Muscheln für Mutti

Roman
 
 
Blanvalet (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 22. April 2013
  • |
  • 384 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-09834-6 (ISBN)
 
Alles Schlampen ausser Mutti!

»Sorry, Andi, ich mach Schluss mit dir.« Das sind wohl NICHT die Worte, die man vor einem lang geplanten Liebesurlaub hören möchte. Trotzig beschließt Andi, seine Asien-Reise dennoch anzutreten, um dort seinen Liebeskummer zu kurieren. Das Umbuchen bleibt ihm wegen seiner neuen Reisepartnerin erspart: Mutti! Sie will ihn in seinem Leid nicht allein lassen, packt ihre Koffer und schnappt sich auch noch zwei seiner Schwestern. Dabei will Andi doch einfach nur seine Ruhe haben! Es wird der absolut irrwitzigste Urlaub seines Lebens.

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Blanvalet
  • 0,72 MB
978-3-641-09834-6 (9783641098346)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Christoph Dörr, 1970 in Bonn geboren, nun wohnhaft in Köln, studierte Geschichte, VWL und Politik. Er ist Redakteur und Autor verschiedener RTL-Fernsehformate. Den Deutschen Fernsehpreis gewann er 2003 in der Kategorie »Beste Sitcom«, 2009 für die »Beste Serie«. Außerdem wurde er mehrfach mit dem Deutschen Comedypreis ausgezeichnet. Seit 2005 steht er selbst als Comedian auf der Bühne.

Vor der Abreise

JEDER WILLI WÜNSCHT SICH EINE BIENE MAJA

»Du erreichst mich emotional nicht mehr«, sagt Kim zu mir und steht auf. »Sorry, Andi, ich mach Schluss.«

»Okay, für heute reicht's.« Ich schaue vom Reiseführer auf. »Willst du noch Wein?«

»Andi, es ist aus.«

»Hm, was gibt's?«

»Nichts mehr«, sagt sie und geht die paar Schritte vom Couchtisch zur Tür. »Andi, ich liebe dich nicht mehr!«

Ich verstehe Kim immer noch nicht. Kann sie nicht klar und deutlich sagen, was los ist?

»Du, da . da ist noch was drin in der Flasche.«

»Ich hole meine Sachen aus dem Bad.«

Jetzt hocke ich doch sehr irritiert allein auf meinem roten Sofa, auf dem wir doch gerade noch ganz harmonisch nebeneinander gesessen haben, um den Verlauf unserer Reise nach Vietnam und Kambodscha anzusehen. Und nun das! Eine Woche vor der großen Tour.

Ich schlucke. Wahnsinn, wie plötzlich dieser Ausbruch kommt. Wie ein Vulkan, der auf einmal die Brocken hinschmeißt. Völlig verdattert glotze ich sie an, als sie aus dem Bad zurückkommt. Fragezeichen tanzen über meinem Kopf.

»Und ich dachte, unsere Beziehung wäre gerade chronisch geworden?«

»Chronisch ungemütlich, das allerdings.«

Wörter der Ratlosigkeit purzeln hilflos über meine Lippen.

»Wie meinst du das . du liebst mich nicht mehr?«

Kaum habe ich sie ausgesprochen, erscheint mir die Frage wie eine Arschbombe ins Fettnäpfchen. »Kann doch gar nicht sein!?« Ich will mich ja nicht lächerlich machen, aber ich glaube, ich bin gerade voll dabei.

»Doch, Andi. Ich habe keine Gefühle mehr für dich.«

Weitere Wörter fallen aus meinem Mund, als würden sie über eine Klippe stürzen.

»Gestern, da haben wir . haben wir uns doch hier noch .« Meine Handbewegung zum Teppich ist so kraftlos wie meine Stimme. Gestern. Auf dem weichen Plüsch luderte die Leidenschaft! Zumindest kam es mir so vor.

»Da habe ich mir vorgestellt, ich wäre eine andere. Tschüss!« Wie befreit sagt Kim das, packt ihre Jacke und verlässt meine Wohnung.

Minutenlang stehe ich belämmert in meinem Flur, die hellgrünen Wände wabern im Takt meines Herzschlags. So auf Anhieb empfinde ich es nicht als eine Trennung. Eher als eine Kündigung. Fristlos. Ende - ohne Abspann mit Danksagung oder Abschiedssex. Ich starre auf die Wohnungstür, so als würde Kim gleich lachend mit dem Kamerateam von Verstehen Sie Spaß? zurückkommen. Kommt sie aber nicht. Umso schlimmer für mich, nach zwei Jahren Beziehung ohne eine Begründung abserviert zu werden. Jedenfalls ohne eine, die ich nachvollziehen kann. Traurig und hilflos tigere ich durch die Zimmer, die ohne Kim so leer sind. Ich höre nichts, nur mein Kühlschrank brummt unheilvoll aus der Küche.

»Her mit dem Allheilmittel!«, denke ich mir und greife in den Erste-Hilfe-Kasten. Ich weiß, vier Flaschen Kölsch sind noch drin. Ehrlich gesagt habe ich gar keinen Bierdurst, nur - wer trinkt schon Apfelschorle, wenn er gerade verlassen worden ist?

Mit der flachen Hand haue ich mir an die Schläfe, als wollte ich meinen Kopf wie eine Schneekugel durcheinanderwirbeln. In der Hoffnung, dass nach kurzer Zeit wieder alles an seinem gewohnten Platz ist.

Ist es aber nicht. Ich haue noch mal.

Das gibt's doch nicht! Ja, ich habe schon viel Mist gebaut, das hier ist aber nicht meine Schuld. Natürlich ist unsere Beziehung nicht immer glücklich gewesen. Ja, manchmal haben wir vielleicht eine Flasche Wein benötigt, um in die richtige Stimmung zu kommen. Na und, lieber angetrunkene Romantik als gar keine. Die Hauptsache ist doch, es läuft und man ist nicht allein. Mann, ich dachte wirklich, unsere Beziehung wäre dauerhaft! So wie eine chemische Verbindung, in der Art.

Und nun . sie hat mich doch nicht wirklich aus unserer Beziehung rausgeschmissen? Alleine macht die doch gar keinen Sinn für sie. Das ist echt das Blöde an Beziehungen - sie enden. Bestenfalls mit dem Tod durch Altersschwäche, aber sie enden immer. Eigentlich krass, wenn man das mal so bedenkt. Und dennoch sucht jeder Donald eine Daisy, jeder Willi wünscht sich eine Biene Maja. Ich doch auch.

Raus muss ich, raus an die frische Luft. Meine Hand umklammert die Kölschflasche, halb ausgetrunken lasse ich die nicht stehen. Der Lichtschalter im Treppenhaus klickt, dann sind alle Etagen erleuchtet. Mein Blick fällt auf die Stufen, auf denen sich wieder gehörig Dreck angesammelt hat. Treppenhaus kehren ist doof, einen Putzplan aufzustellen wäre noch doofer. Wenn Monika, die Nachbarin unter mir, nicht ab und zu feucht wischen würde, wären die Streusandhäufchen bereits ausgewachsene Dünen. Ich bin gerade verlassen worden und komme mir vor wie der letzte Dreck.

Wie passend. Anscheinend trennen sich die Frauen lieber von mir als von ihrem Abfall. »Müll, wenn du runtergehst, nimm doch bitte den Andi mit.«

Meine Nachbarin Monika ist nett. Nicht das »nett«, das keiner hören will, sie ist wirklich nett. Allerdings ist sie doch eher der blasse Typ, also zu zurückhaltend, um das zu wagen, was sie wirklich will.

Im Erdgeschoss verharre ich kurz vor ihrer Wohnung und nehme im Flur einen kräftigen Schluck. Mooh, lecker süffig. Wer die Treppe hoch- oder runterläuft, kommt zwangsläufig an ihrer Tür vorbei. Monika ist seit Jahren Single, und ihre Ansprüche sind nur noch so hoch wie ihre Fußmatte. »Hauptsache hetero«, das ist ihr noch als Motto geblieben.

»Ich bin zwar nicht leicht zu haben, dann aber doch kompromissbereit«, hat sie neulich zu mir gesagt, als ich mein Rad in den Innenhof geschoben habe.

Auf einmal öffnet sich ihre Tür, und da steht sie.

»Mensch, Monika, gerade haben wir noch von dir .«

»Wir?«, fragt sie und schaut nach rechts und links in den Hausflur.

Stimmt, eine blöde Verlegenheitsfloskel von mir, ich bin ja jetzt solo. »Solo«, was für ein saublödes Wort. Noch blöder als »Einschreibenrückschein«.

»Dingens . schick siehste aus.« Ich versuche, die Kurve zu kriegen. »Gehste noch raus?«

»Na ja, zur Mülltonne. Ich mache mich doch neuerdings immer schick, wenn ich die Wohnung verlasse.«

»Zur Mülltonne?«

»Ach Andi, selbst auf dem Weg könnte ich doch ihn treffen.« Sie sagt das nicht deprimiert, sonderlich fröhlich klingt es dennoch nicht.

Mit dem betonten »ihn« meint sie den Traummann, ihren >Mr. Right<, den sie so gerne hätte. Ich bin kurz davor, Monika zu erklären, sie solle die Finger von den Männern lassen. Weil ich seit einigen Minuten generell von einer Beziehung abraten würde. Soll ich ihr das wirklich sagen? Einer langjährigen Singlefrau, die sich nichts sehnlicher wünscht als einen ebenfalls netten Typen?

»Gute Idee, Monika. Richtig so.« Ich trinke einen gewaltigen Schluck und wische mir über den Mund. »Wenn du deine Wohnung nur noch tipptopp angezogen verlässt, öhm, lohnt das denn . unsere Tonne steht doch direkt hinterm Haus? Ich meine, sollen wir die nicht einfach etwas weiter weg stellen - um deine Chancen zu erhöhen!?«

»Du meinst .«

»Ja, einfach 'n Stadtteil weiter.«

»Das ist süß von dir.« Sie blickt kurz zu Boden.

Was für tolle Tipps ich in meiner Situation noch gebe! »Wir Singles müssen doch zusammenhalten.«

»Wieso denn du, was ist mit .?«

»Aus, vorbei und weg. Du, ich muss jetzt echt mal raus!« Ich löse mich vom Treppengeländer.

»Lass das doch vom Psychologen machen, Andi. Ich kenn da einen guten .«

»Danke!« Die Haustür knallt hinter mir zu.

Unwirsch stapfe ich über den Bürgersteig. Der Schnee von gestern ist zu dreckigen Klumpen geschrumpft. Der Winter könnte endlich mal vorbei sein. Ich atme die Nacht ein, fühle mich aber kein Stück besser, frische Luft ist auch nicht mehr das, was sie mal war.

Und wenn Kim einfach einen schlechten Tag hatte? Wenn sie morgen alles bereut? So sprunghaft wie die Weiber sind. So sprunghaft wie . Kängurus. Nee, der Vergleich ist blöde.

Ich schaue hoch in den klaren Himmel. So sprunghaft wie . diese ganze Welt. Also, das Weltall, das springt natürlich nicht, es expandiert seit dem Urknall. Anfangs so groß wie eine Murmel und heute ., nicht dass ich von Physik Ahnung hätte. Ich habe mir dieses Zeug nur angelesen, um Frauen zu beeindrucken. Aber was interessieren mich Kräfte, die auseinanderdriften, wenn Kim mich doch gerade verstoßen . verdammt . es hängt alles zusammen!

»Wir sind nur aus Sternenstaub«, diese Songzeile hört man ja nicht nur öfter im Radio, das stimmt ja tatsächlich. Erst war die Materie, aus der die Bakterien entstanden sind. Und daraus wurde Adam, der mal besser auf seine Rippen aufgepasst hätte.

»Kann ich die haben?« Ein Flaschensammler hat sich mir im Dunkeln genähert, an seinem Fahrradlenker hängen zwei Plastiktüten, die bereits halb gefüllt sind.

»Ja, klar. Moment.« Die Pfütze am Glasboden stürze ich noch...

"Wer über Tommy Jauds 'Hummeldumm' lachte wird 'Muscheln für Mutti' von Comedy-Preisträger Christoph Dörr von der ersten Zeile an lieben."
 
"Tommy Jaud lässt grüßen. Christoph Dörr liefert mit seinem Romandebüt Profischerze mit Lachgarantie."
 
"Witzige Strandlektüre."
 
"Superlustig!"
 
"Eine kurzweilige (Familien-) Geschichte, Pauschalurlaubsromantik, lebensnah mit einprägsamen Figuren und hoher Gag-Dichte."
 
"Gedruckte Urlaubsstimmung!"
 
"Zum Brüllen komisch und eine herrliche Urlaubslektüre."
 
"Herrlicher Humor, gepaart mit wunderschönen Beschreibungen von Vietnam und Kambodscha."

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