Spinnenzeit

Elemental Assassin 10
 
 
Piper (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. August 2018
  • |
  • 416 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-99088-2 (ISBN)
 
Was bewegt wohl eine junge Frau, ihre magischen Talente zu nutzen, um zur gefürchteten Killerin zu werden? Wenn Sie sich das auch schon gefragt haben, haben Sie wahrscheinlich die ersten neun Bände der »Elemental Assassin«-Reihe gelesen - und erhalten nun endlich Antworten. »Spinnenzeit. Elemental Assassin 10« bringt Licht in die mysteriöse Vergangenheit der »Spinne« Gin Blanco und erläutert die tragischen Umstände, die aus Gin eine begnadete Auftragsmörderin machten. Für alle Estep-Fans ein Muss, und zugleich der perfekte Einstieg für Neuleser.
  • Deutsch
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Piper ebooks in Piper Verlag
  • 0,64 MB
978-3-492-99088-2 (9783492990882)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Jennifer Estep ist SPIEGEL-Bestsellerautorin und lebt in Tennessee. Sie schloss ihr Studium mit einem Bachelor in Englischer Literatur und Journalismus und einem Master in Professional Communications ab. Bei Piper erscheinen ihre Young-Adult-Serien um die »Mythos Academy«, »Mythos Academy Colorado« und »Black Blade« sowie die Urban-Fantasy-Reihen »Elemental Assassin« und »Bigtime«.

2


Meine Zielperson sah mich nicht mal kommen.

Anscheinend hatte der Kerl vollkommen vergessen, dass ich genauso durchtrieben war wie er und sogar noch skrupelloser. Er hielt sich für so klug, so clever, so sicher, wie er da in seinem kleinen Scharfschützennest auf den Felsen thronte, dass er die wichtigste Regel vergaß: Pass immer zuerst auf dich selbst auf!

Er hatte eine tolle Stelle für seinen Hinterhalt ausgesucht: den höchsten Punkt in diesem Teil des alten Steinbruchs von Ashland, von wo aus er gute fünfhundert Meter in jede Richtung sehen konnte. Die Felsen ragten hoch auf, bevor sie sich zu einem breiten Vorsprung erweiterten, fast wie bei einem Baumstamm, der erst nach oben wächst und aus dem dann ein langer, dicker, stabiler Ast hervorragt. Ein paar kleine Kiefern und Rhododendron-Büsche hatten es irgendwie geschafft, sich mit den Wurzeln im Fels zu verankern, was meiner Zielperson sogar noch mehr Deckung verschaffte. Er hatte sich auch gut getarnt. Sein graues T-Shirt und die kakifarbene Hose verschmolzen mit den gedämpften Farben der Steine und Blätter. Hätte ich nicht gewusst, dass er dort draußen war, um mich zu jagen, hätte ich ihn vielleicht nie entdeckt.

Aber das hatte ich - und jetzt würde er seinen Fehler teuer bezahlen.

Seine Position ließ vermuten, dass er sein Hauptaugenmerk auf den Eingang des Steinbruchs richtete, wo sich ein hohes Eisentor erhob, in dem allerdings mehr als nur ein paar Stäbe fehlten - wie Zähne, die aus einem Metallmaul geschlagen worden waren. Obwohl ich mich gute dreihundert Meter vom Tor entfernt aufhielt, konnte ich trotzdem hören, wie das rostige Schild an den Stäben im Wind quietschte. Hin und wieder erhaschte ich einen Blick auf die verblassten Worte auf dem Schild: Betreten auf eigene Gefahr.

Ziemlich passend, da der Mann auf dem Vorsprung geschickt worden war, um mich kaltzumachen. Aber stattdessen würde ich ihn überlisten. Meine Quelle hatte mir verraten, dass der Scharfschütze irgendwo im Steinbruch lauerte, also war ich nicht durch den Eingang geschlendert, wie er erwartete, sondern hatte mich dem Gelände über einen kaum benutzten Forstweg genähert - denselben Weg, den Bria und ich immer entlanggelaufen waren, als wir noch Kinder waren und im Steinbruch spielen wollten.

Mein Herz verkrampfte sich beim Gedanken an meine tote kleine Schwester mit ihren großen, blauen Augen, den rosigen Wangen und dem Schopf voller wippender, blonder Locken. Doch ich verdrängte den Gedanken aus meinem Kopf, zusammen mit der Wut, der Trauer und der Hilflosigkeit, die unweigerlich dazugehörten.

Ich war nicht mehr hilflos. Und ich war heute hier, um meinen Feind zu besiegen, nicht um meine Zeit damit zu vertun, Dinge zu bedauern, die sich nicht mehr ändern ließen.

Es hatte mich fast eine halbe Stunde gekostet, die Position des Scharfschützen ausfindig zu machen, doch ich hatte mich von Felsbrocken zu Felsbrocken geschlichen, von einer Seite des Steinbruchs zur anderen, bis ich ihn aufgespürt hatte. Jetzt musste ich nur noch nah genug an ihn herankommen, um zuzuschlagen. Wäre er hier unten gewesen, hätte ich die Sache längst durchgezogen, doch er hatte entschieden, die Sache zu verkomplizieren.

Also war alles wie immer.

Leicht verärgert starrte ich an der Felswand nach oben. Der Scharfschütze blieb, wo er war, versteckt in den Schatten der Büsche. Der schwarze Lauf seines Gewehrs ragte nur ein kleines Stück über die Felsen hinaus. Ich kauerte rechts unter ihm auf einem Vorsprung, also konnte er mich nicht sehen, außer er hob den Kopf und sah gezielt nach unten.

Er würde mich nicht sehen - bis es zu spät war.

Aber es gab etwas, was ich noch tun musste, bevor ich mich diesem Fiesling näherte, also legte ich eine Hand auf einen Gesteinsbrocken neben mir und rief meine Magie.

Überall um mich herum flüsterten mir die Steine ihre Geschichte zu. Sie erzählten von allem, was ihnen geschehen war; von allem, was Leute über die Jahre auf und um sie herum getan hatten. Als Steinelementar konnte ich diese Vibrationen nicht nur wahrnehmen, sondern auch deuten.

Die Felsen des Steinbruchs grummelten über all die Gewalt, die man ihnen mit Sprengstoff, Spitzhacken und Bohrern angetan hatte, um sie zu zwingen, ihre kostbaren Edelsteine, Erze und Mineralien preiszugeben, bis sie nur noch aus diesen leeren, bröckelnden Hüllen bestanden. Doch es gab auch sanfteres Murmeln, das von der Erleichterung der Steine sprach, dass die Sommersonne langsam hinter den Bergen im Westen versank und die brennende Hitze endlich nachließ.

Ich streckte meine Magie aus, versank tiefer im Fels und lauschte auf jeglichen Hinweis auf Sorge, Aufregung oder Gefahr.

Doch ich spürte keinerlei böse Absichten in den sonnenverbrannten Steinen, sondern empfand nur ihr Verlangen, in Ruhe gelassen zu werden, und hörte ihr schlecht gelauntes Brummen über das Wetter, das sie Stück für Stück erodierte. Inzwischen besuchten nur noch wenige Leute diesen Ort . nur ab und zu ein Obdachloser, der nach einem Unterschlupf suchte, oder Leute, die mit kleinen Hacken in den gezackten Felsen nach übersehenen Edelsteinen oder Erzen suchten.

Davon überzeugt, dass der Scharfschütze allein war, zog ich meine Hand zurück.

Seine Position oben auf dem Felsgrat mochte ihm einen hervorragenden Blick auf den Eingang verschaffen, doch er konnte nicht sehen, was direkt unter ihm geschah. Also bemerkte er nicht, wie ich von einem Steinbrocken zum nächsten huschte, bis ich mich in seinen Rücken geschlichen hatte.

Mit der Hand schirmte ich meine Augen gegen die grelle Sonne ab und starrte an der Felswand nach oben. Sie erhob sich vielleicht dreihundert Meter in die Höhe und war vom starken Wind geglättet. Doch hier und dort gab es Vorsprünge und kleine Risse, die Halt bieten konnten. Wieder stieg Verärgerung in mir auf. Ich wollte meinen Feind ausschalten und die Sache hinter mich bringen. Doch mein Mentor glaubte fest an das alte Sprichwort: Alles kommt zu dem von selbst, der warten kann. Ich hingegen war der Meinung, dass einen entschlossene Tatkraft weiter brachte als Abwarten und Teetrinken.

Also trat ich an die Felswand heran und legte erneut meine Hand auf den Stein, um zu lauschen. Doch auch jetzt hörte ich nichts als das klagende Murmeln über die heiße Sonne und die Gewalt, die man dem Element angetan hatte. Ich schloss meine Finger um einen Vorsprung und spürte, wie die scharfen Kanten sich in meine Handfläche bohrten, dann hängte ich mein Gewicht daran, um mich davon zu überzeugen, dass der Fels hielt und nicht einfach zu Staub zerfallen würde.

Natürlich hätte ich meine Magie einsetzen können, um mir den Aufstieg zu erleichtern - meine Eismagie. Ich gehörte zu den seltenen Elementaren, die neben ihrer ersten Macht - der Steinmagie - eine weitere Begabung hatten: Eis, in meinem Fall, auch wenn diese Gabe schwächer ausgeprägt war als meine Steinmagie. Trotzdem hätte ich ein paar kleine Eismesser erzeugen können, um sie in die Spalten zu graben und auf diese Weise an der Felswand nach oben zu klettern.

Doch ich entschied mich dagegen. Der Scharfschütze besaß keine Magie, also würde er nicht spüren, wie ich meine Magie einsetzte, wie es vielleicht bei einem anderen Elementar der Fall gewesen wäre. Doch er war ohne Magie nach dort oben gelangt. Also würde ich das auch schaffen. Außerdem setzte ich meine Magie ungern ein, wenn es nicht absolut nötig war. Ich wollte nicht, dass sie zu einer Krücke wurde, ohne die ich nicht mehr klarkam.

Das konnte ich mir nicht leisten - nicht als die Spinne.

Ich wäre gern so schnell wie möglich an den Felsen nach oben geklettert, doch das hätte viel zu viel Lärm erzeugt. Ich war entschlossen, meinen Sieg nicht so einfach zu vergeben. Also erklomm ich langsam, vorsichtig und leise die Wand, zog mich von einem Halt zum nächsten, um mich langsam an dem steilen Hindernis nach oben zu arbeiten. Es war nach acht Uhr abends und auch wenn die Sonne nicht mehr direkt über unseren Köpfen stand, schimmerte die Luft im Steinbruch immer noch vor Hitze und waberte in schwülen Wellen um mich herum. Es war fast August, der heißeste Monat in Ashland, doch dieses Jahr schien die Hitze besonders unerträglich. Die Felsen lagen angenehm warm unter meinen Händen, während kleine Einschlüsse von weißem und rosafarbenem Quarz unter meinen Fingern wie fahle Diamanten glitzerten. Vielleicht würde ich, sobald ich den Scharfschützen ausgeschaltet hatte, mit meiner eigenen Spitzhacke zurückkehren und mal schauen, ob ich nicht auch einen Edelstein finden konnte.

Ich erreichte die obere Kante der Felswand, wo ich mich für einen Augenblick festklammerte, wie eine Spinne, die in einem Netz aus Stein hängt. Dann, immer noch so leise wie möglich, zog ich mich langsam nach oben, sodass ich über die Kante spähen konnte, um herauszufinden, was der Scharfschütze tat; ob er meine Annäherung gehört und sein Gewehr in meine Richtung gedreht hatte, bereit, mir in dem Moment, in dem er mich sah, drei Kugeln ins rechte Auge zu jagen.

Der Scharfschütze lag da wie zuvor. Er hatte nicht bemerkt, dass er Gesellschaft hatte.

Eine weitere Regel, die er vergessen hatte: Arroganz wird dich erledigen, jedes einzelne Mal.

Er wandte mir den Rücken zu und lag flach auf dem Bauch, den Gewehrlauf in Richtung des Steinbruchs gerichtet, in derselben Position, in der ich ihn entdeckt hatte. Tatsächlich sah es aus, als hätte er sich während meines gesamten Aufstiegs keinen Zentimeter bewegt. Sein rechtes Auge schwebte direkt vor dem Zielfernrohr und sein Körper lag vollkommen still, während er darauf wartete, dass ich in sein Blickfeld trat. Schön...

»Ein Band, der die Reihe bereichert und gerade für absolute Fans und Neueinsteiger perfekt ist.«, annasalvatoresbuchblog.blogspot.com, 26.09.2018
 
»Ein absolutes Highlight.«, angeltearz-liest.de, 10.10.2018
 
»Absolut grandios!«, lovin-books.de, 18.09.2018

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