Fünf Pfade und ein Traum

 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 12. Mai 2021
  • |
  • 418 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7534-3642-5 (ISBN)
 
Als sich Jerome Barner mit einem sonderbaren Zufallsfund an Glenn Beltram wendet, wissen beide noch nicht, was sich hinter der Sammlung von alten Fotografien, seltsamen Skizzen und unheimlichen Zeichnungen verbirgt. Und sie ahnen nicht, dass ihre sehr unterschiedlichen Leben gleichermaßen dazu bestimmt sind, vollkommen aus den Fugen zu geraten und sich mit etwas zu verweben, das längst vergessen war ...

Nach dem Verkauf an einen unerwarteten Interessenten müssen beide allerdings erkennen, dass sie am Beginn einer langen Reise stehen, deren Verlauf nicht nur sie verändern wird ...
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,45 MB
978-3-7534-3642-5 (9783753436425)
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Kapitel 4

Am Ende des Weges
oder
Der dritte Tag III

Das Moor und der Ring des Verfalls lagen bereits über eine Stunde hinter ihm und noch immer trat er bei jedem Schritt auf die Steine, an die er sich mittlerweile so gewöhnt hatte, wie an das dadurch entstehende Laufgeräusch und vor allem an den noch immer kerzengeraden Verlauf, dem er schon seit mindestens 10 Kilometern folgte. Die Umgebung war in eine weitläufige Wiese übergegangen, deren Gräser und bunte Blumen teilweise hüfthoch standen und sich im Wind wogenhaft wie Wasser verhielten. Hier war der Weg kaum zu erkennen, so überwuchert war alles. Barner ließ sich daher von der Ahnung leiten, dass sich die Richtung nicht ändern würde, und vom spürbaren Widerstand, der sich vom weichen, beinahe schwammigen Boden neben den Steinen abhob.

Mittlerweile waren die Wolken am Himmel komplett fortgetrieben worden, so dass sich nur das endlose Blau mit der strahlenden Sonne über ihm erstreckte. Aus der Ferne rückte der Baumbestand des Waldes mauergleich näher; in der grünen Front konnte er lediglich einen dunklen Bereich mit einem Durchgang ausmachen, und das war genau dort, wohin der Weg führte. Der Blick zurück zeigte ihm ein ähnliches Bild, während er links und rechts nur mehr oder minder gleichmäßige Baumreihen mit Dickicht am Rand der Wiese ausmachen konnte.

Der Durchgang entpuppte sich wenig später als eine verwilderte Allee, die von den Kronen der säumenden Bäume überdacht wurde, was Barner spontan an das Mittelschiff einer Kirche erinnerte. Der gedrängte Baumbestand ließ im Vergleich zu den anderen von ihm gesehenen Waldarealen verhältnismäßig wenig Licht bis zum Boden, was ein Zwielicht entstehen ließ. Und was er anfangs erahnte und nach und nach besser erkennen konnte, stellte sich tatsächlich als das Ende des Weges heraus: Ein von wuchernden Ranken nahezu unsichtbar gemachtes Eisentor, das so stark verrostet war, dass sich Barner fragte, ob nicht eventuell die Pflanzen dafür verantwortlich waren, dass es nicht schon längst in sich zusammengefallen war.

Zu beiden Seiten hin erstreckte sich eine unter all dem Grün kaum erkennbare Mauer, an der teilweise armdickes Rankengeflecht emporragte. Sie war etwa drei Meter hoch und ebenso wie das leicht höhere Tor von zahllosen Eisenspitzen bekrönt.

Im angenehm kühlen Schatten, den Tor und Mauer warfen, machte er eine Aufnahme vom Tor und dem hinter ihm liegenden Weg, ehe er sein Überlebensmesser zog, um mit der Säge des Klingenrückens einige der Ranken zu durchtrennen und herauszufinden, ob sich die Flügel des Tores überhaupt noch bewegen ließen und was auf der anderen Seite lag, da die sich drängenden Pflanzen keine freie Sicht zuließen.

Nach einigen Minuten konnte er feststellen, dass das Tor gar nicht richtig geschlossen war, sondern der rechte Flügel etwa einen Zentimeter offen stand. Barner drückte dagegen und spürte, wie die Ranken die Flügel standhaft zusammenhielten. Er legte seinen Rucksack und die Kameratasche auf dem steinernen Weg ab, um sich daran zu machen, weitere Pflanzen zu durchtrennen. Hierfür kletterte er auch höher und hielt sich am Eisen und an den Ranken fest oder stützte sich darauf ab. Zwischendurch versuchte er, das Tor so weit zu öffnen, dass er hätte hindurchschlüpfen können. Es benötigte drei Versuche, bis der dann doch störrische und rostig quietschende Flügel so weit aufzudrücken war, dass Barner den Rucksack durch den Spalt schieben und sich gebückt mit der Kameratasche in der Hand hindurchzwängen konnte, nachdem er das Messer in die Scheide an seinem Gürtel zurückgesteckt hatte. Dann klopfte er sich Blätter vom Körper. Den Rost an seinen Armen, den er abbekommen hatte, als er durch die Gitterstäbe hindurch Ranken zerteilt hatte, konnte er nur teilweise abwischen. Er hatte sich mehrere Schürfwunden zugezogen, die aber nicht bluteten, so dass er ihnen keine weitere Aufmerksamkeit schenkte.

Bei seinen Sägearbeiten auf der anderen Seite hatte er zunehmend ausmachen können, wo er sich nun befand: In einem völlig verwilderten Garten, in welchem Bäume und Gebüsch in einem Chaos aus Gräsern und Blumen um die Vorherrschaft kämpften. Die überwucherte Mauer schien alles zu umgeben, auch wenn Barner kaum ihren Verlauf nachvollziehen konnte, da in all den Jahren hinter den Steinen ein kleiner, eigenständiger Wald gewachsen war. Und inmitten all des Grüns konnte er leicht rechts zwischen den Bäumen ein altes und augenscheinlich großes Herrenhaus ausmachen, auf welches sich der nun im leichten Bogen verlaufende Weg - hinter dem Tor hatte er seine Breite verdoppelt - zubewegte.

Barner schulterte den Rucksack und griff zu seiner Kamera, um die ersten Eindrücke des vergessenen Anwesens festzuhalten. Er folgte dem Weg. Sein stetig umherschweifender Blick machte nichts Besonderes aus; nur Pflanzen und das Blau des Himmels, an welchem die Sonne schon merklich gesunken war und so die Schatten langsam in die Länge wachsen ließ. Das direkte und angenehm wärmende Licht würde bald verschwunden sein.

Das Herrenhaus, vor dem Barner stehen blieb, war beinahe komplett mit Rankenwerk überwuchert; die Fassade lag größtenteils verborgen hinter Rosen, Efeu und Wein. Hätte es nicht das eine oder andere erkennbare Fenster, den einen oder anderen frei sichtbaren Mauerbereich oder das halbwegs unverwilderte Dach gegeben, hätte alles noch unwirklicher ausgesehen, als es das ohnehin schon tat. Die Architektur besaß mehrere Erkertürmchen, die ausschließlich da zu finden waren, wo zwei Außenwände unter 90 Grad aufeinander trafen. Fast der gesamte Bau war zweigeschossig, wobei der zentrale Teil in seiner Mitte über ein weiteres Stockwerk verfügte, das von der Grundfläche her deutlich kleiner war. Nach links und rechts erstreckte sich je ein Seitenflügel.

Barner stand dem Haupteingang gegenüber, der über eine ausladende Treppe erreichbar war, die ebenfalls überwuchert dalag. Der Steinweg war in einen am Haus liegenden Halbkreis übergegangen, von welchem aus wiederum ein etwa drei Meter breiter Weg nach links und nach rechts um das Haus verlief. Mauerwerk und Steinweg trennte ein knapper Meter, der genügend Platz für den Ursprung all der Ranken bot - diese hatten sogar Teile des dritten Stockwerks in Beschlag genommen. Die Fassade, welche den Haupteingang mit der riesigen Flügeltüre beheimatete, war leicht nach innen gekrümmt, was den umliegenden Teilen des Hauses eine gewisse Dominanz gab, denn man fühlte sich, als würde man vor sich ausbreitenden Armen stehen. Durch die ansonsten eher klar winklige und schnörkellose Gestaltung - soweit Barner das unter all dem Grün ausmachen konnte - wirkte der Bau auf der einen Hand massig, bekam jedoch auf der anderen durch die Erkertürmchen, die dritte Etage und die Türmchen, die sich auf dem Dach befanden, auch etwas Luftiges. Barner konnte nur einzelne Elemente ausmachen und aus ihnen keinen wirklich zusammenhängenden Stil ableiten. Er spürte aber überdeutlich die Präsenz des Hauses; es erweckte mit seiner Aura eine tiefe Ehrfurcht.

Er machte einige Aufnahmen von den Wegen, die sich auch hier durch etwas weniger Bewuchs von der Umgebung abhoben, vom Haus, wo er einige zersprungene Fenster fand, und von der ehemaligen Anlage drum herum, von deren einstiger Gliederung gar nichts übrig geblieben war. Wie er von seinem Standpunkt aus sehen konnte, war der für ihn sichtbare Teil der Grundstücksmauer durchgehend - bis auf den Bereich mit dem Tor.

Er wandte sich nach links, um das Herrenhaus zu umrunden. Dabei fiel ihm das wilde Gezwitscher der Vögel auf, die in den Ranken brüteten und stetig kamen und gingen. Dieser Umstand verlieh dem Bauwerk einen zusätzlichen Hauch von Sanftmut.

Im Westflügel - der Blick auf den Kompass verriet es ihm - befanden sich unter all den Ranken die kaum noch zu erkennenden Nebeneingänge. Hinter der ersten Ecke, dem Ende des Westflügels, gab es eine Türe und rechts davon eine Treppe hinab zur Kellertüre. Hinter dem Flügel tat sich eine hochgelegene Veranda in Viertelkreisform auf, von der aus eine Treppe hinab zum Boden führte und an welcher auch der Steinweg endete. Die Stufen erstreckten sich über die gesamte Außenlänge der Veranda.

Barner betrat die Treppe, die bis auf einige Gräser, die aus den Fugen ragten, pflanzenfrei war, und lief hinauf auf die Veranda. Hier gab es am Westflügel großzügige Fenster und gläserne Türen, durch die er aber nichts erkennen konnte, da der Dreck der Jahrzehnte das Glas völlig überzogen hatte; die Türen waren alle abgeschlossen. Der Vorbau ging in nördlicher Richtung in eine weitere Veranda über, die von einer Balustrade begrenzt wurde. Sie erstreckte sich weit vom Haus weg und endete halbkreisförmig. Auf ihr befand sich ein mächtiger Wintergarten, der wie ein Teil einer gläsernen Kathedrale in die Höhe ragte und einen Grundriss hatte, der vom Prinzip her dem der Veranda glich, nur in verkleinerter...

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