Herr aller Dinge

Roman
 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 16. September 2011
  • |
  • 703 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8387-1013-6 (ISBN)
 
Was wäre, wenn alle Menschen gleich reich wären?

Zwei Kinder aus zwei Welten, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Charlotte, die Tochter des französischen Botschafters in Tokio, und Hiroshi, der Sohn der Wäscherin. Sie begegnen sich im Alter von zehn Jahren und freunden sich an, obwohl die Eltern den Kontakt missbilligen. Zu unüberwindbar seien die Unterschiede zwischen Arm und Reich, sagen sie - und bringen Hiroshi damit auf eine ebenso einfache wie geniale Idee. Die Wege der Freunde trennen sich, führen Jahre später wieder zusammen und trennen sich erneut. Die ganze Zeit über verfolgt Hiroshi nur ein Ziel: die Umsetzung seines Planes zur Überwindung aller sozialen Unterschiede. Denn nur so, glaubt er, kann er Charlottes Liebe gewinnen.

Mit "Herr aller Dinge" ist Bestsellerautor Andreas Eschbach ein spannender Scifi-Roman gelungen, der mit Utopien und surrealen Gesellschaftsentwürfen spielt.
weitere Ausgaben werden ermittelt
6 (S. 613-614)

Vom Auto aus betrachtete Hiroshi die still daliegende Vorortstraße und das Haus von Rodney und Allison Alvarez, in dem er so oft zu Gast gewesen war und das er heute zum letzten Mal betreten würde. Sie waren beide daheim. Er hatte sie ankommen sehen, hatte beobachtet, dass sie die Garage schon ganz selbstverständlich benutzten, so, als habe sie seit jeher da gestanden. Das gefiel ihm. Er warf einen Blick auf die Zeitung, die neben ihm auf dem Beifahrersitz lag. Sind die Haie ausgestorben?, lautete eine der Überschriften auf der Titelseite. Das gefiel ihm nicht. Noch hatte niemand die Verbindung gezogen, aber das war nur eine Frage der Zeit.

In einem Artikel über die Minamata-Krankheit hatte Hiroshi gelesen, dass Haie besonders viel Methylquecksilber einlagerten; das Fleisch mancher Haie wies einen so hohen Methylquecksilber-Gehalt auf, dass man die maximal tolerierbare Tagesdosis schon überschritt, wenn man nur fünf Gramm davon verzehrte. Kein Wunder, dass diese Tiere die hauptsächlichen Opfer seiner Sammler geworden waren. Er seufzte, stieg aus.

Jeder Schritt fiel ihm schwer. Sein Besuch überraschte sie. Sie freuten sich und meinten es so. Allison war ganz aus dem Häuschen. »Und ich hab bloß Spaghetti auf dem Herd! Wenn ich gewusst hätte, dass du kommst –« »Spaghetti sind großartig«, versuchte Hiroshi sie zu beruhigen. »Und das mit der Garage … und mit der extraterrestrischen Sonde … Rod hat mir alles erzählt, aber ehrlich, ich hätt kein Wort geglaubt, wenn nicht plötzlich diese Garage da gewesen wäre … eine Garage! Ausgerechnet! Ich hab eine Million Fragen an dich, damit du’s gleich weißt.« Hiroshi musste lächeln.

»Aber vielleicht muss ich die nicht alle hier im Flur beantworten?« »Nein, klar. Hach, was bin ich für eine lausige Gastgeberin! Komm rein, immer nur rein; warte, ich hol noch Teller und Besteck … Rod, kümmerst du dich um den Wein?« Dann saßen sie am Tisch, und erstaunlicherweise reichten die Spaghetti auch für drei. »Ich koch immer die doppelte Menge und mach aus dem Rest Nudelsalat für’s Büro«, erklärte Allison. »Und Tomatensoße, na, die lässt sich leicht strecken mit ein bisschen Konzentrat …« »Schmeckt großartig«, versicherte Hiroshi. »Genieß es«, sagte sie und richtete ihre Gabel auf ihn.

»Denn nachher musst du uns alles über die Alien-Sonde erzählen. Haarklein. Ehrlich gesagt habe ich auch vor, dich zu überreden, dass wir das publik machen dürfen. Ich meine – wenn wir das hieb- und stichfest beweisen könnten, dass Außerirdische schon vor Jahrtausenden eine Forschungssonde auf die Erde geschickt haben, dann wäre das die Sensation des Jahrhunderts. Und wer, wenn nicht wir, das SETI-Institut, sollte das bekannt geben? Die Suche nach außerirdischem Leben, nach fremder Intelligenz, das ist schließlich unser Daseinsgrund! Okay, Rodney hat dir versprechen müssen, nichts zu verraten, aber warum? Ich meine … das musst du mir wirklich genauer erklären!« »Deswegen bin ich hier«, sagte Hiroshi.

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