andererseits

In 32 Texten durch Zeit und Traum
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 11. Februar 2020
  • |
  • 292 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7504-6758-3 (ISBN)
 
Essers Geschichten führen den Leser durch verschiedene Zeiten und geographische Räume in neue, "unerhörte Begebenheiten", wie Goethe einmal sagte.
"Georg reist" - aber wohin reist er wirklich? Warten die vier Personen tatsächlich auf die "Fähre", die sie ans andere Ufer bringen soll? Was wäre passiert, wenn Abraham seinen Sohn Isaak nicht hätte opfern wollen? Was macht Odysseus in Cincinnati, was Bertolt Brecht im Himmel?
Einfühlsam, aber auch irritierend und in überraschenden Wendungen zeigt der Autor das Leben von Menschen, die von "Amors Pfeilen" getroffen werden, die aus der Partnerschaft in Einsamkeit und aus der Einsamkeit in Partnerschaft flüchten, nimmt den Leser mit auf Ausflüge durch erstaunliche Vergangenheiten und zukünftige Zeiten.
Ja, so war es und so ist es, könnte man meinen, aber ... andererseits.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,40 MB
978-3-7504-6758-3 (9783750467583)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Dieter Esser (geb. 1952) widmet sich nach seiner Lehrtätigkeit als
Studiendirektor für Latein, Englisch und Italienisch und als Dozent an der Universität der schriftstellerischen Tätigkeit. Die Kenntnisse des in Altphilologie Promovierten über klassische, aber auch theologisch-philosophische Fragestellungen bin hin zu deren Grenzbereichen fließen - mitunter verborgen - in seine Texte ein.
Auf zahlreichen Reisen beschäftigte er sich mit sprachlichen Besonderheiten wie dem Schottischen, Rätoromanischen oder dem Plodarischen - einer altdeutschen Sprachinsel in Friaul/Venetien. Seit seiner Zeit als Stipendiat der bischöflichen Studienstiftung Cusanuswerk ist er der katholischen Kirche verbunden und deren kritischer Beobachter.
Wie bereits in seinem 2019 erschienenen Roman "Und verflucht seine Kunst" (ISBN 9783748160441) konfrontiert er den Leser auch in seinen Geschichten mit überraschenden Wendungen und mit ungewöhnlichen Charakteren aus Gegenwart und Vergangenheit, spielt er mit dem scheinbar Bekannten.
Dieter Esser lebt in seiner Geburtsstadt Erftstadt bei Köln.

Lukas eins, zwei, drei, ...

Lukas eins

Maria lag in den Wehen. Noch etwa 2 Stunden, dann sei es soweit, hatten die Ärzte ihr und Jakob gesagt. Wie fast alle modernen Männer wollte Jakob Müller bei der Geburt seines Kindes zugegen sein. War es Pflichtgefühl? Echte Anteilnahme? Er war jedenfalls dabei.

21. April, 17:34 Uhr, notierte die Hebamme auf ein bereitliegendes Klemmbrett. Der Geburtstermin. Lukas sollte der Junge heißen, Lukas, klassisch, biblisch, keine modernistischen Namen. Bitte nicht. Einfach nur Lukas. Lukas Müller.

Jakob hatte seinem Chef zugesagt, am 22. April die Kunden aus Süddeutschland abends in die Altstadt zu führen. Er würde tagsüber versuchen, seine Frau und das Baby, Lukas, seinen Lukas zu besuchen.

Die Kunden kamen einige Stunden zu früh. Ich kann leider . Ja, natürlich, . Ich weiß, Schatz, aber . Morgen, ja morgen, ganz früh, noch bevor ich ins Büro . Er trinkt schon kräftig? . Super . Bis dann, Schatz .

Im Kindergarten fühlte sich Lukas sehr wohl. Die Erzieherinnen förderten sein Interesse, schon sehr früh Buchstaben zu formen. Mit vier Jahren schrieb Lukas nicht nur seinen Namen, sondern auch die Namen der anderen Kinder in seiner Gruppe: Anna-Lena schrieb er mit einem n, gut, dafür war Jonas völlig korrekt, auch Roland sah auf dem Papier ziemlich richtig aus. Konstantin konnte er nur bis Kon. Dann verließ ihn der Mut.

Alle Kinder in ihrem Wohngebiet nahmen an der musikalischen Frühförderung teil. Also auch Lukas. Er sollte Geige lernen.

Er konzentriert sich nur auf das, was ihn interessiert, sagte Frau Biesenbach-Holzinger, seine Lehrerin in der zweiten Klasse der Rheinallee-Grundschule. Aber im Helmholtz-Gymnasium startete Lukas durch. Mit 14 programmierte er zum Erstaunen seines Informatiklehrers, Herr Seidel, einen selbstfahrenden Bus.

Das Modell stand noch während seiner Studienzeit in Marburg neben dem Rechner in seiner Studentenbude. Auch wenn er BWL seinem Vater zuliebe studierte, waren seine Leistungen überragend. Seine Interessen konnte er dennoch intensiv verfolgen, obwohl seine Mutter ihm gegenüber nicht zugab, dass sie seine Segelflugambitionen ängstigten. Gegen den Fechtclub hatte sie nichts einzuwenden. Dort, im akademischen Fechtclub, lernte er Maximiliane erkennen.

Schon ein Jahr, nachdem Lukas bei Rensenbrinck & Partner eingestiegen war, erkannte man seine Führungsqualitäten und übertrug ihm den angelsächsischen Raum.

Die Hochzeit mit Maximiliane war unspektakulärer als Jakob und Maria es für ihren Sohn gewünscht hätten, aber die Schwiegereltern, Dr. Haunstein und seine Frau Edeltraud, bestanden auf einer kleinen Hochzeit auf Schloss Obertörl. Mit irgendwelchen Freunden und Geschäftspartnern, so Dr. Haunstein, könnten sie ja immer noch feiern.

Maximiliane richtete das Haus, das ihr Vater den Frischvermählten ausgesucht hatte, geschmackvoll ein. Nach drei Jahren Ehe wurden Dr. Haunstein, aber auch Jakob ungeduldig. Man könne doch, auch wenn Maximiliane weiter in der Kanzlei arbeitete, ein Enkelkind durchaus . Schließlich gebe es doch auch gebildete Tagesmütter, die .

Die Thermik war prächtig, der Segelflug hätte durchaus bis hoch nach Sylt gehen können. Aber vielleicht war Lukas einfach übermüdet. Jedenfalls hätte er bei dieser Sicht eine Kollision vermeiden können.

Lukas zwei

Maria lag in den Wehen. Noch etwa zwei Stunden, dann sei es so weit, hatten die Ärzte ihr und Jakob gesagt. Wie fast alle Männer wollte Jakob Müller bei der Geburt seines Kindes zugegen sein. Er hatte sich diesen Tag frei genommen.

21. April, 17:34 Uhr, notierte die Hebamme auf ein bereitliegendes Klemmbrett. Der Geburtstermin. Lukas sollte der Junge heißen, einfach Lukas. Lukas Müller.

Sein Chef hatte Jakob gebeten, am 22. April die Kunden aus Süddeutschland abends in die Altstadt zu führen. Jakob war unschlüssig. Sollte er seinem Chef absagen? Er wollte schließlich seine Frau und das Baby, den kleinen Lukas, besuchen.

Die Kunden kamen einige Stunden zu früh. Du, Schatz . diese blöden Kunden sind schon hier . aber ich versuche trotzdem zu kommen . kein Problem . er trinkt schon kräftig? . Wunderbar . ich komme heute Nachmittag gegen 16:00 Uhr auf jeden Fall vorbei.

Im Kindergarten fühlte sich Lukas sehr wohl. Die Erzieherinnen förderten ihn, wo sie konnten. Auch als er schon sehr früh Buchstaben formen wollte, hinderten sie ihn nicht daran. Mit vier Jahren konnte Lukas seinen Namen schreiben. Aber auch die Namen der anderen Kinder in seiner Gruppe: Sven sah noch etwas ungelenk aus, Ahmed konnte er überhaupt nicht schreiben, bei Giovanni schrieb er das, was er hörte. Es sah aus wie Schofanni.

Die Frage der frühkindlichen Musikförderung war für Jakob und Maria Müller kein Thema. Es sollte einfach nur Kind sein. Wenn er später Lust habe, ein Instrument zu spielen, dann werde man ihm das ermöglichen.

Nach der vierten Klasse kam die Frage: Gymnasium, Gesamtschule, Realschule? Die Müllers fragten die Grundschullehrerin. Sie riet, ihn auf die Gesamtschule zu schicken. Dort könne er lernen, mit anderen umzugehen. Das Gymnasium habe doch etwas Elitäres. Schließlich habe die Gesamtschule ja auch einen gymnasialen Zweig und wenn Lukas gut zurechtkäme, könne er doch auch dort Abitur machen.

Die Willy-Brandt-Gesamtschule hatte etwa 950 Schüler. Die Schule hatte gerade das Zertifikat "Schule ohne Rassismus" bekommen. Zahlreiche Auslandskontakte der Schule ermöglichten den Schülern, schon sehr früh sich mit anderen Ländern auseinanderzusetzen. Lukas nahm an der Aktion "Wir sind eine Welt" teil.

Es nervte ihn ein wenig, dass seine Mutter, Maria, ständig fragte, neben wem er denn in der Schule sitze. Voller Stolz erzählte Lukas, sein Nachbar sei ein Junge aus Bosnien, der Matic. Der sei total nett, auch wenn er nicht alles verstehe, was er sagt. Er könne ihm bei den Deutschhausaufgaben helfen, hatte er seiner Mutter gesagt.

Nach der zehnten Klasse ging Lukas in die Karl-Schiller-Schule. Duale Ausbildung. Mechatroniker wollte er werden. Und Mechatroniker wurde er. Zahlreiche Bewerbungen hatte er schon geschrieben. Nur Absagen. Doch dann kam die Einladung zum Bewerbungsgespräch. Einige Tage trainierte er mit seinem Vater Jakob Formulierungen, die ihm die Einstellung bei der Großmann KG ermöglichen sollten. Das Gespräch verlief gut. Lukas wurde befristet eingestellt. Dort lernte er auch Hanna kennen, die kleine Brünette aus der Buchhaltung.

Die spätere Festanstellung bei Großmann wurde gefeiert und erste Pläne für die Hochzeit geschmiedet. Alle Verwandten und Freunde waren eingeladen. Gefeiert wurde im Vereinsheim des Fußballklubs, in dem Lukas seit der Bambinizeit Mitglied war. Die Rede seines Schwiegervaters, Willi Kaltenbach, war zunächst etwas schwerfällig, aber Willi steigerte sich zusehends und endete mit einem Sinnspruch, der das junge Paar durch ihr Leben begleiten sollte.

Groß war die Freude, als Maria und Jakob und Traudl und Willi ihre Enkelin zum ersten Mal sehen konnten. Die kleine Paula. Jakob und Willi, die stolzen Opas, feierten den Abend der Geburt im "Löwen". Selbst der Wirt hatte Verständnis dafür, dass die beiden immer lauter wurden. Willi hatte vorgeschlagen, den Korn wegzulassen und bei Bier zu bleiben, doch Jakob setzte sich durch. Die Kleine war einfach ein Wunder.

Lukas und Hanna zogen in eine größere Wohnung. Hanna nahm die ihr zustehende Elternzeit, auch wenn sie die Kolleginnen in der Buchhaltung vermisste. Aber die Jahre mit der Kleinen, die waren ihr wichtig.

Lukas wurde gefragt, ob er in seinem Fußballverein den Vorsitz übernehmen könne. Hanna ermutigte ihn. Schließlich seien solche Vereine einfach notwendig, und wenn keiner mehr bereit sei, ehrenamtlich .

Lukas wurde mit allen Stimmen gewählt.

Als die "kleine" Paula ihre Lehre als Speditionskauffrau abgeschlossen hatte, wurde sie sofort übernommen.

Lukas konnte das Angebot seiner Firma annehmen und mit 59 und einem gewissen Abschlag in Rente gehen. Sein Vater, mittlerweile 85, hatte nach dem Tod seiner Frau Maria doch sehr nachgelassen. Er brauchte Unterstützung. Willi und Edeltraud waren schon acht bzw. fünf Jahre vorher verstorben. Hanna schlug Lukas vor, seinen Vater Jakob bei sich aufzunehmen.

Lukas drei

Maria lag in den Wehen. Noch etwa zwei Stunden, dann sei es so weit, hatten die Ärzte ihr und Jakob gesagt. Jakob Müller wollte bei der Geburt seines Kindes zugegen sein. Er hatte sich diesen Tag frei genommen.

21. April, 17:34 Uhr, notierte die Hebamme auf ein bereitliegendes Klemmbrett. Der Geburtstermin. Lukas sollte der Junge heißen, einfach Lukas. Lukas Müller.

Sein Chef hatte Jakob gebeten, am 22. April die Kunden aus Süddeutschland abends in die Altstadt zu führen. Jakob war...

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