In Verantwortung

Hans Modrow und der deutsche Umbruch 1989/90
 
 
Studien Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 11. Oktober 2018
  • |
  • 584 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7065-5928-7 (ISBN)
 
Hans Modrow gehörte zu den zentralen Persönlichkeiten der Wendejahre 1989/90 und blickt anlässlich seines 90. Geburtstages in Gesprächen mit Oliver Dürkop und Michael Gehler auf sein politisches Leben zurück. Aufrichtig und offen beantwortet Modrow über 500 Fragen zu seiner Biographie, zur Geschichte der DDR, der Bonner und Berliner Republik sowie zu Weggefährten und Zäsuren. Diese umfassenden Zeitzeugengespräche ermöglichen es Leserinnen und Lesern, tief in die deutsch-deutsche Teilungs- und Transformationsgeschichte einzutauchen. Zentrale Daten der deutschen Zeitgeschichte, wie die Gründung der DDR 1949, die Stalin-Note von 1952 oder der Mauerbau 1961, kommen ebenso zur Sprache. Der Schwerpunkt der Gespräche liegt auf den dramatischen Ereignissen der Jahre 1989/90: Modrow bekam vor diesem Hintergrund die Chance, auf die höchste politische Entscheidungsebene der DDR zu gelangen, einem Staat, der in seine schwerste Krise geraten war. Er selbst musste in seiner Karriere viele politische Rückschläge einstecken: das Ende der DDR, die Niederlage seiner Partei bei den Volkskammerwahlen im März 1990, die Verurteilung wegen angeblicher Beteiligung an Wahlfälschungen und den Vorwurf der Aktenvernichtung. Als Mitglied des Deutschen Bundestages (1990-1994) und des Europäischen Parlaments (1999-2004) sowie Mitbegründer der Europäischen Linken war er trotz allem bis zuletzt politisch aktiv und stritt für die Freigabe seiner BND-Akte.

Modrows Erinnerungen werden mit dem Forschungsstand, Erinnerungen Dritter und seinen bisherigen Publikationen kontrastiert und kontextualisiert. Anmerkungen zu Personen und Ereignissen sowie Dokumente und Fotomaterial aus Privatbesitz komplettierten ein außergewöhnliches zeitgeschichtliches Dokument.
  • Deutsch
  • Innsbruck
  • |
  • Österreich
  • 5,99 MB
978-3-7065-5928-7 (9783706559287)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Oliver Dürkop, geboren 1971, Kanzleiberater, Zertifikatsstudium an der Freien Journalistenschule in Berlin 2014, Absolvent des Masterstudiengangs Cross Media an der Hochschule Magdeburg-Stendal in den Disziplinen Journalismus, Interaction Design und Management sowie Mitarbeiter an wissenschaftlichen Projekten zur Oral-History von DDR-AkteurInnen und ZeitzeugInnen.

Michael Gehler, geboren 1962, Professor am Institut für Zeitgeschichte an der Universität Innsbruck 1999-2006, Senior Fellow am Zentrum für Europäische Integrationsforschung (ZEI) in Bonn seit 2000, seit 2006 Professor und Leiter des Instituts für Geschichte und Jean Monnet Chair für Vergleichende Europäische Zeitgeschichte an der Stiftung Universität Hildesheim.
  • Intro
  • Titel
  • Inhalt
  • Vorwort und Danksagung der Herausgeber
  • Hans Modrow - ein aufrichtiger und kampferprobter Sozialist im deutschen Umbruch 1989/90. Eine Einführung in die Thematik von Michael Gehler und Oliver Dürkop
  • 1. Der Gesprächspartner im Porträt
  • 2. Von Hitlerjugend und "Volkssturm" zum Antifaschisten und SED-Politiker
  • 3. Vom Ersten SED-Bezirkssekretär Dresdens zum DDR-Ministerpräsidenten, Bundestagsabgeordneten und Europa-Parlamentarier
  • 4. Der Führungs- und Machtwechsel in Moskau - Zeitenwende im Epochen-Jahr 1989 bis zum Zerfall des Sowjet-Imperiums
  • 5. Der "Hoffnungsträger" auch aus Moskauer Sicht und ein parteiintern umstrittener Besuch in der Bundesrepublik - Dramatik und Hochspannung in Dresden
  • 6. Der "Gorbi"-Effekt und fortschreitender Aufruhr in der DDR
  • 7. Der Kurzzeit-Akteur Egon Krenz im Vollbesitz der totalen Macht
  • 8. Moderator des politischen Übergangs: Hans Modrow als Krisenmanager bei anhaltenden Demonstrationen
  • 9. Österreich als Beispiel und Hoffnungsland für mehr ostdeutsche Handlungsfreiheit und den Erhalt der DDR?
  • 10. Der Zerfall des RGW, ein "Drei-Stufen-Plan" und ernüchternde Erfahrungen mit Gorbatschow
  • 11. Gemeinsamer Appell mit Gregor Gysi zum Erhalt der Partei
  • 12. Der "Zentrale Runde Tisch": Modrow bei Beratungen zur demokratischen Umgestaltung der DDR im Dialog mit Bürgerrechtlern und die Vorgänge in der Normannenstraße am 15. Januar 1990
  • 13. Weder Rückhalt von Moskau noch "Solidarbeitrag" von Bonn, Schutzvorkehrungen für das Ehepaar Honecker und ein vergeblicher Anlauf in Brüssel
  • 14. Modrow im Urteil zeitgenössischer Akteure und Beobachter
  • 15. Gescheiterter Reformer des Sozialismus in der DDR, sozialistischer Weltbürger sowie Protagonist der Alten und Neuen Linken in Deutschland und Europa
  • Fazit
  • Gespräche mit Hans Modrow
  • 1. Die Kriegszeit
  • 2. Kriegsende, Gefangenschaft, Antifa-Schule in Moskau und erste Begegnungen mit Walter Ulbricht und Erich Honecker
  • 3. Die Entstehung der DDR als SED-Staat und deutsche Spezifika
  • 4. Deutschlandpolitische Wendepunkte? Die Stalin-Noten 1952 und der 17. Juni 1953
  • 5. Der Mauerbau 1961, die Niederwerfung des Prager Frühlings 1968 und die Ablösung Ulbrichts 1971
  • 6. Erster SED-Bezirkssekretär in Dresden 1973-1989: Deutsch-deutsche Planspiele und Manöver
  • 7. Wechselhafte Entspannungspolitik im Zeichen der Helsinki-Schlussakte und der KSZE-Nachfolgetreffen 1975-1989
  • 8. Kritische Blicke auf den Honecker-Besuch in der Bundesrepublik 1987
  • 9. Grenzöffnung Ungarn-Österreich und der Niedergang der DDR im Sommer
  • 10. Differenzen mit Honecker
  • 11. Die Ausschreitungen in Dresden und das gescheiterte Republik-Jubiläum "40 Jahre DDR"
  • 12. Der Honecker-Rücktritt und sein Nachfolger Egon Krenz
  • 13. Die "chinesische Lösung" und die missglückte "Wende" von Krenz
  • 14. Der 9. November 1989: Die unmittelbare Vorgeschichte und der welthistorische Tag
  • 15. Der 9. November und die Sowjetunion
  • 16. Vorsitzender des Ministerrates der DDR "Vertragsgemeinschaft" und Kohls 10-Punkte-Programm
  • 17. Das besondere Verhältnis Österreich-DDR und die Rolle Frankreichs: Der Besuch von Bundeskanzler Franz Vranitzky am 24. November sowie die Visite von François Mitterrand vom 20.-22. Dezember 1989
  • 18. Fortschreitende Transformation, die Frage der Verantwortung für die Misere und die Zukunft der DDR
  • 19. Die Sonderparteitage am 8./9. und 16./17. Dezember 1989 sowie die Rettung der SED
  • 20. Die Begegnung mit Kohl in Dresden am 19. Dezember und die Öffnung des Brandenburger Tors in Berlin am 22. Dezember 1989
  • 21. Krisen-Management, die Frage der Stasi-Akten und der "Sturm" auf die MfS-Zentrale in der Normannenstraße am 15. Januar 1990
  • 22. In geregelten Bahnen: Der "Zentrale Runde Tisch"
  • 23. Das schwierige Verhältnis zu Polen
  • 24. Der Gegenbesuch bei Vranitzky in Österreich am 26. Januar 1990
  • 25. Der Modrow-Plan und der Besuch bei Gorbatschow in Moskau am 30. Januar 1990
  • 26. Mit einer Regierungsdelegation in Bonn am 13.-14. Februar 1990 sowie das Projekt der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion
  • 27. Die DDR als 13. EG-Mitglied? Der Vollbeitrittsantrag vom 16. März 1990
  • 28. Die Volkskammerwahl am 18. März 1990, der Sieg der "Allianz für Deutschland" und der ordnungsgemäße Übergang zur Regierung de Maizière
  • 29. Persönliche Folgen und Erfahrungen mit der "Wende" und ihren Verlierern
  • 30. Fragen der Medien und des Sports in der DDR
  • 31. Die Frage der diplomatischen Dienste und ihre Auflösung
  • 32. Die Frage der Revolution und der Überlebensfähigkeit der DDR - ein Rückblick
  • 33. Der Vollzug der deutschen Einheit als innerdeutsche Priorität
  • 34. Erinnerungen an den Ex-Partei- und Staatschef, seine Frau Margot und der Fall Honecker 1990/91
  • 35. Gorbatschow, das Ende der DDR und der Sowjetunion 1990/91
  • 36. Als Abgeordneter im Deutschen Bundestag für die PDS (1990-1994) und im Europäischen Parlament für die Europäische Linke (1999-2004)
  • 37. Die Auseinandersetzung mit der politischen Vergangenheit, das SED-Vermögen und gerichtliche Auseinandersetzungen
  • 38. Überwachung durch den Bundesnachrichtendienst und die Klage
  • 39. Das Erbe der DDR und ihr Platz in der deutschen Geschichte
  • 40. Ausblicke: Deutschland, Russland, die Ukraine und die Folgen des "Arabischen Frühlings"
  • Fachliteratur
  • Schriftenverzeichnis von Hans Modrow
  • Hans Modrow - chronologischer Lebenslauf im gesamt-historischen Kontext
  • Dokumente
  • Abkürzungsverzeichnis
  • Bildnachweis
  • Impressum

Vorwort und Danksagung der Herausgeber


In den Jahren von 2014 bis 2018 befragten wir bei mehreren Besuchen in Berlin insgesamt über 50 Stunden Hans Modrow,1 der Ende der 1980er Jahre vom Westen, aber auch im eigenen Lande als politischer "Hoffnungsträger" für eine offenere und reformorientierte DDR gesehen wurde, jedenfalls heute aber nicht als "Gorbatschow des Ostens" begriffen werden und sich als solcher betrachtet sehen will. Ein Jahr nach der deutschen Einigung wurde er hingegen schon als "Sozialist mit Heiligenschein" beurteilt,2 eine Einschätzung, die ihm womöglich besser gefiele.

Was ursprünglich und zunächst nur ausschnittsweise als Zeitzeugengespräch über die Beziehungen zwischen der DDR und Österreich 1989/90 angedacht war und umgesetzt wurde,3 weitete sich über das anvisierte Thema immer stärker aus, sodass sich daraus diese umfangreiche Zeitzeugendokumentation entwickelte.

Bereits im Februar 1990, mitten im immer turbulenter werdenden Geschehen, waren die ersten hundert Tage seiner Regierungszeit dokumentiert worden.4 Im Jahre 1998 hatte Hans Modrow umfangreich seine Erinnerungen sowie auch Reflexionen zur Perestroika veröffentlicht, die als Grundlagen zur Beurteilung seiner Biographie und Politik zu berücksichtigen und als zusätzliche Informationen heranzuziehen sind.5 Vieles, was darin enthalten ist, musste für diese Publikation nicht mehr in allen Details neu aufgerollt und abermals erzählt werden, konnte aber als Basis für Nachfragen dienen.

Die von uns geführten Gespräche mit Hans Modrow sind nicht die ersten. Ernst Elitz, Gabriele Oertel und Hans-Dieter Schütt haben bereits im Sinne von Zeitzeugeninterviews Vorarbeit geleistet.6 Wir hielten es dennoch aus forschungs-spezifischen Gründen und zeitbedingtem Interesse für geboten, im einen und anderen Fall nachzufassen und bisher weniger stark berücksichtigte Aspekte, v. a. hinsichtlich der deutsch-deutschen Beziehungen, aber auch des europäischen und internationalen Kontextes, in dem sich der deutsche Umbruch vollzog, anzusprechen. Eine Reihe neuer Einsichten und Erkenntnisse konnte so gewonnen werden.

Das Ende der DDR kann allein im innen- und parteipolitischen sowie nur im innerdeutschen Rahmen weder zur Gänze erfasst noch vollständig verstanden werden. Aspekte einzelner Biographien der Geschichte der DDR, Personenkonstellationen im Machtgefüge des SED-Staats und nicht zuletzt die Entwicklungen in der Sowjetunion und in den Europäischen Gemeinschaften in der zweiten Hälfte der 1980er und besonders für die Phase 1989/90 waren mit einzubeziehen.

Das Buch versteht sich nicht als eine Festgabe mit Blick auf den 90. Geburtstag, den Modrow am 27. Januar 2018 in Berlin begehen konnte, sondern im Sinne einer Zeitzeugendokumentation als eine Art letztes Wort zu seinem politischen Leben. Ausführlich und offen beantwortete er über 500 Fragen zu seiner Biographie, zur Geschichte der DDR sowie der Bonner und Berliner Republik. Er sprach über seine Erfahrungen, Erlebnisse, Weggefährten sowie Zäsuren und nicht zuletzt über seine Regierungszeit als Vorsitzender des Ministerrates der DDR vom 13. November 1989 bis zum 12. April 1990 und das BND-Verfahren.

Modrow bilanzierte seine Politik und gab Antworten auf bisher zum Teil noch offen gebliebene und zuweilen auch kritische Fragen. Die vorliegende Gesprächsdokumentation ist sein Vermächtnis, indem er die historischen Weichenstellungen der deutschen und europäischen Geschichte aus seinem persönlichen Erleben schildert.

Modrow erinnerte sich an viele Details, weniger aus Kindheit und Jugend und dem Elternhaus, die bereits gut dokumentiert und erzählt sind, sondern vor allem aus seiner politischen Laufbahn. Die Ereignisse und Entwicklungen der ostdeutschen Zeitgeschichte kommen zur Sprache: die Ära Walter Ulbricht 1949-1971 und Erich Honecker 1971-1989, die Gründung der DDR 1949, die Freie Deutsche Jugend (FDJ) 1949, die Stalin-Noten 1952, der Arbeiter- und Volksaufstand 1953, der Ungarn-Aufstand 1956, der Mauerbau 1961, der "Prager Frühling" 1968, die Gewerkschaftsbewegung Solidarnosc und die Kriegsrechtsverhängung 1981 in Polen, die KSZE-Schlussakte von Helsinki vom 1. August 1975 sowie der damit im Zusammenhang stehende Nachfolgeprozess. Modrow spricht über den bayrischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß, die eingefädelten Milliardenkredite 1983/84, die Reformbestrebungen "Perestroika" und "Glasnost" von Michail S. Gorbatschow in den Jahren ab 1985 sowie den Besuch von Erich Honecker in der Bundesrepublik vom 7. bis 11. September 1987.

Der Schwerpunkt des Gespräches liegt auf den revolutionären Ereignissen und umbruchartigen Geschehnissen der Jahre 1989/90 inner- und außerhalb der DDR unter Einbeziehung der europäischen Ebene und des internationalen Kontextes: Mit dem symbolischen Aufschneiden der letzten Reste des Eisernen Vorhangs am 27. Juni 1989 durch die Außenminister Ungarns und Österreichs, Gyula Horn und Alois Mock, der offiziellen Öffnung der ungarisch-österreichischen Grenze am 11. September 1989 und den Demonstrationen im Laufe des Oktobers in der DDR fing die öffentlich immer massiver werdende Hinterfragung des SED-Regimes für alle sichtbar an.

Modrow war noch als 1. Sekretär der SED-Bezirksleitung Dresden tätig und am 4./5. Oktober 1989 gezwungen, die Schwierigkeiten bei der Durchfahrt der ostdeutschen Prager-Botschaftsflüchtlinge durch die sächsische Metropole zu bewältigen. Einschätzungen zu dem nach den Republik-Feierlichkeiten erfolgten Abtritt von Honecker am 18. Oktober und zum "Fall der Mauer" am 9. November sowie zur Wahl als Ministerpräsident am 13. November, zur Umgestaltung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) in das Amt für Nationale Sicherheit (AfNS), zu Überlegungen, einen Nachrichtendienst und ein "Amt für Verfassungsschutz" der DDR einzurichten (aufgrund dessen am 27. Dezember 1989 die Bildung einer zivilen Arbeitsgruppe "AG Sicherheit" beschlossen wurde) und Anstrengungen zur Abwendung der Auflösung der SED sowie zu seinen Treffen mit Michail Gorbatschow, James Baker, François Mitterrand, Helmut Kohl, Egon Krenz, Lothar de Maizière, Franz Vranitzky und weiteren nationalen und internationalen Akteuren bieten aufschlussreiche und vielfältige Einblicke.

Mit den Aussprachen und Beschlüssen am "Zentralen Runden Tisch" vom 7. Dezember 1989 bis 12. März 1990 konnte ein wichtiger Beitrag zu einem friedlichen und gewaltfreien Übergang geleistet werden. Modrow erkannte diese Notwendigkeit und wirkte mit. Er selbst beruhigte die angespannte Lage, die durch Demonstranten vor der Stasi-Zentrale in der Normannenstraße in Berlin am 15. Januar 1990 mit verursacht worden war.

Die Eindrücke von der 45. Konferenz des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) in Sofia am 9./10. Januar 1990, die Erfahrungen bei seinem Moskau-Besuch am 30. Januar, die Etablierung der neuen "Regierung der nationalen Verantwortung" sowie die Teilnahme am Weltwirtschaftsforum in Davos am 4. Februar waren wichtige Stationen auf dem Weg zur Erkenntnis, dass es mit dem Fortbestehen der noch existierenden DDR immer schwieriger und letztlich sogar aussichtslos werden sollte. Das Ergebnis des Aufeinandertreffens mit Helmut Kohl beim Besuch in Bonn am 13./14. Februar beschleunigte die Entwicklung, die nach der Schaffung der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion am 1. Juli dann zum raschen Ende der DDR am 3. Oktober 1990 führte. Der Antrag zum EG-Beitritt in Brüssel am 16. März 1990 - zwei Tage vor der Volkskammerwahl - war ein letzter verzweifelter Versuch, eine souveräne DDR europäisiert und insbesondere unabhängig zu erhalten, kam jedoch zur Rettung viel zu spät, einmal abgesehen von der Frage, ob ein solches Ansuchen früher noch etwas in diesem Sinne bewirkt hätte.

Kritische Bemerkungen und Wertungen der Regierungsbilanz des ersten frei gewählten und zugleich letzten DDR-Ministerpräsidenten Lothar de Maizière, der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion, des Zwei-plus-Vier-Vertrags sowie der deutschen Einheit am 3. Oktober 1990 und ihrer Folgen runden ein facettenreiches Bild ab. Im Jahre 1991 erlebt Modrow das Ende der Sowjetunion und weilt zum Zeitpunkt des Putsches gegen Gorbatschow in der UdSSR.

Als Mitglied des Deutschen Bundestages (1990-1994) und des Europäischen Parlaments (1999-2004)7 sowie Mitbegründer der Europäischen Linken sowie im Ältestenrat der deutschen sozialistischen Partei "Die Linke"8 war Modrow noch lange politisch aktiv.

Viele problematische Entscheidungen, strittige Ereignisse, politische Kontroversen und Niederlagen sowie private Rückschläge erfuhr er in seinem Leben: U. a. die Verurteilung wegen Beteiligung an Wahlfälschungen, die Vorwürfe wegen der Ausschreitungen am Dresdner Hauptbahnhof beim Transfer der ostdeutschen Botschaftsflüchtlinge in Prag über das Territorium der DDR, die Frage der Duldung von Aktenvernichtung sowie der vergebliche Versuch durch Anwaltsanschreiben an das russische Außenministerium im Mai 2017, an seine "verschleppt-geglaubten" Stasi-Akten zu gelangen, können als Beispiele genannt werden. Vor kurzem, nach jahrzehntelangem,...

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