Angehörige pflegen

Ein Ratgeber für die Hauskrankenpflege
 
 
Springer-Verlag GmbH
  • erschienen im Dezember 2008
  • |
  • 274 Seiten
 
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978-3-540-72266-3 (ISBN)
 

Rat und Tat für pflegende Angehörige mit empathischen und leicht verständlichen Antworten auf die wichtigsten Fragen. Die Autorin kennt die Probleme und Fragen durch ihre jahrelange Tätigkeit als Leiterin von Angehörigenkursen. Praxisnah erläutert sie Grundpflege, Ernährung, Lagerung, Krankenbeobachtung, Vorbeugung vor Zweiterkrankungen, Dekubitus- und Wundversorgung etc. Zusätzlich gibt sie Tipps zur Pflege und zum Umgang mit dem MDK, ambulanten Pflegediensten und anderen Dienstleistern. Im Anhang: Adressen von Selbsthilfegruppen, Formulare, 'Lexikon medizinischer und pflegerischer Fachbegriffe'. Plus: Pflegewissen in kurzen Checklisten.



Martina Döbele: Kursleiterin für pflegenden Angehörige; Krankenschwester mit WB zur Stationsleitung; Studium Sozialkompetenz; Dozentin für u.a. Praxisanleitung, Qualitätsmanagement, Beratung und Training für Mitarbeiter in amb. Pflegediensten;  TQM-Auditorin;
2008
  • Deutsch
  • Berlin, Heidelberg
  • |
  • Deutschland
  • 16,86 MB
978-3-540-72266-3 (9783540722663)
3540722661 (3540722661)
weitere Ausgaben werden ermittelt
1 - Geleitwort [Seite 5]
2 - Vorwort [Seite 6]
3 - Inhaltsverzeichnis [Seite 8]
4 - Teil I Zu Hause pflegen - wie soll das gehen? Eine Entscheidungshilfe [Seite 11]
4.1 - Sie sind nicht alleine - Pflegen in Deutschland [Seite 12]
4.2 - Entscheidung zur Pflege [Seite 18]
5 - Teil II Pflegestufe - Gelder - Hilfsmittel [Seite 23]
5.1 - Wegweiser durch die Gesetze - SGB V, SGB XI und SGB XII [Seite 24]
5.2 - Was Sie über das Pflegeversicherungsgesetz ( SGB XI) wissen sollten [Seite 28]
5.3 - Wer kann sonst noch helfen? [Seite 41]
5.4 - Zusammenarbeit mit dem Pflegedienst [Seite 47]
6 - Teil III Miteinander leben - miteinander reden [Seite 55]
6.1 - Ich pflege Dich zu Hause - Pflegegerechtes Wohnen [Seite 56]
6.2 - Ich verstehe Dich nicht - Einige Kommunikationsregeln [Seite 63]
7 - Teil IV Wie geht es Dir heute - Krankenbeobachtung [Seite 71]
7.1 - Wie geht es Dir heute? Die Krankenbeobachtung [Seite 72]
8 - Teil V So pflegen Sie richtig - Pflegetechniken [Seite 93]
8.1 - Prinzipien der Pflege [Seite 94]
8.2 - So pflegen Sie richtig [Seite 103]
8.3 - Individuelle Körperpflege - Gewohnheiten sind unterschiedlich [Seite 126]
8.4 - Hat es Dir geschmeckt? [Seite 139]
8.5 - Wundliegen, Lungenentzündung, Blutgerinnsel - So beugen Sie Zweiterkrankungen vor [Seite 154]
8.6 - Wenn Sie mehr tun wollen - Wahrnehmen, Berühren und Bewegen [Seite 172]
8.7 - Besondere Situationen - Die » spezielle Pflege « [Seite 187]
8.8 - Die Hausapotheke [Seite 214]
8.9 - Die Hausmedizin [Seite 222]
9 - Teil VI Abschied nehmen [Seite 229]
9.1 - Rechtzeitig vorsorgen [Seite 230]
9.2 - Abschied nehmen [Seite 236]
10 - Teil VII Und bei alldem - Wie geht es Ihnen? [Seite 247]
10.1 - Bleiben Sie gesund! [Seite 248]
10.2 - Serviceteil - Suchen und finden [Seite 255]

2 Entscheidung zur Pflege (S. 8-9)

Meine Mutter hat seit Jahren Diabetes. Langsam wird ihr Augenlicht schwächer und sie sieht immer schlechter. Noch lebt sie alleine, doch man merkt, dass alles nicht mehr so sauber ist wie früher. Wie lange kann das noch gut gehen? Meine Geschwister und ich sind berufstätig. Was wird, wenn meine Mutter durch Blindheit pflegebedürftig wird?

Eintritt und Dauer von Pflegebedürftigkeit ist nicht planbar. Der erforderliche Hilfebedarf für ein Familienmitglied kann unerwartet und kurzfristig eintreten oder er kann sich langsam fortschreitend entwickeln und sich teilweise über Jahre oder sogar über Jahrzehnte ausdehnen. In jedem Fall wird durch den Hilfebedarf des Pflegebedürftigen Zeit gebunden, die der Familie und insbesondere der sog. »Hauptpflegeperson« nicht mehr zur freien Verfügung steht. Auch eine Vereinbarkeit von Pflegeaufgaben und Erwerbstätigkeit kann u. U. schwierig werden. Deswegen ist es wichtig, sich vor der Entscheidung, einen Angehörigen zu pflegen, über einige Dinge Gedanken zu machen.

2.1 Wen pflege ich?
Meist liegt der Wunsch nahe, die Pflege eines Angehörigen selbst leisten zu können. Doch abhängig von Krankheit und Intensität der Pflege kann u. U. das Verhältnis der Betroffenen zueinander negative Auswirkungen auf die ganze Familie haben, besonders dann, wenn Konflikte aus früheren Jahren noch nicht aufgearbeitet sind. Deshalb ist es wichtig, schon im Vorfeld für sich zu klären, wie man zur pflegebedürftigen Person steht.

So geht’s

? Wie war bisher Ihre Beziehung zueinander?

? Wie hat sich der Pflegebedürftige Ihnen bisher gegenüber verhalten?

? Welche Motive haben Sie selber, die Pflege zu übernehmen (Liebe, Pflichtgefühl, Selbstverständlichkeit, Dankbarkeit, finanzieller Anreiz)?

? Können Sie selbst die Entscheidung, eine Pflege zu übernehmen, innerlich bejahen? Ist Ihnen der Gedanke angenehm oder kommen Widerstände in Ihnen auf?

2.2 Was bedeutet Angehörigenpflege für mich?

Mit der Entscheidung für die Übernahme der Pflege müssen Ihre bisherige Tageseinteilung und Ihre Arbeitsabläufe der neuen Situation anpasst werden. Geht das überhaupt? Wie sieht Ihre heutige Situation aus? Folgende Fragen sollten geklärt werden:

So geht’s

? Sind Sie berufstätig, wenn ja, halb- oder ganztags?

? Sind Sie alleinstehend oder haben Sie eine eigene Familie mit Kindern, wenn ja, in welchem Alter sind die Kinder?

? Haben Sie neben der Familie (oder einem Beruf) überhaupt ausreichend Zeit, die Versorgung Ihres Angehörigen zu übernehmen?

? Pflegen Sie zeitintensive Hobbys?

? Wie sieht Ihre Bereitschaft aus, eigene Interessen zurückzusetzen?

? Können Sie Ihre derzeitige Lebensplanung der neuen Situation anpassen?

2.3 Kann ich die Pflege überhaupt leisten?

In Umfragen, in denen pflegende Angehörige befragt wurden, welche Tätigkeiten denn besonders belastend seien bzw. zu körperlichen Beschwerden führen, wurde das schwere Heben, die Unterbrechung der Nachtruhe und die fehlende Zeit zur Regeneration (Urlaub) genannt. Deswegen sollte man sich folgende Fragen stellen:

So geht’s

? Sind Sie in der Lage, körperlich wie seelisch u. U. eine 24-Stunden-Betreuung zu leisten?

? Sind Sie bereit, große körperliche und psychische Belastungen durch die Pflege auf sich zu nehmen?

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