Was Sie da vorhaben, wäre ja eine Revolution.

Ein Streitgespräch über Wachstum, Politik und eine Ethik des Genug
 
 
oekom verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 3. November 2016
  • |
  • 208 Seiten
 
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978-3-96006-165-6 (ISBN)
 
Eppler: Mir verschafft das bisschen Wirtschaftswachstum überhaupt keine schlaflosen Nächte.
Paech: Mir schon!

Dass sich etwas ändern muss, darüber sind sie sich einig... Mit Erhard Eppler, Umwelt und Entwicklungspolitiker der ersten Stunde, und Niko Paech, einem der profiliertesten Wachstumskritiker, treffen zwei engagierte Vorkämpfer einer ökologischen Wende aufeinander.
Was können die Energiewende und das »grüne Wachstum« leisten? Sind genügsamere
Lebensstile mehr als eine Utopie? Und wer steht in der Pflicht: die Bürger oder die Politik? Ein mit Leidenschaft geführter Disput darüber, wie der anstehende gesellschaftliche Wandel vonstattengehen kann.
  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
  • 10,01 MB
978-3-96006-165-6 (9783960061656)
396006165X (396006165X)
weitere Ausgaben werden ermittelt
1 - Was Sie da vorhaben, wäre ja eine Revolution . [Seite 1]
2 - Inhalt [Seite 5]
3 - Kapitel 1: "Sie waren in meiner Jugend eine Gallionsfigur" - Zwei Generationen der Ökobewegung blicken zurück - nach vorn [Seite 7]
4 - Kapitel 2: "Eine Zahl kann doch nicht Ziel der Politik sein" - Grüner wachsen versus schrumpfen - und warum wir eine neue Verteilungspolitik brauchen [Seite 53]
5 - Kapitel 3: "Entschuldigung, Ihr Pessimismus leuchtet mir nicht ein ." - Energiewende versus Lebensstilwende - ein Widerspruch? [Seite 101]
6 - Kapitel 4: "Das Politische hat eine eigene Würde" - Parteipolitik versus Zivilgesellschaft - und wie beide gemeinsam politische Ausdauer bewirken [Seite 135]
7 - Anhang [Seite 175]
7.1 - Selektives Wachstum und neuer Fortschritt - Erhard Eppler [Seite 177]
7.2 - Grundlagen der Postwachstumsökonomie: Wie werden wir zukünftig leben? - Niko Paech [Seite 187]
7.2.1 - Wachstumsdämmerung [Seite 188]
7.2.2 - Auch "grüne" Industrieproduktion ist nicht zum ökologischen Nulltarif zu haben [Seite 189]
7.2.3 - "Grüner" Gewinn und schmutziger Konsum [Seite 192]
7.2.4 - By design or by desaster - eine Wirtschaft ohne Wachstum lässt sich nicht abwenden [Seite 193]
7.2.5 - Unternehmen in der Postwachstumsökonomie [Seite 195]
7.2.6 - Literatur [Seite 198]
8 - Über die Autoren [Seite 199]

Kapitel 1
»Sie waren in meiner Jugend eine Gallionsfigur«


Zwei Generationen der Ökobewegung blicken zurück - nach vorn Ein Streitgespräch? Zwischen Erhard Eppler und Niko Paech? Welche Meinungsverschiedenheiten sollten diese beiden Größen der Ökobewegung denn haben? Das werden sich einige Leser fragen, wenn sie dieses Büchlein in die Hand nehmen. Zu Recht: In Epplers Haus hoch über dem mittelalterlichen Kern seiner Heimatstadt Schwäbisch Hall treffen zwei engagierte Vorkämpfer einer ökologischen Wende aufeinander, deren Positionen und öffentliche Rollen auf den ersten Blick ganz nah beieinanderliegen. Auf der einen Seite des Wohnzimmertischs sitzt der bald 90-jährige, erfahrene, mal leise ironische, mal auch strenge Sozialdemokrat und Intellektuelle, der als einer der ersten Politiker in Deutschland die Dringlichkeit eines Umsteuerns in Richtung Nachhaltigkeit erkannt hat. Als SPD-Mann war er lange Jahre Entwicklungsminister, bis er 1974 wegen politischer Differenzen mit Helmut Schmidt zurücktrat. Danach setzte Eppler, ein Vertrauter Willy Brandts, sein umwelt- und friedenspolitisches Engagement als Vorstandsmitglied der SPD und langjähriger Vorsitzender der Grundwertekommission sowie seines Landesverbandes Baden-Württemberg fort; außerdem in der Anti-Atom- und Friedensbewegung und der evangelischen Kirche. Schon vor mehr als 40 Jahren zog er in seinem Buch »Ende oder Wende« folgenreich programmatische Konsequenzen aus dem Bericht des Club of Rome über »Die Grenzen des Wachstums«. Dessen nüchterne Warnung vor der Endlichkeit der Ressourcen schockierte damals erneut eine Welt, der die Verletzlichkeit des Blauen Planeten erst kurz zuvor mit poetischen Bildern aus dem All vor Augen geführt worden war. Viele haben bei Erhard Eppler, der bis heute immer wieder als »Gewissen der Partei« charakterisiert wird, noch das Bild des Mannes mit Baskenmütze und Windjacke vor Augen, der in Wyhl oder Mutlangen an der Seite von Günter Grass und Heinrich Böll gegen Kernkraftwerke und Atomwaffen demonstrierte. Gerechtigkeit und Frieden, die sozialdemokratischen Kernthemen, waren für ihn nie nur eine Herausforderung im eigenen Land. Sie sollten auch für das Verhältnis zwischen Norden und Süden und für die Verteilung der globalen Ressourcen erstritten werden. Der Besucher, der ihm gegenübersitzt, ist der Volkswirtschaftler Niko Paech, Jahrgang 1960. Als einer der renommiertesten Verfechter einer Postwachstumsökonomie denkt er Epplers Themen unter heutigen Vorzeichen weiter. Man kann ihn wohl getrost einen Bewunderer nennen, denn Paech wurde in den 70er- und 80er-Jahren auch durch die Gedanken des schwäbischen Friedenspolitikers in seinem Engagement für den Umweltschutz bestärkt. Der Wirtschaftswissenschaftler und Nachhaltigkeitsforscher widmete sich den Umweltthemen lange an der Universität Oldenburg und tut das derzeit als Lehrbeauftragter der Universität Siegen. Außerdem engagiert er sich für den Naturschutz und das globalisierungskritische Netzwerk attac. Besonders sein Buch »Befreiung vom Überfluss« aus dem Jahr 2012 provoziert, teils mit pointierter Polemik gegen hedonistische Lebensstile und mit dem Vorschlag für ein ganz neues, »duales« Modell des Wirtschaftens. In Paechs Vision arbeiten Bürger nur noch zu einem geringen Teil ihrer Lebenszeit als bezahlte Beschäftigte moderner Produktions- oder Dienstleistungsunternehmen. 20 Arbeitsstunden pro Woche: Mehr wird ihnen die Ökonomie saturierter Industrienationen nach Paechs Überzeugung nicht mehr bieten. Denn die heute vorherrschende, verschwenderische Wirtschaft müsse schrumpfen, um den Klimawandel aufzuhalten. Den übrigen Teil der Arbeitszeit verbringe man künftig im »entkommerzialisierten Bereich«. Das heißt: Nachbarn bauen selbst Lebensmittel an oder reparieren langlebige Produkte in Gemeinschaftswerkstätten. Die Werkzeuge werden geteilt, genauso Autos und Wissen. Mit Vorträgen über diese Ideen füllt Paech die Säle. Auch Erhard Eppler wurde darauf aufmerksam. Andere blicken, wenn sie 90 werden, nur zurück - der Sozialdemokrat mischt sich neugierig ein. 34 Jahre trennen die beiden Vordenker, und wenn sie einander ihre jeweiligen Prägungen, Erfahrungen, politischen Prioritäten und Visionen erzählen, wenn sie über das Bruttoinlandsprodukt und die Energiewende diskutieren, dann fügt sich das zu einer lebendigen Geschichte der deutschen Umweltbewegung - und zugleich zu einer Debatte über den besseren Weg in die Zukunft. Dabei verbindet Eppler und Paech, wie gesagt, vieles: Beide kritisieren die Fixierung der Wirtschaft auf ein ungebremstes Wirtschaftswachstum. Beide praktizieren selbst, was sie fordern: einen »ressourcenleichten« Lebensstil. Beide sind unbequeme Mahner; Störfälle auch für ihre jeweils eigene »Zunft«. Im einen Falle ist das eine Mainstream-Wirtschaftswissenschaft, die ihre Glaubwürdigkeit in Zeiten der Finanzkrisen noch nicht wieder erringen konnte; im anderen ist es eine SPD, über die Eppler selbst einmal formuliert hat: »Wer zu früh kommt, den bestrafen die Parteifreunde.« Beide fordern heute den Wandel, den Eppler in seinem Buch »Ende oder Wende« schon 1975 postulierte: ». von einem Zeitalter der unbegrenzten Möglichkeiten zu einem der möglichen Begrenzungen, von einem Zeitalter partiellen Überflusses zu einem Zeitalter, wo wir erkennen, was überflüssig ist«. Doch so nah Eppler und Paech einander bei diesen Überzeugungen auch sein mögen, so weit sind ihre jeweiligen Generationen und politischen Kulturen voneinander entfernt, wenn es um die »Machbarkeit des Notwendigen« geht; darum, wie man in Zeiten einer globalisierten Weltwirtschaft von der einen Epoche in die andere gelangt. Wer kann eine Nachhaltigkeits(r)evolution durchsetzen? Wie schnell? Wie radikal? Welchen Stellenwert, welche Möglichkeiten und Mittel haben Politik und Parteien? Der Politiker und der Wissenschaftler haben sich zusammengesetzt, um mit viel Lust an der klärenden Auseinandersetzung über diese Fragen zu diskutieren. Dabei weisen die Kontroversen, die in ihrem Gespräch aufkommen, über einen spezialisierten, quasi ökointernen Disput zwischen Einzelpersönlichkeiten hinaus. Es geht um die Bedeutung und Handlungsfähigkeit der Politik und ihr Verhältnis zur Zivilgesellschaft - und solche Fragen zu klären ist hochrelevant für eine Demokratie, die gerade immer mehr an Vertrauen verliert und besorgt dem Zerfall ihres Parteiensystems zuschaut. Überfällig sind die Diskussionen, die Eppler und Paech anstoßen, außerdem in einer Gesellschaft, für die Nachhaltigkeit mittlerweile Konsens geworden ist. »Nachhaltig«, so nennen sich ja heute nicht mehr nur Ökobauern und Fair-Trade-Händler, sondern alle, von den Vereinten Nationen über Konzerne wie Google oder Monsanto bis zum Kleinstadtbürgermeister. Sie mussten nachhaltig werden, als Folge des immensen Problemdrucks, den die Finanz-, Ernährungs-, Ressourcenkrisen und allem voran die Klimakrise bereits erzeugt haben. Sie wurden es aber auch, weil sich saturierte Ökonomien von grünen Innovationen jetzt neue Wachstumsinspirationen erhoffen. Aber wie nachhaltig ist dann wer tatsächlich? Wo kein Plakat, kein Werbespot und keine Politikerrede mehr ohne den Begriff auskommt, da wird er auch leicht zum »Plastikwort« (Uwe Pörksen); zu einer Leerformel, deren Bedeutung in scheinbarer Einigkeit verschleiert wird und immer neu errungen werden muss. Wie tief greifend müssen die Gesellschaften sich ändern? Mit welchen Prioritäten, mit welchen Technologien? Wo machen wir, wo machen andere uns etwas vor? Was aber wurde auch erreicht, und wo sind wir zu pessimistisch? Denn das wird man leicht. Konflikte und Krisen lassen sich nicht mehr verdrängen. Sie erreichen unmittelbar unsere Wohlstandsinseln, von denen sie teilweise ausgegangen sind. Viele der Migranten, die unmenschliche Kriege und Lebensbedingungen zum hochriskanten Aufbruch nach Europa zwingen, fliehen auch vor den Folgen aufgezwungener Entwicklungsmodelle und eines ausgreifenden globalen Wirtschaftssystems. Und sie fliehen schon jetzt vor den Auswirkungen des Klimawandels. Dabei zeigen sich diese nicht nur weit entfernt im Sahel oder in Bangladesch. Nach nie gekannten sintflutartigen Regenfällen sind kurz vor Niko Paechs Besuch ganz nah bei Schwäbisch Hall die Autos buchstäblich durch die Straßen geschwommen. Wie ein Beleg für seine These, dass die Grenzen des Wachstums längst überschritten sind. Das Gespräch beginnen die beiden mit einem gemeinsamen Gang durch Epplers Garten. Dort arbeitet er seit jeher täglich ein paar Stunden, ehe er sich an den Schreibtisch setzt. Die Bäume und Beete liegen gleich hinter dem Haus, in dem Eppler schon einmal als Kind gewohnt hat. Er geht voran, zeigt Zucchini, Bohnen, Tomaten, Blumenkohl. Bei seinem Gast gleicht schon das selbst gezogene Gemüse einer politischen Aussage . Eppler: Diesen Apfelbaum hat noch mein Vater gepflanzt. Und schauen Sie: Dort laufen meine drei Enten. Seit sie unseren Garten bewohnen, haben wir viel weniger Insekten und Schnecken. Dumm ist nur, dass sie auch sehr gerne Salat mögen. Wir mussten alle Beete einzäunen, damit sie nicht ins Gemüse gehen! Hier im Garten arbeite ich jeden Tag drei bis vier Stunden lang. Und als ich Ihr Buch »Befreiung vom Überfluss« las, Herr Paech, da habe ich mir gedacht: Eigentlich bin ich ja schon sehr nah dran an der Lebensform, die Ihnen für eine Postwachstumsgesellschaft vorschwebt. Ihre Genügsamkeit habe ich schon als junger Mann bewundert . Paech: Ihre Genügsamkeit, von der oft die Rede war, habe ich schon als junger Mensch bewundert. Ich bin davon überzeugt, dass eine solche...

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