Der Schuld entwachsen

In sechs Schritten Schuldgefühle bewältigen und das Leben zurückgewinnen
 
 
Junfermann Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 23. Januar 2012
  • |
  • 96 Seiten
 
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978-3-87387-824-2 (ISBN)
 
Sich von Schuldgefühlen befreien Stecken Sie in Ihren Schuldgefühlen fest? Und egal, wie sehr Sie sich bemühen, es ist nie genug? Tun Sie sich schwer damit, sich selbst für längst Vergangenes zu vergeben? Fühlen Sie sich schuldig, wenn Sie sich auch einmal um Ihre eigenen Bedürfnisse kümmern? Dieses Buch zeigt Ihnen, wie Sie mithilfe eines ganz einfachen Sechs-Schritte-Prozesses der Schuld entwachsen und Vergebung, Selbstakzeptanz und Empowerment spüren können. An lebensnahen, auf dem GFK-Prozess basierenden Beispielen werden Sie lernen, wie Sie:
emotional auszehrenden Schuldgefühlen entwachsen,
Ihren inneren Kritiker beruhigen und
sich um Ihre Bedürfnisse kümmern können, ohne sich egoistisch zu fühlen;
sich vergangene Fehler verzeihen,
gesunde Bindungen eingehen und
zerbrochene Beziehungen erfolgreich wieder heilen können.
"Der Schuld entwachsen" bringt Sensibilität und Klarheit in das Wirrwarr von Schuld und inneren Konflikten. Von den zahlreichen Beispielen werden alle diejenigen profitieren, die nach Orientierung suchen und Klarheit über Selbst-Empathie haben wollen." - Wes Taylor
  • Deutsch
  • Paderborn
  • |
  • Deutschland
  • 0,57 MB
978-3-87387-824-2 (9783873878242)
3873878240 (3873878240)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Holly Michelle Eckert ist zertifizierte Trainerin für Gewaltfreie Kommunikation. 2001 begann die mit "Radiant Relationships", einer äußerst erfolgreichen Seminarreihe. Außer Mediationen in Unternehmen und Retreats für Frauen führte sie Kommunikations-Coachings für Einzelpersonen und Familien durch. 2008 gründete sie das "Nonviolent Communication Training Center of North Seattle". www.hollyeckert.com.

1 - Cover [Seite 1]
2 - Inhalt [Seite 6]
3 - Danksagung [Seite 8]
4 - 1. Einleitung: Sechs Schritte zur Freiheit [Seite 10]
5 - 2. Selbstsorge lernen [Seite 22]
6 - 3. Vom Bedauern zur Heilung [Seite 28]
7 - 4. Frieden mit der Vergangenheit schließen [Seite 34]
8 - 5. Den Prozess meistern [Seite 40]
9 - 6. Sich selbst vergeben [Seite 46]
10 - 7. Perspektive gewinnen [Seite 54]
11 - 8. Beziehungen verändern [Seite 60]
12 - 9. Zur Unabhängigkeit finden [Seite 66]
13 - 10. Die eigene Kraft entfalten [Seite 74]
14 - 11. Schlussbemerkung: Das Geschenk, der Schuld entwachsen zu können [Seite 82]
15 - Anhang: Blanko-Arbeitsblatt [Seite 84]
16 - Wie Sie den GFK-Prozess anwenden können [Seite 86]
17 - Einige grundlegende Gefu?hle, die wir alle haben [Seite 87]
18 - Grundlegende Bedu?rfnisse, die wir alle teilen [Seite 87]
19 - Über Gewaltfreie Kommunikation [Seite 89]
20 - Über das CNVC [Seite 90]
21 - Über die Autorin [Seite 92]

2. Selbstsorge lernen


Lassen Sie uns ein anderes Beispiel aus dem Seminar "Der Schuld entwachsen" betrachten. Ein Teilnehmer fühlte sich schuldig, weil er Bedürfnisse hatte. Grundlegende Bedürfnisse, die wir alle teilen, bilden das Kernstück der Gewaltfreien Kommunikation, doch viele Menschen werden dazu erzogen, selbstlos, großzügig und mildtätig gegenüber anderen zu sein. Wenn sie dann die GFK erlernen, werden sie zuweilen von starken Schuldgefühlen geplagt, überhaupt Bedürfnisse zu haben.

Schritt 1: Identifizieren Sie die Schuld


Roger gehörte zu dieser Gruppe. Während unseres Seminars wollte er an den Schuldgefühlen arbeiten, die durch sein neues Bewusstsein, dass er tatsächlich Bedürfnisse hatte, ausgelöst worden waren.

Schritt 2: Benennen Sie die "Sollansprüche"


Darum gebeten, die Vorstellung, dass er keine Bedürfnisse haben sollte, näher zu erläutern, wartete Roger mit zwei Aussagengruppen auf, die miteinander im Widerspruch zu stehen schienen. Die erste Gruppe: "Ich sollte meine Bedürfnisse nicht auf Kosten anderer erfüllen", "Ich sollte anderen keine Unannehmlichkeiten bereiten oder sie verletzen" und "Ich sollte meine Talente zum Wohle anderer nutzen".

Die Aussagen der zweiten Gruppe waren Ausdruck seiner inneren Stimme, die ihm im Gegensatz dazu sagte, er solle für sich selbst eintreten: "Ich sollte meinem Herzen folgen" und "Ich sollte deutlicher und mutiger äußern, was ich brauche und möchte". Obendrein kritisierte Roger sich dann noch für seine Verwirrtheit: "Ich sollte in der Lage sein, mehr Klarheit in diese Angelegenheit zu bringen."

Ich las Roger seine Liste vor, und die Aussage, die ihn am meisten berührte, war: "Ich sollte deutlicher und mutiger äußern, was ich brauche und möchte."

Schritt 3: Nehmen Sie Kontakt mit den unerfüllten Bedürfnissen auf


Ich lud Roger ein, Kontakt mit seinen unerfüllten Bedürfnissen aufzunehmen, indem ich ihn fragte: "Welche Ihrer Bedürfnisse werden nicht erfüllt, wenn Sie nicht deutlich und mutig äußern, was Sie brauchen und möchten?"

Roger hatte kein Problem zu antworten: "Das nach Anerkennung meines eigenen Gefühls der Authentizität. Ich habe die Verbindung zu meiner Autonomie, Kreativität, meinem Selbstausdruck und meiner Selbstbestimmung verloren. Wenn ich nicht entsprechend meinen Wünschen nach dem, was ich im Leben will, handle, fehlen mir Erfüllung, Freude, Ziele, Sinn und Gerichtetheit. Ich möchte wirklich wachsen, und auch dieses Bedürfnis wird nicht erfüllt. Und wenn ich nicht authentisch bin, wie kann mir dann jemand Empathie oder Verständnis entgegenbringen?"

Schritt 4: Nehmen Sie die mit den unerfüllten Bedürfnissen verbundenen Gefühle wahr


Ich hielt diese Bedürfnisse in Form einer Liste fest und sagte: "Ich werde Ihnen Ihre Liste jetzt ganz langsam vorlesen. Zwischen jedem Bedürfnis mache ich eine Pause, damit Sie jedes Wort tief in sich aufnehmen können." Wir holten einmal tief Luft, bevor ich fortfuhr: "Akzeptanz, Authentizität. Autonomie, Kreativität, Selbstausdruck und Selbstbestimmung. Erfüllung, Freude, Ziele, Sinn und Gerichtetheit. Wachstum. Empathie und Verständnis. Wenn diese Bedürfnisse nicht erfüllt werden, wie fühlen Sie sich dann?"

Langsam und leise antwortete Roger: "Traurig und müde. Auch zerrissen. Und ängstlich und frustriert." Wir hielten kurz inne, damit Roger diese Gefühle auf sich wirken lassen konnte.

Schritt 5: Erkennen Sie die positiven Beweggründe


"Roger", fuhr ich fort, "ich bin mir ziemlich sicher, dass es einige positive Bedürfnisse gibt, die Sie in dem Muster gefangen halten, der Erfüllung der Bedürfnisse anderer Priorität vor der Erfüllung Ihrer eigenen Bedürfnisse einzuräumen. Sind Sie bereit, herauszufinden, welche dies sein könnten?"

"Ja, nun, auf jeden Fall Verbundenheit. Ich unterdrücke meine eigenen Bedürfnisse, weil dies ein einfacherer Weg zu Harmonie, Frieden und Liebe zu sein scheint. Und nicht nur das, ich genieße es auch, fürsorglich zu sein und zur Bereicherung des Lebens beizutragen, wenn ich die Bedürfnisse anderer erfülle. Ich verstehe, dass es irgendwie mit Respekt zu tun hat - es ist, als würde ich die Bedürfnisse anderer respektieren, und sie respektieren meinen Beitrag zur Bereicherung des Lebens. Auf diese Weise wird auch ein Bedürfnis nach Anerkennung erfüllt. Zu tun, was andere möchten, lenkt mich davon ab, etwas Neues auszuprobieren, und ich denke, das erfüllt mein Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit."

Nachdem wir diese Liste durchgegangen waren, schien Roger entspannt, aber trotzdem ganz bei der Sache zu sein.

Schritt 6: Überprüfen Sie Ihre Fortschritte und formulieren Sie eine Bitte


Es war offensichtlich, dass die Prozesse des Trauerns (Schritt 3 und 4) und der Selbstvergebung (Schritt 5) Wunder gewirkt hatten. Roger ging sofort zu Schritt 6 über - Beobachtungen, Gefühle, Bedürfnisse und Bitten. Ich schrieb seine Aussagen an die Tafel.

  • Beobachtungen: "Wenn ich mir überlege, etwas zu tun, und mir im Unklaren bin, ob es für den anderen nicht zu einem unerfüllten Bedürfnis führt, ..."
  • Gefühle: "... bin ich ängstlich und zerrissen, ..."
  • Bedürfnisse: "... weil ich Klarheit brauche."
  • Bitten: "Ich bitte mich darum, dem anderen meinen Plan mitzuteilen und z. B. nachzufragen: ,Ich würde unser Treffen gern auf Montag verschieben. Würde Ihnen das passen?'"

"Es scheint so einfach zu sein!", schloss Roger. "Es fühlt sich richtig gut an, für meine eigenen Bedürfnisse eintreten zu können, ohne die Bedürfnisse anderer mit Füßen zu treten."

Arbeitsblatt: Selbstsorge lernen

 

Weshalb fühlen Sie sich schuldig?

Ich fühle mich schuldig, weil ich Bedürfnisse habe.

Was sollten Sie Ihrer Meinung nach tun oder nicht tun?

Ich sollte meine Bedürfnisse nicht auf Kosten anderer erfüllen.

Ich sollte anderen keine Unannehmlichkeiten bereiten oder sie verletzen.

Ich sollte meine Talente zum Wohle anderer nutzen.

Ich sollte meinem Herzen folgen.

Ich sollte deutlicher und mutiger äußern, was ich brauche und möchte.

Ich sollte in der Lage sein, mehr Klarheit in diese Angelegenheit zu bringen.

Welche Bedürfnisse werden durch Ihre Entscheidung nicht erfüllt?

Anerkennung

Authentizität

Autonomie

Kreativität

Selbstausdruck

Selbstbestimmung

Erfüllung

Freude

Ziele

Sinn

Gerichtetheit

Wachstum

Empathie

Verständnis

Wie fühlen Sie sich, wenn Sie diese unerfüllten Bedürfnisse wahrnehmen?

traurig

müde

zerrissen

1ängstlich

frustriert

Welche Bedürfnisse haben Sie durch Ihre Entscheidung zu erfüllen versucht?

Verbundenheit

Harmonie

Frieden

Liebe

Fürsorge

zur Bereicherung des Lebens beizutragen

Respekt

Anerkennung

Sicherheit

Geborgenheit

Welches sind Ihre momentanen Beobachtungen, Gefühle, Bedürfnisse und Bitten?

Beobachtung: Wenn ich mir überlege, etwas zu tun, und mir im Unklaren bin, ob es für den anderen nicht zu einem unerfüllten Bedürfnis führt,

Gefühl: bin ich ängstlich und zerrissen,

...

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