Parzival

 
 
neobooks Self-Publishing
  • 1. Auflage
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  • erschienen am 5. November 2021
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  • 921 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7541-7520-0 (ISBN)
 
mehrbuch-Weltliteratur! eBooks, die nie in Vergessenheit geraten sollten. Wolfram von Eschenbach erzählt im Parzival aus dem frühen Mittelalter. Bevölkert wird diese uns ferne Welt von schönen und mutigen Rittern, die sich für die Liebe edler Damen in Kämpfe stürzen und dabei ihrer Lieblingsbeschäftigung nachgehen können: ihren Gegner mit der Lanze vom Pferd zu werfen. Parzival ist der prächtigste Ritter seiner Zeit. Mit seiner Schönheit nimmt er jeden für sich ein, er ist mutig und im Zweikampf unbesiegt.
  • Deutsch
  • 0,57 MB
978-3-7541-7520-0 (9783754175200)
Wolfram von Eschenbach war ein deutschsprachiger Dichter. Die mittelhochdeutsche Literatur verdankt ihm mehrere epische Werke. Ebenso verfasste er als Minnesänger lyrische Dichtungen. Als sein berühmtestes Werk gilt der Versroman Parzival.

II.
Herzeleide.


Inhalt

Da sein Vetter, König Kailet, den er zu Sevilla vergebens aufsucht, gen Kanvoleis zum Turnier gezogen ist, so macht auch er mit hundert neuen Speren sich dahin auf. Dieß Turnier hatte die Königin Herzeleide, die jungfräuliche Wittwe, ausgeschrieben, und dem Sieger ihre Hand und beide Königreiche, Waleis und Norgals mit den Hauptstädten Kanvoleis und Kingrivalis, verheißen. Gachmuret läßt sein vor Patelamund erworbenes Prachtgezelt aufschlagen und hält einen glänzenden Einzug in Kanvoleis: durch beides erregt er die Bewunderung der Königin, deren stralende Schönheit auch ihn durchzuckt. Hier findet er Kailet, Killirjakag und Gaschier wieder. Kailet bittet ihn, ihm im Turnier gegen Hardeiß, König von Gaskon, beizustehen, der ihn haßt, weil er seine Schwester Aleiß verschmäht hat, welche jetzt dem gleichfalls gegenwärtigen Herzog Lämbekein von Brabant vermählt ist. Die zum Turnier anwesenden Ritter haben sich in ein inneres und äußeres Heer getheilt, je nachdem sie in der Stadt oder draußen auf dem Felde liegen. Zum inneren Heere, dem sich Gachmuret beigesellt, halten sich, außer dessen schon genannten Freunden, der alte Britenkönig Utepandragon, dessen Sohn Artus schon drei Jahre seiner von dem Zauberer Klinschor entführten Mutter nachzieht, ferner König Lot von Norwegen, mit seinem unmündigen, hier zuerst erwähnten Sohne Gawan, die Könige von Patrigalt und Portugall, die Provenzalen und Waleisen u. s. w. Zum äußern gehören, außer König Hardeiß von Gaskon und seinem Schwager, dem Herzog Lämbekein von Brabant, noch die Könige Brandelidelein von Punturtois und Schaffilor von Arragon, dann König Lähelein und der König von Askalon, ferner Morhold von Irland, Cidegast von Logrois, Poitewin von Prienlaskros u. s. w. Als Theilnehmer am Turnier werden ferner erwähnt Schiolarz de Poitou, Gurnemans de Graharz und Riwalin, König von Lohneis, der Vater Tristans. Schon am Vorabend beginnt der Kampf mit einem Vesperspiel (Vorturnier). Gachmuret, in Eisenharts Rüstung, besiegt und fängt unter Andern die Könige Hardeiß von Gaskon, Brandelidelein von Punturtois, Schaffilor von Arragon und Lähelein; Kailet sticht den Herzog von Brabant nieder, wird aber selbst von den Punturteisen gefangen, wie Killirjakag, der zuvor den König Lach niedergerannt hat, von Morholden. Doch bleibt der Sieg den Innern, vornämlich durch Gachmurets Tapferkeit. Traurig empfängt er gleichwohl die Königin Herzeleide, die ihn am Abend in seinem Zelte besucht. Ihn foltern die widersprechendsten Gefühle; denn während des Kampfs hatte ihm seine Jugendgeliebte, die Königin Anflise von Frankreich, deren Gemahl gestorben ist, ihre Hand antragen laßen; auch verdüstert seinen Sinn die Ahnung von dem Tode seines Bruders Galoes; denn ein Fürst des Landes Anschau hatte dessen Wappenschild umgekehrt, mit emporgerichteter Spitze, getragen. Dazu peinigen ihn Gewißensbiße über seine treulose Flucht von Zaßamank, dessen schwarze Königin er immer noch liebt, da ihn doch auch Herzeleidens Schönheit nicht unempfindlich läßt. Kailet und Killirjakag, von den Aeußern zur Auswechselung gegen König Brandelidelein hereingeschickt, kommen hinzu und erklären Gachmuret für Sieger im Turnier, da die Aeußern, deren Stärke Gachmuret gefangen genommen hat, es bei dem Vesperspiel bewenden laßen wollen. Da hienach Herzeleide, dem Gesetze des Turniers gemäß, seine Hand anspricht, und zugleich Anflisens Boten deren Rechte verwahren, gelobt Gachmuret, Kanvoleis nicht zu verlaßen, bis über Herzeleidens Sache entschieden sei. Als sie sich entfernt, erfährt Gachmuret durch Kailet die Bestätigung seiner Ahnung von dem Tode seines Bruders und zugleich die Nachricht, daß auch seine Mutter Schoiette gestorben ist. Er zieht sich in sein Zelt zurück und bringt die Nacht mit Jammer hin. Am andern Morgen finden Schiedsrichter, seiner Einrede, daß gar kein Turnier Statt gefunden, ungeachtet, das Urtheil, Gachmuret, als Sieger im Ritterspiel, dürfe Herzeleidens Hand nicht ausschlagen. Er unterwirft sich dem Spruch, worauf Anflisens Boten unwillig hinwegreiten. Da ihm nun mit der Hand Herzeleidens zwei Königreiche und als Erben seines Bruders auch die Krone von Anschau zugefallen, entschließt er sich als Volksherrscher zur Freude, vertauscht den Anker mit seines Vaters Wappen, dem Panther, und begeht, nachdem er Hardeißen mit Kailet versöhnt hat, eine glänzende Hochzeit. Von Herzeleiden hatte er sich monatlich ein Turnier ausbedungen: darin trägt er das seidene Hemde seiner Frauen über dem Harnische, welches sie dann, durchstochen und zerhauen, wieder anlegt. Dieß war achtzehnmal geschehen, als er wieder über Meer fährt, um dem Baruch, der von jenen babylonischen Brüdern abermals überfallen ist, beizustehen. Herzeleide, die schwanger zurückgeblieben ist, wird eines Tages von einem Traume geängstigt, der ihr den Tod des Gemahls und zugleich ihres Kindes Schicksale vorbedeutet. Als sie erwacht, bringt Tampaneis, Gachmurets Meisterknappe, die Trauerbotschaft von dessen Tod durch den Verrath Ipomidons. Vierzehn Tage später gebiert sie die Blüte aller Ritterschaft: Parzival.

 

Dort zu Spanien in dem Land

War ihm der König wohlbekannt;

Das war sein Vetter Kailet;

Zu diesem eilt er gen Toled.

[59]Der war nach Ritterschaft gefahren,

Wo es galt den Schild nicht sparen.

Da läßt auch er bereiten sich

(So lehrt die Aventüre mich)

5Mit Speren, die von Buntheit stralen

Und mit grünen Zindalen:

Denn jeder hatte sein Panier,

Härmeline Anker drauf so zier,

Daß man sie köstlich pries und reich;

10Sie waren lang und breit zugleich

Und reichten nieder auf die Hand.

Wenn man sie zur Spitze band

Oder tiefer eine Spanne.

Deren ward dem kühnen Manne

15Einhundert da zurecht gemacht

Und durch die Lande nachgebracht

Von seines Vetters Hausgetreuen.

Ehren und mit Dienst erfreuen

Konnten sie ihn nach Würdigkeit;

20Das war auch ihrem Herrn nicht leid.

Er strich ihm nach wer weiß wie lang,

Bis er Herberg sich errang

In dem Lande Waleis.

Geschlagen war vor Kanvoleis

25Mancher Pavillon auf einen Plan.

Ich sag es nicht nach eitelm Wahn;

Gebietet ihr, so ist es wahr.

Halten ließ da seine Schar

Der Herr und sandte vor ihm ein

Den klugen Meisterknappen sein:

[60]Er sollte, wie sein Herr ihn bat,

Herberge nehmen in der Stadt.

Der eilte sich, er war kein Träumer;

Man zog ihm hinterdrein die Säumer.

5Kein Haus mocht er gewahren,

Des Dach nicht Schilde waren;

Auch die Wände sah er all behangen

Und mit Speren rings umfangen.

Die Königin von Waleis

10Hat angesagt zu Kanvoleis

Ein Turnier von solcher Strenge,

Manchem Zagen wird es enge

Ums Herz, wo er dergleichen sieht;

Auf sein Gebot es nicht geschieht.

15Eine Jungfrau war sie, nicht ein Weib,

Zwei Länder und den eignen Leib

Bot sie dem, der Sieger wäre.

Manchen fällte diese Märe

Hinters Ross auf den Sand.

20Wer ein solch Gefalle fand,

Viel Glück ward dem nicht nachgesagt.

Des pflagen Helden unverzagt,

Sie zeigten Muth zur Ritterschaft:

Mit hurtiglicher Schenkel Kraft

25Ward da manches Ross ersprengt

Und der Schwerter viel erklängt.

Ueber einen Fluß geschlagen

Eine Brücke sah man ragen,

Mit einem Thor beschloßen,

Das ein Knappe unverdroßen

[61]Aufthat, wenn man ihm befahl.

Darüber stand der Königssaal.

Auch saß des Landes Königin

In den Fenstern darin

5Mit Mägdelein und Frauen,

Die sah man spähn und schauen,

Was die Knappen drüben thaten.

Sie hatten sich berathen

Und schlugen ein Gezelt hier auf.

10Zu ungewährter Minne Kauf

Ward des einst ein König ledig,

Dem Belakane war ungnädig.

Mit Mühen ward aufgeschlagen,

Das dreißig Säumer musten tragen,

15Ein Zelt von höchster Kostbarkeit.

Auch war der Plan wohl so breit,

Daß sich die Schnüre streckten dran.

Gachmuret der werthe Mann

Nahm im Freien erst den Imbiß,

20Darauf mit Fleiß er sich befliß,

Wie er höfisch käm geritten.

Verzug ward nicht gelitten;

Die Knappen hatten ihm zumal

Gebunden seiner Spere Zahl,

25Jedweder fünf mit Einem Band;

Den sechsten führt' er in der Hand

Mit dem Anker im Paniere:

So zog heran der Ziere.

Vor der Königin ward vernommen,

Daß ein Fremdling kommen

[62]Sollt aus einem fernen Land,

Der hier Niemand wär bekannt.

»Höfisch ist sein Volk, aus beiden

Gemischt, Franzosen und Heiden;

5Mancher mag ein Anschewein

Wohl nach seiner Sprache sein.

Ihr Muth ist stolz, ihr Gewand ist klar,

Wohl geschnitten auch fürwahr.

Seiner Knappen sprach ich einen;

10Die werden nicht um Mangel weinen.

Sie sagen, wer um Habe flehe,

Wenn er zu ihrem Herren gehe,

So scheid er ihn von...

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