Der neue Sonnenwinkel 18 - Familienroman

Wenn eine Ärztin liebt
 
 
Martin Kelter Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 16. Januar 2018
  • |
  • 64 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7409-2501-7 (ISBN)
 
Michaela Dornberg ist mit ganzem Herzen in die bezaubernde Welt des Sonnenwinkels eingedrungen, sie kennt die so sympathische Familie des Professors Auerbach mit dem Nesthäkchen Bambi inzwischen schon besser als jeder andere. Die geliebte kleine Bambi wird in den neuen Romanen für besondere Furore sorgen, und eine erfrischend engagierte junge Ärztin wird den Sonnenwinkel gehörig aufmischen. Inge Auerbach hatte sich die Worte ihrer Ärztin, Frau Doktor Roberta Steinfeld, sehr zu Herzen genommen und versuchte, ihren Alltag wieder in den Griff zu bekommen. Nicht nur den, sondern ihr Leben insgesamt. Und sie war ganz stolz auf sich, dass sie das allein in den Griff bekam und nicht auf die blauen Pillen zurückgreifen musste, die die Frau Doktor ihr für alle Fälle mitgegeben hatte. Natürlich war es bitter, dass ihre über alles geliebte Jüngste nichts mehr von ihr und Werner wissen wollte. Das war nichts, was man einfach so beiseiteschieben konnte. Aber Inge war ehrlich genug, sich zu sagen, dass es einzig und allein ihre eigene Schuld war. Es war schon verrückt. Sie und Werner hatten es immer wieder hinausgeschoben, ihrer Kleinen zu sagen, dass sie adoptiert war. Zum Teil lag das daran, dass Bambi, die nur noch Pam genannt werden wollte, sich so sehr als eine waschechte Auerbach gefühlt hatte, zum Teil war es auch Feigheit gewesen. Wie auch immer, das Kind war in den Brunnen gefallen, und der Schuss war nach hinten losgegangen.
  • Deutsch
  • 0,21 MB
978-3-7409-2501-7 (9783740925017)

Es war sehr still in dem hellbeige gestrichenen, freundlichen Krankenzimmer. Es drangen nur Geräusche vom Gang draußen - schnelle Schritte, das Klappern von Geschirr. Und man hörte den Regen, der an die Fenster klatschte, die hinaus zum Park führten. Fast schien es so, als wolle angesichts des ganzen Unglücks auch der Himmel weinen.

Marianne von Rieding saß ein wenig zusammengesunken auf einem ziemlich unbequemen Stuhl und blickte unverwandt ihre Tochter an, die blass, still und mit geschlossenen Augen im Bett lag.

Mit einer Situation wie dieser hätte Marianne niemals gerechnet. Sandra und im Krankenhaus. Ja, zur Geburt des Babys, aber so .

Marianne wurde aus ihren Gedanken gerissen, als es an der Tür klopfte, ein junges Mädchen den Kopf hereinsteckte.

»Darf ich Ihnen auch einen Kaffee bringen und ein Stückchen Kuchen?«

Normalerweise aß Marianne von Rieding sehr gern Kuchen. Doch sie war sich sicher, augenblicklich keinen Bissen herunterbringen zu können.

»Ein Kaffee wäre ganz wunderbar«, rief sie, »bitte nur schwarz.«

Wenig später stand ein weißer Porzellanbecher vor ihr, und Marianne machte sich beinahe gierig über den Kaffee her. Ihn zu trinken tat gut, und erstaunlicherweise schmeckte der Kaffee sogar, was man in Krankenhäusern nicht immer behaupten konnte.

Als sie ausgetrunken hatte, stellte sie den Becher beiseite und wandte sich wieder Sandra zu.

Sie würde bald aus dem künstlichen Koma erwachen, in das man sie gesetzt hatte, und diesen Augenblick wollte Marianne erleben. Für Sandra würde es sehr schwer werden, sich wieder in der Realität zurechtzufinden, und da wollte Marianne ihrer Tochter helfen, an ihrer Seite sein.

Marianne wusste noch nicht, wie sie mit Sandra umgehen sollte, wobei Vorwürfe auch nicht die Lösung waren. Es würde nichts mehr ändern. Sandra hatte mit ihrer verantwortungslosen Raserei alles zerstört. Sie war gestraft genug. Sandra konnte sehr froh sein, diesen schrecklichen Autounfall überlebt zu haben. Sie hatte mehr als nur einen Schutzengel an ihrer Seite gehabt.

Nicht auszudenken, wenn sie jetzt tot wäre.

Sie war wirklich glimpflich davongekommen, und der Totalschaden des schnittigen, teuren Sportwagens war bei allem noch das kleinste Übel. Ihre Verletzungen, die sie davongetragen hatte, würden heilen. Doch würde sie über den Verlust ihres ungeborenen Kindes hinwegkommen, auf das sie sich so sehr gefreut hatte?

Schwer zu sagen!

Marianne wollte nicht in Sandras Haut stecken. Die Schuldgefühle würden sie immer quälen, denn dieser grässliche Unfall wäre bei einer bedachten Fahrweise vermeidbar gewesen.

Würde Sandras Ehe das überstehen?

Wie glücklich war Felix doch gewesen, noch einmal Vater zu werden. Er liebte Sandra über alles. Und das tat er wirklich, das konnte sie als seine Schwiegermutter beurteilen, schließlich wohnten sie dicht beieinander. Sie hatte auch hautnah mitbekommen, wie glücklich Felix war, dass Sandra den Unfall lebend überstanden hatte. Doch würden die Vorwürfe, dass sie die Schuld an allem trug, nicht immer im Raum stehen und allmählich alles zerstören wie ein schleichendes Gift?

Marianne merkte, was diese Gedanken mit ihr machten! Sie musste sie beiseiteschieben, sie musste nach vorne blicken.

Sie hatte auch keine Kraft mehr. Die letzten Monate waren für sie sehr sorgenvoll gewesen, weil sie um das Leben ihres geliebten Mannes bangen musste, der eine schwere Herzoperation hinter sich hatte.

Es sollte aufhören!

Stattdessen ging es weiter, nach Carlo war Sandra an der Reihe, auch wenn deren Unglück selbst verschuldet war. Doch war es nicht bei Carlo ebenfalls so? Der hatte wie ein Verrückter gearbeitet, sich nicht geschont und total vergessen, dass er keine zwanzig Jahre alt war. Dabei war es bei ihm auch unnötig gewesen. Carlo hatte alles in seinem Leben erreicht. Er musste niemandem mehr etwas beweisen. Er war wie eine Kerze, die von beiden Enden brannte.

Wenn sie ehrlich war - Carlo war so egoistisch wie Sandra!

Sie wollte ihn nicht verlieren, diesen Mann, der ihre zweite, späte Liebe war. Und sie wollte auch, dass ihr einziges Kind glücklich war.

Vielleicht gab es kein Glück auf Dauer, vielleicht war es an der Zeit, andere Wege zu gehen.

Sie hatten zwar beide ihre Männer kennengelernt, nachdem sie den Erlenhof geerbt hatten, jenen stattlichen Besitz unterhalb der Felsenburg. Aber fast schien es, als sei das Glück dabei, sich davonzuschleichen. Sie und Sandra hatten alles nur geerbt, weil es keine anderen Erben gab und weil ihr Schwiegervater vielleicht auch etwas gutmachen wollte. Zu seinen Lebzeiten war er hart und unnachgiebig gewesen und wollte weder seine bürgerliche Schwiegertochter noch sein Enkelkind kennenlernen, und mit seinem einzigen Sohn hatte er gebrochen. So etwas schaffte negative Energie, und die war im Her­renhaus überall zu spüren, in dem sie sich von Anfang an wie eine Besucherin vorgekommen war.

Nichts würde mehr so sein wie es mal war.

Und war das jetzt nicht ein Zeichen?

Marianne wurde aus ihren Gedanken gerissen, denn in diesem Augenblick begannen Sandras Augenlider zu zucken, ihre Hände glitten unruhig über die weiße Bettdecke.

Marianne hielt den Atem an, dann öffnete Sandra die Augen, ihr Blick irrte durch den Raum, blieb bei ihrer Mutter hängen.

»Mama ., du ., ich ., wo bin ich?«

Marianne sprang auf, hielt die Hände ihrer Tochter fest, sagte leise: »Du bist im Krankenhaus, alles ist gut.«

Krankenhaus?

Die Erinnerung überfiel Sandra wie eine Horde wilder Tiere.

Sie sah sich in dem Auto, sie sah den Traktor, und dann der Baum. Sie hörte das Bersten und Brechen, wurde herumgeschleudert .

»Mama, ich ., was ist mit dem Baby?«

Sie befreite sich aus dem Griff ihrer Mutter, ihre Hände tasteten über ihren flachen Bauch.

»Mama, so sag doch etwas.«

Das klang angstvoll, flehentlich.

Marianne war eine couragierte Frau, die wusste, wo es längs ging, doch jetzt fühlte sie sich überfordert. Es war unmöglich. Sie konnte es Sandra nicht sagen. Gut, es mochte feige sein, sie konnte nicht anders. Sie drückte verstohlen auf den Klingelknopf, gleich würde jemand hereinkommen.

»Sandra, so beruhige dich doch erst einmal, du darfst dich nicht aufregen.«

Sandra schloss die Augen.

Sie konnte zwar jetzt nichts mehr sehen, aber die vergangenen Ereignisse kamen immer deutlicher in ihre Erinnerung zurück. »Mama, lebt mein Baby?«

Marianne dankte dem Himmel, als in diesem Augenblick eine Krankenschwester hereinkam.

»Meine Tochter ist wach«, sagte Marianne, daraufhin machte die Schwester kehrt, um kurz darauf mit einem Arzt zurückzukommen. Marianne war so froh, dass er sie bat für einen Augenblick nach draußen zu gehen. Das war feige, gewiss. Aber sie war eine Mutter, die sich sehr gut in ihre Tochter hineinversetzen konnte. Es hätte ihr das Herz gebrochen, dabei sein zu müssen, wenn Sandra die grausame Wahrheit erfuhr, und sie selbst, nein, sie hätte es ihr nicht sagen können.

Marianne lehnte sich an eine Wand, bemerkte, wie ein weiterer Arzt, zusammen mit einer Krankenschwester, in Sandras Zimmer verschwand.

Sie wusste es jetzt, dachte Marianne traurig, und sie schien es, was ja auch überhaupt nicht verwunderlich war, nur schwer aufzunehmen.

Vielleicht hätte sie doch darauf bestehen müssen, im Zimmer bleiben zu dürfen.

Sie versuchte Felix zu erreichen, sein Handy war abgestellt, und in ihrer Not rief sie Carlo an. Natürlich würde sie ihm nicht erzählen, was da gerade geschah. Sie wollte einfach nur seine Stimme hören. Das war Trost genug. Aber auch bei ihm hatte sie kein Glück, und ihm eine Nachricht hinterlassen wollte sie auch nicht.

Warum blieben die Ärzte nur so lange bei Sandra?

Sollte sie einfach hineingehen?

Schließlich war sie die Mutter!

Gerade als sie ihren Vorsatz in die Tat umsetzen wollte, kamen die Ärzte und die Krankenschwester aus Sandras Zimmer heraus. Während der eine Arzt und die Krankenschwester weitergingen, blieb der Professor vor Marianne stehen, erzählte ihr, dass man Sandra ruhigstellen musste, nachdem sie die bittere Wahrheit erfahren hatte.

Marianne verlor alle Farbe im Gesicht, ihr armes, armes Kind. Sie dachte jetzt nicht mehr daran, dass es Sandras alleinige Schuld war, sondern nur an den Seelenschmerz von ihr.

Der Professor bemerkte die Veränderung, die mit ihr vorgegangen war, legte eine Hand auf ihren Arm und sagte: »Frau von Rieding. Gehen Sie nach Hause, Ihre Tochter wird in den nächsten Stunden schlafen, und es wird sich immer jemand um sie kümmern. Kommen Sie morgen wieder, ausgeschlafen und ausgeruht, da können Sie für sie mehr tun. Und eine Bitte habe ich noch, fangen Sie nicht von dem Baby an, lassen Sie Ihre Tochter damit beginnen.«

Marianne zögerte.

»Frau von Rieding, jetzt zu bleiben, das wäre unverantwortlich, und es ist durch nichts zu rechtfertigen. Es ist eine unschöne Situation, und es reicht, was Ihre Tochter jetzt durchmacht. Sie müssen nicht auch noch auf der Strecke bleiben.«

Der Professor hatte recht, das sagte ihr auch ihr Verstand, aber ihr Herz, das sprach eine ganz andere Sprache.

»Bitte, Frau von Rieding«, drang die Stimme des Professors an ihr Ohr.

Er hatte recht, und sie merkte ja auch selbst, dass sie am Ende ihrer Kräfte war, erst das mit Carlo, nun Sandra.

Sie nickte. »Aber Herr Professor, wenn irgendetwas sein sollte, bitte rufen Sie mich an, versprechen Sie das.«

»Ich verspreche es, doch machen Sie sich bitte keine Sorgen, es wird nichts...

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