Fragmente eines Tabus

Sexueller Missbrauch an Kindern und Jugendlichen - über den sensiblen Umgang mit Betroffenen
 
 
Hogrefe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 23. Januar 2017
  • |
  • 104 Seiten
 
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978-3-456-95710-4 (ISBN)
 
Dreizehn Geschichten mit dem Erlebnis sexueller Gewalt werden aus der Sicht der Autorin und Jugendgynäkologin geschildert. Während ihrer medizinischen Betreuung stellt sie eine Beziehung zum Opfer her und begleitet die Betroffenen feinfühlig wieder aus dem Dunkeln der Gewalt heraus in ein Leben danach. Nichts wird beschönigt, und dennoch macht das Buch Mut, als Opfer den Schritt hinaus zu wagen. Wie zerstörerisch sexuelle Gewalt wirkt, wird nicht nur durch die Geschichten, sondern auch durch berührende Bilder vermittelt, die speziell für dieses Werk erstellt wurden und sich durch das gesamte Buch ziehen. Das Buch wendet sich gegen die Tabuisierung des sexuellen Missbrauchs, es gibt den Opfern eine Stimme und ein Gesicht.
1. Auflage 2017
  • Deutsch
  • Bern
  • |
  • Deutschland
  • Ratgeber für Betroffene, Eltern oder Angehörige, alle in sozialen Einrichtungen Tätige, die Kinder betreuen. Kinderschutz, Kinder- und Jugendpsychotherapeuten, Gynäkologen, Pädiater
  • 24
  • |
  • 24 farbige Abbildungen
  • 16,85 MB
978-3-456-95710-4 (9783456957104)
10.1024/85710-000
weitere Ausgaben werden ermittelt
1 - Fragmente eines Tabus [Seite 1]
1.1 - Danksagung [Seite 7]
1.2 - Geleitwort [Seite 9]
1.3 - Inhaltsverzeichnis [Seite 13]
1.4 - Einleitung [Seite 15]
2 - 1. Maskengesicht [Seite 17]
2.1 - Theorie: Kinderschutzgruppe [Seite 19]
3 - 2. Zwei Schwestern,eine Geschichte [Seite 23]
3.1 - Theorie: Die kindergynäkologische Untersuchung [Seite 26]
3.2 - Theorie: Dissoziation [Seite 34]
4 - 3. Leerer Körper [Seite 39]
4.1 - Theorie: Sexualstörungen [Seite 41]
4.2 - Theorie: Opferberatung [Seite 41]
5 - 4. Schreiendes Unrecht [Seite 45]
6 - 5. Zwischen den Kulturen gestrandet [Seite 51]
6.1 - Theorie: Gewalt gegen Frauen - in verschiedenen Kulturen [Seite 51]
6.2 - Theorie: Mythos Jungfernhäutchen [Seite 54]
7 - 6. Der lange Schatten [Seite 57]
7.1 - Theorie: Selbstverletzungen [Seite 59]
8 - 7. Digitale Gewalt [Seite 63]
8.1 - Theorie: Sexuell u?bertragbare Infektionen (STI) [Seite 67]
8.2 - Theorie: Zusammenarbeit mit Polizei und Staatsanwaltschaft [Seite 70]
9 - 8. Liegend zerstört [Seite 73]
9.1 - Theorie: Spurensicherung [Seite 73]
10 - 9. Seiner Macht entkommen [Seite 79]
10.1 - Theorie: Essstörungen [Seite 81]
11 - 10. Gefangen im Körper [Seite 85]
11.1 - Theorie: Sexueller Missbrauch und Behinderung [Seite 86]
11.2 - Theorie: Die frauenärztliche Untersuchung von Frauen mit Handicap [Seite 88]
12 - 11. Verknu?pfte Schicksale [Seite 91]
12.1 - Theorie: Die "Pille danach" [Seite 93]
13 - Kurzbiografien [Seite 99]
14 - Sachregister [Seite 101]
Zwei Schwestern, eine Geschichte (S. 22-23)

Die Ältere kann die Jüngere nicht schützen, aber sie hat den Mut zu reden, nach Jahren des Schweigens. Jetzt, wo sie gesehen hat, dass er nicht nur die jüngere Schwester Adina, sondern auch die kleine Cousine betatscht - diese ist gerade mal vier Jahre alt. Der Kleinen droht dasselbe Schicksal wie den großen zwei, das weiß sie jetzt. Und nun kann sie nicht mehr schweigen, jetzt ist ihr alles egal, und sie geht zur einzigen Person, von der sie glaubt, dass sie ihr Glauben schenken wird: zur Mutter ihrer Freundin.

Der eigene Körper ist nichts mehr wert, aber wenigstens die Schwester soll geschützt werden. Der Wunsch, anderen zu helfen, zu beschützen, ist so stark, dass sie die Angst vor der angedrohten Strafe überwindet.

Es war der Onkel, der sich an den beiden vergangen hat, acht Jahre lang, regelmäßig, bei jedem Besuch. Im Nebenzimmer, wenn die große Familie draußen war, wenn die Eltern abgelenkt waren. Adina, die Jüngere, kann sich nicht erinnern, selber Opfer geworden zu sein. Sie musste vor der Türe im Gang stehen und aufpassen, dass keiner hineinkommt. Doch Laila, die Ältere, weiß genau, dass auch Adina missbraucht wurde, sie hat es durch das Schlüsselloch gesehen. Oft, immer wieder, über Jahre, wie sie selbst auch. Seit sie sechs Jahre alt war. Bei ihr hörte er auf, als sie in die Pubertät kam. Wohl aus Angst vor einer möglichen Schwangerschaft? Sie weiß es nicht, sie hatte immer Angst, schwanger zu werden, auch schon als Kind. Den Zusammenhang von Schwangerschaft und Pubertät hatte ihr niemand erklärt. Über sexuelle Dinge wurde nie geredet.

Alles hat er mit ihnen gemacht, mit den beiden kleinen Mädchen, in jeder Stellung, aber immer in Eile, ohne Rücksicht auf Schmerzen. Und er beschimpfte und bedrohte sie, immer wieder, als Schlampen, als Menschen, mit denen niemand etwas zu tun haben möchte, falls sie nicht das tun, was er wolle. Niemand werde ihnen glauben, sie seien ja so schlecht. Die eine musste Wache stehen, die andere missbrauchte er. Es gab kein Entrinnen, nur die innere Emigration.

Angst beherrschte die Kindheit und frühe Jugend. Angst, dass jemand etwas merkt, dass man ihnen die Schuld gibt, Angst, dass sie ausgestoßen würden. Nachts leiden sie unter Albträumen, beide Schwestern. Oft schreit die Jüngere im Schlaf. Beide entwickeln eine Essstörung. Während Laila unter Essanfällen leidet und übergewichtig wird, kann Adina kaum noch essen. Laila macht sich große Sorgen um die Jüngere, die untergewichtig ist. Auch Adina ist oft übel, und sie leidet an chronischen Bauchschmerzen, aber niemand erkennt, warum. Immer wieder die Besuche beim Arzt, aber er findet keine Ursache, nur einen unauffälligen Bauch, der wehtut. Der Kinderarzt meint, es sei der Schulstress. Allein kann Laila nicht mit ihm reden, er hat ja auch keine Zeit. Und würde er ihr denn glauben? Sie wagt es nicht, etwas zu sagen.

Doch dann geht es nicht mehr, sie kann nicht mehr ertragen, was sie durch das Schlüsselloch beobachtet. Und so erzählt sie der Mutter der Freundin, dass sie und ihre Schwester missbraucht würden. Seit Langem, seit Jahren. Mehr kann sie nicht sagen, zu groß ist die Angst. Die Mutter der Freundin alarmiert nun die Polizei, und dann geht es rasch. Laila wird auf den Polizeiposten gebeten und befragt. Jetzt, im geschützten Rahmen, erzählt sie alles, zum ersten Mal in ihrem Leben. Und sie wird ernst genommen, das spürt sie an den Fragen. Sie legt ihre ganze Hoffnung, dass sich nun endlich etwas ändern könnte, in dieses Gespräch. Doch gleichzeitig hat sie auch große Angst, Angst um Adina, die jüngere Schwester, Angst um die kleine Cousine, und vor allem Angst, wie die Eltern reagieren würden. Die Eltern sollten auf keinen Fall etwas erfahren, das wäre ihr am liebsten. Sie ist sich sicher, dass die Eltern ihr nicht glauben würden. Oder noch schlimmer, ihr vorwerfen, dass sie selber an den Übergriffen schuld sei.

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