Black Blade

Das eisige Feuer der Magie
 
 
Piper (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 5. Oktober 2015
  • |
  • 368 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-97113-3 (ISBN)
 
Die 17-jährige Lila Merriweather verfügt über außergewöhnliche Talente. Sobald sie einem Menschen in die Augen blickt, kann sie in dessen Seele lesen. Zudem beherrscht die Waise sogenannte Übertragungsmagie - jede auf sie gerichtete Magie macht sie stärker. Doch Lila hält ihre magischen Fähigkeiten geheim, denn sie hat einen nicht ganz ungefährlichen Nebenjob: Sie ist eine begnadete Auftragsdiebin. Das Leben der freiheitsliebenden jungen Frau gerät allerdings aus den Fugen, als sie eines Tages den Sohn eines mächtigen magischen Familienclans vor einem Anschlag rettet und prompt als dessen neue Leibwächterin engagiert wird. Plötzlich muss sich Lila in der magischen Schickeria der Stadt zurechtfinden, wo Geheimnisse und Gefahren an jeder Ecke auf sie warten - ebenso wie ihre große Liebe.
  • Deutsch
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Piper ebooks in Piper Verlag
  • 2,86 MB
978-3-492-97113-3 (9783492971133)
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Jennifer Estep ist SPIEGEL-Bestsellerautorin und lebt in Tennessee. Sie schloss ihr Studium mit einem Bachelor in Englischer Literatur und Journalismus und einem Master in Professional Communications ab. Bei Piper erscheinen ihre Young-Adult-Serien um die »Mythos Academy«, »Mythos Academy Colorado« und »Black Blade« sowie die Urban-Fantasy-Reihen »Elemental Assassin« und »Bigtime«.

2

Zehn Minuten später bog ich ab und hielt auf ein großes Ziegelgebäude zu. Ein verblasstes Schild auf dem Rasen wies es als Bibliothek von Cloudburst Falls - Filiale West aus. Auf diesem Schild war keine hübsche Burg abgebildet, nur ein einfacher Bücherstapel. Wie alles andere in dieser Gegend hatten auch das Schild und die Bibliothek schon bessere Zeiten gesehen.

Ich schob mein Schwert wieder in die Scheide, dann hob ich die Hand und zog zwei dünne Stäbe aus den Resten meines Pferdeschwanzes. Sie sahen aus wie zwei schwarze Haarstäbe, doch eine schnelle Drehung gab den Blick auf die Dietriche frei, die sich darin versteckten.

Ich benutzte die Dietriche, um eine Seitentür zu öffnen, dann glitt ich ins Gebäude. Der Innenraum war dunkel, doch das störte mich nicht. Selbst wenn ich mein Talent für Sicht nicht gehabt hätte, wäre es mir trotzdem möglich gewesen, mich sicher zwischen den Regalen zu bewegen. Meine Mom hatte mich früher im Sommer jeden Samstag hergebracht. Ich hatte mir schon vor langer Zeit jeden Zentimeter der Bibliothek eingeprägt, von den winzigen Stühlen und Tischen in der Kinderabteilung über die Bilder und Sprüche, die jemand in die Regale mit der Jugendliteratur geritzt hatte, bis hin zu den Ausleihtresen mit ihren veralteten Computern.

Ich wanderte durch die Regalreihen, bis ich eine Tür erreichte, die zu einem Lagerraum voller Papierhandtücher und Putzmittel führte. Hier standen auch Kisten mit alten Büchern herum, die niemand mehr lesen wollte. Ich schob mich an den Kisten vorbei in den hinteren Teil des Raums, wo sich eine weitere Tür befand.

Auch dieses Schloss knackte ich, dann verschloss ich die Tür wieder hinter mir. Inzwischen war ich so tief in die Bibliothek vorgedrungen, dass keinerlei Licht mehr hereinkam. Doch hier gab es nichts, was mich verletzen konnte, also wanderte ich durch einen weiteren Raum voller vergessener Bücher, bevor ich über eine Treppe in den Keller stieg.

Dort ging ich noch ein Stück, zog meine Handschuhe aus und ließ die Finger über die Lampe mit dem Berührungssensor gleiten, die Mo mir geschenkt hatte, als ich vor ungefähr vier Jahren hier eingezogen war. Sanftes, weißes Licht erhellte den Kellerraum und gab den Blick frei auf einen winzigen Kühlschrank, mehrere alte Koffer voller Kleidung, einen weiteren Koffer, der mit den verschiedensten Waffen gefüllt war, und ein Metallregal voller Bücher, Fotos und anderer Erinnerungsstücke. In einer Ecke stand ein Klappbett, von dem eine blaue Wolldecke so herunterhing, wie ich sie heute Morgen zur Seite geworfen hatte.

Trautes Heim, Glück allein.

Ich löste den schwarzen Ledergürtel mit der Schwertscheide von meiner Hüfte und stellte die Klinge neben das Bett. Dann schlüpfte ich aus meinem Mantel und warf ihn auf die Decke, bevor ich mein Handy herauszog und Mo eine SMS schrieb.

Habe sie. Bin jetzt zu Hause.

Kaum eine Minute später piepte mein Handy, als hätte er auf mich gewartet. Ich schnaubte. Wahrscheinlich hatte Mo einfach nur sicherstellen wollen, dass ich auch bekam, was er haben wollte. Eventuell hatte er das Handy sogar über diese dämliche App geortet, die er auf meinem Telefon installiert hatte, damit er sicher sein konnte, dass ich es wieder in die Bibliothek zurückschaffte.

Gut. Sehen uns morgen. *Nach* der Schule!

Ich verdrehte die Augen. Aus irgendeinem Grund war Mo davon überzeugt, dass der Schulbesuch irgendwie mein nächtliches Leben voller Diebstahl und Plünderung ausgleichen konnte. Das wäre schön.

Ich hängte mein Handy ans Ladekabel. Dann zog ich die schwarze Samtschatulle aus der Manteltasche, öffnete den Deckel und zog die Kette heraus.

»Heul dir die Augen aus, Robin Hood«, murmelte ich. »Lila Merriweather hat wieder zugeschlagen.«

Ich bewunderte einen Moment lang das feurige Glitzern der Rubine, bevor ich die Kette vor ein gerahmtes Foto hielt, das auf dem kleinen Tisch neben meinem Bett stand. Eine Frau mit denselben schwarzen Haaren und dunkelblauen Augen wie ich sah mich daraus an. Meine Mom, Serena.

»Es ist gelaufen wie geplant. Du hättest ihre Gesichter sehen sollen. Diese Wachen konnten einfach nicht glauben, dass ich ihnen entkommen bin.«

Ich hielt inne, als wollte ich ihr Zeit für eine Antwort geben, doch meine Mom schwieg. Sie war gestorben, als ich gerade dreizehn Jahre alt gewesen war, doch ich sprach trotzdem noch hin und wieder mit ihrem Bild. Sicher, ich wusste, dass das dämlich war, aber ich fühlte mich dann immer ein bisschen besser. Als würde sie auf mich aufpassen, wo auch immer sie sich befand. Als wäre sie nicht ganz verschwunden.

Als wäre sie nicht brutal ermordet worden.

Ich drapierte die Kette so über dem Rahmen, dass es aussah, als würde meine Mom die Rubinkette tragen, dann wanderte ich durch den Kellerraum und räumte meine Sachen auf. Die Dinge in den Manteltaschen ließ ich drin, auch wenn ich den Schokoriegel hervorholte, um ihn zu essen. Außerdem schnappte ich mir mehrere Münzen aus einem Glas und schob sie in die Manteltasche, bevor ich das Kleidungsstück und die Handschuhe zusammenfaltete und beides in einen leeren Koffer legte.

Wie ich auch waren die Kleidungsstücke nicht so unbedeutend, wie es auf den ersten Blick schien. Die Handschuhe bestanden aus Eisengeflecht - unzählige, miteinander verwobene Ringe aus dünnem, nachgiebigem Metall. Der Mantel war noch einzigartiger. Seine verschiedenen Teile waren aus Spinnenseide gewoben, die dann vernäht worden waren, sodass ein widerstandsfähiger, leichter und sehr starker Stoff entstand. Am besten war, dass Spinnenseide jede Art von Flecken abwies - ob nun Staub, Fett, Blut oder Schlamm -, sodass ich den Mantel nie waschen musste.

Und dann war da noch das Schwert. Mein wertvollster Besitz. Auch diese Klinge bestand aus einem besonderen Metall - Bluteisen. Doch statt das zu erwartende rostige Rot aufzuweisen, zeigte sich das Schwert in einem matten Schwarz mit einem leichten Grauschimmer. Es wirkte eher wie ascheüberzogenes Holz als wie Metall. Schwarze Klingen, so nannten die meisten Leute solche Schwerter. Wegen der Farbe - und der schrecklichen Dinge, die sie anrichten konnten, besonders bei Magiern und Monstern.

Bluteisen war selten, und die meisten Waffen aus dem Metall waren mit einem Familienwappen gekennzeichnet. Die Symbole waren fast wie Brandmale, die jede Klinge leicht identifizierbar machten - und damit schwerer zu stehlen und auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen. In den Knauf meines Schwertes war ein fünfzackiger Stern eingraviert, während sich eine Spur aus kleineren Sternen über die Klinge selbst erstreckte.

Die Klinge, der Mantel und die Handschuhe bedeuteten mir von all meinen Besitztümern am meisten. Allerdings nicht wegen ihrer magischen Eigenschaften oder ihres finanziellen Wertes. Ich liebte diese Dinge, weil sie meiner Mom gehört hatten.

Das waren die drei Gegenstände, die sie am häufigsten verwendet hatte. Früher waren wir von Stadt zu Stadt gezogen, während meine Mom erst am einen, dann am anderen Ende des Landes Aufträge angenommen hatte. Meistens hatte sie als Bodyguard gearbeitet; hatte die Reichen vor anderen Reichen beschützt, die sie tot sehen wollten. Nebenbei hatte mir Mom alles beigebracht, was sie über Kämpfen, Stehlen, Schlösser knacken und andere fürs Überleben wichtige Fähigkeiten gewusst hatte. Als Kind hatte ich genauso werden wollen wie sie.

Und ein Teil von mir wollte das immer noch.

Ich ließ die Finger über den Stoff des Mantels gleiten. Die Spinnenseide fühlte sich so kühl und glatt an wie eine Wand aus Regentropfen. Die Bewegung ließ einen Ring an meiner Hand aufblitzen - oder vielmehr den kleinen Saphir in Form eines fünfzackigen Sterns, der in das dünne, silberne Band eingelassen war.

Noch etwas, das meiner Mom gehört hatte. Eines der wenigen Dinge, die ich noch von ihr besaß. Fast alles andere war verschwunden - entweder zerstört, von Plünderern gestohlen oder versetzt, um Essen, Kleidung und andere Notwendigkeiten zu bezahlen.

Ich musterte den Ring noch einen Moment, starrte in die dunkelblaue Tiefe des glänzenden Saphirs, bevor ich die Hand wieder senkte und den Rest meiner Aufgaben erledigte.

Es kostete mich eine halbe Stunde, genug Wasser aus der Damentoilette im Erdgeschoss in den Keller zu schleppen, um ein kaltes Bad in der alten Metallwanne zu nehmen. Der Keller war nicht gerade der wärmste Ort in der Bibliothek, und bis ich endlich aus der Wanne kletterte und meinen Pyjama anzog, klapperten mir vor Kälte die Zähne.

In den meisten Nächten wäre ich jetzt noch mal nach oben gegangen, hätte mir einen Actionfilm aus der Mediensektion geschnappt und ihn auf dem Fernseher im Kinderbereich angesehen. Die Braut des Prinzen, Stirb langsam, der erste Fluch-der-Karibik-Film, die gesamte James-Bond-Serie, die ursprüngliche (und beste) Star-Wars-Trilogie. Sie alle hatte ich Dutzende Male gesehen, und ich konnte jedes Wort mitsprechen. Albern, ich weiß. Die kostenlosen Filme machten es besonders angenehm, in der Bibliothek zu wohnen.

Doch es war schon spät, und ich war müde, also kroch ich ins Bett. Ich wollte das Licht ausschalten, doch dann warf ich noch einmal einen Blick auf das Foto meiner Mom. Ihr Lächeln schien sogar heller zu leuchten als die Rubine, die über dem Rahmen hingen.

»Gute Nacht, Mom«, flüsterte ich.

Wieder einmal wartete ich, doch es kam keine Antwort. Und sie würde auch nie wieder kommen.

Mit einem Seufzen berührte ich den Fuß der Lampe, damit der Keller in Dunkelheit versank. Dann rollte ich mich auf meiner Pritsche zusammen, zog mir die Decke bis ans Kinn und...

»Rundum gelungener Auftakt der neuen Fantasyreihe von Bestseller-Autorin Jennifer Estep. Packendes und innovatives Setting und herzerwärmende Charaktere mit viel Biss und Charme. Einfach absolut lesenswert!«, book walk
 
»inhaltlich packend, rasant aufgezogen und verwöhnt durch markante Kampfbeschreibungen.«, phantastiknews.de, 05.11.2015
 
»Jennifer Estep ist eine der verlässlichsten Autorinnen dieses Genres. Sie hat ein offensichtliches Talent für schnelles, angenehmes, humorvolles Entertainment.«, Bremer Stadtmagazin

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