Ultima Ratio

 
 
Goldmann Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 21. Juni 2011
  • |
  • 160 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-06780-9 (ISBN)
 
Die Wirklichkeit ist grausam genug, finden Sie? Weit gefehlt! Die Phantasie kann noch viel grausamer sein. Jedenfalls die von Thea Dorn, der »besten jungen Krimiautorin Deutschlands« (Buch aktuell). »Ultima Ratio« versammelt ihre Krimi-Kurzgeschichten, die dem Leser Mord und Totschlag in geballter Form präsentieren, und das in der bewährten Dornschen Manier: klug, witzig und rasiermesserscharf ...

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Goldmann
  • 0,17 MB
978-3-641-06780-9 (9783641067809)
3641067804 (3641067804)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Thea Dorn, geboren 1970, studierte Philosophie und Theaterwissenschaften in Frankfurt, Wien und Berlin und arbeitete als Dozentin und Dramaturgin. Sie schrieb eine Reihe preisgekrönter Romane und Bestseller (u.a. "Die Hirnkönigin"), Theaterstücke, Drehbücher und Essays (u.a. "Die neue F-Klasse - Wie die Zukunft von Frauen gemacht wird") und zuletzt mit Richard Wagner den Sachbuch-Bestseller "Die deutsche Seele". Sie moderierte die Sendung "Literatur im Foyer" im SWR-Fernsehen und kuratierte unter dem Motto "Hinaus ins Ungewisse!" das "forum:autoren" beim Literaturfest München 2012. Der Film "Männertreu", zu dem sie das Drehbuch geschrieben hat, wurde 2014 mit dem "Deutschen Fernsehpreis" als bester Fernsehfilm des Jahres und 2015 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Seit März 2017 ist sie festes Mitglied beim "Literarischen Quartett". Thea Dorn lebt in Berlin.
"SICHELN UND WÜRGEN (S. 86-87)

Frau Dorn entdeckt die Familie als Hort des Verbrechens


Am 29. Mai 1999 erdrosselt in Berlin eine 45-jährige Kassiererin ihre 18-jährige Tochter mit dem Telefonkabel. Am 11. März 2000 ersticht ein 34-jähriger Staplerfahrer seinen 67-jährigen Vater mit einem Kampfmesser. Am 29. August schlägt ein 39-Jähriger seiner Ex-Frau mit einem Zimmermannshammer ins Gesicht, als diese mit den gemeinsamen Kindern spazieren gehen will. Am 31. August erschießt in Hamburg ein 32-Jähriger seine Exfrau und zwei ihrer Töchter.

Am 1. September lässt ein 44-jähriger Koch seine 6-jährige Tochter im Kofferraum ersticken. Was ist nur los in Deutschlands Familien, fragt sich manch einer besorgt. Nichts, was in Familien nicht schon immer los gewesen wäre. Familie und Verbrechen sind engste Verwandte seit Anbeginn. »Mach keine Türen auf in diesem Haus! Gepresster Atem – pfui! – und Röcheln von Erwürgten, nichts andres gibt’s in diesen Mauern!«, sagt Elektra. Und wartet darauf, dass ihr Bruder heimkehrt, um die Mutter und deren neuen Liebhaber mit demselben Beil zu erschlagen, mit dem diese zuvor Elektras Vater erschlagen haben.

Der Begriff »Familientragödie« ist ein Pleonasmus. Familie ist Tragödie. Seitdem uns das Abendland Familiengeschichten überliefert, sind es Geschichten von Mord und Totschlag: Kronos entmannt seinen Vater mit einer steinernen Sichel, befreit seine Geschwister aus dem Tartaros, in den der Vater diese geworfen hatte, und heiratet seine Schwester Rhea, um jedes Kind zu verschlingen, das diese zur Welt bringt. (Und wird zu guter Letzt dann doch von seinem davongekommenen Sohn Zeus gestürzt.) Je nun, werden die Familienidealisten einwenden, das sind doch alles Geschichten aus blutiger Vorzeit.

Seitdem das milde Licht des Humanismus in unsere Wohnstuben dringt, sind solche Geschichten von kinderfressenden Vätern, kastrierenden Söhnen und beilschwingenden Töchtern passé. Erbkrankheiten und Siegelringe, ja, die geben wir auch heute noch von Generation zu Generation weiter, aber doch keine Geschlechterflüche mehr. Aus und vorbei. Aber wie kommt es dann, dass im vogtländischen Mühltroff drei Säuglingsleichen jahrelang säuberlich verpackt in einer Kühltruhe liegen? Und wieso schickt eine Cornelia F. ihren Sohn los, um Ecstasy zu besorgen, mit dem er den Vater vergiften soll? (Der Anschlag scheiterte nur deshalb, weil die Dealerin dem Sohn statt Ecstasy Togal-Tabletten verkaufte.)

Nein, liebe Familienmitglieder, wir sind nicht in Sicherheit. Die Orestie kann immer und überall geschehen. Auch in Hellersdorf. Die Familie ist keine Kurklinik. Sie ist ein Irrenhaus. Das manchmal zum Schlachthaus wird. Selbst die deutsche Justiz anerkennt, dass die Familie Menschen produziert, die nicht mehr voll zurechnungsfähig sind. »Das Gericht ist zu der Auffassung gelangt, dass der Angeklagte auf Grund der familiären Situation möglicherweise in seiner Schuldfähigkeit eingeschränkt war.« – Ein Satz, den man im Zusammenhang mit Verbrechen im Kreis der Lieben auffällig oft hört."

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