Goethe ruft an

Roman
 
 
DuMont Buchverlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 18. August 2011
  • |
  • 320 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8321-8568-8 (ISBN)
 
Es gibt zwei Sorten von Schriftstellern: die strahlenden Zauberer und die erfolglosen Zweifler. Der Erzähler von John von Düffels neuem Roman gehört zweifellos zu den Erfolglosen. Seit Jahren schon sitzt er »an etwas Größerem«.
Doch er hat einen Förderer: Goethe. Der heißt natürlich nicht wirklich so - doch wenn irgendjemand heute Goethes Format hat, dann er. Ein Klassiker zu Lebzeiten, ein Literaturgott. Seine Lesungen gleichen Messen. Oder Rockkonzerten.
Goethe überredet den Freund, ihn bei einer Veranstaltung in der Lausitz zu vertreten. Seine Assistentin bringe ihm den Ordner mit den Unterlagen gleich vorbei, der alles enthalte, was zum erfolgreichen Schreiben nötig sei. Aber Vorsicht: Es ist sein einziges Exemplar.
So kommt der Erzähler in den Besitz der Goethe-Formel. Und macht gleichzeitig die Bekanntschaft von Frau Eckermann. Sind Formel und Frau bei ihm in guten Händen?
>Goethe ruft an< erzählt die ebenso rasante wie charmante Jagd nach dem Geheimnis des Erfolgs - und nähert sich darin auf augenzwinkernde Weise dem Schnittpunkt von Lesen und Leben.
  • Deutsch
  • 2,09 MB
978-3-8321-8568-8 (9783832185688)
3832185682 (3832185682)
weitere Ausgaben werden ermittelt
John von Düffel wurde 1966 in Göttingen geboren, er arbeitet als Dramaturg am Deutschen Theater Berlin und ist Professor für Szenisches Schreiben an der Berliner Universität der Künste. Er veröffentlichte zahlreiche Romane und Erzählungsbände bei DuMont.


Auszeichnungen

1998 erhielt John von Düffel für seinen Debütroman >Vom Wasser< den Ernst-Willner-Preis in Klagenfurt, den Jürgen-Ponto-Preis, den Mara-Cassens-Preis des Literaturhauses Hamburg und den aspekte-Literaturpreis.

2005 erhielt er für seinen Roman >Houwelandt< den Preis >Das neue Buch<, der jährlich vom Verband deutscher Schriftsteller (VS) Niedersachsen / Bremen ausgelobt wird.

John von Düffels Theaterstücke wurden zweimal zu den Mülheimer Theatertagen nominiert und beim Berliner Theatertreffen vorgestellt.

Zuletzt wurde er mit dem Nicolas-Born-Preis 2006 ausgezeichnet.

Buchveröffentlichungen

Oi (Merlin 1995)
Solingen (Merlin 1995)
Die Unbekannte mit dem Fön (Merlin 1997)
Missing Müller (Merlin 1997)
Born in the RAF (Merlin 1999)
Kleine Philosophie der Passionen. Schwimmen (dtv 2000)
Zeit des Verschwindens. Roman (DuMont, 2. Aufl. 2000)
Vom Wasser. Roman (DuMont 2000)
Ego. Roman (DuMont 2001)
Wasser und andere Welten. Geschichten vom Schwimmen und vom Schreiben (DuMont 2002)
Houwelandt. Roman (DuMont 2004)
Beste Jahre. Roman (DuMont 2007)
Wovon ich schreibe (DuMont 2009)
Hotel Angst (illustrierte Ausgabe DuMont 2010)
Goethe ruft an. Roman (DuMont 2011)
Wassererzählungen (DuMont 2014)
KL - Gespräch über die Unsterblichkeit (DuMont 2015)
Das Klassenbuch. Roman (DuMont 2017)


Weitere Veröffentlichungen

Theaterstücke

Oi. UA: 1995, Stendal/Oldenburg, R: Gerhard Jelen, R: Guido Huonder
Solingen. UA: 1995, Oldenburg, R: Sylvia Richter
Das schlechteste Theaterstück der Welt. UA: 1996, Augsburg, R: Friderike Vielstich
Die Unbekannte mit dem Fön. UA: 1999, Magdeburg, R: Jessica Steinke
Born in the R.A.F. UA: 2001, Osnabrück, R: Harff-Peter Schönherr
Shakespeare, Mörder, Pulp & Fiktion. UA: 1997, Basel, R: Oliver Held
Missing Müller
Sauriersterben. UA: 1997, Basel, R: Andreas von Studnitz
Rinderwahnsinn. UA: 1999, Schwerin, R: Dieter Klaß
Zweidrei Liebesgeschichten. UA: 2000, Münster, R: Sylvia Richter (alle Rechte vertreten vom Merlin Verlag, Gifkendorf)
Balkonszenen. UA: 2000, Bonn, R: Beat Fäh (alle Rechte vertreten vom Rowohlt Theaterverlag, Hamburg)

Hörspiele (ARD-Produktionen)

Tango; Wanzen; Glashäuser; Test; Hüben wie drüben; Neue Männer; Schnee; Jahrtausendwende; Eike & Eike; Go Wost! (Hörspiel des Monats); Jenny (Hörspiel des Monats); Missing Müller

Übersetzungen und Bearbeitungen

Richard B. Sheridan, Die Lästerschule
Alan Benett, Die Krankheit von George III
Hermann Melville, Bartleby
10 Der vierte Tag (S. 166-167)

Kein Wecker klingelt, niemand klopft oder ruft an. Es ist halb zehn, und ich bin auf dem Weg zur Leichtschreib-Übung, ohne Eile und Verzug, schlendere vorbei an dem frühstücksleeren Pool, den noch unbesetzten Liegestühlen am Beckenrand, der Morgensonne, die sich im glatten Wasser spiegelt. Auf einmal fällt es mir unendlich leicht, pünktlich zu sein. Ich bin der Erste unter dem Sonnensegel im Garten. Nur das Hotelpersonal war schon da, hat den Tisch hergerichtet, die Stühle bereitgestellt, auch den von Schwamm, was mich nicht weiter beunruhigt.

Denn sogar ihm, seinem Kritikerblick, seiner Vernichtermiene fühle ich mich heute gewachsen. Ich habe keine Angst mehr vor irgendwem. Die Mappe, die ich unterm Arm trage, hat ein beachtliches Gewicht. Mit welchen Übungen Goethe seinerzeit Leichtschreiben gelehrt hat, weiß ich nicht. Doch ich kann jetzt von mir behaupten zu wissen, wie es geht – aus eigener Erfahrung. Ich habe es geschafft, ohne ihn, ohne seine Instruktionen und Ratschläge, seine Vor- und Denkschriften. Ich habe die ganze Nacht durchgeschrieben, die Seiten gefüllt, ohne abzusetzen, ohne nachzulassen oder müde zu werden, im Gegenteil, je später die Nacht, je früher der Morgen, desto wacher und klarer wurde ich. Ich habe mich zum Licht geschrieben, leichtschreibend, leuchtschreibend.

Und wie durch ein Wunder bin ich immer mehr geworden mit jedem Satz, jeder Seite, immer mehr ich selbst. Insofern kann ich Hedwig nur dankbar sein für die Nötigung, Goethes Manuskript zu fälschen. Ohne sie – ohne die Aussicht auf sie – hätte ich es nicht gewagt. Sie war die Muse meines Plagiats, meine Kopisten-Inspiration, die süße Verführung zu »wechselseitiger Befruchtung« und einem polygamen Umgang mit geistigem Eigentum.

Nie hätte ich mich sonst so hemmungslos auf Goethe gestürzt, nie seine Art zu denken und zu schreiben so ganz und gar kopiert. Bis es auf einmal »klick« gemacht hat und mir klar wurde, dass ich das Original ja überhaupt nicht kenne, dass ich ein Fälscher bin ohne Vorlage und dass alles, was ich kopiere, jeder Satz, jeder Gedanke, von mir ist. Auf einmal fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Der Goethe, den ich die ganze Zeit kopiere, bin ich selbst!

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