könnte Paul mir nicht an der Nasenspitze ansehen, dass ich auf seine Schwester stehe. Ich habe Schiss vor seiner Reaktion. Er bewacht Nora mit dem Gebaren eines bösartigen Dobermanns. Einmal hat er seine Grenzen dabei gehörig überschritten und einem Kerl eine gezimmert, der Nora ungefragt an den Hintern gefasst hat. Ein Rauswurf aus dem Club war die Folge und ein verbaler Einlauf seiner Schwester, der ihn kleinlaut zurückgelassen hat.

Paul zieht die Brauen zusammen. Verdammt, ich kenne diesen Blick. Abschätzend, darunter schwingt eine latente Aggressivität mit. Trotzig hebe ich das Kinn. Wir starren uns eine Weile schweigend an, dann seufzt Paul hörbar.

„Sie ist so verdammt…“, sagt er leise, und ich habe Schwierigkeiten, ihn zu verstehen, denn im Film fliegt gerade ein Gebäude in die Luft.

„Sexy?“, helfe ich ihm aus.

Paul zieht die Schultern empor. „Ja. Mehr als das, irgendwie. Ach, fuck!“

Zum zweiten Mal an diesem Abend sehe ich etwas, das mich sprachlos macht. Es ist Begehren, das ich in seinen Augen erkennen kann, gemischt mit Scham und Wut. Und ich kann jede dieser Regungen nachvollziehen. Denn wenngleich Nora nicht meine leibliche Schwester ist, hat sie doch über Jahre genau diese Rolle in meinem Leben eingenommen.

„Wir sind so was von am Arsch“, kommentiere ich sarkastisch.

Paul grinst schief, hebt seine Flasche und stößt mit mir an. Danach schweigen wir und widmen uns wieder dem Film.

*

Das Schlagen der Haustüre und lautes Poltern reißt uns aus der Handlung. Verblüfft schauen Paul und ich uns an, dann stoppt er den Film.

„Nora?“, ruft Paul.

„Warum muss die Welt eigentlich voller Scheißkerle sein?“, flucht Nora, und lehnt sich mit verschränkten Armen an den Türrahmen. „Ich meine, es reicht ja offenbar nicht, dass ich mich hier zum Affen mache in dieser beschissenen Aufmachung, nein, er knutscht tatsächlich mit mir rum, nur um mir dann zu erzählen, dass es eben nur das ist: Rummachen, ficken wenn ich will. Aber was anderes is‘ nicht, dafür sucht er sich ein anständiges Mädel, das sich nicht an die Kerle ranschmeißt. Das ist doch zum Kotzen!“

Beim letzten Satz ist sie richtig laut geworden, und ich kann sehen, dass sie vor kurzem geweint haben muss, denn ihre Augen sind gerötet und die Wimperntusche ist etwas verlaufen. Paul erhebt sich vom Sofa und geht auf Nora zu, als nähere er sich einem äußerst gereizten Raubtier. Und so ganz Unrecht hat er damit nicht.

„Hey“, sagt er sanft, und streckt die Hand nach ihr aus.

Doch Nora entzieht sich ihm, ihre Unterlippe zittert. Es schmerzt, sie so sehr um Fassung ringen zu sehen.

„Wenn du mich jetzt umarmst, flenne ich hier rum, und darauf hab ich keinen Bock!“, wehrt sie ab.

„Kleines, das ist doch egal. Komm her. Na, komm schon“, lockt Paul, und legt ihr eine Hand auf die Schulter.

Widerstrebend lässt sie sich in eine Umarmung ziehen. Nach kurzem Zögern legt sie ihre Hände in Pauls Kreuz. Ihre Finger verkrallen sich in seinem Shirt, während sie ihr Gesicht an seinem Hals vergräbt. Er wiegt sie sacht hin und her, bis sie sich etwas beruhigt. Es ist ein Anblick, der Sehnsucht in meine Eingeweide schickt. Doch Nora lässt sich nicht allzu lange festhalten, dafür ist sie einfach zu stolz.

Paul streicht ihr über die Arme. „Du bist ganz kalt. Los, setz dich aufs Sofa, ich hol dir was zu trinken. Ich kann dir auch eine heiße Schokolade machen, wenn du magst“, bietet er an.

Sie funkelt ihn entrüstet an, hat aber Schwierigkeiten, ein Lächeln zu unterdrücken. „Ich bin doch...

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