Schüsse im Shortbread

Kriminalroman
 
 
Piper (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 13. April 2015
  • |
  • 240 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-96940-6 (ISBN)
 
Für Rosy und Arthur läuten die Hochzeitsglocken, die Stimmung ist famos, als sie in der Kathedrale von Gloucester standesgemäß vor den Erzbischof von Canterbury treten. Eigentlich waren danach Flitterwochen an der Côte d'Azur geplant. Doch Rosies Trauzeugin macht ihnen einen Strich durch die Rechnung: Sie hat den schwierigen Job des Chief Detective im schottischen Hochland ergattert und ist gleich mit ihrem ersten Fall heillos überfordert. In einem Hotel in Caithness wurde ein Blutbad angerichtet. Vier Personen, darunter ein angesehener Pianist, kamen dabei ums Leben. Unerschrocken verlegen Rosy und Arthur ihre Hochzeitsreise nach Schottland und ahnen noch nicht, dass sie dadurch das Leben der hochschwangeren Rosy aufs Spiel setzen .
  • Deutsch
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  • 1,33 MB
978-3-492-96940-6 (9783492969406)
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Harold Philipp Arthur Escroyne ist der 36. Earl of Sutherly. Nach seinem Kunststudium arbeitete er als Werbegrafiker für einen bekannten englischen Shortbread-Hersteller. Lord Escroyne ist für seine Nacktstängel-Schwertlilienzucht (Iris aphylla) über die Grenzen der Grafschaft hinaus bekannt. Der passionierte Gärtner gewann zahlreiche Preise.

Tower Castle

Der Direktflug nach Schottland dauert kaum eine Stunde. Schweigend sitzen Rosy und ich eng aneinandergezwängt auf durchgesessenen Stühlen mit geschmacklosen Bezügen. Während der Autofahrt von Sutherly Castle nach Bristol haben wir ebenfalls Meile für Meile geschwiegen. Rosy sieht keine Veranlassung, ihre Entscheidung ein weiteres Mal zu begründen, und ich sehe keine Veranlassung, ihr zu verzeihen. Wir lauschen der penetranten Stimme aus dem Lautsprecher, die uns das Gespenst einer Notfallsituation in 30 000 Fuß Höhe vor Augen führt. Wir würgen Billigdrinks und Billigsnacks hinunter und schweigen verbissen.

Mir graut vor Schottland. Schottland im Spätsommer, das bedeutet selbst im abgelegenen Caithness nicht Ruhe und Naturerlebnis, sondern Horden von Touristen, die mit ihren Elektronikspielzeugen Milliarden von Bildern schießen, die Millionen von Touristen bereits vor ihnen geknipst haben. Im Spätsommer gibt es in Schottland nachweislich mehr Japaner als Schafe.

Ich hasse Touristen. Vor allem, wenn ich selbst einer bin. In Frankreich wärst du auch nur ein Tourist gewesen, lautete Rosys Argument. Das mag sein, aber für einen, der die Côte d'Azur noch nie gesehen hat, stellt sie einen der Traumorte dieser Welt dar, und ich hatte mich so verdammt auf diese Reise gefreut. Schottland dagegen kenne ich hinlänglich. Schottland ist für einen Escroyne nichts Besonderes. Als Junge hat mich mein Vater mehrmals dorthin mitgenommen. Ich liebe die Erinnerung an jene Zeit mit ihm, aber nicht die Erinnerung an Schottland. Mit ihrer unfassbaren Weite haben mich die Highlands stets traurig gestimmt. Das Wetter ist tückisch, und die Menschen wollen nur eins: die Touristen abzocken. Die Pest auf Schottland!

Missmutig starre ich aus dem Fenster in das Grau in Grau, das einen Vorgeschmack auf meine Flitterwochen darstellt. Nicht die paradiesischen Farben Südfrankreichs erwarten mich, sondern die Grauschattierungen des hohen Nordens. Ich will verdammt sein, wenn ich mich auf diese Flitterwochen freue.

»Wie lange willst du das noch durchziehen?«, fragt Rosy, während wir nach der Landung auf unsere eilig umgepackten Koffer warten. Statt Sandalen Gummistiefel, statt Schnorchel Tweedjacke.

»Ich ziehe nichts durch. Du hast deinen Kopf durchgesetzt, wie immer«, knurre ich. Mein Koffer kommt angerollt.

»Du benimmst dich wie ein trotziges Kind. Wird das so weitergehen, wenn Gwyn uns gleich draußen erwartet?«

»Was kümmert es dich? Ihr beiden könnt ja jetzt in aller Ruhe ermitteln.« Geschmeidig fahre ich den Rollgriff aus, lässig wie ein Flugkapitän ziehe ich mein Köfferchen hinter mir her und lasse Rosy einfach stehen.

So fühlt sich das also an, wenn man verheiratet ist, denke ich. Bevor wir einander das Jawort gegeben haben, lief bei uns alles wie zwischen zwei Jungverliebten. Vor nicht einmal zwei Tagen wurden wir getraut, und wir benehmen uns wie die ältesten Ehekrüppel.

Grauschwarze Wolkentürme heißen mich vor dem Flughafengebäude von Inverness willkommen. Die Temperatur ist schottisch, demonstrativ werfe ich meinen Schal über die Schulter. Auch meine andere Prognose trifft ein: Japaner. Eine ganze Busladung davon. Kaum dem Flieger entstiegen, fotografieren sie in alle Richtungen. Was gibt es auf einem Flughafen bloß zu knipsen?

»Gwyneth, wie schön!« Mein Köfferchen nimmt Fahrt auf, ich eile auf die junge Detektivin zu. »Danke, dass du uns abholst.«

»Tut mir so wahnsinnig leid, Arthur, dass ich euch die Flitterwochen vermassle.« Ihr Gesichtsausdruck ist ehrlich, ihr Bedauern echt, ihre Schönheit selbst im matten schottischen Nachmittagslicht umwerfend.

»Aber, aber, halb so schlimm«, beschwichtige ich. »Das holen Rosy und ich irgendwann nach. Hauptsache, sie kann dir helfen.«

Warum lüge ich? Weshalb ziehe ich die Show des Verständnisvollen ab, den nichts aus der Ruhe bringen kann? Weil ich nun mal Engländer bin und meine Stimmungen nicht auf dem Tablett vor mir hertrage. Weil ich es nicht ertragen könnte, wenn irgendjemand annehmen sollte, dass Rosy und ich, das Liebespaar des Jahrhunderts, Gefährten fürs Leben, Romeo und Julia aus Gloucester, nicht wahnsinnig glücklich miteinander seien.

»Danke, dass du das sagst«, erwidert Gwyneth. »Es wäre sonst unerträglich für mich, Rosys Hilfe in Anspruch zu nehmen.« Sie gibt mir einen Kuss auf die Wange.

»Mach keine große Sache daraus.« Ich tätschle ihre Schulter. »Als Erstes wollen wir ins Hotel, und danach lasse ich Sherlock Holmes und Dr. Watson in Ruhe. Vermutlich wollt ihr gleich an den Tatort fahren.«

»Das Hotel ist der Tatort.«

»Das Hotel . wieso?« Ich drehe mich suchend nach Rosy um. Sie scheint aufgehalten worden zu sein.

»Hat Rosy dir das nicht erzählt?«

Ich muss an die beiden versteinerten Sphinxen denken, die vorhin sprachlos nebeneinander im Flugzeug gesessen haben. »Unterwegs habe ich die meiste Zeit gelesen.«

»Dieser Amokschütze hat im Restaurant des Schlosshotels in die Menge geschossen.«

»Ein Schlosshotel?«, frage ich überrascht.

»Das Tackergill Tower Castle.« Sie lächelt bezaubernd. »Wenigstens das muss dir Rosy aber gesagt haben.«

»Das Tackergill, natürlich.« Ich schlage mir mit der Hand an die Stirn. »Wo habe ich nur meinen Kopf?«

»Deshalb fand ich es so eine brillante Idee von Rosy, dass ihr als Hotelgäste eincheckt und nicht als Detective Inspector nebst Gatten.«

»Tja, brillant war Rosy schon immer.« Ich wundere mich, wo sie so lange bleibt.

»Ich finde es toll, dass ihr sogar die Honeymoon-Suite ergattert habt. Und das in der Hochsaison.«

Allmählich verstehe ich, wieso Rosy gestern bis lange nach Mitternacht vor dem Computer saß, während ich so tat, als ob ich schliefe. Sie hat Vorkehrungen für den Schottland-Trip getroffen, so cool und professionell, wie es eben nur Rosy versteht.

Ich sehe mich nach Gwyneths Auto um. »Wo ist denn dein Dienstwagen?«

»Aber, Arthur«, erwidert sie augenzwinkernd, »das würde eure Tarnung doch sofort auffliegen lassen, wenn wir mit Blaulicht und Sirene vor Tackergill Castle aufkreuzen würden. Ich bin mit dem Privatauto hier, und Rosy hat bestimmt schon euren Mietwagen .« Sie streckt den Zeigefinger in eine bestimmte Richtung. »Da kommt sie ja.«

Tja, da kommt sie. Wer könnte es leugnen? Eigentlich müsste man es leugnen, denn in solch einem Gefährt habe ich Rosemary, die Schwertlilie aus der Unterschicht, noch nie gesehen. Sie fährt einen . Nein, meine Augen täuschen mich nicht: Sie fährt einen Bentley.

»Leider hatten sie ihn nicht mehr in Dunkelblau, deiner Lieblingsfarbe.« Rosy lässt die getönte Scheibe herunter. »Ich hoffe, Elfenbein findet auch deine Zustimmung.« Sie sagt das mit einem so strahlenden Lächeln, als hätte sie schon vergessen, dass wir zwei uns gerade wie die Vipern angegiftet haben.

»Das, nein . Elfenbein, kein Problem«, stammle ich. »Elfenbein ist okay.«

Der Wagen ist ein Traum in Form und Verarbeitung, den ich leider nicht zu schätzen weiß, denn ich mache mir nichts aus Luxusautos. Selbst wenn ich mir so etwas leisten könnte, wäre ich nicht der Typ, der einen Wagen wie diesen entsprechend pflegen würde. Mein verrosteter Volvo ist genau das Modell, das zu mir passt.

»Wer bezahlt denn das alles?«, frage ich, zunehmend überfordert. »Etwa die Polizei von Caithness County?«

»Wo denkst du hin? Unser Spesenkonto ließe das nicht im Entferntesten zu.« Gwyns lächelnder Blick geht zu Rosy.

»Du etwa?«, frage ich meine Frau konsterniert. »Du berappst das alles? Wovon, wenn ich fragen darf?«

Rosys Gehalt ist gerade hoch genug, um uns beide durchzubringen. Mein klägliches Einkommen als freischaffender Grafiker reicht nicht mal aus, um den Erhalt von Schloss Sutherly zu gewährleisten - die nicht enden wollenden Reparaturen, die grotesk hohen Steuern. Seit wir uns kennen, hatten Rosy und ich nie genug gespart, um große Sprünge zu machen. Wie kommt sie plötzlich auf die Idee, einen Luxusschlitten zu chartern und die Honeymoon-Suite in einem Fünf-Sterne-Schloss zu buchen?

»Wie kommst du auf die Idee, einen Luxusschlitten zu chartern?«, frage ich dementsprechend.

»Das ist ja der Witz«, antwortet Gwyneth an Rosys Stelle. »Ihr beide zieht als Earl und Countess Escroyne im Schlosshotel ein. Ist das nicht eine fabelhafte Tarnung? Und dabei ist es nicht mal Hochstapelei, denn das seid ihr ja wirklich.«

Etwas versöhnlicher sehe ich meine schwangere Frau an. »Tja, das sind wir.«

Rosy streichelt das lederbezogene Lenkrad. »So macht mir meine neue Rolle allmählich Spaß.«

»Es ist keine Rolle.«

»Und doch sollten wir sie ein paar Tage so gut wie möglich spielen. Steig ein«, sagt sie mit diebischer Vorfreude. »Ich bin gespannt, was die Karre draufhat.«

Gwyn zeigt zum Parkplatz. »Ich fahre voraus, okay?«

»Wie weit ist es denn?« Behutsam lege ich mein Gepäck in den eleganten Kofferraum.

»Knappe zwei Stunden Richtung Norden.«

»Zwei Stunden? Wo liegt dieses Hotel, am Nordpol?«

»Du und deine Witze«, lacht Gwyn. »Wir haben in Wick sogar einen Flugplatz, allerdings landen dort nur Regionalflüge aus Aberdeen und Edinburgh.« Sie läuft zu ihrem Auto.

Ich lasse mich neben Rosemary...

»Beste britische Krimitradition inklusive ironischem Augenzwinkern. Sehr gelungen!«, Wiener Journal (A), 03.06.2016
 
»>Schüsse im Shortbread< lässt sich wunderbar lesen, hat einen tollen Humor und zwei liebenswerte Protagonisten!«, Radio Euroherz, 26.08.2015
 
»Die handfeste Polizistin aus der Arbeiterklasse und der etwas weltfremde Adelsspross bilden ein amüsantes Gespann voller Humor und Witz.«, Oberhessische Presse, 21.08.2015
 
»ein amüsantes Gespann voller Humor und Witz.«, Hessische Niedersächsiche Allgemeine, 13.08.2015
 
»Escroyne setzt die Geschichte von Rosie und Athur als köstlichen Cosy-Krimi fort. (...) Ein amüsantes Gespann voller Humor und Witz.«, Abendzeitung München, 05.08.2015

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