Verliebt in eine Kidnapperin?

 
 
Cora Verlag GmbH & Co. KG
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 27. November 2011
  • |
  • 144 Seiten
 
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E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-86349-034-8 (ISBN)
 
Als Arzt ist Dr. Jeremy Fortune mit Leib und Seele für seine Patienten da. Nur sein privates Glück ist bisher zu kurz gekommen. Doch an dem Tag, als er vor dem Krankenhaus, in dem er arbeitet, einer jungen Fremden mit einem Säugling im Arm begegnet, wird sein Leben schlagartig anders. Jeremy spürt es sofort: Diese zarte Frau gehört zu ihm - für immer. Aber sie läuft einfach davon! So schnell, dass er sie nicht einmal nach ihrem Namen fragen kann. Kurz darauf erfährt er, dass das Baby gar nicht ihres ist. Hat er sich etwa in eine Kidnapperin verliebt?
  • Deutsch
  • 0,44 MB
978-3-86349-034-8 (9783863490348)
3863490347 (3863490347)

1. KAPITEL

Dr. Jeremy Fortune verließ das Krankenhaus von Red Rock durch den Haupteingang und eilte zum Parkplatz. Seine Stimmung war ebenso düster wie die Regenwolken, die sich über ihm auftürmten.

Seit mehr als einem Monat war sein Vater verschwunden und galt inzwischen als vermisst. Ausgerechnet an dem Tag, an dem er zum zweiten Mal heiraten wollte, war er verschwunden. Trotz aller Bemühungen, ihn zu finden, hatte es nur wenige Hinweise gegeben, und die hatten allesamt in eine Sackgasse geführt.

Hundert Meilen außerhalb der Stadt hatte William Fortune einen Autounfall gehabt. Die junge Frau in dem anderen Wagen war bei der Kollision ums Leben gekommen. Dass ein zweites Fahrzeug an dem Unfall beteiligt war, stellte die Polizei erst fest, nachdem sie Williams silberfarbenen Mercedes in einer unwegsamen, von dichtem Gebüsch bewachsenen Stelle unterhalb einer steilen Böschung entdeckt hatte, zu der man nur durch ein ausgetrocknetes Flussbett gelangte.

Es gab jedoch nicht den geringsten Hinweis auf William - keine Blutspuren, keine Anzeichen für Verletzungen . oder noch Schlimmeres. Er war wie vom Erdboden verschluckt.

Hinter der Sonnenblende hatte man ein Foto von seiner ersten Frau Molly gefunden. Daraufhin hatten einige Klatschblätter spekuliert, möglicherweise sei er absichtlich untergetaucht. Jeremy wusste, dass das Unsinn war.

William Fortune hatte es nämlich kaum erwarten können, mit Lily, der Witwe seines Cousins Ryan, den heiligen Bund der Ehe zu schließen. Er freute sich darauf, den Rest seines Lebens mit der Frau zu verbringen, in die er sich vor Kurzem verliebt hatte. Darüber hinaus bedeuteten ihm seine Familie und Freunde sehr viel. Er hätte sie niemals verlassen - jedenfalls nicht freiwillig.

Zuerst hatte Jeremy befürchtet, sein Vater sei entführt worden, aber es gab weder schriftliche noch telefonische Lösegeldforderungen.

Wo also steckte er?

Jeremy war Orthopäde, der mit Feuereifer seinem Beruf nachging. Als Arzt verließ er sich grundsätzlich auf seinen gesunden Menschenverstand, wenn es darum ging, Probleme zu lösen. Aber das Verschwinden seines Vaters entbehrte jeder Logik.

Normalerweise gab Jeremy nicht viel auf Gefühle oder Vorahnungen. Dennoch glaubte er nach wie vor daran, dass sein Vater noch lebte - irgendwo da draußen.

Jedenfalls würde er erst nach Kalifornien zurückkehren, wenn sein Vater gefunden worden war. Deshalb hatte er sich von der Gemeinschaftspraxis in Sacramento beurlauben lassen, was ihm übrigens nicht halb so viel ausmachte, wie er befürchtet hatte.

Vielleicht lag es daran, dass er schon seit Längerem - und zwar, bevor er zur geplanten Hochzeit seines Vaters nach Red Rock gekommen war - darüber nachdachte, seinem Leben eine neue Wendung zu geben. Ein bisschen Distanz vom Alltag, so hoffte er, würde ihm dabei helfen, sich Klarheit zu verschaffen.

Um sich jedoch nützlich zu machen und seine Zeit nicht sinnlos verstreichen zu lassen, arbeitete er auf freiwilliger Basis im Krankenhaus von Red Rock, das mit Mitteln der Fortune-Stiftung finanziert wurde.

Er schaute auf seine Armbanduhr. Es war kurz nach halb fünf und noch zu früh für seine Verabredung. Am Abend wollte er sich mit seinem Bruder und seiner Schwägerin im Red treffen, seinem Lieblingsrestaurant in der Stadt. Andererseits lohnte es sich auch nicht mehr, zur Double Crown Ranch, wo er derzeit wohnte, hinauszufahren, nur um kurz darauf wieder ins Zentrum zurückzukehren.

Vielleicht sollte er in einem Buchladen herumstöbern, ehe er sich mit Drew und Deanna traf. Da er in letzter Zeit schlecht schlief, hatte er viel Zeit zum Lesen.

Auf dem Weg zu seinem Auto musste er an seinen Traum von vergangener Nacht denken. Seltsamerweise hatte er seine düstere Stimmung etwas aufgehellt. Dabei gab Jeremy überhaupt nichts auf Träume. In diesem war er durch eine Allee gefahren, wie es sie in den besseren Gegenden von Red Rock gab. Die Nachmittagssonne hatte die Szenerie in goldgelbes Licht getaucht.

Er war in die Einfahrt eines einstöckigen Hauses eingebogen, das gerade frisch gestrichen war - in Weiß und Grün und mit schwarz abgesetzten Rändern. Sorgfältig geschnittene Pflanzen und Büsche säumten einen gepflegten Rasen. Auf der Veranda saß eine bezaubernde Frau in einem Schaukelstuhl neben einem schwarzen Blumenkasten, der mit farbenprächtigen Blumen bepflanzt war.

Die Szene erinnerte ihn an ein Bild von Norman Rockwell, dem berühmten Maler amerikanischer Idyllen, und plötzlich war ihm ums Herz ganz leicht geworden.

Er versuchte die Frau zu erkennen. Sie war in den Anblick eines in rosafarbenes Flanell gehüllten Bündels in ihrem Arm vertieft. Die hellbraunen Locken fielen ihr ins Gesicht, das er nicht sehen konnte.

"Ich bin wieder da!", rief er, während er aus dem Auto stieg und die Tür verschloss. Er eilte die Einfahrt hinauf, um Mutter und Kind zu begrüßen. Die düstere Stimmung der vergangenen Wochen war wie weggeblasen. So glücklich hatte er sich schon lange nicht mehr gefühlt.

Gerade als die Frau ihm das Gesicht zuwenden wollte, endete der Traum abrupt, und unvermittelt war aus dem Frühling Herbst und aus dem Tag Nacht geworden.

Jeremy wusste, dass das Unterbewusstsein im Schlaf seltsame Dinge mit den Menschen anstellte, aber für einen kurzen Augenblick hatte er sich beschwingt und unbeschwert gefühlt. Beim Aufwachen wurde ihm klar, was er in seinem nach außen hin so erfolgreichen Leben vermisste - eine Frau und Kinder.

Schade, dass er die Frau in seinem Traum nicht erkannt hatte. Letztlich spielte es zwar keine Rolle, denn ihr Bild war rein symbolisch gewesen - ein Ersatz für das, was ihm fehlte.

Plötzlich hörte er Schritte hinter sich. Er schaute sich um und bemerkte eine zierliche Frau, die sich ihm näherte. Sie trug eng anliegende Jeans, ein hübsches weißes T-Shirt und eine rosafarbene Jacke gegen die Kälte. Auf dem Arm trug sie ein Baby, das in ein blaues Tuch gewickelt war. Sie hielt den Kopf gesenkt und betrachtete den Säugling.

Seltsam . ihr hellbraunes Haar erinnerte ihn an die Frau aus seinem Traum.

Obwohl er nach wie vor nicht an Träume glaubte, fühlte er sich auf merkwürdige Weise zu ihr hingezogen.

Jetzt schaute sie auf und entdeckte ihn. Sie öffnete den Mund und verlangsamte ihr Tempo. Ihr Gesicht hätte das Titelblatt einer Zeitschrift geziert. Dichte Wimpern umrahmten ihre ausdrucksvollen blauen Augen.

"Entschuldigen Sie", sprach sie ihn an, während sie den Henkel ihrer Wickeltasche straffer zog. "Sind Sie Arzt?"

Die Frage lag nahe, denn Jeremy trug noch seinen Arztkittel. "Ja."

"Gott sei Dank. Ich wollte mein Baby untersuchen lassen, aber ."

"Ich bin kein Kinderarzt, sondern Orthopäde", unterbrach Jeremy sie. "Aber die Ambulanz ist noch geöffnet. Da wird sich bestimmt jemand um Ihr Baby kümmern."

Nervös schaute sie sich um. "Ich kann nicht warten. Und ich mache mir Sorgen um ihn. Ich möchte nur sichergehen, dass ihm nichts fehlt."

"Was ist denn das Problem? Fieber oder sonstige Symptome?"

"Eigentlich gar nichts." Sie betrachtete den kleinen Kerl in ihrem Arm. Dann schaute sie erneut Jeremy an. "Ich möchte nur wissen, ob er gesund ist."

Seltsam, dachte er. Dennoch trat er einen Schritt näher, um einen Blick auf das Baby zu werfen. Der Junge mochte etwa zwei Monate alt sein. Seine Augen waren hellwach, er hatte pausbäckige Wangen und runde Arme. Nichts deutete auf eine Krankheit oder eine Vernachlässigung hin.

"Wie schon gesagt, ich bin kein Kinderarzt", wiederholte Jeremy. "Und ohne eine gründliche Untersuchung kann man ohnehin nichts feststellen. Aber auf mich macht er nicht den Eindruck, als fehlte ihm etwas."

Sie seufzte erleichtert. "Gott sei Dank."

Warum war sie bloß so nervös?

"Die ambulante Behandlung ist übrigens kostenlos ."

"Danke, aber das ist nicht das Problem. Ich habe schon eine Stunde im Wartezimmer gesessen, und es waren immer noch einige Patienten vor mir an der Reihe. Und jetzt muss ich unbedingt nach Hause."

Wahrscheinlich zu ihrem Mann, mutmaßte er. Was ihn, aus welchem Grund auch immer, ein wenig enttäuschte.

Verstohlen musterte er die Frau. Vielleicht konnte es nicht schaden, das Baby auf Verletzungen und Prellungen zu untersuchen.

Er streichelte die Wange des Kleinen, der sofort nach seinem Finger griff und ihn festhielt. Sein Herz schlug schneller. Was war denn das nun für eine Reaktion?

Die Frau blickte auf ihre Armbanduhr. "Entschuldigen Sie, aber ich muss wirklich los."

Sie dankte ihm, dass er sich Zeit genommen hatte, drehte sich um und eilte zur Straße.

Wie angewurzelt blieb Jeremy auf dem Parkplatz stehen und sah ihr nach, bis sie die Bushaltestelle erreichte.

Steckte sie in irgendwelchen Schwierigkeiten? Hatte sie möglicherweise einen gewalttätigen Freund oder Ehemann?

War sie - oder das Baby - geschlagen worden?

Vielleicht hätte er sie doch dazu überreden sollen, die Ambulanz aufzusuchen.

Mit einem Blick auf seine Armbanduhr stellte Jeremy fest, dass er noch viel Zeit hatte. Er drehte sich um und ging...

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