Als Jonathan starb

Roman
 
 
Männerschwarm Verlag, Salzgeber Buchverlage GmbH
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen im Februar 2011
  • |
  • 224 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-86300-020-2 (ISBN)
 
Der junge Maler Jonathan lebt allein und abgeschieden auf dem Land. Immer wieder wird Serge zu ihm 'abgeschoben', der Sohn einer Freundin aus Paris, die keine Lust hat, sich um ihn zu kümmern. Serge ist im wörtlichen Sinn ein 'ungezogener' Junge: egoistisch, amoralisch, ohne Werte. Er brät Regenwürmer, experimentiert mit Schnecken und Kröten und spielt an seinem Körper herum. Und an dem von Jonathan. Jonathan weiß, dass das nicht sein darf. Dennoch gibt er Serge den Raum, den der sich sowieso erobert.

Mit großer Diskretion schrieb Duvert Ende der 1970er Jahre diesen komplexen Gesellschafts-, Erziehungs- und Liebesroman, der von der französischen Presse hoch gelobt wurde.

"Ungewöhnliche Sinneseindrücke und tiefgehende Erinnerungen. Man lernt, dass Liebe stirbt, wenn sie gesellschaftsfähig wird." (Le Monde)
  • Deutsch
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  • Deutschland
  • 0,47 MB
978-3-86300-020-2 (9783863000202)
386300020X (386300020X)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Tony Duvert (Jg. 1945) führte ein ruheloses Leben. Mit zwölf Jahren wurde er wegen homosexueller Kontakte der Schule verwiesen, lief von zu Hause fort und unternahm einen Selbstmordversuch. Später wurde er ein hervorragender Schüler, der nach dem Abitur zunächst Maler werden wollte, bevor er zu schreiben begann. Sein Werk umfasst zahlreiche Romane, Essays und Gedichtbände; mit seinem fünften Roman, Paysage de fantaisie (1973), gelang ihm der Durchbruch und er erhielt den Prix Medicis. Das Preisgeld ermöglichte ihm eine Reise nach Marokko; die Erlebnisse dort verarbeitete er im Journal d'un innocent (1976). Der Roman Als Jonathan starb wurde von einer Urlaubsreise inspiriert, die er mit einem verwahrlosten Jungen unternahm. Es ist seine einzige Übersetzung in die deutsche Sprache.

In den 1980er Jahren geriet Duvert in Vergessenheit; er zog sich in ein kleines Haus auf dem Land zurück, wo er im Juli 2008 tot aufgefunden wurde.
Das Haus, das Jonathan gemietet hatte, lag einen knappen Kilometer vom Dorf entfernt. Auf einer schadhaften Lehmpiste an Büschen, Wiesen und kleinen Bauernhäuschen entlang konnte man diese Strecke leicht zurücklegen. So gelangte man schließlich zu einigen lichtüberfluteten Hügeln, die zum schattigen Fluss hin abfielen. Die Haselnusssträucher hingen so tief in den Weg, dass man hindurchkriechen musste, und die Kätzchen puderten einem dabei Gesicht und Nacken.
Jonathans Haus war klein, wie auch das Dorf klein war. Es lag in einem lächerlich kleinen Garten, denn Gärten auf dem Lande sind immer winzig. Jenseits des von Winden überwucherten Zauns erstreckten sich, hügelig und still, die kahlen Äcker. Die Bäume schienen aus tausend Funken zu bestehen, die unentwegt blinkten, und das feuchte Gras der Wiesen wogte nur leicht.

Es wurde Juni.

Kein Zweifel, Jonathans Haus hatte einmal zu einer kleinen Siedlung gehört: Das einzige Nachbarhaus, gleich nebenan, war ihm sehr ähnlich. Es sah eigenartig aus, der Baustil war unverfälscht erhalten, und es war schmutziger. Eine alte Bäuerin wohnte darin. Auf der Wiese stand außerdem die Ruine eines großen Gebäudes, die noch nicht von Efeu und Unkraut überwuchert war: Die Mauern, so gelb, steil und verfallen sie waren, hätten sich ebenso gut in der grellen Wüstensonne emporrecken können, wären sie nicht von Brennnesseln gesäumt gewesen, die höher und dichter wuchsen als Farn.

Ein Brief hatte Jonathan die Ankunft Barbaras und ihres Sohnes Serge angekündigt. Er hatte sie vor achtzehn Monaten durch einen Freund kennengelernt. Wegen des Jungen hatte er sie manchmal besucht. Damals wohnte er noch in Paris: Serge war damals sechseinhalb, Jonathan siebenundzwanzig Jahre alt.
Das Kind und der Mann hatten sich auf ihre Art sehr geliebt. Trotzdem hatte Jonathan, von so vielem angewidert, Paris bald verlassen und sich in dieses Nest zurückgezogen, allerdings ohne mit seinen Bekannten zu brechen.

Seitdem sprach er wenig, beantwortete selten Briefe, empfing keine Freunde, und sein Intimleben beschränkte sich auf einsame Zärtlichkeiten und weniger einsame Erinnerungen. Er arbeitete nicht mehr viel, entwarf nur einige Zeichnungen mit Tinte oder Bleistift. Seine Galerie schickte ihm dafür gutes Geld, das Jonathan gar nicht brauchte.

Der Gedanke, Serge wiederzusehen, bestürzte ihn. Barbara wollte den Jungen eine Woche bei ihm lassen, eine kleine Reise in den Süden unternehmen und ihn dann wieder abholen. Sie war nicht verheiratet und setzte Serge manchmal hier und da ab. Sie führte ein recht lockeres Leben. Als Jonathan noch in Paris wohnte, hatte er mitunter auf den Jungen aufgepasst, dann schliefen sie zusammen in einem Bett. Morgens wusch er ihn, zog ihn an und brachte ihn zur Schule. Ihre Freundschaft war so seltsam, dass Barbara erleichtert war, als Jonathan sich zurückzog. Serge war oft jähzornig gewesen, doch als er Jonathan kennenlernte, verhielt er sich ganz sanft, allerdings nur ihm gegenüber. Nach dessen Abreise wurde er verschlossen und passiv. Das gefiel Barbara.

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