Engelstraum: Schatten der Ewigkeit

Roman
 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 14. Januar 2013
  • |
  • 400 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-09218-4 (ISBN)
 
Eine Liebe verstößt gegen alle Gesetze

Seit zwei Jahrtausenden erfüllt der Todesengel Keenan seine Aufgabe klaglos - bis er in einer stürmischen Nacht die zarte Nicole holen soll. Als er sieht, dass es ihr bestimmt ist, durch den Biss eines grausamen Vampirs zu sterben, vergisst Keenan sich und bereitet stattdessen dem Treiben des Vampirs ein Ende. Dafür wird Keenan prompt aus der Ewigkeit verstoßen und sucht fortan im Diesseits nach Nicole. Doch sie ist nicht mehr die, die er den Fängen des Todes zu entreißen versuchte ...

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Heyne
  • 0,83 MB
978-3-641-09218-4 (9783641092184)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Prolog

Er war nur zu einem einzigen Zweck geschaffen worden: den Tod zu bringen. Mit Trost oder Aufklärung hatte er nichts am Hut.

Keenans einziger Job war es, denjenigen den Tod zu bringen, die das Pech hatten, von seiner Gabe zu erfahren.

Und an diesem kalten, stürmischen Abend in New Orleans hatte er sein jüngstes Opfer im Blick. Er beobachtete sie von seinem Posten hoch oben auf der St.-Louis-Kathedrale. Sterbliche Augen entdeckten ihn nicht. Nur jene, die sich bereit machten, das Erdenreich zu verlassen, konnten jemals sein Gesicht sehen. Daher musste er sich nicht sorgen, die wenigen Menschen zu erschrecken, die sich über den Platz vor der Kathedrale kämpften.

Nein, er sorgte sich wegen nichts. Gar nichts. Hatte er nie. Er berührte, tötete und wartete auf sein nächstes Opfer.

Die Frau, die er heute Abend beobachtete, war klein, hatte langes schwarzes Haar und blasse, elfenbeinfarbene Haut. Der Wind peitschte ihr Haar nach hinten, riss es aus ihrem Gesicht, als sie die Steinstufen der Kathedrale hinunterlief. Die Türen waren verschlossen gewesen, deshalb konnte sie nicht hinein. Ihr blieb die Chance zum Beten verwehrt.

Schade.

Er schlich sich zur einen Seite der Kathedrale, ohne sie aus den Augen zu lassen, als sie in die enge Gasse bog. Pirate's Alley. Hier hatte er schon andere geholt, sodass diese Straße vor Erinnerungen geradezu zu schreien schien.

»Nein!«

Das war nicht die Vergangenheit, die hier schrie. Er erstarrte. Seine Flügel schlugen in der Luft. Das war sie.

Nicole St. James, Lehrerin, neunundzwanzig Jahre alt. Eine Frau, die an den Wochenenden Nachhilfeunterricht gab, die versuchte, ihr Leben richtig zu leben .

Und die heute Nacht starb.

Seine Augen verengten sich, als er aus der Hocke aufsprang. Es war Zeit, näher heranzukommen.

Nicoles Angreifer hatte sie an die Mauer gedrückt und hielt ihr mit einer Hand den Mund zu, damit sie nicht noch einmal schreien konnte. Seine andere Hand presste er ihr auf die Brust, sodass ihr Rücken flach gegen die Mauer gedrückt wurde.

Sie wehrte sich heftiger, als Keenan erwartet hatte, boxte und trat um sich.

Ihr Angreifer lachte nur.

Und Keenan schaute zu. Er schaute immer zu. So viele Jahre .

Tränen strömten Nicole über die Wangen.

Der Angreifer neigte sich zu ihr und leckte sie weg.

Keenans Magen krampfte sich zusammen. Wissend, dass ihre Zeit nahte, hatte er Nicole einige Wochen lang beobachtet. Er war in ihrem Klassenzimmer gewesen und hatte dem samtigen Klang ihrer Stimme gelauscht. Er hatte zugesehen, wie sich ihre Lippen zu einem Lächeln bogen und sich das Grübchen auf ihrer rechten Wange zeigte.

In ihren Augen hatte er Lachen gesehen, Sehnsucht und . Lebensfreude.

Nun lag nichts als blanker Schrecken in ihren grünen Augen, jenes Entsetzen, wie es nur die wahrhaft Hilflosen kannten.

Dieser Blick gefiel ihm nicht. Er ballte die Fäuste.

Sieh nicht hin, wenn es dir nicht behagt. Er zwang sich wegzusehen. In seinem Job ging es nicht darum, was ihm zusagte. Das tat es nie.

Und es gab niemals eine Wahl.

Sie haben die Wahl; ich habe nur Befehle zu befolgen.

So war es seit eh und je. Warum also machte es ihm jetzt auf einmal etwas aus? Wegen ihr? Weil er schon zu viel gesehen hatte? Weil er zu oft an ihrer Seite gewesen war?

Verlockung.

»Es wird wehtun.«

Das raspelnde Flüstern des Mannes hallte in Keenans Kopf. Weder der Angreifer noch Nicole konnten ihn sehen. Noch nicht.

Eine Berührung - mehr brauchte es nicht.

Doch noch war ihre Zeit nicht gekommen.

»Der Sturm ist so laut.« Der Mann nahm seine Hand von Nicoles Mund. »Dich hört so oder so keiner schreien.«

Trotzdem stieß sie einen lauten, langen, verzweifelten Schrei aus. Und sie wehrte sich weiter.

Keenan hatte nicht damit gerechnet, dass sie sich so vehement gegen den Tod sträuben würde. Manche kämpften gar nicht, wenn ihre Stunde kam. Andere wehrten sich, bis er sie fortzerrte.

Stoff ratschte entzwei. Der Kerl hatte ihre Bluse aufgerissen, und Keenan sah ihren cremefarbenen BH und die festen Erhebungen ihrer Brustspitzen.

Hilf ihr. Dieser Wunsch kam aus seinem Innersten, aber er durfte ihm nicht nachgeben.

»Nein!«, brüllte Nicole. »Bitte nicht! Lass mich los!«

Ihr Angreifer hob den Kopf. Keenan sah ihn an, registrierte die eingefallenen Züge, das schwarze Haar und die Augen, die für einen normalen Mann zu dunkel waren. »Nein, Baby, ich lass dich nicht los.« Er leckte sich die Lippen. »Verflucht, ich bin viel zu hungrig.« Dann lächelte er und entblößte Zähne, wie sie kein Mensch besaß.

Ein Vampir. War ja klar. Seit Jahrhunderten räumte Keenan ihren Dreck weg. Diese Parasiten waren nichts als ein grober Fehler, ein missglücktes Experiment.

Nicole öffnete den Mund, um wieder zu schreien, und der Vampir grub seine Zähne in ihren Hals. Dann begann er zu trinken, gierig schluckend und knurrend, während Nicoles Fingernägel sein Gesicht zerkratzten und sie sich von ihm zu befreien versuchte.

Aber es war sinnlos, sich wehren zu wollen. Sie war schlicht nicht stark genug, konnte sich unmöglich von dem Vampir befreien. Mit knapp einem Meter siebzig und bestenfalls sechzig Kilo war sie dem Kerl deutlich unterlegen.

Der Vampir war etwa eins neunzig groß und zwar schmal, doch Muskelmasse und Gewicht waren völlig belanglos, wenn es um Vampirkräfte ging.

Keenan blickte zum Eingang der Gasse. Bald könnte er sie berühren und ihren Albtraum beenden. Bald.

»Willst du da bloß rumstehen?« Ihre Stimme kippte.

Erschrocken drehte er sich wieder zu ihr. Ihre grünen Augen starrten ihn voller Wut und Angst an.

Wie konnte das sein?

Sie dürfte ihn noch gar nicht sehen können. Es war zu früh. Bislang hatte ihr der Vampir noch nicht genug Blut ausgesaugt.

Nicole boxte dem Vampir mit beiden Fäusten gegen die Brust, was jedoch zwecklos war. Er bohrte seine Zähne weiterin in ihren Hals, und er stolperte nicht einmal. Ihr Hals war nach hinten gebeugt, der Kopf leicht angewinkelt, und ihre Augen richteten sich auf .

Mich.

»Hilf mir«, flehte sie tonlos, während Tränen über ihre Wangen rollten. »Bitte.«

Ihre Bitte traf ihn ins Mark. »Ja, das tue ich.« Die Worte fühlten sich seltsam rostig an, und er konnte sich nicht erinnern, wann er zuletzt mit einem Menschen gesprochen hatte. Eigentlich bestand kein Anlass dazu, wenn man lediglich Seelen transportiert. »Bald.«

Der Vampir hob seinen Kopf. Ihr Blut haftete an seinem Mund und seinem Kinn. »Baby, du schmeckst herrlich.«

Ihr Körper sackte zusammen, als ihre Knie nachgaben. Keenans Flügel breiteten sich hinter ihm aus, und seine Muskeln spannten sich.

»Ach du Scheiße«, murmelte der Vampir im Zurückweichen. Warum hörte er auf? Der Blutsauger sollte sie doch töten, das wusste Keenan. Nicole St. James starb heute Nacht.

Sie hob eine Hand an ihren Hals. Ihre Finger zitterten. »D-du bist nicht echt.« Ihr Blick wich keine Sekunde von Keenan.

»Oh, ich bin verdammt echt.« Der Vampir wischte sich mit dem Handrücken übers Kinn. »Weißt du was, Süße? Die ganzen Geschichte, die du über Vampire in dieser Stadt gehört hast, sind wahr. Jedes dieser Märchen stimmt.«

Nicole sah den Vampir nicht an. Sie hatte nur Augen für Keenan, während sie zaghaft zur Seite wich. Bei jedem langsamen Schritt drückte sie die Hände an die Mauer hinter sich.

»Willst du weglaufen?«, neckte der Vampir. »Ah, klasse, ich liebe es, wenn sie weglaufen.«

Ja, das tat er. Wie die meisten Vampire mochte er den Kitzel der Jagd.

»Warum hilfst du mir nicht?«, brüllte sie Keenan an. Doch der Wind fing ihre Worte und wehte sie aus der Gasse.

So war es nun einmal in der Pirate's Alley. Manchmal konnte keiner die Schreie hören.

Der Vampir schien endlich zu begreifen, dass seine Beute nicht mit ihm sprach, ihn überhaupt nicht beachtete. Er drehte sich rasch herum und hätte beinahe Keenan gestreift. »Was zum Geier ist los? Du blöde Schlampe, hier ist keiner!«

Nicoles Schritte hallten die Gasse entlang. Klug. Keenan lächelte fast. Hatte sie ihn tatsächlich gesehen, oder war alles ein Trick gewesen, um den Vampir abzulenken und zu fliehen?

Der Vampir lachte und setzte ihr nach. Vier Schritte, dann machte er einen Sprung und warf Nicole zu Boden, noch ehe sie aus der Gasse war. Glas klirrte, als sie fiel. Es war eine Bierflasche, die jemand achtlos weggeworfen hatte. Nicole landete auf der Flasche, die unter ihrem Gewicht zerbrach.

»Du wirst noch darum betteln zu sterben«, versprach der Vampir ihr.

Vielleicht. Ruhig näherte Keenan sich ihnen. Er hob seine Hand und fühlte, dass die Luft kälter wurde. Was man sich über die kalte Berührung des Todes erzählte, war richtig. Nicoles Zeit war gekommen.

»Bitte, Gott, nein!«, schrie...

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