Im Visier

Datenlieferung im schwarzen Dreieck
 
 
Polarise (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 8. November 2021
  • |
  • 395 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-947619-87-0 (ISBN)
 

Der Kurier bringt deine Daten vertraulich ans Ziel.




2031 - in Deutschland ist alles und jeder permanent verknüpft. Dennoch gehört Datenschutz der Vergangenheit an. Behörden sowie Cyberkriminelle haben Mittel und Wege gefunden, begehrte Informationen mitzulesen und für ihre Zwecke einzusetzen. Wer es finanzieren kann, übergibt seine Dateien einem menschlichen Kurier. Die Daten werden persönlich zum Empfänger transportiert - anonym und vertraulich, von lokalem zu lokalem Speicher.Sofia ist eine dieser Kuriere. Während ihres nächsten Jobs passiert es: Sie infiziert ihren Datengürtel mit einem Virus, der mehr als die gewünschten Daten herunterlädt. Die unbekannten Dateien sind nicht für fremde Augen gedacht und Sofia gerät ins Fadenkreuz von Politik, Verfassungsschutz und dem Mob. Begehren sie nur die Informationen oder steckt mehr dahinter?
  • Deutsch
  • Heidelberg
  • |
  • Deutschland
  • 0,59 MB
978-3-947619-87-0 (9783947619870)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Arno Endler, geboren als Sonntagskind 1965 in Neuwied, infizierte sich im Alter von 12 Jahren mit dem Science-Fiction-Virus. Als Schüler durchstöberte er bereits sämtliche Buchhandlungen seiner Heimatstadt auf der Suche nach Büchern des Genres und litt nur an einem Mangel an Taschengeld. Er studierte Steuerrecht und betreute als Landesbeamter verschiedene IT-bezogene Projekte. Seit dem Jahr 2008 wagte er schriftstellerisch Blicke in die nähere und fernere Zukunft und publizierte Dutzende Kurzgeschichten im c´t-Magazin. Seit 2016 schreibt er für die Serie Perry Rhodan NEO und veröffentlichte mehrere Romane in verschiedenen Verlagen.

PROLOG


In der engen Fahrstuhlkabine betrachtete der hagere, hochgewachsene Mann den undeutlichen Schatten auf dem gefliesten, fleckigen Boden. Der Lift ruckelte mehrfach, die Fahrt war unruhig. Eine Technik, die sicher schon bessere Zeiten gesehen hatte.

Der Mann, hier nannte man ihn Sven, nestelte an der Zugangskarte. Sie hing an einem Band, das sich in die Haut seines Nackens ritzte. Er musste schmunzeln, obwohl ihm eigentlich nicht danach war.

Der Umriss auf dem Boden, der nur bedingt seiner Gestalt ähnelte, gemahnte ihn daran, welches Geheimnis er hütete.

Schatten, dachte er, so nennen sie uns.

Im Minidisplay neben dem Touchscreen flammte die minus Drei auf - in grellem, blutigem Rot. Nichts deutete darauf hin, dass diese Etage und die zwei darunterliegenden vom Bundesamt für Verfassungsschutz genutzt wurden. Darüber taten die Beamten des IT-Bundesamtes ihren Dienst. Zutritt zu den BfVH-Etagen hatten sie nicht.

Welcome to hell. Willkommen in der Unterwelt, so hatte er einst die Begrüßungstour über sich ergehen lassen.

Sven glich das Wippen des Haltevorgangs aus, hielt seine Zugangskarte vor den Scanner. Die Türen glitten mit einem metallischen Schaben zur Seite. Ein kräftiger kühler Hauch kippte in die Kabine. Die Luft roch nach Desinfektionsmittel.

Sven trat hinaus in den Korridor, der so beamtenstubenmäßig angelegt war, dass er in jeder Streaming-Serie hätte verwendet werden können. Glatter, aber nicht rutschiger Bodenbelag, die Wände in schmucklosem Grau gestrichen, nur unterbrochen durch eine ganze Reihe von Türen zu beiden Seiten. Daneben elektronische Hinweisschilder, wer in den jeweiligen Räumen dahinter residierte.

Sven suchte die minus 3.027, ein Zimmer, in dem Piet auf ihn wartete. Er musste nach rechts.

Seine langen, schlaksigen Beine steckten in einer zu weiten Hose. Die Hosenbeine machten ein klatschendes Geräusch bei jedem Schritt. Niemand begegnete ihm auf dem Flur, es herrschte absolute Stille.

Sven trat an die minus 3.027, hielt seine Zugangskarte vor den Scanner, ein unscheinbares Quadrat mitten in der Tür.

Auf der Zugangskarte befanden sich all seine Daten, die ID-Nummer, Berechtigungen, die er schon längst überschrieben hatte, und in großen Lettern aufgedruckt las man dort BfVH.

Die Behörde, in deren Dienst man ihn gezwungen hatte.

Es summte kurz, dann öffnete sich die Tür mit einem Klacken nach innen. Sven stieß sie weiter auf und huschte hinein.

Piet teilte sich das Zwölfquadratmeter-Kabuff mit einem breiten Schreibtisch, auf dem gleich vier überbreite Monitore befestigt worden waren. Sie stellten die einzige Lichtquelle dar und tauchten den Raum in ein fahles Licht.

Der Datenspezialist saß im Rollstuhl und freute sich ganz offensichtlich, Sven zu sehen.

»Svenni!«, grüßte Piet.

»Hey, Pi!«, erwiderte Sven. »Ist nett, dass du mir helfen willst.«

»Mach ich doch gerne.« Piet deutete mit einem Kopfnicken in die Ecke. »Nimm dir den Stuhl. Ich hab meinen ja immer dabei.« Er griff in die Räder des Rollstuhls und korrigierte seine Position am Tisch.

Sven holte sich einen Rollhocker herbei, schob ihn neben Piets Platz und setzte sich. Über drei der Monitore ergossen sich Programmzeilen wie farbige Wasserfälle. Es waren von Piet entworfene Programmcodes, die Auswertungen zu ganz unterschiedlichen Problemstellungen lieferten.

Der vierte Bildschirm allerdings zeigte einen Videofeed.

»Ist das live?«, fragte Sven.

»Jep. Deswegen wollte ich, dass du herkommst.«

Gemeinsam betrachteten sie schweigend die Bilder eines Raums. Ein metallener Tisch war zu sehen mit einer darauf montierten massiven Stange, um die sich die Kettenglieder einer Handfessel spannten. Ein pausbackiger Rothaariger mit Schweiß auf der Stirn saß auf einem der Stühle, stützte sich mit den Ellenbogen auf der Tischplatte ab und schüttelte den Kopf. Die Handschellen hatten schon Spuren an seinen Handgelenken hinterlassen. Seine verwaschenen Augen zeigten Spuren von Tränen.

Piet zoomte heran, sie sahen ihn in Großaufnahme. Die fettig wirkenden dünnen Haare, die Rotze, die aus den Nasenlöchern tropfte.

»Scheiße, das ist Hoodie«, gab Sven das Offensichtliche wieder. »Was hat er ausgefressen?«

Piet hustete. Er wischte sich anschließend verstohlen den Mund ab und dirigierte mit den Fingern der linken Hand die Einstellungen am Monitor. Der Datenhandschuh war als solcher kaum erkennbar. Nur wer wusste, dass Piet einen trug, sah die verräterische Farbe.

Der Livefeed verkleinerte sich auf die Hälfte, daneben ratterte eine nicht enden wollende Reihe von Einträgen in einer Tabelle von oben nach unten.

Piet beugte sich vor, um die Buchstaben besser erkennen zu können. »Er wird seit drei Stunden dort festgehalten. Der Befehl kam von Abteilung 7.«

»Sieben? Das ist die Datenakquise, nicht wahr?«, hakte Sven nach.

»Ja. Und der Befehl kam von .« Piet fuchtelte mehrfach mit den Händen, swipte sich durch die Anzeigen - ein wahrer Künstler mit dem Datenhandschuh.

Sven roch die Ausdünstungen von Piets Deo. Intensiv stechend. Bald schon würde es versagen und der Schweiß eines Nerds den Raum füllen.

»Da ist es. Kacke!«, stieß Piet hervor.

»Wer? Wer gab den Befehl?«

»Weiler.«

Sie starrten einander bedeutungsschwanger an. Die Abneigung gegen den Chef der Abteilung 7 verband die beiden.

Sven wandte sich wieder dem Monitor zu. »Was wirft Weiler ihm vor?«, fragte er.

»Hier steht nix.« Piet wechselte die Anzeigen und wühlte sich im Eiltempo durch mehrere Dateien.

»Mach das Bild wieder größer. Da passiert was«, wies Sven ihn an. Er schrak zusammen, als er gewahr wurde, wer den Verhörraum betreten hatte. »Scheiße, da ist Weiler persönlich«, murmelte er.

Hoodie, der eigentlich Nahood hieß, sah auf. Angst fegte über sein Gesicht. Er versuchte sich aufzusetzen, doch die Handschellen an den Ketten engten seinen Bewegungsspielraum stark ein und machten es ihm unmöglich. Er bewegte den Mund.

»Kein Audio?«, fragte Sven.

»Nein. Niemand weiß überhaupt von der Übertragung auf den Backup-Server. Aber ich kann die Transkription anwerfen. Das dauert einen Moment, aber dann sollten wir mitlesen können.«

Piet versank in seiner wild anmutenden Dirigententätigkeit. Auf dem Monitor überlagerten sich einige Programmfenster gegenseitig, bis der Spezialist endlich das passende geöffnet hatte und erleichtert aufseufzte.

Er verkleinerte den Videofeed und links daneben transkribierte ein Programm die Audioaufnahme aus dem Raum.

Was denkst du eigentlich, wer du bist? - Einen Anwalt? Deinen Anwalt? So jemand wie du, ein Nichts, ein schwabbelbäuchiger Nerd, der nur aus einem einzigen Grund noch nicht gefeuert wurde, fragt nicht nach einem Anwalt.

[nicht transkribierbare Geräusche]

Du hast eine Vereinbarung unterschrieben. Einen Vertrag. Und du hast ihn gebrochen.

Nein, bitte.

Jetzt flenn nicht herum. Wo ist der [Lätschopener]?

Piet richtete sich auf. »Weißt du, wovon Weiler spricht? Die Software kann dieses Wort nicht zuordnen.« Er sah Sven fragend an.

»Nein«, log dieser. Gleichzeitig verfolgte er die Antworten Hoodies, der immer noch alles abstritt.

Ich weiß von nichts. Als ich wieder ins Labor kam, war das Programm weg, alle Log-Dateien gelöscht.

Lüg mich nicht an.

Im Videofeed sahen die beiden vor den Monitoren, wie Weiler ihren Kumpel mit Lässigkeit ohrfeigte. Zweimal, dreimal. Das Gesicht Hoodies, der nicht ausweichen konnte, flog mal nach rechts, mal nach links. Schweißtropfen spritzten umher.

Sven schloss die Augen, spürte das Gewicht der Speicherkarte tonnenschwer in seiner Hosentasche. Hoodie würde ihn verraten, würde sie alle verraten. Er war zu schwach, um Weiler Paroli zu bieten. Sven selbst hätte in dieser Situation gestanden.

Also blieb ihm nicht mehr viel Zeit. »Hä?«, stieß Piet hervor.

Sven schreckte auf, las kurz nach, was gesprochen worden war.

Es ist sinnlos, Nahood. Du weißt, dass sich die Software eigenständig in gesicherte Netze einwählt, sobald er Kennungen oder Scans registriert. Derjenige, dem du ihn also weitergegeben hast, wird sich selbst verraten - bei jeder verflixten Nutzung! Also! Wo ist mein Baby?

Ich weiß es...

Dateiformat: ePUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat ePUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

9,99 €
inkl. 7% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen