Abgott

Thriller
 
 
eBook Berlin Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 16. Februar 2015
  • |
  • 592 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8270-7753-0 (ISBN)
 
Derby ist eine ruhige, beinahe idyllische Stadt, stolz auf seine zweitausendjährige Geschichte. Als ein College dort vier Studenten als vermisst meldet, ist zunächst kaum jemand von der Polizei beunruhigt, auch DI Damen Brook nicht. Aber dann taucht im Internet ein Film auf, der behauptet, den kollektiven Selbstmord der vier zu zeigen. Ein Fake? Aber was soll diese Inszenierung? Und wo stecken die Studenten? Ist der Film echt? Aber warum sollten diese vier begabten jungen Leute mit besten Zukunftsschancen sich umgebracht haben? Oder wurden sie ermordet? Und wenn ja, wer könnte ihnen ein derart absurdes,schreckliches Ende gesetzt haben? Ausgeklügelte Forensik, großartige Polizeiarbeit und ein unheimlicher Psychopath - Hochspannung um einen unheimlichen Serienmörder.
weitere Ausgaben werden ermittelt
Seit dem Abschluss seines Studiums an der Kent University hat Steven Dunne immer geschrieben, meistens eher zum Vergnügen. Eine Zeitlang hat er sich - allerdings wenig erfolgreich - als Comedy-Autor versucht und als freier Journalist für die Times, den Independent und den Guardian gearbeitet. Daneben spielte er Theater. Der Erfolg seines ursprünglich im Selbstverlag erschienenen ersten Kriminalromans, »Der Schlitzer«, war so groß, dass man beim Verlag Harper Collins auf ihn aufmerksam wurde und Dunne ermutigte, mit seinem Helden DI Brooke weiterzumachen. Steven Dunne lebt mit seiner Frau in Derby und arbeitet als Englischlehrer.

3


Mittwoch, 18. Mai


Jim Watson saß reglos in der warmen Dunkelheit des Wohnzimmers und lauschte dem krächzenden Schnarchen seiner Frau. Das Fernsehbild flackerte in der Zimmerecke und war die einzige Lichtquelle im Raum. Der Ton war fast nicht zu verstehen.

Watson schaute nicht auf den Fernseher und hörte auch nicht zu. Aber wenn er das Gerät ausschaltete oder nur den Ton stumm schaltete, könnte das Himmelreich gestört werden, in das sich seine Frau eingekuschelt hatte. Das durfte er nicht riskieren.

Er atmete tief durch und warf einen verärgerten Blick auf ihren schlafenden Körper auf dem Sofa. Der Mund stand offen und gewährte einen Blick auf die gelblichen Zähne, die sie sonst immer hinter den fest zusammengekniffenen Lippen versteckte, die Teil jenes biestigen Gesichtsausdrucks waren, den sie inzwischen immer zeigte. Das strähnige, ergraute Haar klebte an ihrer Wange und schien ihr in den Mund fließen zu wollen. Hätte sie das nicht garantiert geweckt, hätte Watson ein geradezu diebisches Vergnügen daran gefunden, wenn sie daran ersticken würde.

Zum hundertsten Mal schaute er auf die Uhr und ließ den mürrischen Blick zu seiner Frau zurückwandern. Schon nach Mitternacht, und immer noch ließ diese blöde Kuh in dem grauen Fetzen von einem Bademantel ihn warten.

Watson hatte das Gefühl, zwischen zwei Stühlen zu stehen. Sollte er sie wecken und halb schlafend ins Bett bringen oder hierlassen und hoffen, dass sie die Nacht durchschlief? Aber wieso? Er lächelte schief, weil er sich an etwas erinnerte, doch das Lächeln erstarb sofort, als seine Frau sich im Schlaf bewegte. Der schäbige Frotteestoff vom Bademantel, den sie ständig trug, drohte es ihrem Mund nachzumachen, indem er vorne aufklaffte und die Brüste entblößte, die ihn früher so erhitzt hatten. Inzwischen fand er sie nur noch widerlich.

James Henry Watson war vierzig Jahre alt, und das hier war sein Leben. Er wandte sich angewidert ab. Seine alternde Frau hatte sich so vollständig und absichtlich gehen lassen, dass allein ihr Anblick in abstieß. Dennoch war diese Abscheu nichts verglichen mit dem Selbsthass, den er entwickelt hatte, weil sein Leben an ihres gekettet war. Seine Xanthippe war schon mit achtunddreißig eine alte Frau, und um die Sache nur noch schlimmer zu machen, war er immer noch ein richtig gut aussehender Kerl. Wenn er mal abends in der Stadt einen draufmachte, schauten die Frauen ihm nach. Ihre Blicke verrieten dabei, wie sehr sie ihn wollten und was für eine entsetzliche Verschwendung es für jede von ihnen war, dass er diese verschrumpelte Hexe an seiner Seite hatte.

In der Bauarbeiterkluft sah er sogar noch besser aus. Mit Karohemd, einer arschengen Jeans mit aufgerissenen Knien und den Timberland-Stiefeln, die genauso abgewetzt waren wie seine verwitterten Gesichtszüge, war er für vernachlässigte Hausfrauen ein aparter Anblick. Gut gebaut und gebräunt von der harten Arbeit unter freiem Himmel mit einer Spur Grau in den blonden, lockigen Haaren war er immer wieder Ziel offener Flirtversuche und subtiler Teeeinladungen, während seine Jungs, die für fünf Pfund die Stunde für ihn schufteten, ihm hinter den Rücken der Frauen beifällig zunickten und -zwinkerten.

Gelangweilte Frauen jenseits der dreißig mit ein bisschen Geld auf dem Konto waren besonders hartnäckig. Einsam und frustriert spürten sie, wie ihnen die Zeit durch die Finger rann und mit jedem Monat ihre Reize nachließen. All das Shopping und die Freizeit machten ihr Leben nicht weniger monoton.

Des Öfteren, wenn er seine Kunstfertigkeit in Konversation unter Beweis stellte und sie verwirrt und bewundernd zu ihm aufblickten, spürte er, wie sie seinen gestählten Körper musterten. Sie wollten ihn. Forderten ihn heraus, sein Hemd zu öffnen, damit sie ihre teuer manikürten Nägel über seine nackte Brust ziehen konnten.

Aber er gab sich allen Verlockungen zum Trotz nicht dem Betrug hin. Obwohl er viele Angebote bekam und obwohl seine ätzende Frau ihn immer wieder provozierte. Nein, niemals. Jim Watson brüstete sich mit seiner Rechtschaffenheit, denn er hatte vor Gott einen Eid geleistet, dass er nie vom rechten Weg der unerschütterlichen Treue abweichen würde. Und das hatte er auch nie getan. Allerdings machte es das nur noch aufreibender, sich Tag für Tag den Gehässigkeiten und Verdächtigungen auszusetzen, die seine Frau wie Gift verspritzte.

Ich weiß, wie diese reichen Flittchen sind. Sitzen den ganzen Tag in ihren Häusern, donnern sich auf und suchen nach ein bisschen Aufregung. Glaubst du, ich sehe nicht, wie sie dich angucken? Lass dich bloß nicht dabei erwischen .

Watson atmete erneut tief durch. Gott allein wusste, wie sehr er litt. Gott wusste, dass er Jim Watson was schuldete.

Endlich hörte er das Geräusch, auf das er gewartet hatte. Aber es waren nicht die Schritte seiner Tochter, sondern ein Auto, das vor dem Haus bremste. Das Motorengeräusch klang kraftvoll, ehe es erstarb, als wollte es gar nicht auffallen. Watson wartete und lauschte. Er erhob sich lautlos aus dem Sessel und schlich zum Fenster, um die Gardine beiseitezuschieben. Eine Stimme erhob sich, gefolgt von gedämpftem Heulen. Dann sah er seine Tochter. Sie knallte die Tür eines schnittigen Sportwagens zu, ehe sie zum Haus rannte. Der Sportwagen - ein Porsche - raste mit quietschenden Reifen davon.

Möglichst leise ging Watson zur Tür und behielt dabei die schnarchende Harpyie auf dem Sofa im Auge. Er schlüpfte aus dem Wohnzimmer und zog die Tür behutsam hinter sich zu. In der Dunkelheit wartete er am Fuß der Treppe.

Ein Schlüssel wurde im Schloss gedreht, und Adele betrat das Haus. Nachdem sie die Tür geschlossen hatte, lehnte sie den schlanken Körper matt gegen die Tür, als müsste sie Eindringlinge fernhalten. Sie schaute hoch und seufzte. Watson glaubte zu erkennen, wie sie sich eine Träne abwischte. Sie atmete abgehackt, begann nur langsam, sich wieder zu fangen. Es dauerte einen Moment, ehe sie das Gleichgewicht zurückerlangt hatte und sich schließlich aufrichtete und von der Tür löste.

Watson beobachtete sie immer noch aus der Dunkelheit. Seine Tochter fuhr sich mit der Hand über die Stirn und durch die weichen, dunklen Haare bis zum perfekten Schwung ihres Nackens. Sie straffte sich und atmete tief durch, als habe sie eine Entscheidung getroffen und wüsste nun, wie es weiterging.

»Und tschüs«, hauchte sie.

»War er das?«, fragte Watson und tauchte aus der Dunkelheit auf.

Adele Watson zuckte zusammen, als sie ihren Vater hörte, und tastete nach dem Lichtschalter. Eine Neonröhre erwachte flackernd zum Leben und verströmte ihr erbarmungsloses Licht.

»Dad. Warum bist du so spät noch wach?« Adele versuchte zu lächeln, als wäre alles in bester Ordnung, doch sie konnte seinen Blick nicht erwidern.

»Dasselbe könnte ich dich fragen, Liebes.« Er trat in das grelle Küchenlicht und schloss die zweite Tür, die sie nun von seiner Frau trennte. »War er das? Dein kleines Geheimnis, dein schlechtes Gewissen?«

»Schlechtes Gewissen? Wie meinst du das?«

»Er hat ein Auto, richtig? Einen Porsche sogar, wenn ich das richtig gesehen habe. Davon hast du nichts erzählt. Bisher hat er dich nie bis zur Haustür gebracht.« Adele schaute weg. »Was hast du zu deiner Verteidigung zu sagen, junge Frau?«

»Ich bin achtzehn, Dad. Das geht dich nichts an.«

»Du gehst noch zur Schule, Mädchen. Zumindest noch eine Zeit lang. Du lebst in meinem Haus und verdienst kein Geld. Darum geht es mich sehr wohl etwas an.«

»Das finde ich nicht«, erwiderte sie überheblich.

»Ich finde schon. Und ich wäre dir sehr verbunden, wenn du nicht in diesem Ton mit mir sprechen würdest.«

Adeles Miene verriet, dass ihr eine trotzige Antwort auf der Zunge lag, die sie sich aber verkniff. »Das ist doch dämlich«, sagte sie nur und steuerte die Tür an. Watson verstellte ihr den Weg.

»Antworte mir.«

»Worauf soll ich antworten?«

»Er hat ein teures Auto.«

»Ist das eine Frage?«

Watson grinste seine hübsche Tochter höhnisch an. »Sei nicht so überheblich, sonst lernst du mich ganz anders kennen. Wer ist er?«

»Er ist ein Freund«, antwortete sie nach wenigen Sekunden ausweichend.

»Ein Freund?«, schnaubte er. »Du hast einen Freund, der ein teures Auto fährt und den du zu erwähnen vergessen hast?«

Adele seufzte. Ihre Augen wanderten suchend Richtung Treppe. »Dad, ich bin müde.«

»Mit so einem Auto muss er um einiges älter sein als du, Ade.«

»Dad .«

»Und ich weiß, was das heißt. Glaubst du, ich weiß das nicht? Männer wie er erwarten .« Er verstummte, weil er die Worte nicht über die Lippen brachte.

»Na? Was erwartet er?«, gab Adele zurück. Ihre dunklen Augen funkelten ihn wütend an.

Watson verzog das Gesicht. Die dunklen Gedanken ließen sich kaum in die richtigen Worte gießen. Schließlich erklärte er: »Ältere Männer mit Geld wollen von hübschen Mädchen bestimmte Dinge. Stimmt's?«

Adele zögerte. Sie wusste, was er von ihr erfahren wollte, war aber klug genug, es ihm nicht zu sagen. »Er ist gar nicht so viel älter«, log sie und bemerkte, wie ihm das nur ein schwacher Trost war. Zugleich wurde ihr von ihrer eigenen Schwäche ziemlich übel. Sag ihm schon, dass du verliebt bist. Erzähl ihm vom Sex und dass du keine Jungfrau mehr bist. Sie erwiderte den Blick ihres Vaters ungerührt und genoss beinahe seine Qual. »Außerdem bin ich eine erwachsene...

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