Du oder der Rest der Welt

 
 
cbt (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 9. November 2011
  • |
  • 384 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-06520-1 (ISBN)
 
Wenn Liebe gefährlich wird ... Eine hoch romantische Romeo-und-Julia-Story

Das Letzte, was Carlos Fuentes will, als er zu seinem Bruder Alex zieht, ist, es diesem gleichzutun. Denn weder ist Carlos bereit, auf sein Image als »Bad Guy« zu verzichten, noch mag er sich wie Alex und dessen Freundin Brittany in eine feste Beziehung begeben. Und schon gar nicht will Carlos sich auf seine Mitschülerin Kiara einlassen, denn sie ist das exakte Gegenteil der Mädchen, auf die er bislang abfuhr. Auch Kiara hat alles andere im Sinn, als mit einem arroganten Latino-Macho wie Carlos anzubandeln. Und doch ziehen sich Kiara und Carlos magisch an - und riskieren damit mehr, als sie je geglaubt hätten. Denn selbst wenn Carlos Kiara zuliebe sein ganzes bisheriges Leben über den Haufen wirft - in seiner ehemaligen Gang gibt es Leute, die das unter keinen Umständen zulassen wollen.

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
  • 0,47 MB
978-3-641-06520-1 (9783641065201)
3641065208 (3641065208)
weitere Ausgaben werden ermittelt

1


Carlos


Ich träume davon, ein Leben nach meinen eigenen Vorstellungen zu führen. Aber ich bin Mexikaner, also wacht mi familia über alles, was ich tue, egal, was ich davon halte. Na ja, von Überwachung zu reden ist im Grunde viel zu harmlos, es ist eher so, als würde man in einer Diktatur leben.

Mi'amá hat mich nicht gefragt, ob ich Mexiko verlassen und nach Colorado zu meinem Bruder Alex ziehen möchte, um dort meinen Highschool-Abschluss zu machen. Sie hat die Entscheidung ganz allein getroffen, mich »zu meinem eigenen Besten« (ihre Worte, nicht meine) zurück nach Amerika zu schicken. Und als dann noch der Rest meiner familia sie darin bestärkt hat, war es beschlossene Sache.

Glauben die wirklich, dass sie damit verhindern können, dass ich sechs Fuß unter der Erde oder im Knast ende? Seit ich vor zwei Monaten in der Zuckerfabrik rausgeflogen bin, habe ich einen auf la vida loca gemacht. Und ich habe nicht vor, das zu ändern.

Ich gucke aus dem kleinen Fenster, während das Flugzeug über die schneebedeckten Spitzen der Rockies schwebt. Ich bin definitiv nicht mehr in Atencingo . aber genauso wenig in den Suburbs von Chicago, wo ich die ersten fünfzehn Jahre meines Lebens verbracht habe, bis mi'amá uns gezwungen hat, unsere Sachen zu packen, um uns nach Mexiko zu verschleppen.

Als der Flieger landet, beobachte ich, wie die anderen Passagiere hektisch ihre Sachen zusammensuchen. Ich bleibe noch etwas sitzen und versuche, das alles auf die Reihe zu kriegen. Gleich werde ich meinen Bruder zum ersten Mal seit fast zwei Jahren wiedersehen. Verdammt, ich bin nicht mal sicher, ob ich ihn überhaupt sehen will.

Das Flugzeug ist beinah leer, also kann ich das Unvermeidliche nicht länger hinauszögern. Ich schnappe mir meinen Rucksack und folge den Schildern bis zur Gepäckausgabe. Als ich den Sicherheitsbereich verlasse, sehe ich meinen Bruder Alex, der hinter der Absperrung auf mich wartet. Ich habe gedacht, ich würde ihn vielleicht nicht erkennen oder das Gefühl haben, wir wären Fremde statt Familie. Aber mein großer Bruder ist eben mein großer Bruder. Sein Gesicht ist mir so vertraut, als wäre es mein eigenes. Einen kurzen Moment lang spüre ich Triumph darüber, dass ich inzwischen größer bin als er und nicht mehr der halbwüchsige, dünne Spargel, den er zurückgelassen hat.

»Ya estás en Colorado«, sagt er und zieht mich an sich.

Als er mich loslässt, fallen mir die verblassten Narben über seinen Augenbrauen und neben seinen Ohren auf, die noch nicht da waren, als ich ihn das letzte Mal gesehen habe. Er sieht älter aus, aber der wachsame Blick, der zu ihm gehörte wie ein Schutzschild, ist verschwunden. Ich glaube, ich trage diesen Schutzschild nun.

»Gracias«, sage ich ausdruckslos. Er weiß, dass ich nicht hier sein will. Onkel Julio ist nicht von meiner Seite gewichen, bis er mich in den Flieger bugsiert hatte. Und er hat gedroht, am Flughafen zu bleiben, bis mein Hintern sich in die Lüfte erhoben hätte.

»Du hast hoffentlich nicht vergessen, wie man Englisch spricht, oder?«, fragt mein Bruder auf dem Weg zum Auto.

Ich rolle mit den Augen. »Wir leben erst seit zwei Jahren in Mexiko, Alex. Oder sollte ich sagen: Mamá, Luis und ich sind erst vor zwei Jahren nach Mexiko gezogen. Du hast uns sitzenlassen. «

»Ich hab euch nicht sitzenlassen. Ich gehe aufs College, um was Sinnvolles aus meinem Leben zu machen. Solltest du auch mal versuchen.«

»Nein, danke. Ich steh auf mein sinnloses Leben.«

Ich schultere meine Tasche und folge Alex nach draußen.

»Warum trägst du das da um deinen Hals?«, fragte mein Bruder mich.

»Das ist ein Rosenkranz«, erwidere ich und fingere an dem Kreuz, das an einer Kette aus schwarzen und weißen Perlen hängt. »Ich bin gläubig geworden, seit wir uns zuletzt gesehen haben.«

»Von wegen gläubig. Ich weiß genau, dass es ein Gangsymbol ist«, sagt er, als wir vor einem silbernen BMW-Sportcoupé stehen bleiben. Mein Bruder könnte sich so einen heißen Schlitten nie leisten; er muss ihn sich von seiner Freundin Brittany geliehen haben.

»Und wenn schon.« Alex war selbst in einer Gang, als wir noch in Chicago gelebt haben. Mi papá war ebenfalls ein Gangster. Ob es Alex passt oder nicht, ein böser Junge zu sein wurde mir in die Wiege gelegt. Ich habe versucht, ein normales Leben zu führen und mich an Regeln zu halten, und habe mich nie beschwert, obwohl ich für lumpige fünfzig pesos jeden Tag nach der Schule wie ein Hund geschuftet habe. Aber dann, nachdem ich rausgeworfen wurde und mich den Guerreros del barrio angeschlossen hatte, habe ich an einem Tag über tausend pesos verdient. Es war vielleicht kein sauber verdientes Geld, aber es hat dafür gesorgt, dass wir was zu essen auf dem Tisch hatten.

»Hast du denn gar nichts aus meinen Fehlern gelernt?«, will er wissen.

Scheiße, als Alex noch ein Latino Blood war, damals in Chicago, da habe ich ihn angebetet. »Meine Antwort auf diese Frage willst du nicht hören.«

Alex schüttelt gefrustet den Kopf, greift sich meine Sporttasche und wirft sie auf den Rücksitz des Wagens. Er hat den Ausstieg aus der Gang geschafft. Na und? Die Tattoos wird er den Rest seines Lebens tragen. Ob er es glauben will oder nicht, die anderen werden in ihm immer das Latino Blood sehen. Es spielt gar keine Rolle, ob er in der Gang aktiv ist.

Ich mustere meinen Bruder ausgiebig. Er hat sich verändert, kein Zweifel. Das habe ich vom ersten Augenblick an gespürt. Er sieht vielleicht aus wie Alex Fuentes, aber ich weiß, dass er den Kampfgeist verloren hat, den er einst besaß. Jetzt, wo er aufs College geht, meint er, die Welt in einen besseren, funkelnden Ort verwandeln zu können, wenn er sich nur schön brav an die Regeln hält. Schon erstaunlich, wie schnell er vergessen hat, dass wir vor nicht allzu langer Zeit im Vorortabschaum von Chicago gelebt haben. Manche Teile der Welt bringst du nicht zum Funkeln, egal wie sehr du versuchst, sie vom Dreck zu befreien und auf Hochglanz zu polieren.

»¿Y Mamá?«, fragt Alex.

»Ihr geht's gut.«

»Und was ist mit Luis?«

»Dem auch. Unser kleiner Bruder ist fast so schlau wie du, Alex. Er denkt, er wird mal Astronaut wie José Hernández.«

Alex nickt wie ein stolzer Papa, und ich habe den Eindruck, er glaubt allen Ernstes, dass Luis seinen Traum verwirklichen wird. Die zwei haben doch Wahnvorstellungen . sie sind Träumer, alle beide. Alex glaubt, er könnte die Welt retten, indem er Heilmittel gegen die Seuchen der Menschheit findet, und Luis meint, er könne von dieser Welt zu neuen Ufern aufbrechen und ferne Welten entdecken.

Als wir auf den Highway biegen, sehe ich in der Ferne eine Bergkette. Sie erinnert mich an die raue Landschaft Mexikos.

»Die Berge da sind die Front Range«, erklärt Alex mir. »Die Uni liegt am Fuß der Berge.« Er deutet zu seiner Linken. »Die dort drüben werden Flatiron genannt, weil die Steine so platt sind wie Bügelbretter. Ich nehm dich irgendwann mal dahin mit. Brit und ich gehen immer in den Bergen spazieren, wenn wir eine Auszeit von der Uni brauchen.«

Als er mir einen kurzen Blick zuwirft, starre ich meinen Bruder an, als hätte er plötzlich zwei Köpfe.

»Was ist?«, fragt er.

Macht er Witze? ¿Me está tomando los pelos? »Ich frage mich nur, wer du bist und was zum Teufel du mit meinem Bruder gemacht hast. Mein Bruder Alex war ein Rebell, und jetzt redet er über Berge, Bügelbretter und Spaziergänge mit seiner Freundin.«

»Wäre dir eine Geschichte übers Saufen und Abstürzen lieber?«

»Ja!«, sagte ich und tue so, als hätte er damit ins Schwarze getroffen. »Und wenn du mir bitte verrätst, wo ich mich hier besinnungslos betrinken kann, denn ich halte es nicht lange ohne irgendeine illegale Substanz in meinem Blut aus.« Ich lüge ihn an. Mi'amá hat ihm wahrscheinlich erzählt, sie vermute, dass ich Drogen nehme, also kann ich genauso gut so tun, als sei da was dran.

»Alles klar. Spar dir den Mist für Mamá auf, Carlos. Ich falle genauso wenig darauf herein wie du.«

Ich lege meine Füße auf das Armaturenbrett. »Du hast ja keinen Schimmer.«

Alex schiebt sie runter. »Geht's noch? Das ist Brittanys Auto.«

»Du stehst so was von unter dem Pantoffel, Mann. Wann gibst du der gringa endlich den Laufpass und legst dir einen ganzen Harem zu, wie alle anderen Collegetypen auch?«, frage ich ihn.

»Brittany und ich haben nichts mit anderen.«

»Warum nicht?«

»Es nennt sich miteinander gehen.«

»Es macht dich zu einem panocha. Wenn ein Typ nur ein Mädchen hat, ist das gegen die Natur, Alex. Ich bin völlig ungebunden und frei und plane das auch zu bleiben.«

»Nur damit wir uns verstehen, Señor Harem, in meinem Appartement legst du keine flach.«

Er ist vielleicht mein großer Bruder, aber unser Vater ist seit Langem tot und begraben. Ich brauche seine beschissenen Regeln nicht. Ich will sie nicht. Es ist an der Zeit, dass ich nach meinen eigenen Regeln lebe. »Nur damit wir uns verstehen, ich habe verdammt noch mal vor, zu tun und zu lassen, was ich will, solange ich hier bin.«

»Tu uns beiden den Gefallen und hör auf mich. Du könntest sogar was dabei lernen.«

Ich lache kurz auf. Ja, klar. Was will er mir schon beibringen? Mit dem Chemiebaukasten zu experimentieren? Wie man eine Collegebewerbung schreibt? Ich habe weder das eine noch das andere vor.

Wir schweigen beide, während...

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