Eins, zwei, drei und du bist frei

Ein Stephanie-Plum-Roman 3
 
 
Goldmann Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 3. Oktober 2011
  • |
  • 352 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-07144-8 (ISBN)
 
Seit sie ihren Job in der Unterwäscheabteilung eines Kaufhauses verloren hat, ist Stephanie Plum, die unerschrockene Lady mit der 38er in der Handtasche, als Kopfgeldjägerin in den Straßen von Trenton, New Jersey, unterwegs. Diesmal sucht sie nach Onkel Mo, dem Eisverkäufer, der zu den beliebtesten Bürgern der Stadt zählt. Obwohl ihm eigentlich nur eine Geldstrafe wegen unerlaubten Waffenbesitzes gedroht hätte, ist Onkel Mo seiner Verhandlung aus unerfindlichen Gründen ferngeblieben. Stephanie ist überzeugt, dass er den Termin schlichtweg vergessen hat - bis ein paar unerfreuliche Unfälle mit tödlichem Ausgang sie eines Besseren belehren...

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Goldmann
  • 0,56 MB
978-3-641-07144-8 (9783641071448)
3641071445 (3641071445)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Janet Evanovich, die mit jedem ihrer Romane in den USA einen Nummer-1-Bestseller landet, stammt aus South River, New Jersey, und lebt heute in New Hampshire. Die Autorin wurde von der Crime Writers Association mit dem »Last Laugh Award« und dem »Silver Dagger« ausgezeichnet und erhielt bereits zweimal den Krimipreis des Verbands der unabhängigen Buchhändler in den USA.

1


Trenton im Januar. Der Himmel war bleigrau, und eisige Kälte hing schwer über Autos und Gehsteigen. Im Büro von Vincent Plum, Kautionsdetektiv, herrschte ein nicht minder frostiges Klima, aber ich schwitzte, nicht weil mir heiß war, sondern vor Aufregung.

»Das kann ich unmöglich machen«, sagte ich zu meinem Vetter. »Ich habe noch nie einen Auftrag abgelehnt, aber den Kerl kann ich unmöglich verhaften. Überlaß Ranger den Kram, oder Barnes.«

»So eine Lappalie kann ich Ranger nicht zumuten«, sagte Vinnie. »Das ist dein Ressort. Meine Güte, jetzt benimm dich endlich mal wie ein Profi. Du bist Kopfgeldjägerin, und das seit geschlagenen fünf Monaten. Was ist denn schon dabei?«

»Es handelt sich um Onkel Mo!« erwiderte ich. »Ich kann Onkel Mo nicht festnehmen. Das würde mir ganz Trenton übelnehmen. Meine Mutter würde mir das übelnehmen. Meine besten Freunde würden mir das übelnehmen.«

Vinnie ließ seinen schlanken, geschmeidigen Körper in den Sessel hinter seinem Schreibtisch fallen und legte den Kopf an die gepolsterte Rückenlehne.

»Mo hat die Kautionsvereinbarung gebrochen und ist nicht vor Gericht erschienen. Er ist flüchtig, der alte Schleimer. Alles andere interessiert mich nicht.«

Ich verdrehte die Augen so weit nach oben in meinem Schädel, daß mir fast schwindelig wurde.

Moses Bedemier, allen bekannt als Onkel Mo, verkauft seit dem 5. Juni 1958 Eiscreme und Süßwaren an Kinder und hat sein Lebtag nichts anderes gemacht. Sein Laden befindet sich am Rand von Burg, einem gemütlichen Eckchen von Trenton, wo engstirnige Menschen auf engstem Raum zusammenleben und noch stolz darauf sind, im allgemeinen aber das Herz auf dem rechten Fleck haben. Ich bin in Burg geboren und aufgewachsen. Meine jetzige Wohnung liegt zwar über einen Kilometer außerhalb, aber ich bin immer noch durch eine unsichtbare Nabelschnur mit Burg verbunden. Ich schlage mich seit Jahren damit herum, aber es ist mir bisher noch nicht gelungen, mich abzunabeln.

Moses Bedemier ist waschechter Burgianer. Er und der Linoleumfußboden in seinem Laden sind in die Jahre gekommen, so daß sie äußerlich etwas angeschlagen wirken und die ursprüngliche Farbe nach über dreißigjähriger Neonbeleuchtung verblaßt ist. Die gelbe Backsteinfassade und das Ladenschild aus Eisenblech über der Tür sind veraltet und verwittert. Das Chrom und Resopal der Stühle und der Ladentheke haben ihren Glanz verloren. Aber das ist alles überhaupt nicht von Bedeutung, denn Onkel Mo ist so etwas wie Burger Urgestein.

Und ich, Stephanie Plum, 60 Kilo Lebendgewicht, eins siebzig groß, braune Haare, blaue Augen, ansonsten Kopfgeldjägerin, hatte soeben den Auftrag erteilt bekommen, den Heiligen Mo im Knast abzuliefern.

»Was hat er denn angestellt?« fragte ich Vinnie. »Wieso hat man ihn überhaupt verhaftet?«

»Er hat sich mit sechzig Stundenkilometern erwischen lassen, bei erlaubten vierzig, von Officer Picky, auch bekannt unter dem Namen Officer Benny Gaspick, frisch von der Polizeischule und noch grün hinter den Ohren. Er hätte nur Mos Mitgliedsausweis vom Polizeiförderverein einzuziehen brauchen und Mo laufen lassen sollen, und die Sache wäre erledigt gewesen.«

»Bei einem Verkehrsdelikt ist keine Kaution erforderlich.«

Vinnie pflanzte einen lackledernen Schnabelschuh auf die Schreibtischkante. Vinnie war sexuell ziemlich gestört, besonders dunkelhäutige junge Männer mit Brustwarzenringen und spitzbrüstige Frauen mit Foltergeräten aus dem 14. Jahrhundert hatten es ihm angetan. Vinnie war Kautionsbürge, was bedeutete, daß er Leuten das Geld für die gerichtlich festgesetzte Kaution lieh. Die Kaution hatte den Zweck, es dem Beschuldigten in finanzieller Hinsicht schwerzumachen, sich einfach abzusetzen. Sobald die Kaution hinterlegt war, wurde der festgehaltene Beschuldigte auf freien Fuß gesetzt, er konnte zu Hause im eigenen Bett schlafen und in Ruhe den Prozeß abwarten. Der Preis für Vinnies Service betrug fünfzehn Prozent der Kautionssumme und wurde nicht rückerstattet, egal wie der Prozeß ausging. Wenn der Kautionsnehmer nicht zum Prozeßtermin erschien, behielt das Gericht Vinnies Geld ein. Es behielt nicht nur die fünfzehn Prozent, es behielt den ganzen Jackpot, Kaution inklusive Prämie. Darüber konnte sich Vinnie jedesmal von neuem aufregen.

Hier kam ich ins Spiel. Ich spürte den Kautionsnehmer auf, der jetzt offiziell als Verbrecher galt, und führte ihn wieder der Justiz zu. Wenn ich den »Nicht vor Gericht Erschienenen«, kurz NVGler, innerhalb einer bestimmten Frist fand, erstattete das Gericht Vinnie das Geld. Ich strich für die Ergreifung des Geflüchteten zehn Prozent der Kautionssumme ein, und Vinnie blieben die restlichen fünf Prozent Gewinn.

Ursprünglich hatte ich den Job aus reiner Verzweiflung angenommen, nachdem mir nämlich - unverschuldet - meine Stelle als Dessouseinkäuferin bei E. E. Martin gekündigt worden war. Die Alternative zur Arbeitslosigkeit wäre ein Job als Einrichterin der Verpackungsmaschine in der Tamponfabrik gewesen. Eine verantwortungsvolle Tätigkeit, aber auch nicht gerade die reinste Wonne.

Ich wußte selbst nicht genau, warum ich für Vinnie arbeitete. Wahrscheinlich hatte es etwas mit der Berufsbezeichnung zu tun. Kopfgeldjägerin. Das verlieh einem ein gewisses Ansehen. Jedenfalls brauchte man keine Strumpfhosen zu tragen. Das kam mir entgegen.

Vinnie grinste dreckig. Er hatte seinen Spaß an der Geschichte. »In seinem maßlosen Drang, den Orden für den unbeliebtesten Bullen des Jahres verliehen zu bekommen, hält Gaspick dem armen Mo eine Strafpredigt über Sicherheit im Straßenverkehr. Währenddessen rutscht Mo immer tiefer in den Fahrersitz, und Gaspick sieht plötzlich eine Fünfundvierziger in Mos Jackentasche stecken.«

»Und kriegt Mo wegen verdeckten Mitführens einer Waffe dran«, sagte ich.

»Erraten.«

Verdecktes Mitführen einer Waffe war in Trenton nicht gerne gesehen. Mit Waffenscheinen ging man sparsam um, sie wurden höchstens an Juweliere, Richter und an Geldboten ausgegeben. Verdecktes Mitführen einer Waffe galt, wenn man sich erwischen ließ, als unerlaubter Waffenbesitz und damit als Straftat. Die Waffe wurde beschlagnahmt, eine Kaution wurde festgesetzt, und der Waffenhalter war der Angeschissene.

Natürlich hielt das einen beträchtlichen Teil der Einwohnerschaft von Jersey nicht davon ab, heimlich Waffen zu tragen. Waffen kaufte man in Bubba's Gun Shop, erbte sie von Verwandten, reichte sie unter Nachbarn und Freunden weiter und erwarb sie aus zweiter, dritter und vierter Hand von Zivilisten, die es mit den Feinheiten des Waffengesetzes nicht so genau nahmen. Die Gesetze der Logik besagten: Wenn der Staat mir erlaubt, eine Waffe zu besitzen, dann darf ich sie auch bei mir tragen und in die Tasche stecken. Wozu besorgt man sich sonst eine Waffe, wenn man das Ding nicht auch tragen darf? Und wenn es verboten ist, eine Waffe in die Tasche zu stecken, dann ist das Gesetz blöd. Und blöde Gesetze brauchen wir uns in Jersey nicht gefallen zu lassen.

Von mir war sogar allgemein bekannt, daß ich gelegentlich heimlich eine Waffe mit mir führte. Und noch während wir uns unterhielten, sah ich Vinnies Enkelholster den Aufschlag seiner Kunstfaserhose ausbeulen. Das war nicht nur verdecktes Mitführen einer Waffe, ich wäre auch jede Wette eingegangen, daß die Waffe nicht registriert war.

»Das ist doch kein Schwerverbrechen«, sagte ich zu Vinnie. »Noch lange kein Grund, nicht vor Gericht zu erscheinen.«

»Wahrscheinlich hat Mo seinen Gerichtstermin einfach vergessen«, sagte Vinnie. »Und du brauchst ihn nur daran zu erinnern. «

Ein tröstlicher Gedanke. Halt dich daran fest, redete ich mir zu. Vielleicht war es ja wirklich nur eine Lappalie. Es war zehn Uhr. Ich konnte gemütlich zu Mos Süßwarenladen rüberfahren und mit ihm reden. Je mehr ich darüber nachdachte, desto klarer wurde mir, daß meine Aufregung völlig unbegründet war. Mo hatte kein Motiv, nicht vor Gericht zu erscheinen.

Ich machte die Tür hinter mir zu, als ich aus Vinnies Büro trat, und versuchte, Connie Rosolli aus dem Weg zu gehen. Connie war Büroleiterin und gleichzeitig Vinnies Wachhund. Sie brachte Vinnie soviel Hochachtung entgegen, wie man sie normalerweise für Schleimhäuter übrig hat, aber sie arbeitete seit Jahren für Vinnie und hatte akzeptiert, daß sogar Schleimhäuter Teil der göttlichen Schöpfung sind.

Connie hatte einen fuchsroten Lippenstift aufgelegt, dazu passenden Nagellack, und trug eine weiße Bluse mit großen schwarzen Punkten. Der Nagellack war wirklich Klasse, aber die Bluse schickte sich nicht für eine Person, deren Körpergewicht zu sechzig Prozent von den Brüsten eingenommen wurde. Gut, daß die Modepolizei in Trenton nicht Streife fuhr.

»Du hast den Auftrag doch nicht etwa angenommen, oder?« fragte sie. Der Tonfall besagte, daß nur ein Dreckschwein dazu fähig wäre, so jemandem wie Onkel Mo auch nur ein Haar zu krümmen.

Es war nicht böse gemeint. Ich wußte, aus welchem Stall sie kam. Wir funkten auf gleicher Wellenlänge. »Mal ein Wörtchen mit Onkel Mo zu reden? Doch. Ich werde mal ein Wörtchen mit Onkel Mo reden.«

Connie zog in aufrechter Empörung die schwarzen Augenbrauen zusammen. »Der Bulle hatte kein Recht, Onkel Mo zu verhaften. Jeder weiß, daß Onkel Mo keiner Fliege was zuleide tun könnte.«

»Er hatte eine Waffe dabei.«

»Seit wann ist das ein Verbrechen?« sagte Connie.

»Seit es ein Verbrechen ist. Basta!«

Lula schaute von ihren Akten auf. »Was soll eigentlich das ewige Gerede von diesem Onkel Mo?«

Lula war eine ehemalige Prostituierte, die jetzt die Aktenablage machte. Sie hatte gerade an einem »Machen Sie das Beste aus Ihrem...

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