Eine Liebe in Blackmoore

Roman
 
 
Piper (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 28. Oktober 2021
  • |
  • 368 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-98896-4 (ISBN)
 
Ein wunderbar romantischer Roman im Regency-Stil, der von e»iner emanzipierten, freigeistigen jungen Frau erzählt, die letztendlich lernt, ihrem Herzen zu folgen. Für alle LeserInnen, die nicht genug von viktorianischen Romanzen à la »Bridgerton« kriegen können »Immer, wenn ich einen Vogel sehe, denke ich an dich. Dann frage ich mich, wohin dich deine Flügel eines Tages tragen werden, wenn du sie erst ausgebreitet hast, und wie weit fort von mir. Ich fürchte mich vor diesem Moment, um meinetwillen, und gleichzeitig sehne ich ihn herbei, um deinetwillen.« England, 1820. Kate Worthington hat sich geschworen, niemals zu heiraten. Sie möchte frei sein und die Welt bereisen. Ihre Mutter missbilligt das, schließlich ziemt sich das nicht für eine junge Frau. Als Kate jedoch auf das Anwesen Blackmoore eingeladen wird, lässt sie sich auf eine Wette mit ihrer Mutter ein: Gelingt es Kate, drei Heiratsanträge in Blackmoore zu bekommen - und sie alle abzulehnen -, ist sie frei. Wenn nicht, entscheidet ihre Mutter über ihre Zukunft. Ein Kinderspiel, denkt Kate. Doch kaum in Blackmoore angekommen, merkt sie, dass es gar nicht so leicht ist, in wenigen Tagen drei Männerherzen zu erobern - und zu brechen. Und als sie schließlich einen Antrag bekommt, stellt sie mit Entsetzen fest, dass ihr Herz etwas ganz anderes will als ihr Verstand ... »Was für ein wunderschönes, absolut mitreißendes Buch mit tollem Plot aus der Regencyzeit, der zugleich lustig aber auch unglaublich berührend ist.« ((Leserstimme auf Netgalley))
weitere Ausgaben werden ermittelt
Julianne Donaldson ist eine hoffnungslose Romantikerin. Sie hat Englische Literatur studiert, was ihre Leidenschaft fürs Schreiben nur noch verstärkt hat. Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in Salt Lake City, reist aber bei jeder sich bietenden Gelegenheit nach England.

1. Kapitel


Lancashire, England, Juli 1820

Die Waldlerche kündet von Herzeleid. Der melodische Gesang der Misteldrossel zeugt von ihrer Kühnheit. Und das Lied der Amsel gleicht dem fröhlichen Pfeifen eines Heimkehrers.

An diesem Tag war es die Waldlerche, die mich in meinem unsteten Umherwandern innehalten ließ und ans Fenster lockte. Ich lehnte mich hinaus, lauschte ihrer Geschichte von Herzschmerz und Kummer und spürte, wie meine Ruhelosigkeit für einen kurzen Moment nachließ. Das Lied mit seiner abfallenden Tonfolge endete nie glücklich, ganz gleich, wie oft ich die Waldlerche singen hörte.

Kein Vogelgesang gefiel mir so gut wie ihrer, doch heute machte mich die traurige Weise nervös. Ich trat vom Fenster zurück und warf einen weiteren Blick auf die Uhr am Kaminsims. Erst drei! Ich verfluchte das langsame Kriechen der Zeit an diesem Tag, der außer Warten nichts für mich bereitzuhalten schien. Es dauerte noch etliche Stunden, bis die Nacht anbrach und ich mich schlafen legen konnte, um tags darauf endlich nach Blackmoore aufzubrechen. Eigentlich hätte es mir nichts ausmachen dürfen, mich gedulden zu müssen - schließlich wartete ich schon mein Leben lang auf einen Besuch in Blackmoore. Doch an diesem letzten Tag kam es mir unerträglich vor.

Ich öffnete meinen Reisekoffer, nahm die Mozartnoten heraus, die ich dort am Morgen schon verstaut hatte, und verließ mein Gemach. Draußen hörte ich lautes Gejammer. Ich eilte den Gang entlang und hastete die Treppe hinunter, wo ich um ein Haar über Maria gestolpert wäre, die bäuchlings auf einer Stufe lag.

»Was ist denn los? Was ist passiert?« Ich beugte mich über sie und malte mir im Geiste allerhand Katastrophen aus, die meiner jüngeren Schwester zugestoßen sein mochten, während ich in meinem Zimmer ziellos umhergelaufen war.

Sie rollte sich zu mir herum. Das dunkle, wellige Haar klebte ihr an den feuchten Wangen, und sie schluchzte so heftig, dass sich ihre Brust hob und senkte. Ich packte sie am Arm und schüttelte sie leicht. »Erzähl schon, Maria! Was ist passiert?«

»Mr Wilkes ist abgereist und kehrt womöglich nie mehr zurück!«

Ich lehnte mich zurück und betrachtete sie ungläubig. »Ernsthaft? Du weinst wegen Mr Wilkes?«

Sie antwortete mit einem weiteren Schluchzer.

Ich zog mein Taschentuch aus der Tasche und drückte es ihr in die Hand. »Komm, Maria. Kein Mann ist so viele Tränen wert.«

»Mr Wilkes schon!«

Das wagte ich zu bezweifeln. Ich wollte ihr das Gesicht mit dem Taschentuch abtupfen, doch sie stieß meine Hand weg. »Du weißt schon, dass es zum Weinen bequemere Orte gibt als die Treppe?«, bemerkte ich seufzend.

»Mama! Kitty ist wieder garstig zu mir!«, schrie sie und ballte die Hände zu Fäusten.

»Kate!«, erinnerte ich sie. »Und ich bin nicht garstig. Nur praktisch veranlagt. Apropos praktisch .« Wieder näherte ich mich mit dem Taschentuch ihrem Gesicht. »Wie kann man mit so viel Flüssigkeit im Gesicht überhaupt atmen?«

Wimmernd schob sie das Taschentuch weg. »Bleib mir mit deiner praktischen Veranlagung vom Hals. Ich will sie nicht!«

»Natürlich nicht.« Mir riss der Geduldsfaden. »Lieber liegst du auf der Treppe und heulst einem Mann hinterher, dem du nur fünfmal begegnet bist.«

»Mama! Kitty ist wieder unerträglich!«, kreischte sie und funkelte mich an.

Nun wurde es mir endgültig zu bunt. »Ich heiße Kate! Nach Mama kannst du im Übrigen lange rufen, die ist unterwegs und macht Aufwartungen. Und wenn du nicht Vernunft annehmen willst, dann will ich dich auch nicht trösten. So, nun entschuldige mich bitte. Ich muss ein Mozartkonzert üben.«

Maria fixierte mich mit ihrem Blick und rührte sich kein Stück, sodass ich gezwungen war, mich am Geländer festzuhalten und über sie hinwegzuspringen, um den Treppenfuß zu erreichen. Mit einem angewiderten Kopfschütteln betrat ich den Salon und zog die Tür fest hinter mir zu. Im nächsten Moment setzte sich das Klagen meiner Schwester fort, schrill und laut. Meine Katze, die auf dem Pianoforte kauerte, machte einen Buckel und stimmte mit ein. Ich warf ihr einen empörten Blick zu. »O nein, nicht du auch noch!«

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Mozart falsch zu spielen, hingegen nur eine richtige. Nämlich so präzise, als ginge es um eine mathematische Gleichung, und in regelmäßiger Manier, als sei jeder Ton ein kleiner, gehorsamer Soldat, der nur seine vorgegebene Zeit beanspruchen dürfe. Für den verstörenden Einfluss der Leidenschaft gab es bei Mozart keinen Platz. Ebenso wenig wie für eine Katze namens Cora, die sich in dem Wunsch, dem Lärm zu entfliehen, an meine Schulter krallte. Und ganz gewiss gab es bei Mozart keinen Platz für Schwestern, die genau dann vor der Salontür greinten, wenn ich zu üben versuchte.

Nachdem ich mich etliche Minuten abgemüht hatte, Marias lautes Gewimmer zu übertönen, spielte ich Mozart eindeutig verkehrt, ja, ich hämmerte mit so viel Leidenschaft auf die Tasten ein, dass mir ein Fingernagel brach.

»Verflixt!«, murmelte ich, und aus der Halle ertönte ein weiterer Schluchzer. Ich legte den Kopf zurück und brüllte: »So sollte man Mozart nicht spielen! Er würde sich im Grabe herumdrehen, wenn er das hören müsste!«

Vor der Tür waren eilige Schritte zu hören, und Marias Schluchzen verwandelte sich in klagendes Gebrabbel. »Kitty war so garstig, Mama! Sie hat kein Mitleid mit meinem Liebeskummer und sagte, ich solle anderswo heulen, wo doch jeder sehen kann, dass ich in diesem Moment einfach weinen musste und mich zufällig gerade in der Nähe der Treppe aufhielt, als es mich überkam, und ich mir den Ort also nicht etwa ausgesucht habe .«

»Oh, nicht jetzt, Maria!«

Beim Klang der Stimme meiner Mutter sprang Cora von meiner Schulter zu Boden, schoss wie ein Blitz durch den Raum und versteckte sich unter einem Stuhl. Im nächsten Moment flog die Tür auf, und Mama kam hereingerauscht. Sie hatte sich nicht einmal die Zeit genommen, die Haube abzulegen, und atmete so heftig, dass sich ihre Brust in fast schon ungestümer Manier hob und senkte.

»Ist das wahr?« Sie legte sich die Hand auf den wogenden Busen. »Kann das wirklich wahr sein, Kitty?«

»Kate«, erinnerte ich sie und spielte weiter. Mozart erfordert Konzentration, und ich gedachte den Umstand zu nutzen, dass sich Marias Gejammer mittlerweile zu Wimmern abgeschwächt hatte.

Doch Mama eilte umgehend zum Pianoforte und riss das Notenbuch herunter.

»Mama!« Ich schoss hoch und griff nach den Noten, doch sie wich zurück und hielt sie sich über den Kopf. Als ich ihr ins Gesicht blickte und ihre Miene sah, pochte mein Herz schneller vor Angst.

»Ist es wahr?«, fragte sie erneut mit leiser und bebender Stimme. »Hat dir Mr Cooper einen Heiratsantrag gemacht, und du hast abgelehnt? Ohne mich auch nur zurate zu ziehen?«

Ich schluckte meine Nervosität hinunter und zuckte beiläufig mit den Schultern. »Weshalb hätte ich dich zurate ziehen sollen? Du weißt, was ich von der Ehe halte.« Ich schnappte nach meinen Noten, doch Mama hielt sie nur umso höher, weshalb sie für mich, die ich ein Stück kleiner war als sie, nun unerreichbar waren. »Außerdem sprechen wir von Mr Cooper! Der schon mit einem Bein im Grab steht und vermutlich kein weiteres Jahr mehr erleben wird, wenn überhaupt.«

»Umso besser! Hätten doch alle meine Töchter solch ein Glück! Wie hast du dir diese Gelegenheit nur entgehen lassen können, Kitty?«

Angewidert schürzte ich die Lippen. »Ich habe es dir bereits mehrfach erklärt, Mama. Ich habe nicht die Absicht, irgendjemanden zu heiraten! Und nun gib mir bitte meine Noten zurück. Du möchtest doch gewiss, dass ich in Blackmoore anständig vorspiele!«

Sie kniff die Lippen zusammen, lief rot an und schleuderte meine Noten hinunter. Die Blätter landeten ungünstig auf dem Holzboden und knickten dabei um wie die Flügel eines verwundeten Vogels.

»Mama! Mozart!« Ich bückte mich und beeilte mich, die Seiten einzusammeln.

»Oh, Mama! Mozart!«, imitierte sie mich mit schriller Stimme und wedelte mit den Händen vor ihrem Gesicht herum. »Mama, ich habe keine Lust auf etwas so Vernünftiges wie eine gute Partie! Mama, ich will nur nach Blackmoore reisen, Mozart spielen und mein Leben vergeuden, anstatt die wenigen sich mir bietenden Gelegenheiten zu ergreifen!«

Ich erhob mich mit heißem Gesicht und drückte mir meine Noten an die Brust. »Ich finde nicht, dass man meine Lebensziele, sosehr sie sich von deinen auch unterscheiden mögen, als Vergeudung bezeichnen sollte .«

»Deine Lebensziele! Meine Güte, das ist ja zum Schießen!« Sie schritt vor mir auf und ab, und ihre Schuhe gaben bei jedem Schritt ein Klackern von sich, als würde sie meinen Willen zertrampeln wollen und meine Stimme desgleichen, wenn sie es denn könnte. »Was genau sind denn deine Lebensziele?«

»Du kennst sie«, murmelte ich.

Sie blieb vor mir stehen und stemmte die Hände in die Seiten. »Welche meinst du? Andere Menschen zu enttäuschen? Wertvolle Ressourcen zu verschwenden? Eine alte Jungfer zu werden wie deine Tante Charlotte?« Sie zog die dunklen Augenbrauen zusammen. »Habe ich in dich investiert, um im Gegenzug nichts zurückzubekommen - außer einem törichten Mädchen, das sich nur für Blackmoore und Mozart interessiert?«

Ich reckte das Kinn und betete darum, dass es nicht zitterte. »Das stimmt doch gar nicht. Ich interessiere mich für mehr als das. Zum Beispiel für Indien, und mir liegt an Oliver, und ich .«

»Kind, erwähne bitte nicht Indien. Nicht schon wieder!« Sie warf die Arme in die Höhe. Unwillkürlich zuckte ich...

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