Der Schneewittchenmörder

Thriller
 
J. T. Ellison (Autor)
 
Mira Taschenbuch Verlag
1. Auflage | erschienen am 1. Juni 2011 | 432 Seiten
 
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978-3-86278-056-3 (ISBN)
 
Weiß wie Schnee, rot wie blut, schwarz wie Ebenholz ... zehn Jahre nach seinem letzten Mord geht der Schneewittchenmörder wieder in Nashville um.

Ein Fall, der Lieutenant Taylor Jackson so in Atem hält, dass sie sich kaum um die Vorbereitungen zu ihrer Hochzeit kümmern kann. Und so bemerkt sie auch zu spät, dass die Limousine, die sie zur Kirche bringen soll, den falschen Weg einschlägt.
John Baldwin wartet vergeblich vor dem Altar auf seine Braut. Erst denkt er, dass Taylor es sich in letzter Sekunde anders überlegt hat. Bis die Polizei eine verlassene Limousine findet - und einen weißen Brautschuh am Ufer des eiskalten Cumberland River.

J.T. Ellison wurde von der Nashville Scene als 'Best Mystery/Thriller Writer of 2008' ausgezeichnet. Für die Recherche zu ihren Büchern arbeitet sie eng mit dem Metro Nashville Police Department und dem FBI zusammen.
Mira Star Bestseller Autoren Thriller
Ivonne Senn
Deutsch
0,82 MB
978-3-86278-056-3 (9783862780563)
3862780562 (3862780562)
weitere Ausgaben werden ermittelt

1. KAPITEL


Zwei Monate später

Nashville, Tennessee

Sonntag, 14. Dezember

19:00 Uhr

Die Halogenlampen spiegelten sich in der zinnoberroten Pfütze, die langsam überfror und umso heller wurde, je näher sie dem Gefrierpunkt kam. Kurze schwarze Haare schwebten unter der hart werdenden Oberfläche, wie Venen im Blut. Als sie endgültig zufror, pulsierte sie noch einmal, zweimal, wie ein sterbendes Herz. Lebensblut im wahrsten Sinne.

Die Frau war nackt, ihr Körper mit blauen Flecken übersät. Sie lag auf ihrer rechten Seite, das Gesicht in Richtung des Hügels gewandt, der zum Capitol hinaufführte. Lange, ebenholzschwarze Haare umflossen sie wie ein matschiger Bach. Ihr Gesicht war weiß, weißer als ein Geist; ihre Lippen waren blutrot gefärbt. Sie sah aus wie eine Märchenprinzessin, die in einem Glassarg gefangen gehalten wurde. Aber dieses Mädchen war nicht dank eines vergifteten Apfels an ihrem finalen Ruheplatz gelandet, umgeben von Liebe und Bedauern. Stattdessen lag sie wie weggeworfen auf diesem marmornen Podest, entsorgt wie ein Stück Sperrmüll. Ihr nackter Körper bog sich um den in der Mitte stehenden Pfosten. Die kleineren Flaggen umrahmten sie beschützend und schlugen mit jedem Windstoß aus. Ihr linkes Bein lag in einem grotesken Winkel abgespreizt und verdeckte eine der in den Boden eingelassenen Lampen, die die Szene geschmackvoll beleuchteten.

Bei näherem Hinsehen war die klaffende Messerwunde gut erkennbar. Sie zog sich einmal quer über die Kehle der Frau. In der Dunkelheit grinste sie fröhlich in einem dunklen Burgunderrot, beinahe Schwarz, wobei auch helle Knorpelstücke und Knochen sichtbar waren.

Taylor betrachtete die Sauerei mit hochgezogener Augenbraue. Oh, die Freuden eines Lieutenants der Mordkommission. Sie zitterte in der Abenddämmerung, drückte die Arme näher an ihren Körper und schaukelte leicht vor und zurück. Sie war angemessen angezogen - ein bis zur Mitte des Oberschenkels reichender Lammfellmantel, darunter ein dicker Strickpullover und Jeans, Handschuhe und ein Schal, aber die Kälte stahl sich durch die kleinsten Ritzen und ließ ihr Blut immer träger fließen. Die Luft roch scharf und bitter nach Schnee. Die Temperatur hatte seit Tagen weit unter dem Gefrierpunkt gelegen und eine angespannte Atmosphäre erzeugt, die für Nashville einen baldigen Schneesturm ankündigte. Der Winter kommt noch diese Woche, sagten die Leute. Taylor stieß einen Cowboystiefel in das gefrorene Gras.

Warten. Sie war es so leid, zu warten. Es schien, als wenn sie ihr ganzes Leben in einer Art Warteschleife verbrachte, auf ihre Uhr schaute, wusste, dass es noch ein paar Minuten, ein paar Stunden, ein paar Tage dauern könnte, bis irgendetwas geschehen oder irgendjemand auftauchen würde.

Die Rechtsmedizinerin würde jeden Moment eintreffen. Sie musste nichts anderes tun, als darauf zu warten.

Es war zu kalt, um länger einfach nur zu stehen. Taylor reckte die Arme in den Himmel und spürte, wie eine Verkrampfung unterhalb ihrer rechten Schulter sich löste. Zu verspannt, und die eiskalten Temperaturen waren da keine Hilfe. Sie ging in die Nacht hinaus, froh, den Geruch des Todes aus der Nase zu bekommen, nur um sofort umzudrehen, als der Gestank von beißender Kälte ersetzt wurde. Ihre Augen tränten. Mit einem kurzen Blick über ihre Schulter schritt sie die Granitmauer ab, die das Amphitheater umgab. In einiger Entfernung drehte sie sich um und betrachtete die vor ihr liegende Szenerie.

Sie musste zugeben, dass die Bicentennial Mall Nashvilles eine ganz zauberhafte Kulisse für einen Mord bot. Im Jahr 1996 eingeweiht, um das zweihundertjährige Jubiläum der Staatwerdung Tennessees zu feiern, hatte sie nie die Beliebtheit erreicht, die sich die Stadtführer erhofft hatten. Die Promenade hatte jedoch einen gewissen Charme und war ein beliebter Treffpunkt, um im Sommer seine Mittagspausen an der frischen Luft zu verbringen oder seine morgendlichen Joggingrunden zu drehen. Nachts war es hier sehr still. Die Einzigen, die sich hier versammelt hatten, um den Mord zu bekunden, waren die verschiedenen blau-weißen Streifenwagen, deren Lichter durch die Dunkelheit zuckten. Das würde sich ändern, sobald die Medien Wind von dem Mord bekamen. Und vom Zustand des Opfers. Sehr wahrscheinlich war das hier Opfer Nummer vier.

"Verdammt."

Die Übertragungswagen der nationalen Fernsehsender würden weiterhin die Straßen von Nashvilles Innenstadt säumen und auf einen Fehltritt der Polizei warten, der einen weiteren Tag dieses Medienzirkus garantieren würde. Zwei Monate konstanter Beobachtung durch die Presse hatten bei allen Spuren hinterlassen. Drei Familien waren auseinandergerissen worden - nun wohl vier, sobald die Identität des neuen Opfers festgestellt wäre. Mehr schlaflose Nächte, als Taylor zählen konnte. Mach weiter. Der Durchbruch ist nicht mehr weit.

Das südliche Ende der Mall, wo das tote Mädchen lag, war ein Tribut an die Staatsflagge Tennessees. Achtzehn Fahnen, wovon acht die eine höhere in der Mitte umringten, begrenzten beide Seiten des mit Granitsteinen gepflasterten Weges. Sie winkten fröhlich in der kalten Brise, vollkommen ungerührt von der blutigen Szene vor ihnen. Vielleicht war das ein passendes Bild. Tennessee hatte seinen Spitznamen "Der Freiwilligen-Staat" den vielen Männern zu verdanken, die im Bürgerkrieg gekämpft hatten. LeRoy Reeves vom Dritten Regiment der Infanterie hatte die Flagge entworfen. Der purpurfarbene Stoff mit den drei weißen Sternen passte gut zu dem Blut und den Knochen am Fuße des Fahnenmastes.

Es war ein schönes Bild - wenn man Postkarten aus der Hölle mochte. Das vierte Motiv dieser Art, seitdem der Schneewittchenmörder unter seinem verdammten Stein hervorgekrochen war und wieder angefangen hatte zu töten.

Taylor sah an den Flaggen vorbei, am Leichnam. Eingerahmt von einer verzierten Eisenbahnbrücke schaute man direkt einen perfekt manikürten, beleuchteten Hügel hinauf, auf dem der neoklassizistische Bau des Capitols majestätisch in der Dunkelheit erstrahlte. Ihre Stadt. Ihre Verantwortung. Taylor wandte sich um und setzte ihren Weg fort.

Ihr Mörder ging nicht besonders raffiniert vor, wenn es darum ging, Aufmerksamkeit zu erregen. Der Schauplatz lag nur zwei Häuserblöcke von Channel 4 und vier verschiedenen Polizeidienststellen entfernt. Auf beiden Seiten der Mall gab es Kreisverkehre, die eine einfache Möglichkeit boten, schnell hier hineinzuschlüpfen, die Leiche abzulegen, und direkt weiter zum James Robertson Parkway zu fahren. Taylor war verwundert, dass die örtliche CBS-Zweigstelle noch nicht vor Ort war.

Eine Schneeflocke tanzte vor ihren Augen, bezaubernd in ihrer zerbrechlichen, kristallinen Schönheit. Wie etwas so Schönes so viel Unheil anrichten konnte - das Wetter wurde immer schlimmer. Die Vorhersage sprach von mindestens dreißig Zentimetern Neuschnee in den tieferen Lagen und bis zu vierzig Zentimetern auf dem Plateau. Der Verkehrsinfarkt war vorprogrammiert.

Um alldem die Krone aufzusetzen, wurde Taylor in einhundertzwanzig Stunden, oder fünf kurzen Tagen, in der St.-George's-Kirche erwartet. Zu ihrer Hochzeit.

Taylor atmete tief ein und kehrte zu der Toten zurück. Sie schob den Ärmel hoch und schaute auf ihre Uhr. Die Rechtsmedizin sollte eigentlich schon längst da sein. Sie war mehr als bereit, die Leiche wegbringen zu lassen. Aus der Kälte zu kommen. Vor ihrem großen Tag noch ein paar Stunden Schlaf zu kriegen. Zu tun, was immer auch getan werden musste, damit die Hochzeit so vonstattenging wie geplant. Eine kleine Stimme meldete sich in ihrem Hinterkopf. Es wäre nicht das Ende der Welt, wenn wir den Termin aufschieben müssten. Wie zum Teufel sollen wir heiraten und in die Flitterwochen fahren, wenn wir mitten in einem wichtigen Mordfall stecken?

Auf der Hauptstraße fuhr ein Übertragungswagen vorbei, leise wie ein Hai. Taylor nahm an, dass sie einen Platz suchten, von wo aus sie einen guten Überblick über die Szene hatten. Vermutlich würden sie hinten herum über den James Robertson Parkway fahren und sich hoch zur Charlotte und Sixth schleichen. Mist. Zeit, dass Bewegung in die Sache kam.

Zitternd vor Kälte griff sie in ihre Manteltasche und holte ihr Handy hervor. Als sie es aufklappte, näherte sich ein weißer Van mit dezenter Beschriftung. Die Rechtsmedizin. Endlich.

Taylor klappte das Telefon wieder zu und ging quer über den Rasen auf den Van zu, wobei sie den schön angelegten Weg, den sie eigentlich benutzen sollte, absichtlich ignorierte. Sie trat an die Fahrertür und bedeutete der Fahrerin, das Fenster herunterzulassen. Die Rechtsmedizinerin Dr. Samantha Loughley tat, wie ihr geheißen, und Taylor schob ihren Kopf in das warme Innere des Wagens. Welch eine Wohltat.

"Taylor, geh mir aus dem Weg." Sam legte ihre Hand unter Taylors Kinn und schob ihren Kopf wieder aus dem Fenster. Dann stellte sie den Motor ab, öffnete die Tür und stieg aus. In schwarzer Fleecejacke, gefütterten Stiefeln und pinkfarbenen Ohrwärmern war sie für das Wetter perfekt angezogen. Sie nickte kurz.

"Okay, wo ist sie?"

"Auf dem Fahnenpodest. Du solltest dir vorher wirklich einen Moment nehmen, den Weg hinaufgehen und dir das Ganze von dort ansehen. Es ist wirklich hübsch." Taylor lächelte.

"Du Ghul. Irgendeine Ahnung, wer sie sein könnte?"

"Nein. Sie ist nackt, keine Anzeichen von Kleidung oder Handtasche. Meinst du, es wird so stark schneien, wie sie vorhergesagt haben?"

"Ich hab gehört, heute Nacht sollen wir dreißig Zentimeter bekommen. Oder mehr." Sam zwinkerte Taylor zu und machte sich auf den...

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