Wenn es drauf ankommt (Fachratgeber Klett-Cotta, Bd. ?)

Prüfungsangst und Redeangst erfolgreich überwinden
 
 
Klett-Cotta (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 21. August 2021
  • |
  • 140 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-608-11675-5 (ISBN)
 
Prüfung bestanden - Auftritt gelungen: Strategien gegen Leistungsangst
Ein Selbsthilfebuch nicht nur für Prüfungsangst, sondern gleichermaßen für Leistungsängste aller Art.
Starke Angst vor Prüfungen, Bewerbungsgesprächen und Auftritten aller Art ist ein weit verbreitetes Problem in allen Altersstufen. Im Mittelpunkt zu stehen und bewertet zu werden kann trotz perfekter Vorbereitung Leistungsangst auslösen, die sich mitunter bis zur Panikattacke steigert. Was Betroffene selbst dagegen tun können, fasst der Autor, der sich seit vielen Jahren als praktisch tätiger Psychotherapeut mit dem Thema befasst, in diesem Buch kompakt und übersichtlich zusammen. Aus der Vielzahl der erfolgversprechenden Ansätze wie z.B. Entspannungstechniken, Förderung konstruktiver Gedanken, Übungen zur Selbstakzeptanz und zur Energetischen Psychologie (Klopftechniken) kann ausgewählt und kombiniert werden, was zur eigenen Person am besten passt. Ergänzt wird das Praxisbuch durch Erklärungen, wie Leistungsangst entsteht und aufrechterhalten wird und durch Hinweise zu psychologischen Hilfsangeboten.
Dieses Buch richtet sich an:Alle, die unter Prüfungs-, Rede- und Auftrittsangst leiden
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978-3-608-11675-5 (9783608116755)
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Christof T. Eschenröder arbeitet als Psychologischer Psychotherapeut mit Schwerpunkt Verhaltenstherapie, aber auch mit Ansätzen aus der Energetischen Psychologie, EMDR und paradoxen Therapiemethoden in eigener Praxis in Bremen; er ist zudem als Supervisor und als Dozent im Bereich der psychotherapeutischen Fortbildung tätig.

2 Erscheinungsformen und Entstehung von Leistungsangst


2.1 Erscheinungsformen von Leistungsangst


Die Furcht vor Prüfungen, Reden und anderen Auftritten, bei denen man im Mittelpunkt steht, ist weit verbreitet. Während ein gewisses Maß an Aufregung oder Lampenfieber ganz normal ist und von manchen Menschen sogar als anregend und inspirierend erlebt wird, werden starke Ängste zum Problem, wenn dadurch die Leistung in der kritischen Situation beeinträchtigt wird. Die Person kann in der Leistungssituation ihr Wissen und die erlernten Fähigkeiten nicht mehr vollständig abrufen. Im schlimmsten Fall tritt ein Blackout auf, der zu einem völligen Versagen führt. Der amerikanische Schriftsteller Mark Twain beschrieb dieses sehr belastende Phänomen auf humoristische Art: »Das menschliche Gehirn ist eine großartige Sache. Es funktioniert bis zu dem Zeitpunkt, wo du aufstehst, um eine Rede zu halten.«

Prüfungsangst tritt besonders häufig bei Schülern und Studierenden auf. Nach dem Ergebnis verschiedener Untersuchungen berichten zwischen fünf und zwanzig Prozent der befragten Schüler und Studierenden über starke Prüfungsangst (Fehm & Fydrich, 2011, S. 16). Auch die Angst, vor einem Publikum zu reden, ist weit verbreitet. Da dies für viele ein unangenehmes Thema ist, sprechen nur wenige Menschen offen darüber; manche Betroffene haben daher den Eindruck, nur sie allein hätten dieses peinliche Problem. Michael Bohne (2008, S. 32) berichtet, dass auch bei Musikern Lampenfieber und Auftrittsängste weit verbreitet sind.

Auch in früheren Jahrhunderten wurden Menschen von Prüfungsangst geplagt. Der deutsche Staatsrechtler Robert von Mohl schrieb 1869:

Als ein Nachtheil der strengen und folgenreichen Prüfungen erscheint die Angst und Qual, welche die Aussicht auf sie erzeugt und so Vielen die schönsten Jugendjahre verdirbt. Tausenden sind sie jahrelang ein Schrecken, und Jeder, der sie durchgemacht hat, wird nicht sowohl die kurze Erstehung selbst als die Vorbereitungszeit für einen der bangsten und dumpfsten Abschnitte seines Lebens erklären. Wie Mancher hat den Muth nicht gehabt, sich dieser Tortur zu unterwerfen, und ist dadurch für sein ganzes Leben verkommen und aus jeder nützlichen Beschäftigung geworfen worden, obgleich es ihm vielleicht nicht einmal an den nöthigen Kenntnissen fehlte. Allein je länger er es in seiner Angst anstehen ließ, desto steiler wurde der Berg, über den er weg sollte. (Zitiert nach Prahl, 1979, S. 7.)

In manchen Fällen treten Angstsymptome nur kurz vor oder während der Leistungssituation auf. Erwartungsangst und Sorgen können aber auch schon während der Vorbereitung auf Prüfungen, Vorträge oder andere Stresssituationen auftreten. Die belastenden Symptome zeigen sich auf vier verschiedenen Ebenen in unterschiedlicher Ausprägung (Fehm & Fydrich, 2011, S. 8 ff.)1:

Kognitionen: Perfektionistische Anforderungen an sich selbst, Katastrophengedanken über das eigene Versagen, selbstabwertende Gedanken, intensives Grübeln über Misserfolge in der Vergangenheit und Sich-Sorgen über die Zukunft, ablenkende Gedanken, Unkonzentriertheit, Leere im Kopf.

Emotionen: Angst, Scham und Enttäuschung über Misserfolge, Ärger und Wut auf sich selbst oder äußere Umstände, depressive Verstimmung.

Körperliche Symptome: Herzrasen, Schwitzen, Erröten, Verspannung, Zittern der Hände, Harndrang, Magenbeschwerden, Schwierigkeiten beim Sprechen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen.

Verhalten: Ungünstige Strategien bei der Vorbereitung, übertriebene Beschäftigung mit nebensächlichen Details der Aufgabe, Aufschieben und Vermeidung der Leistungssituation, hastiges Sprechen und impulsive Reaktionen in der Leistungssituation.

Diese verschiedenen Bereiche sind nicht isoliert voneinander, sondern es gibt Wechselwirkungen, die im nächsten Abschnitt erläutert werden.

2.2 Entstehung von Leistungsangst


Welche Bedingungen führen zur Entstehung von Leistungsangst? Angst ist bei Menschen und Tieren eine Reaktion auf bedrohliche Situationen. Innerhalb weniger Sekunden wird der Organismus in Alarmbereitschaft versetzt und durch die körperliche Aktivierung auf Flucht oder Kampf vorbereitet. Wenn weder Flucht noch Kampf möglich ist, tritt bei Tieren meist der Totstellreflex auf. Starke Aktivierung ist oft eine zweckmäßige Reaktion auf körperliche Bedrohungen. In Leistungssituationen, bei denen konzentrierte geistige Arbeit oder feinmotorische Tätigkeiten nötig sind, um sie erfolgreich zu bewältigen, wirkt sich aber starke Angst störend aus. Durch einen Zustand von Erstarrung und Lähmung, der dem Totstellreflex bei Tieren ähnelt, wird die Leistungsfähigkeit noch weiter vermindert.2

Es gibt nicht eine einheitliche Ursache für Leistungsangst, vielmehr wirken hier verschiedene Bedingungen zusammen. Neben einer wahrscheinlich erblich bedingten erhöhten körperlichen Labilität (Eysenck, 1987) spielt der elterliche Erziehungsstil eine wichtige Rolle für die Entstehung von Ängsten. Körperliche Strafen, Drohungen, Verbote und Liebesentzug bei Ungehorsam wirken sich angststeigernd aus. Wenn ein Kind feststellt, dass es nur bei guten Leistungen akzeptiert wird, kann jede schwierige Leistungssituation zu einer Bedrohung werden. Angstmindernd ist dagegen eine Beziehung zwischen Eltern und Kind, die durch Verständnis, Interesse und Offenheit gekennzeichnet ist. Nach Helmke (1983) ist es besonders günstig, wenn Eltern sich nicht ständig aktiv einschalten, aber als Berater und Gesprächspartner bei Sorgen und Problemen des Kindes stets zur Verfügung stehen.

Leistungsangst kann auch durch die Schule gefördert werden. Zu den Risikofaktoren für Schulangst gehört ein starker Leistungsdruck (hohe Leistungsanforderungen, unerwartete Prüfungen) und ein autoritäres Verhalten des Lehrers, der mit Strafen, Kritik, abwertenden und spöttischen Bemerkungen arbeitet. Ein Unterrichtsstil, der durch Unterstützung, Ermutigung und Lob gekennzeichnet ist, hat dagegen leistungsfördernde und angstmindernde Auswirkungen. Auch das Verhältnis der Schüler untereinander spielt eine wichtige Rolle für das Ausmaß der Angst; ein starkes Konkurrenzdenken kann die Schulangst fördern, während gegenseitige Unterstützung sie vermindert.

Freiwald und Hillis (2018, S. 651) weisen darauf hin, dass die Rahmenbedingungen für Prüfungen an Hochschulen Prüfungsangst fördern oder reduzieren können. Mangelnde Transparenz über den Inhalt von Prüfungen, fehlende Rückmeldungen über den Wissensstand während des Semesters und eine Häufung von Klausuren innerhalb kurzer Zeit führen zu intensiverer Angst und höheren Durchfallquoten.

Im Arbeitsleben spielt das Betriebsklima eine wichtige Rolle; eine Atmosphäre von Leistungsdruck, Konkurrenz und Misstrauen kann Angst und Verunsicherung auslösen.

Aktuelle Auslöser für Leistungsangst sind oft Misserfolgserlebnisse. Ein Versagen in einer Prüfung oder negative Rückmeldungen zu einem öffentlichen Auftritt aktivieren Selbstzweifel und Ängste. Manchmal tritt Erwartungsangst aber auch ohne vorherige Misserfolge auf, z. B. dann, wenn eine Person glaubt, sie habe vergangene schwierige Situationen nur aufgrund von Glück oder günstigen äußeren Umständen erfolgreich bewältigt. Wenn man überzeugt ist, der Selbstwert und die Anerkennung anderer Menschen würden davon abhängen, dass man stets gute oder perfekte Leistungen erbringt, kann jede Leistungssituation heftige Angst vor Versagen auslösen.

Zwischen den oben erwähnten verschiedenen Komponenten der Leistungsangst gibt es Wechselwirkungen: Dysfunktionale negative Gedanken führen zu starken Angstgefühlen, die mit erhöhter körperlicher Erregung verbunden sind und die konzentriertes Lernen oder das Abrufen gelernten Wissens behindern. Die Wahrnehmung der körperlichen Symptome und der verminderten Leistungen wird wiederum negativ bewertet, was zu einem Teufelskreis der Angst führt. Die folgende schematische Darstellung beschreibt, wie ein Teufelskreis bei Redeangst entstehen kann:

Auslösende Situation

Ich habe die Aufgabe, in der nächsten Woche ein Referat zu halten.

Dysfunktionale negative Gedanken3

Das schaffe ich nie!

Ich werde bestimmt schrecklich nervös sein!

Was soll ich nur tun, wenn ich in der Rede stecken bleibe?

Ich bin einfach...

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