Die Klimakämpfer

Wer unseren Planeten wirklich rettet und wie du selbst zum Klimahelden werden kannst - Inspirierende Ideen für die Rettung der Welt
 
 
Penguin Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 9. November 2021
  • |
  • 336 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-27259-3 (ISBN)
 
Wie heimliche Helden unseren Planeten retten und den globalen Klimawandel bekämpfen

Der Permafrost taut, der Amazonas brennt, die Pole schmelzen. Der Klimawandel scheint unaufhaltsam voranzuschreiten. Ist Widerstand also zwecklos? Auf keinen Fall, wie die hier vorgestellten Klimakämpfer beweisen. Überall auf der Erde setzen sie sich mutig für den Klimaschutz und mehr Nachhaltigkeit ein, wehren sich gegen Raubbau, Lebensmittelverschwendung und Klimakrise. Die Weltreporter haben diese heimlichen Heldinnen und Helden auf dem ganzen Globus besucht und begleitet. Ihr Fazit: Es ist noch nicht zu spät, dem Klimawandel entschieden entgegenzutreten. Eine globale Bewegung ist bereits dabei, mit Mut, Erfindungsgeist und Witz unseren Planeten zu retten. Ein Buch, das Hoffnung macht und jeden dazu anregt, sich im Kampf gegen den Klimawandel selbst zu engagieren.
  • Deutsch
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Penguin
  • 5
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  • 1,56 MB
978-3-641-27259-3 (9783641272593)
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Hannah Moloney aus
Hobart, Tasmanien, Australien
DIE HOFFENDE


Von Julica Jungehülsing

»Inzwischen sehe ich der Feuersaison jeden Sommer mit Furcht entgegen.« Hannah Moloney zieht die Pforte zum Ziegenstall zu und blinzelt in die Morgensonne, im Melkeimer schwappen zwei Liter Milch. »Das war vor 15 Jahren nicht so.« Die Australierin lebt an einem steilen Hang im Süden von Hobart, der Hauptstadt Tasmaniens. Tief unter ihr funkelt der River Derwent, 180-Grad-Panorama perfekt wie eine Postkarte: Dächer und Kirchtürme, kugelige braune Hügel, Brücken und Landzungen, die in die Tasmansee hinausführen. Ihre Toggenburger Ziegen Gerty und Jilly ignorieren den Traumblick und kauen Grünzeug zum Frühstück, in den Beeten zwischen Stall und Werkstatt wachsen Brokkoli, Tomaten und Äpfel. Ihr altes Holzhaus hat die Australierin mit ihrem Mann in fröhlichem Pink gestrichen, passend zu ihren langen, derzeit rosa Haaren und einem breiten Lächeln, das selten aus ihrem Gesicht weicht. Die 37-Jährige ist keine ängstliche Frau, im Gegenteil. Doch angesichts der wachsenden Intensität und Häufigkeit von extremen Bränden, Stürmen und Überschwemmungen in ihrem Land wird selbst optimistischen Australierinnen wie ihr zuweilen mulmig zumute. Erst recht seit der katastrophalen Waldbrandsaison 2019/2020, die als Black Summer in die Geschichte einging und beispiellos brutal war.

Moloney lässt sich von der Klimakrise dennoch nicht überwältigen. Die bedrohliche Situation hat sie eher darin bestärkt, weiterhin die Welt zu retten, jeden Tag ein bisschen. Als 18-Jährige hat sie vom Abholzen bedrohte Regenwälder besetzt, inzwischen wählt sie für den Klimakampf andere Waffen. Sie lebt ihre Überzeugungen und arbeitet täglich an einer Umwelt, die weniger Energie braucht: in ihrem eigenen Leben, in ihrem Permakultur-Designbetrieb »Goodlife«, vor allem aber, indem sie ihr Wissen weitergibt und andere durch ihr Beispiel und mit ihrem Enthusiasmus ansteckt. »Australier lassen sich meiner Erfahrung nach nicht gerne sagen, was sie falsch machen, oder darüber belehren, was sie besser machen sollten - vielleicht gilt das auch anderswo«, sagt Moloney. »Zugleich erlebe ich, wie sehr sich Menschen durch positive Beispiele begeistern und mitziehen lassen. Das ist so viel kraftvoller, als zu predigen.« Über einen schmalen Pfad bringt sie ihre Ziegenmilch zum Haus. Als sie dieses Stück Land 2012 kaufte, fiel der begraste Unkrauthang so steil ab, dass sie ihn kaum überqueren konnte. Neun Jahre später hat sie das Land zu blühenden Terrassen kultiviert, eine kleine Permakulturfarm mitten in der Stadt aufgebaut. Hinter Permakultur steckt die Idee, die Wechselbeziehung zwischen Menschen, Pflanzen, Tieren und der Erde zu stärken. »Es geht dabei um viel mehr als nur um nachhaltiges Gärtnern«, sagt Moloney, die das Prinzip als »eine Form des positiven, nährenden Aktivismus« beschreibt. Sie sammelt die Eier aus dem Hühnerhaus und freut sich über lila-blau blühende Artischocken: »Zu spät zum Einlegen, jetzt sind sie nur noch Augenschmaus!« Ihr Optimismus ist keine Naivität, sie sieht ihn eher als Notwendigkeit. »In der Klimawissenschaft gibt es nichts, das >Wischiwaschi< ist«, sagt sie. »Die Situation ist unglaublich drängend.« Natürlich könne man sich angesichts der alarmierenden Fakten auch frustriert in einer Ecke zusammenrollen. »Aber mich motiviert etwas, das Radical Hope genannt wird - radikale Hoffnung: Es könnte ja sein, dass das, was wir tun, um nachhaltiger zu leben, funktioniert, also müssen wir es wenigstens versuchen.« Moloney schaut über die Stadt unten am Fluss und wird ernst: »Ich glaube nicht, dass wir Zeit haben, viel anderes zu tun, als jeden Tag aktiv am Klimaschutz zu arbeiten.«

Australien ist klimatisch extrem, klimapolitisch hingegen behäbig und langsam. Feuer, Wirbelstürme und Überschwemmungen gehören auf dem Kontinent seit jeher zum Alltag. Doch die Häufung und wachsende Intensität extremer Naturereignisse führen Wissenschaftler klar auf die Klimakrise zurück. »Unsere Forschung zeigt, dass sich das australische Klima aufgrund zunehmender Treibhausgase wie CO2 in der Atmosphäre weiter erwärmt und die Häufigkeit von Extremereignissen wie Waldbränden, Dürren und Hitzewellen im Meer zunimmt«, sagt Jaci Brown, Direktorin des Klimazentrums der staatlichen Forschungsbehörde CSIRO.

Dabei gehört das Land nach wie vor mit 15,5 Tonnen Jahresausstoß zu den weltweit größten Pro-Kopf-Verursachern von CO2. Dem halten konservative Politiker und Medien gerne entgegen, der Kontinent sei ja nur für 1,3 Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich, ganz nach dem Motto: »Was können wir da schon groß bewirken?« Während sich andere Industrienationen auf Nullemissionen bis 2050 festlegen, bleibt Australiens konservative Regierung Klimakonferenzen fern, arbeitet an »eigenen Lösungen« oder macht vage Ansagen. Obgleich selbst die schattigsten Gegenden des Landes wie der Südwesten Tasmaniens im Durchschnitt mindestens fünf Sonnenstunden pro Tag haben und die meisten Regionen mehr als zehn, stammt australischer Strom noch immer zu 75 Prozent aus Kohle. Zudem ist Australien einer der führenden Kohleexporteure der Welt: Im Rekordjahr 2018 verließen über 200 Millionen Tonnen des fossilen Brennstoffs auf Schiffen das Land, um Kraftwerke rund um den Globus zu befeuern. Seit 2020 ist Australien außerdem der weltgrößte Gaslieferant. Daher verdankt Australien den nur 1,3-prozentigen Anteil an weltweiten Emissionen einer Deutungskapriole, denn dieser Wert berücksichtigt nur die Emissionen innerhalb des Landes. Schon 2012 schätzte der Thinktank Beyond Zero Emissions, dass der Beitrag Australiens zu den globalen CO2-Emissionen bei 4 statt 1,3 Prozent läge, würde man die exportierte Kohle mit einrechnen. Und damit wäre Australien Beyond Zero zufolge der weltweit sechstgrößte Verursacherstaat der Klimakrise.

Wasserkraft, Wind, Sonne - das Land hat alternative Ressourcen im Überfluss und ist reich und in der Lage, erneuerbare Technologien zu entwickeln und zu finanzieren, um diese effizient nutzen zu können. Selbst die Industrie dringt längst auf eine Wende. Seit dem Black Summer wollen 80 Prozent der Bevölkerung mehr Taten in der Klimapolitik sehen. Wie kann es sein, dass die Liebe zur Kohle dennoch nicht nachlässt? Ein Grund: Zusammen mit Hüttenkohle für die Stahlproduktion brachte Kohle Australien 2018 umgerechnet mehr als 42 Milliarden Euro ein, das waren 3,5 Prozent des Bruttosozialprodukts. Der andere Grund: Mehr als 15 Jahre lang prägten Leugner und Bremser die politische Landschaft, wobei das Niveau zuweilen ins Groteske abdriftete, etwa im Februar 2017. Australiens damaliger Finanzminister brachte ein Stück pechschwarze Kohle mit ins Parlament. Die Klimaanlagen in Canberra bliesen zeitgleich auf Hochtouren, draußen wütete eine der heftigsten Hitzewellen, die das Land bis dahin erlebt hatte. »Haben Sie keine Angst, es wird Ihnen nicht weh tun, es ist nur Kohle!«, rief ein aufgebrachter Scott Morrison mit dem schwarzen Klumpen wedelnd den Abgeordneten zu. Der damals 52-Jährige beschimpfte Grüne als »Kohlephobiker«, lobte den fossilen Rohstoff als »wichtigen Teil unserer nachhaltigen Energiewirtschaft der Zukunft« und versprach, er werde auch in Zukunft viele Arbeitsplätze sichern. Zwei Jahre später wählten die Australierinnen und Australier den Konservativen zum Premierminister. Ein paar Monate danach behauptete sein Parteikollege und Amtsvorgänger Tony Abbott in London, »die >sogenannte< Wissenschaft zum Klimawandel [sei] absoluter Schwachsinn«. Progressive Australier duckten sich vor Scham, Wissenschaftlerinnen zuckten zusammen.

»Die Politiker haben konsequent die Angst-Karte gespielt«, sucht Hannah Moloney nach Erklärungen für das zögerliche Aufwachen vieler Landsleute angesichts der Klimakrise. »Das war Ende der 1990er mit der Flüchtlingspolitik ähnlich.« Die Angstparole damals lautete: »Wir werden von einer Flüchtlingswelle überschwemmt. Jobs, Haus und Hof sind in Gefahr!« Eine ähnliche Furcht hätten Liberals und Labour - die Parteien, die sich in Australiens absolutem Mehrheitswahlsystem in der Regierung abwechseln - zur Klimapolitik verbreitet. Statt den Übergang zu Erneuerbaren zu fördern und für die positiven Aspekte eines Wandels zu werben, werde mit Äußerungen wie »Ohne Kohle werdet ihr Jobs verlieren, ländliche Regionen werden in Armut versinken!« oder »Die Grünen wollen eure Autos verbieten!« wieder vor allem Furcht gesät.

Moloney lacht eine ihrer ansteckenden Lachsalven. Für sie hat ein Leben ohne eigenes Auto nichts Bedrohliches, im Gegenteil, sie war glücklich, als sie vor zwei Jahren ihren Wagen verkaufen konnte. »Ich würde es hassen, wieder ein eigenes Auto haben zu müssen«, sagt die überzeugte E-Bikerin. Ihre Tochter Frida reist im Kindersitz, und wenn Moloney für Jobs oder zum Campen einen fahrbaren Untersatz braucht, bucht sie den Nachbarschaftswagen. Ihr Mann Anton Vikstrom importiert gebrauchte Elektroautos aus Japan und verkauft sie in Australien, wo der Markt noch in den Kinderschuhen steckt. Ehe er die kompakten Nissan Leafs zu ihren neuen Besitzern bringt, tankt er sie an der eigenen Solaranlage auf. Die Familie fängt das in Hobart eher rare Regenwasser auf, hat mitten in bester Wohnlage eine Komposttoilette installiert und ist stolz, dass kaum Müll ihr knapp 3000 Quadratmeter großes Grundstück am Steilhang verlässt: Wurmfarm, Kompost, Ziegen, Hühner und Enten kümmern sich um die Wiederverwertung ihres organischen Abfalls. Vikstrom braut sein Bier selbst, pflegt einen Bienenstock, erntet und konserviert Früchte.

Autark ist die Familie damit...

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