Stress sei Dank

Vom intelligenten Umgang mit einem verkannten Phänomen
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 2. Auflage
  • |
  • erschienen am 13. November 2018
  • |
  • 168 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7481-8818-6 (ISBN)
 
In unserem Körper geschehen die erstaunlichsten Dinge: So sorgt ein geschicktes Zusammenspiel unseres Nerven- und Hormonsystems für eine körperliche Reaktion, die uns mit ihrer ambivalenten Wirkung ein Leben lang begleitet.
Helmut Engels gewährt dem Leser einen selbstkritischen, schonungslos offenen Einblick in entscheidende Lebensphasen und entführt in eine Welt, über die wir erstaunlich wenig wissen.
»Stress sei Dank« liefert die Grundlage für eine neue Sichtweise, die sensibilisiert und zu einem besseren Umgang mit einem immer noch verkannten Phänomen anregt.
2. Auflage
  • Deutsch
  • 0,50 MB
978-3-7481-8818-6 (9783748188186)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Jahrelang war Helmut Engels bei führenden Adressen im Finanzgewerbe beschäftigt - bis zwei gravierende gesundheitliche Einschnitte für den Wendepunkt in seiner bis dahin geradlinigen beruflichen Entwicklung sorgten.
Motiviert von der eigenen Lebensgeschichte, entschloss er sich, sein Leben neu auszurichten und sich zukünftig mit dem zu beschäftigen, was ihn geprägt hat.
Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht seitdem ein verantwortungsvoller, intelligenter Umgang mit Stress - auf persönlicher und betrieblicher Ebene.

ZWEI WARNSCHÜSSE UND
FAST EIN BLATTSCHUSS


Wie schnell wir uns - gerade im beruflichen Alltag - in einer gefährlichen Stress-Spirale verfangen können und was passieren kann, wenn wir die Sprache unseres Körpers nicht verstehen, möchte ich Ihnen mit einem Einblick in einschneidende Phasen meines Lebens verdeutlichen.

ERSTER WARNSCHUSS


Retrospektiv verliefen die ersten Jahrzehnte meines Lebens unspektakulär. Obwohl meine berufliche Entwicklung bis zur Jahrtausendwende geradlinig und relativ reibungslos verlief, verspürte ich mit Anfang 40 plötzlich eine aufkommende Unzufriedenheit. Etwas in mir machte sich bemerkbar, rebellierte mit zarter, zunächst kaum wahrnehmbarer Stimme und ließ mich nicht mehr los. Immer mehr bewegten und fesselten mich diese Gedanken: Habe ich mich für die richtigen beruflichen Schritte entschieden? Habe ich erreicht, was ich mir gewünscht habe? Was will ich überhaupt? Was kann mich begeistern, und wie soll es beruflich weitergehen? Die Unbekümmertheit und Leichtigkeit früherer Jahre hatten sich verflüchtigt. Obwohl ich mich - in der Institutionellen Vermögensverwaltung (Asset Management) eines global operierenden deutschen Bankhauses - in einer komfortablen beruflichen Situation wähnte, fühlte ich mich plötzlich in einem Strudel aus Unsicherheit und Orientierungslosigkeit gefangen. Fixiert auf das berufliche Wohlergehen und die Zukunft im Visier, suchte ich das Gespräch mit meinem Vorgesetzten und der Personalabteilung über Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten. Doch alles, was mir angeboten wurde, behagte mir nicht und konnte mich nicht zufriedenstellen. Keine der eigentlich sehr interessanten Optionen weckte in mir Begeisterung und fand meine uneingeschränkte Zustimmung. Auch wenn der Verstand anerkennend und zustimmend nickte, schoss eine nicht verstummen wollende innere Stimme quer. In Anlehnung an ein Lied von Wolkenfrei lautete mein Dilemma:

»Mein Kopf sagt ja,
das Herz schreit nein!«

Die unentwegten Versuche eines befreundeten, in Frankfurt arbeitenden Arbeitskollegen, mich zu einem hausinternen Wechsel in die Mainmetropole zu bewegen, heizten mein Gedankenkarussell zusätzlich an und mündeten in einer stetig wachsenden Frustration. Einerseits sehnte ich mich nach Veränderung, andererseits sträubte sich etwas in mir gegen die angebotenen Positionen und einen karrierefördernden Ortswechsel. Einerseits schätzte ich das sichtbare Interesse und das Buhlen um meine Person, andererseits jedoch sorgten das Gezerre sowie meine Unentschlossenheit für eine insgesamt äußerst unbefriedigende Situation, die meine Unzufriedenheit schürte. Ich war in einer nie erlebten Hilflosigkeit gefangen, fühlte mich alleingelassen und einsam. Ablenkung und Aufmunterung suchte und fand ich in dieser Phase beim Sport. Ich wollte mich, ich wollte zumindest etwas bewegen! Bei körperlicher Aktivität gelang es mir immer wieder, dem Büroalltag und der zermürbenden Gedankenwelt zu entfliehen.

Nach einer Mountainbike-Tour in der Eifel tauchte an einem Sonntagnachmittag im Juli 2004 plötzlich ein seltsames Ohrgeräusch auf. Ein Piepsen, wie es sich hin und wieder bereits früher für ein paar Sekunden gezeigt hatte. Ein heller, schriller Ton, der älteren Lesern sicher noch von einem Fernseher mit Bildröhre vertraut ist. Doch dieser Ton ließ sich nicht einfach abstellen und verflüchtigte sich zu meinem Entsetzen auch nicht. Seit diesem Tag habe ich einen ständigen Begleiter und keine ruhigen, geräuschlosen Momente mehr. Da der Tinnitus meine ganze Aufmerksamkeit fraß, fand ich anfangs kaum in den Schlaf und tagsüber fiel es mir schwer, mich auf andere Dinge zu konzentrieren. Die Empfehlungen und Aufmunterungen, sich an das Geräusch zu gewöhnen, ihm gelassen und entspannt zu begegnen, empfand ich als liebevolle Aufforderung zur Kapitulation. Doch ich wollte mich nicht ergeben, ich wollte den Tinnitus bekämpfen! Um zumindest eine Linderung zu erzielen, suchte ich Hilfe bei diversen HNO-Ärzten, bei meinem Zahnarzt, der mir zu einer Gebissschiene riet, sowie bei einem Osteopathen, der sich intensiv bemühte, der Ursache auf den Grund zu gehen. Zuletzt versuchte ich es mit Akupunktur, Massagen in unterschiedlichsten Variationen sowie einer Softlasertherapie. Doch letztlich blieben alle Untersuchungen und Maßnahmen ohne Erfolg. Das ernüchternde Fazit lautete: Außer Spesen nichts gewesen! Meine Verzweiflung wuchs von Tag zu Tag. Getrieben von einer wirren Mischung aus Enttäuschung, Hoffnungslosigkeit, Ungeduld und Wut, litt ich vor mich hin und zog mich immer mehr zurück. So konnte ich bohrenden Fragen aus meinem persönlichen Umfeld über meinen gesundheitlichen Zustand, der sich nicht verbessern wollte, entkommen. Zudem konnte ich in meiner Unzufriedenheit und meinem Leid die Gesellschaft anderer nur schwer ertragen. Ohne optisch erkennbare Blessuren betrachtete mich die Umwelt als einen gesunden Menschen. So sah ich mich immer wieder erstaunten, verständnislosen Blicken ausgesetzt, wenn ich, gepeinigt von meinem grausamen Begleiter, zur Flucht ansetzte - um einfach nur allein zu sein. Ich bemerkte, wie die anfängliche Anteilnahme und Rücksichtnahme vieler Mitmenschen zunehmend verblassten. Zu dieser Zeit waren die Begriffe Lebensfreude und Lebensqualität Wörter aus einer längst vergangenen Zeit. Mit einem sorgenvollen Blick in die Zukunft fragte ich mich: Wie lange wird mich dieses Handicap noch begleiten? Wird sich der Ton jemals verflüchtigen? Bin ich stark genug, diese Belastung dauerhaft auszuhalten, und kann ich unter diesen Umständen meinen Beruf noch ausüben? Obwohl ich versuchte, mich mit dem neuen Lebensumstand zu arrangieren, schaffte ich es nicht, die wachsende Schwermut abzulegen.

Eines Tages erfuhr ich von einer Person, an die sich Menschen wenden, die über Leiden oder Krankheiten klagen, bei denen die Schulmedizin keine lindernde oder heilende Wirkung zeigt. Getrieben von einer großen Portion Neugier sowie der Sehnsucht nach Besserung, setzte ich mich unverzüglich mit ihr in Verbindung. Zu meiner Überraschung traf ich auf einen Bekannten, der im gleichen Ort aufgewachsen war und mit dem ich etwa zeitgleich die Grundschule besucht hatte. Unsere tiefgründigen Gespräche mündeten in kurzen wie eindeutigen Botschaften:

  • Heilen kannst Du Dich nur selbst!
  • Achte auf eine gesunde Struktur Deiner Gedanken!
  • Komm zur Ruhe!

Im ersten Moment war ich irritiert und auch ein wenig enttäuscht. Denn statt der erwarteten Medikamente, Heilkräuter oder Tinkturen erhielt ich völlig überraschend einen Hinweis zur Selbstwirksamkeit sowie zwei banal klingende Handlungsanweisungen. Erst langsam erkannte ich, dass ich in eine Dysbalance geraten war, gegen die mein Körper rebellierte und auf die er mit dem Tinnitus reagierte. Mein Interesse richtete sich zunehmend auf die Ursachen und wich der einseitigen Fokussierung meines quälenden Symptoms. Neben der permanenten Belastung durch die Flut nicht verstummen wollender Gedanken schien sich jetzt zu rächen, dass ich in den letzten Jahren selten zur Ruhe gekommen war - dass ich mich kaum geschont und mir keine ausreichenden Ruhephasen gegönnt hatte. Einer ständigen Betriebsamkeit erlegen, hatte ich die Notwendigkeit körperlicher und mentaler Entspannung schlichtweg ausgeblendet. Dafür erhielt ich nun die Quittung.

ZWEITER WARNSCHUSS


Im Sommer 2005 rief mich ein »Headhunter« an, der einen Kandidaten für eine neu zu besetzende Position suchte. Ich sah mich mit einer interessanten Herausforderung in einer vertrauten Funktion konfrontiert, durch die ich mich meiner beruflichen Unzufriedenheit elegant entledigen konnte. Zudem musste ich mit dem Arbeitgeberwechsel nicht einmal dem Rheinland den Rücken kehren. Nötig war lediglich ein Umzug von der Landeshauptstadt Düsseldorf in die Domstadt Köln - aus der »verbotenen Stadt« in die Stadt mit dem besonderen Lebensgefühl. So wechselte ich nach sechzehn unterm Strich erfolgreichen und erfüllenden Jahren aus dem Gefüge eines Großkonzerns unter das Dach eines familiengeführten Bankhauses. Mit Blick auf meine berufliche Entwicklung erschien mir der Übergang in das zur damaligen Zeit größte Privatbankhaus auf dem europäischen Kontinent als logischer und konsequenter Schritt. Getragen von diesen erfreulichen Umständen, verdrängte ich meine störenden Gedanken und empfand den Tinnitus nicht weiter störend. Ich fühlte mich gut - noch! Während ich mich auf meine neuen Aufgaben und die Integration in eine vollkommen andere Organisationsstruktur konzentrierte, ertappte ich mich jedoch schon in den ersten Wochen immer wieder dabei, wie meine Gedanken in vergangene Zeiten abschweiften und sich in Erinnerungen an die alte Umgebung verfingen.

Was waren die Gründe für die rückwärtsgerichteten Blicke und die ersten aufkommenden Zweifel an meiner Entscheidung? Das Arbeitsumfeld konnte unterschiedlicher kaum sein. Wo noch vor wenigen Wochen eine aufrichtige, geradezu herzliche Atmosphäre bis hin zu einem freundschaftlichen Kontakt geherrscht hatte, erlebte ich nun ein vollkommen anderes Klima....

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