Die Rückkehr des Zweiflers

Roman
 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 16. Dezember 2011
  • |
  • 944 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-07727-3 (ISBN)
 
Dies ist die Geschichte von Thomas Covenant, der, von einer schweren Krankheit gezeichnet, auf magische Weise in eine andere Welt versetzt wird - eine Welt, in der sich die Armeen des Guten zur Entscheidungsschlacht gegen den Dunklen Lord rüsten. Und es ist Covenants Aufgabe, diese Armeen zu führen .

Gewaltiger als Stephen Kings "Der Dunkle Turm", epischer als J.R.R. Tolkiens "Der Herr der Ringe": Mit den legendären "Chroniken von Thomas Covenant" hat der amerikanische Bestsellerautor Stephen Donaldson eines der größten Epen der modernen Zeit geschaffen.

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Heyne
  • 5,64 MB
978-3-641-07727-3 (9783641077273)
3641077273 (3641077273)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Stephen Reeder Donaldson, am 13. Mai 1947 in Cleveland, Ohio geboren, verbrachte seine Kindheit in Indien, wo seine Eltern als Missionare in einem Leprosarium tätig waren. Die Familie kehrte 1963 in die Vereinigten Staaten zurück, und Donaldson machte 1968 seinen Abschluss am College of Wooster, Ohio. Während des Vietnamkriegs arbeitete er zwei Jahre lang in einem Krankenhaus, weil er den Kriegsdienst verweigerte, ehe er sein Studium an der Kent State University fortsetzte. 1971 wurde er zum Magister promoviert, unterbrach aber sein Promotionsstudium bis 1993, um sich ganz dem Schreiben zu widmen. 1977 erschien sein Fantasy-Roman "Lord Fouls Fluch", der Auftakt der "Chroniken von Thomas Covenant dem Zweifler", der ihm zum internationalen Durchbruch verhalf und zu dem er bis 2013 neun Fortsetzungen schrieb. 1994 erwarb der inzwischen mehrfach ausgezeichnete Autor, der unter anderem den John W. Campbell Award und den World Fantasy Award gewann, den Schwarzen Gürtel in Shotokan-Karate. In den Neunzigerjahren legte Donaldson mit dem Amnion-Zyklus seine ersten Science-Fiction-Romane vor. Er lebt und arbeitet heute in New Mexico.

1


Wiedervereinigung


Hell wie eine Erleuchtung war der Sonnenschein, der Linden Avery umfing. Hoch über dem offenen Tor des Wachtturms von Schwelgenstein kniete sie, auf dem Steinboden der von niedrigen Zinnen gekrönten Bastei, und starrte wir gebannt auf die Reiter hinab, die dort vor dem Ansturm der Dämondim flohen.

An ihrer Seite war Stave von den Haruchai, unerschütterlich wie die Meister. Seine Blutsverwandten hatten ihn brutal verstoßen, und trotzdem hatte er sie, Linden, hierher an diesen Ort geführt. In den Augen Liands, ihres jungen Gefährten aus Steinhausen, spiegelten sich Sorge, Überraschung und Verständnislosigkeit. Im Gegensatz zu Stave hatte er sein früheres Leben aus freiem Willen aufgegeben, um Linden zu dienen - und im Gegensatz zu Stave, dem ehemaligen Meister, konnte Liam nicht erraten, wer dort - tief unter ihnen an die Rücken der Haruchai gepresst - vor den Ungeheuern floh, deren Macht anschwoll und kaum mehr bezähmbar zu sein schien. Schweigend starrte Liam auf die vor Anstrengung keuchenden Pferde, seine Fragen in der Kehle erstarrt und nur im unsteten Flackern der Augen sichtbar.

Linden selbst nahm keinen der beiden wahr. Sowohl Stave als auch Liam schienen ihr Äonen weit entfernt zu sein. Ebenso wie Mahrtiir der Mähnenhüter, der die erschöpften Reittiere mit der Konzentration eines Ramen fixierte, während Bhapa und Pahni, seine treuen Seilträger, den geistesgestörten Anele davor bewahrten, blind wie er war in die Tiefe zu stürzen.

Sie alle waren mit Linden Hunderte von Meilen - und durch viele Jahrhunderte - gereist, um diesen Ort zu diesem Zeitpunkt zu erreichen. In Lindens Namen hatten sie der Verstoßung durch die Meister, die über das Land herrschten, getrotzt.

Jetzt aber würdigte Linden ihre Gefährten keines Blickes. Sie hatte nur Augen für die Ebene unter ihr. Im Norden lagen die frisch angesäten Felder, die zukünftig die Bewohner Schwelgensteins ernähren würden. Nach Süden zu fielen die Hügel, die den Felsengrat von Herrenhöh säumten, zum Weißen Fluss hin ab. Und aus Südosten zog lärmend die Masse der Dämondim heran - bösartig wild wie eine Höllenschar. Die Ungeheuer schienen dahinzuschwinden, um an anderer Stelle wieder aufzutauchen, während sie ihre Beute verfolgten: vier an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angelangte Pferde, die sechs Reiter trugen.

Sechs Reiter, vier von ihnen waren Meister. Auch sie existierten für Linden nicht. Sie sah nur die beiden anderen - Thomas Covenant und Jeremiah, ihren Sohn.

In dem Augenblick, in dem sie sie erkannte, veränderte sich der Sinn ihres ganzen Lebens. Alles, was sie gewusst und verstanden und angenommen hatte, veränderte sich schlagartig. Vieles schien ihr mit einem Mal sinnlos, unnötig oder gar töricht - ihre ursprüngliche Flucht vor den Meistern, ihr Aufenthalt bei den Ramen, ihre Teilnahme an dem Rösserritual der Ranyhyn. Selbst ihr kühner Vorstoß in die Vergangenheit des Landes, um ihren Stab des Gesetzes zurückzuholen, versank in Bedeutungslosigkeit. Thomas Covenant lebte - der einzige Mann, den sie jemals geliebt hatte. Und ihr Sohn war frei. Irgendwie war es ihm gelungen, Lord Fouls grausamer Gefangenschaft zu entkommen.

Doch damit nicht genug: Jeremiahs Verstand war wiederhergestellt. Eifrig spornte er die Meister und ihre Reittiere an, den Vorsprung vor der Dämondim-Horde zu halten. Nein, es gab keinen Zweifel: Er war auch aus seinem geistigen Gefängnis entkommen. Oder daraus befreit worden .

Wie gelähmt starrte Linden ihre Lieben über die Zinnen ihres Aussichtspunkts hinweg an, griff mit Blick, Gesundheitssinn und ihrer ausgehungerten Seele nach ihnen. Noch vor wenigen Augenblicken hatte sie nur den grausigen Ansturm der Dämondim gesehen. Nun aber lag sie auf den Knien, zu Boden gezwungen von dem Anblick ihres Adoptivsohns und ihres tot geglaubten Geliebten, die um ihr Leben auf Schwelgenstein zujagten.

Jede Faser ihres Körpers sehnte sich danach, sie zu umfangen, sie in die Arme zu schließen.

Zwei oder drei Herzschläge lang, bestimmt nicht länger, verharrte sie so, starr am Boden, während Liand um Worte rang, Stave hartnäckig schwieg und Mahrtiir seinen Seilträgern angespannt etwas zumurmelte. Dann riss sie den Stab an sich und sprang auf. Stumm und von dem Wunsch getrieben, den beiden zu helfen, rannte sie in den Wachtturm zurück, zum offenen Tor hinunter; um Covenant und Jeremiah mit ihrer Umarmung und ihrem übervollen Herzen zu begrüßen.

Hohe Holzstapel und Tonwannen mit Öl versperrten ihr im Turminneren den Weg, und einer der Meister hielt an der Treppe Wacht. »Wir bereiten uns auf den Kampf vor«, teilte er ihr knapp und mit verschränkten Armen mit. Seine Leute hatten ihre Ansprüche auf sie bereits zurückgewiesen. »Bleib zurück. Du wärst hier gefährdet.«

Er fügte nicht hinzu: Und du würdest uns behindern.

Sie nahm sich nicht die Zeit, ihm zu gehorchen oder ihm zu trotzen. In all den Jahren mit ihrem Sohn hatte sie ihn niemals auf Personen oder Ereignisse in einer Umgebung reagieren gesehen; war niemals irgendein Ausdruck über seine schlaffen Gesichtszüge gehuscht. Jetzt aber hatte sein Gesicht vor Aufregung geleuchtet.

Linden, finde mich.

Sie kehrte der Treppe den Rücken zu und lief zu der hölzernen Hängebrücke, die den Wachtturm mit den mit Zinnen bewehrten Mauern der Feste verband.

Stave kam mit, um sie zu führen. Er hatte sich das Blut nicht von Mund und Kinn gewischt, und noch immer prangten dunkle Flecken auf seinem Gewand, aber er zögerte nicht. Ebenso wenig wie Mahrtiir und Bhapa, Pahni und Liand, die mit Anele zwischen sich die Nachhut bildeten.

Doch Linden achtete nicht auf ihre Freunde. Furchtlos vor Sehnsucht überquerte sie den schwankenden Steg, der hoch über dem Innenhof den Wachtturm mit der Bastei über den inneren Toren von Schwelgenstein verband. Mit einer Hand hielt sie den Stab umklammert, als sie Stave und Mahrtiir in die Dunkelheit der Festungskorridore folgte.

Linden kannte den Weg nicht. Sie war zu kurz hier gewesen, um sich in dem komplexen Gewirr aus Gangsystemen und Kreuzungen der Feste zurechtzufinden. Wäre sie bereit gewesen, sich langsamer zu bewegen, sich allein auf ihre übernatürlich scharfen Sinne zu verlassen, hätte sie Staves harter Gestalt und Mahrtiirs fast greifbarer Anspannung durch die Gänge im Urgestein folgen können. Aber sie musste sich beeilen. Instinktiv, irrational spürte sie, dass ihre eigene Hast Jeremiah und Covenant vielleicht helfen würde, die relative Sicherheit hinter den massiven Toren jenes bröckelnden Zufluchtsortes der Meister zu erreichen.

Als das Sonnenlicht hinter ihr verblasste und die Dunkelheit vor ihr tiefer wurde, ließ sie aus einem der mit Eisen beschlagenen Enden des Stabes eine Flammenzunge treten. Dieses warme Licht, sanft und rein wie Klatschmohn, ermöglichten ihr, Stave und dem Mähnenhüter, schneller voranzukommen.

Scheinbar willkürlich hasteten sie Treppen hinunter: manche breit und gerade genug, um Menschenmengen Platz zu bieten, andere enge Spiralen, die sich nach unten wanden. Sie war wie im Fieber. Konnte sie die riesige Torhalle vor Jeremiah, Covenant und ihrer kleinen Gruppe von Meistern erreichen?

Ihre Freunde folgten ihr dichtauf. Anele war uralt, aber seine Vertrautheit mit Gestein und die Jahrzehnte, die er in den Bergen zugebracht hatte, hatten ihn trittsicher gemacht; er hielt Liand und die Seilträger nicht auf. Und hinter ihnen kamen die drei Gedemütigten Galt, Clyme und Branl - verstümmelte Sinnbilder des Ideals, dem die Meister sich verpflichtet fühlten. Sie waren so schweigsam und unergründlich wie Stave, aber Linden zweifelte nicht daran, dass sie die Absicht hatten, sie zu beschützen - oder vor ihr zu schützen. Die Meister hatten Stave verstoßen, weil sich er als ihr Verbündeter, ihr Freund erklärt hatte. Natürlich trauten sie ihm jetzt nicht mehr zu, eine ihrer selbst geschaffenen Rollen auszufüllen.

Linden schüttelte die Gedanken ab und versuchte, mit ihrem Gesundheitssinn das alte Gestein von Herrenhöh zu durchdringen, um irgendeinen Eindruck von den Dämondim-Horden zu gewinnen. Wie nahe waren sie herangekommen? Hatten sie Covenant und Jeremiah bereits eingeholt? Aber es gelang ihr nicht, sich zu konzentrieren, während sie die Treppen hinabstürmte. Verbissen jagte sie hinter Stave und Mahrtiir her und fragte sich im Stillen, ob ihre Lieben bereits von der Flutwelle aus Dämondim eingeholt und unter ihr begraben worden waren.

Aber das konnte nicht sein, widersprach sie sich energisch. Das stimmte nicht. Die Dämondim hatten ihre Belagerung am Vortag aus einem bestimmten Grund aufgehoben. Von irgendeinem ungestüm feurigen Wesen besessen, war Anele der Gräuelinger-Brut gegenübergetreten, und diese hatte als Reaktion darauf Linden und ihre Gefährten entkommen lassen - und danach scheinbar ihre Absichten gegen Herrenhöh aufgegeben. Wieso? Die einzige Antwort, die Linden einfiel, war: Weil Jeremiah und Covenant sie erreichen können sollten. Hätten ihre Feinde den Tod der beiden gewollt, hätten sie ihnen nur vor den Toren von Schwelgenstein aufzulauern brauchen.

Nein, Covenant und Jeremiah wurden nicht gejagt; sie wurden wie Vieh getrieben. Nur weshalb die Dämondim - und das Wesen, das von Anele Besitz ergriffen hatte - es darauf anlegten, Jeremiah und Covenant lebend zu ihr gelangen zu lassen, konnte sie sich nicht vorstellen und glaubte doch fest daran. Die Alternativen wären unerträglich grausig gewesen.

Lindens Stiefelabsätze knallten auf den von unzähligen Schritten glatten Steinplatten, als sie schließlich die letzte Treppe hinab und in...

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