Spinnenfieber

Elemental Assassin 4
 
 
Piper (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 8. Juni 2015
  • |
  • 400 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-96941-3 (ISBN)
 
Gin kennt sich mit Messern besser aus als mit Gefühlen. Dass nun ausgerechnet sie bei Geschäfttsmann Owen Grayson Schmetterlinge im Bauch hat wie ein pubertierender Teenager, hätte sie sich nie träumen lassen. Aber es ist eben nichts heißer als ein Mann, der sie so nimmt, wie sie ist - inklusive ihrer Vergangenheit, die immerhin dazu geführt hat, dass sie ziemlich mächtige Feinde hat. Und die haben es mal wieder auf Gin abgesehen. Nur haben sie diesmal eine Killerin angeheuert, die Gin das Wasser reichen kann.
  • Deutsch
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  • Deutschland
Piper ebooks in Piper Verlag
  • 0,57 MB
978-3-492-96941-3 (9783492969413)
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Jennifer Estep ist SPIEGEL-Bestsellerautorin und lebt in Tennessee. Sie schloss ihr Studium mit einem Bachelor in Englischer Literatur und Journalismus und einem Master in Professional Communications ab. Bei Piper erscheinen ihre Young-Adult-Serien um die »Mythos Academy«, »Mythos Academy Colorado« und »Black Blade« sowie die Urban-Fantasy-Reihen »Elemental Assassin« und »Bigtime«.

1

»Wirst du diesen Kerl jetzt umbringen? Oder wollen wir die ganze Nacht hier herumsitzen?«

»Geduld, Finn«, murmelte ich. »Wir sitzen erst seit einer Stunde im Auto.«

»Die längste Stunde meines Lebens«, seufzte er.

Ich sah mit hochgezogenen Augenbrauen zu Finnegan Lane, meinem Komplizen für den Abend. Eigentlich für die meisten Abende. Es war kurz nach zehn Uhr, ein paar Tage vor Weihnachten, und wir saßen auf den dunklen Sitzen von Finns schwarzem Cadillac Escalade. Er hatte den Wagen vor einer Stunde in einer abgelegenen Gasse geparkt, die uns einen guten Ausblick über die Docks am Aneirin ermöglichte. Seitdem saßen wir hier - und Finn meckerte nonstop.

Er rutschte auf seinem Sitz herum, während ich ihn musterte. Der Wollstoff seines dicken Mantels betonte seine breiten Schultern, auch wenn eine schwarze Wollmütze die walnussfarbenen Haare verbarg. Seine Augen zeigten selbst im Halbdunkel ein leuchtendes Grün, und es gelang den Schatten nicht, die Attraktivität seines kantigen Gesichts zu verhüllen.

Die meisten Frauen wären froh gewesen, so nah bei Finnegan Lane zu sein. Dank seines strahlenden Lächelns und seines natürlichen Charmes hätte er die meisten von ihnen bereits auf dem Rücksitz gehabt, mit aufgeknöpfter Bluse und gespreizten Beinen, während die Fenster des Autos beschlugen und der Wagen rhythmisch wackelte.

Nur gut, dass ich nicht die meisten Frauen war.

»Komm schon, Gin«, jammerte Finn wieder. »Zieh los, ramm ein paar von deinen Messern in den Kerl und hinterlass Mab deine Rune, damit wir hier verschwinden können.«

Ich starrte durch die Windschutzscheibe. Auf der anderen Seite der Straße fuhr der Kerl, den Finn meinte, im Licht einer Straßenlaterne damit fort, hölzerne Kisten von dem kleinen Schleppkahn abzuladen, mit dem er vor ungefähr einer Dreiviertelstunde ans Dock gefahren war. Selbst aus der Entfernung konnte ich hören, wie die verwitterten Holzbohlen unter dem Gewicht ächzten, während der Fluss unter ihnen hindurchfloss.

Der Mann war ein Zwerg - klein, untersetzt, breit gebaut, stark - und trug schwarze Kleidung, die fast der entsprach, die Finn und ich auch anhatten. Jeans, Stiefel, Pulli, Jacke. Die Art von anonymem Outfit, das man anlegte, wenn man in der Nacht herumschleichen wollte, besonders in der rauen Gegend von Southtown. Und ganz sicher dann, wenn man verhindern wollte, dass jemand anderes mitbekam, was man so trieb. Oder wenn man vorhatte, jemanden umzubringen, wie es bei mir heute Nacht der Fall war. Das galt eigentlich für die meisten Nächte.

Ich rieb mit dem Daumen über den Knauf des Steinsilber-Messers, das ich in der rechten Hand hielt. Das Metall glänzte im spärlichen Licht des Wageninneren nur schwach. Das kühle Gewicht der Waffe übte wie immer eine beruhigende Wirkung auf mich aus. Der Griff berührte leicht die Spinnenrunen-Narbe in meiner Handfläche.

Es wäre nur zu leicht gewesen, Finns Gequengel nachzugeben, aus dem Auto zu gleiten, die Straße zu überqueren, mich hinter den Zwerg zu schleichen, ihm die Kehle durchzuschneiden und seine Leiche vom Dock in den kalten Fluss darunter zu werfen. Wahrscheinlich würde ich mir nicht mal die Kleidung mit Blut besudeln, wenn ich den richtigen Winkel erwischte.

Denn das war es, was Profikiller taten. Das war es, was ich tat. Ich. Gin Blanco. Die Auftragsmörderin, die als »Die Spinne« bekannt war, eine der besten in meiner Branche.

Doch ich stieg nicht aus dem Wagen, wie Finn es wollte. Stattdessen seufzte ich. »Er scheint kaum die Mühe wert zu sein. Er ist ein Lakai, genau wie alle anderen, die ich in den letzten zwei Wochen getötet habe. Mab wird für seinen Job jemand anderen angeheuert haben, noch bevor sie seinen Leichnam aus dem Fluss ziehen.«

»Hey, du warst diejenige, die beschlossen hat, Mab Monroe den Krieg zu erklären«, stellte Finn klar. »Korrigier mich, wenn ich falschliege, aber ich hatte das Gefühl, dass du sogar recht scharf darauf bist, dich langsam in der Nahrungskette nach oben zu morden, bis du die Schlampe schließlich selbst ins Visier nimmst. Du hast gesagt, das würde dir Spaß machen.«

Jetzt war es an mir, zu nörgeln. »Das war vor sechs Morden. Inzwischen sehne ich mich nur noch danach, Mab umzubringen und damit jedem in Ashland ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk zu präsentieren, mir selbst eingeschlossen.«

Doch Finn hatte recht. Vor ein paar Wochen hatte eine Folge von Ereignissen dafür gesorgt, dass ich Mab offiziell den Krieg erklärt hatte, und jetzt musste ich mich mit den Folgen auseinandersetzen - und der damit einhergehenden Langeweile.

Mab Monroe war die Feuermagierin, die unsere Südstaatenstadt Ashland regierte wie ihr eigenes kleines Königreich. Für die meisten Leute war sie der Inbegriff der Tugend, eine Feuermagierin, die ihre Magie, geschäftlichen Verbindungen und ihr Geld einsetzte, um Wohltätigkeitsprojekte in der gesamten Stadt zu unterstützen. Doch diejenigen, die auf der Schattenseite des Lebens standen, wussten genau, was Mab wirklich war - die Chefin eines mafiaähnlichen Reiches, das von Glücksspiel über Drogen bis hin zu Prostitution und Entführungen alles Übel einschloss. Mord, Schutzgeld, Folter, Erpressung, Prügelattacken. Mab konnte all das und noch mehr quasi aus dem Stegreif befehlen. Die Feuermagierin war so wohlhabend, so mächtig, so stark in ihrer Magie, dass niemand es wagte, sich gegen sie aufzulehnen.

Na ja. Von mir mal abgesehen.

Ich hatte einen besonderen Grund, Mab zu hassen - sie hatte meine Mutter und meine ältere Schwester ermordet, als ich gerade mal dreizehn Jahre alt gewesen war. Und sie hatte vorgehabt, dasselbe auch mir und meiner kleinen Schwester Bria anzutun. Doch an diesem schicksalhaften Abend vor so langer Zeit hatte Mab zuerst mich eingefangen und gefoltert, bevor sie ihr eigentliches Ziel, meine Schwester, gefunden hatte. So war ich an die beiden Narben auf meinen Handflächen gekommen.

Ich rieb mit dem Knauf erst über die eine Narbe in meiner Hand, dann über die andere. Ein kleiner Kreis, umgeben von acht dünnen Strahlen, war in jede meiner Hände gebrannt. Eine Spinnenrune. Das Symbol für Geduld. Mein Name als Auftragskillerin. Und eine Rune, der Mab inzwischen überall begegnete, wo sie hinging.

In den letzten zwei Wochen hatte ich Mabs Männer verfolgt, hatte ihr Unternehmen ausgekundschaftet und herausgefunden, in welche illegalen Geschäfte sie verwickelt war. Ich hatte ein paar ihrer Handlanger erledigt, wann immer ich sie dabei erwischte, wie sie Dinge taten, die sie nicht tun sollten, oder Leuten Schmerzen zufügten, die keinen Schmerz verdient hatten. Eine kurze Drehung meines Messers, ein Herabsausen meiner Klinge, und Mab Monroe besaß einen Soldaten weniger in ihrer kleinen Armee des Grauens.

Es war nicht schwer gewesen, ihre Handlanger zu töten, zumindest nicht für mich. Ich hatte die letzten siebzehn Jahre meines Lebens als Auftragsmörderin verbracht, abgesehen von ein paar Monaten, in denen ich mich im Ruhestand gewähnt hatte. Manche Fähigkeiten verlor man einfach nie.

Früher hatte ich nichts zurückgelassen, wenn ich jemanden umgebracht hatte. Keine Fingerabdrücke, keine Waffe, keine DNS. Doch bei Mabs Männern dekorierte ich den Tatort jedes Mal mit dem Symbol meiner Spinnenrune, ganz nah neben der Leiche. Um Mab zu verhöhnen. Um Mab wissen zu lassen, wer ihre Pläne durchkreuzte und dass ich entschlossen war, ihr Reich zu zerstören und einen nach dem anderen abzumurksen, wenn es denn nötig war.

Deswegen saßen Finn und ich jetzt hier im Dunkeln an den Docks, in diesem gefährlichen Viertel von Southtown. Finn hatte von einer seiner Quellen den Tipp bekommen, dass Mab eine Ladung Drogen und anderes illegales Zeug in Ashland erwartete. Also hatte ich beschlossen, hierherzukommen und mal zu sehen, was ich tun konnte, um einen weiteren von Mabs Plänen zu vereiteln, ihr eine lange Nase zu drehen und sie auf die Palme zu bringen.

»Komm schon, Gin«, sagte Finn und unterbrach damit meine Gedanken. »Komm in die Gänge! Der Kerl ist allein. Hätte er einen Partner, hätten wir ihn bereits entdeckt.«

Ich musterte den Zwerg, der inzwischen mit dem Entladen des Kahns fertig war und begonnen hatte, die Kisten zu einem Lieferwagen am Ende des Docks zu schleppen.

»Ich weiß«, sagte ich. »Doch irgendwas stimmt einfach nicht.«

»Klar«, murmelte Finn. »Nämlich dass ich meine Füße nicht mehr spüren kann und du mir nicht erlaubst, die Heizung anzuschalten.«

»Trink deinen Kaffee. Dann fühlst du dich besser. So ist es doch immer.«

Zum ersten Mal am heutigen Abend erhellte ein breites Grinsen Finns Gesicht. »Das halte ich für eine hervorragende Idee.«

Er griff nach hinten und fischte eine große silberne Thermoskanne aus dem Fußraum des Rücksitzes. Er drehte den Deckel ab, und der Duft seines Malzkaffees erfüllte den Wagen. Dieser Geruch erinnerte mich immer an seinen Vater, Fletcher Lane. Er war mein Mentor gewesen, derjenige, der mir alles darüber beigebracht hatte, was es bedeutete, eine Profikillerin zu sein. Der alte Mann hatte dieselbe Plörre getrunken wie sein Sohn, bis er vor einigen Monaten ermordet worden war. Ich lächelte bei der Erinnerung an ihn und wegen der Wärme, die sich dabei in meiner Brust ausbreitete.

Während Finn seinen Kaffee trank, beobachtete ich weiter das Geschehen vor mir. Alles schien ruhig, kalt, dunkel. Doch ich konnte das Gefühl nicht abschütteln, dass hier etwas faul war. Dass diese ganze Szenerie irgendwie falsch aussah. Fletcher hatte mir immer erklärt, dass es nie verkehrt war, wenn man ein paar Minuten länger wartete. Dieser Ratschlag hatte mich ein ums andere Mal am Leben gehalten, und...

»Lange habe ich dem Erscheinen von >Spinnenfieber< entgegen gefiebert. Und viel zu schnell ist es nun wieder vorbei und die Warterei beginnt von vorne. Was schreibt Frau Estep aber auch solche Bücher, die man einfach nicht mehr aus der Hand legen kann bis die letzte Seite gelesen ist.«, katesleselounge.de
 
»Mit der ganz eigenen Element-Magie hat die Autorin sich von der Konkurrenz abgehoben und beweist vorliegend einmal mehr, dasss sie mit dieser Serie zu dem Besten zählt, was derzeit im Genre der actionreichen Urban-Fantasy erscheint - Piper hat hier einen absoluten Treffer gelandet.«, phantastik-news

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