Die drei ??? Kelch des Schicksals (drei Fragezeichen)

 
 
Kosmos (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 12. März 2020
  • |
  • 144 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-440-15799-2 (ISBN)
 
Warum benimmt sich Justus' Onkel Perceval so seltsam? Die drei Detektive kommen nicht nur einem Familiengeheimnis, sondern auch einem millionenschweren Fall auf die Spur.
  • Deutsch
  • Stuttgart
  • |
  • Deutschland
  • 1,47 MB
978-3-440-15799-2 (9783440157992)
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Schmerzen


Die Dunkelheit war erdrückend. Peters Herz raste, sein Magen protestierte. Mit schmerzenden Händen und pochendem linken Handgelenk krümmte sich der Zweite Detektiv auf dem Boden. Er würgte, doch der Magen beruhigte sich wieder- ganz im Gegenteil zu seinem Atem. Das Blut rauschte in Peters Ohren und überlagerte alle anderen Geräusche. Er konnte sich kaum auf seine Umgebung konzentrieren. War da ein Schaben und Rascheln? Oder bildete er sich das nur ein? Jetzt klang es, als ob kleine Kieselsteinchen wegrollten. Er musste so rasch wie möglich zum Ausgang klettern!

Doch dafür brauchte er Licht. Peter wagte nicht, sich zu be­wegen. Die Lampe lag irgendwo in dieser schrecklichen Dunkelheit. Wo dieses Ding . Weiter wollte Peter nicht denken. Eine innere Stimme schlug ihm vor, sich einfach auf den Boden zu kauern und auf Hilfe zu warten. Am besten mit zugehaltenen Ohren und fest verschlossenen Augen. Doch es half alles nichts: Wenn Peter jemals wieder ans Tageslicht gelangen wollte, musste er etwas tun. Langsam kroch er in die Richtung, in der er die Lampe vermutete. Hoffentlich funktionierte sie überhaupt noch. Peter hatte das Gefühl, kaum Luft zu kriegen. Allein bei dem Gedanken an die Gestalt schnürte sich seine Kehle zu. Was hatte er da nur gesehen? Immer wieder tauchte vor seinem inneren Auge dieser Körper auf, regungslos, wie eingefroren.

Mit den Fingern der gesunden Hand tastete er über den Boden. Nach einer gefühlten Ewigkeit fanden sie das kühle Metall der Lampe. Peter erfühlte den Schalter und drückte darauf. Nichts passierte. Er schüttelte die Lampe vorsichtig. Vielleicht hatte sich das Batteriefach geöffnet? Peter konnte kaum arbeiten, da seine Hände so zitterten. Außerdem wurde der Schmerz im Handgelenk mit jeder Sekunde schlimmer. Er wollte schon aufgeben, als ein matter Schein aufflackerte. Die Lampe funktionierte wieder. Zumindest so weit, dass Peter seine nähere Umgebung erkennen konnte.

Der Zweite Detektiv zählte still bis drei, dann richtete er den schwachen Strahl auf die Felsspalte. Er machte sich auf alles gefasst. Aber da war nichts. Er sah nur raue Steinwände, schwarze Schatten und dunkle Flecken auf dem Boden. Peter blinzelte. War das etwa Blut? Er atmete tief durch. Vermutlich ging seine Fantasie mit ihm durch. Erst eine leblose Gestalt, die sich in Luft auflöste, und dann Blutflecken! Nein, er musste wie Justus Jonas denken und es nüchtern und wissenschaftlich angehen. Vermutlich waren das nur irgendwelche Pfützen, die sich durch Mineralien, Schlamm oder Algen dunkelrot gefärbt hatten.

Dieser Gedanke half Peter. Er richtete sich auf und atmete tief ein. Justus würde jetzt den Höhlenraum gründlich untersuchen und dabei einen Vortrag über Gesteine, Metalle und Wasser halten. Dabei würden Begriffe wie Erosion, Sedimentation und Korrosion fallen. Oder so ähnlich. Aber der Zweite Detektiv wollte nur eins: raus an die frische Luft!

Der Rückweg dauerte viel länger als der Hinweg. Der Ausgang lag nur wenige Meter über ihm, aber er musste eine schräge Felswand hochklettern, was mit den aufgeschürften Händen mühsam war und sehr wehtat. Endlich erreichte er den schmalen Gang und sah dem Sonnenlicht entgegen. Er beschleunigte und hielt erst inne, als er draußen mitten auf dem Plateau stand. Das Gewitter war erstaunlich schnell weitergezogen. Nicht einen einzigen Tropfen Regen hatte es gebracht und die Spannung lag noch immer in der Luft. Einen Moment lang schloss Peter die Augen und sammelte sich. »Da war nichts«, sagte er laut. Doch seine Stimme klang heiser und fremd. Mit wackeligen Schritten machte er sich auf den Weg zum Rastplatz. Den linken Arm hielt er fest an seinen Oberkörper gedrückt - er wusste, dass sein Handgelenk dringend einen Arzt brauchte.

Justus fand es schwierig, beharrlich zu bleiben und trotzdem gleichmütig zu wirken. »Ich denke .«, sagte er gedehnt, ». es ist sinnvoll, wenn ich Perceval Abernathy einen Besuch abstatte.« Er und Bob saßen gemeinsam mit Onkel Titus im Lastwagen, während das Gewitter rumpelnd über sie hinwegzog.

»Das kommt nicht infrage!« Onkel Titus' Bart bebte bei diesen Worten. »Wir wollen keinen Kontakt zu den Abernathys!«

»Du willst keinen Kontakt«, korrigierte Justus. »Aber ich könnte ihn doch besuchen. Und das Geld eintreiben.«

Onkel Titus wollte davon jedoch nichts wissen. »Ich erlaube dir schon, mit deinen Freunden als Detektive zu arbeiten - obwohl ihr noch nicht volljährig seid. Aber als Schuldeneintreiber? Das geht zu weit.«

»Wollen Sie denn gar nicht wissen, wofür Perceval das Geld brauchte?«, mischte sich nun Bob in das Gespräch ein.

»Nein«, antwortete Onkel Titus knapp. »Wenn Peter wieder auftaucht, fahren wir ab. Wo bleibt der überhaupt so lange?«

»Der hat bestimmt einen Unterschlupf gesucht«, meinte Bob.

Justus ärgerte sich maßlos. Er hatte so viele Fragen und bekam keine Antworten. Onkel Titus machte einfach dicht. Wenn er mehr wissen wollte, musste er mit diesem Perceval reden. Justus begann, die Alternativen durchzugehen. Er könnte in den kommenden Tagen heimlich nach Carmine Falls fahren. Es dürfte nicht allzu schwer sein, die Adresse seines Onkels herauszubekommen. Weiter kam Justus mit seinen Gedanken jedoch nicht. Jemand lief direkt auf sie zu. Das helle T-Shirt war mit Staub und Dreck verschmutzt, die Hände waren aufgeschürft und das Gesicht so blass, als wäre alles Blut daraus entwichen.

»Peter!«, entfuhr es Onkel Titus.

»Himmel!« Bob sprang aus dem Wagen. »Was ist passiert?«

»Ich bin gestürzt«, presste der Zweite Detektiv hervor. »Und ich glaube, ich habe mir das Handgelenk gebrochen.«

»Zeig her.« Justus war nun ebenfalls aus dem Laster gestiegen. Widerstrebend hielt ihm Peter die verletzte Hand hin. Das Gelenk war bereits angeschwollen. Justus griff behutsam danach. »Einen Bruch kann ich nicht ausschließen. Ich müsste das Gelenk allerdings abtasten.«

»Untersteh dich!«, rief Peter und zog die Hand zurück.»Du bist kein Arzt.«

»Im Biounterricht habe ich die Bestnote in Anatomie erhalten«, erklärte Justus, aber Peter schüttelte vehement den Kopf.

»Wie ist es überhaupt zu dem Sturz gekommen?«, fragte Bob.

»Ich habe nur kurz in die Carmine Caves geguckt, also in einen Höhlengang«, gab Peter kleinlaut zu. »Und dann bin ich abgerutscht. Und . da war . also, da war . Geröll. Loses Geröll.«

Justus sah seinem Freund in die Augen. Peter verschwieg etwas. Das war eindeutig. Aber er beschloss, den Zweiten Detektiv später in Ruhe danach zu fragen.

Titus schnappte sich die Thermoskanne, die noch auf dem Tisch stand. »Wir fahren jetzt besser los. In Salinas bringe ich dich zu einem Arzt, Peter.«

Doch dazu kam es nicht. Peter staunte wieder einmal, wie Justus es schaffte, eine Situation so zu drehen, dass sie ihm nützte. Der Erste Detektiv wollte unbedingt in Carmine Falls bleiben und Peters Verletzung kam ihm dazu gerade recht. Justus gelang es im Handumdrehen, seinen Onkel davon zu überzeugen, dass Peter sofort zu einem Arzt musste. Dann wusste er auch noch zu berichten, dass er gegenüber vom Supermarkt das Schild einer Arztpraxis gesehen hatte. Widerwillig fuhr Onkel Titus also nach Carmine Falls zurück, ließ die Jungen an der Hauptstraße hinaus und brach allein nach Salinas auf. Am Abend würde er sie hier wieder einsammeln.

Doch Justus' Plan ging nur teilweise auf: Die Arztpraxis war geschlossen. Während Peter und Bob auf einer Bank in der Sonne warteten, ging der Erste Detektiv erneut in den Supermarkt. Dieses Mal, um sich nach einem anderen Arzt zu erkundigen. Als er wieder herauskam, sah er nachdenklich aus.

»Und?«, fragte Peter.

»Folgt mir einfach.« Justus vergewisserte sich, dass kein Auto kam, dann überquerte er die Straße. Bob und Peter folgten ihm. »Ich wüsste gern, was du in der Höhle gesehen hast«, wandte sich der Erste Detektiv im Gehen an seinen Freund.

»Wie kommst du denn darauf, dass ich etwas gesehen habe?«, fragte Peter erstaunt.

»Du hast bei deinem Bericht gezögert«, antwortete Justus, während sie an verblassten Werbeplakaten und leer stehenden Läden vorbeigingen. »Es war offensichtlich, dass du uns beim Rastplatz Teile der Geschichte vorenthalten wolltest. Nicht nur wegen deiner Wortwahl, sondern auch aufgrund deiner Körpersprache. Deine Pupillen haben sich geweitet und dein Gesichtsausdruck war nicht mehr schmerzverzerrt, sondern verängstigt. Etwas in der Höhle hat dich beunruhigt.«

»Wenn du das eh schon weißt, muss ich es ja nicht mehr erzählen«, meinte Peter. Er folgte Justus vorbei an einer belebten Tankstelle und einem gut besuchten Diner. Carmine Falls war verschlafen, aber es gab ganz offensichtlich doch ein paar Menschen im Ort.

»Ich würde es aber auch gern wissen«, mischte sich Bob ein.

»Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung, was ich in der Höhle genau gesehen habe«, sagte Peter zögerlich. »Ich bin gestürzt, habe mich furchtbar erschreckt und hatte danach Schmerzen. Ich konnte nicht klar denken.«

»Demnach war es etwas, dass du dir rational nicht erklären kannst«, schlussfolgerte Justus. »Etwas scheinbar Übernatürliches?«

»Da war jemand. Ein Mensch«, gab Peter zu. »Oder zumindest so etwas wie ein Mensch. Es sah unheimlich aus. Irgendwie tot. Aber dann war das Ding weg.«

»Bei der Kombination aus Stress, schlechten Lichtverhältnissen und einer regen Fantasie...

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