Izara 5: Belial

Götterkrieg - Aus den Izara-Chroniken | Das lang ersehnte Spin-Off
 
 
Planet! (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 30. April 2021
  • |
  • 380 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-522-65482-1 (ISBN)
 
Der neue Roman von Izara- und Cassardim-Autorin Julia Dippel Die junge Tempeldienerin Cassia weiß genau, wer hinter dem Tod ihrer Freundinnen steckt, aber der skrupellose Dämon Ianus wird in ganz Rom als Gott verehrt und scheint unantastbar. Als dem Mädchen, das immun gegenüber dämonischen Kräften ist, eines Tages in Aussicht gestellt wird, Ianus zu Fall zu bringen, willigt sie ohne zu zögern ein, sich als Sklavin in dessen Palast einschleusen zu lassen. Doch dort bringt ein unerwarteter Gast ihre Pläne durcheinander: Belial, seines Zeichens angehender Teufel und Ianus' Erzrivale. Cassias ohnehin riskante Mission droht an seinem unwiderstehlichen Lächeln zu scheitern und wird noch aussichtsloser, als sie plötzlich in einen dämonischen Wettstreit zwischen Bel und Ianus gerät - einem Wettstreit um ihre Seele. Der zweite und finale Band erscheint im Sommer 2022.

Julia Dippel wurde 1984 in München geboren und arbeitet als freischaffende Regisseurin für Theater und Musiktheater. Um den Zauber des Geschichtenerzählens auch den nächsten Generationen näherzubringen, gibt sie außerdem seit über zehn Jahren Kindern und Jugendlichen Unterricht in dramatischem Gestalten. Ihre Textfassungen, Überarbeitungen und eigenen Stücke kamen bereits mehrfach zur Aufführung.
  • Deutsch
  • 1,89 MB
978-3-522-65482-1 (9783522654821)
weitere Ausgaben werden ermittelt

CASSIA


Wenn der Tod an die Tür klopft


Staub tanzte in den Sonnenstrahlen, die durch das kleine Fenster fielen. Ein Bett, ein Tisch, ein Stuhl . sonst nichts. Mir wurde die Kehle eng. Man hatte Daphnes Habseligkeiten bereits weggebracht und trotzdem schwebte die Erinnerung an die junge Priesterin noch immer in diesen vier Wänden.

»Glückwunsch!« Lorentin klopfte mir unbeschwert auf die Schulter. »Schaff deine Sachen bis zum Mittag hier rauf, dann können wir die Kammer im Keller endlich wieder als Lager nutzen.«

Ich ballte die Hände zu Fäusten. Feingefühl hatte der junge Hexer noch nie besessen, aber jetzt tat er gerade so, als wäre Daphnes Tod ein Glücksfall für alle Beteiligten. Sah er nicht, wie sehr mir das zu schaffen machte?

Nein, seufzte ich innerlich. Er sah es natürlich nicht. Lorentin war nicht der Erste, der an meiner Verschlossenheit scheiterte, und würde auch nicht der Letzte sein. Ich legte keinen besonderen Wert darauf, meine Gefühle mit aller Welt zu teilen - zumal dort draußen unzählige Dämonen nur danach gierten, sie mir zu stehlen.

»Ihr wusstet, was geschehen würde, und habt sie trotzdem zu diesem Monster geschickt .«

Meine Worte klangen zu nüchtern, als dass man den Vorwurf dahinter hätte erkennen können.

Lorentin zuckte mit den Schultern.

»Die Götter bekommen immer, was sie wollen.«

»Die Götter?«, schnaubte ich. »Wieso nennen wir sie nicht bei ihrem richtigen Namen? Sie sind Primus - Dämonen, die sich an unseren Emotionen vergreifen und unsere Seelen verzehren. Was gibt ihnen das Recht dazu? Ihre Macht? Ihre Unsterblichkeit?«

Alarmiert sah Lorentin zur offenen Tür. »Du solltest vorsichtiger sein«, warnte er mich. »Immerhin nennst du den Tempel einer dieser Dämoninnen dein Zuhause.«

Er schien Dankbarkeit von mir zu erwarten, aber damit konnte ich nicht dienen. Ja, die Hohepriesterin hatte mich nach dem Tod meiner Mutter von der Straße aufgelesen. Sie hatte mir Essen, Kleidung und einen Platz zum Schlafen gegeben. Doch das machte diesen Ort noch lange nicht zu meinem Zuhause. Mir war nämlich sehr wohl bewusst, dass Nächstenliebe bei all dem eine untergeordnete Rolle gespielt hatte. Die Hohepriesterin brauchte mich. Deswegen gab sie mir auch Daphnes Zimmer, obwohl ein solcher Raum eigentlich nur einer Priesterin zustand und keiner einfachen Dienerin.

»Ich fürchte mich nicht davor, die Wahrheit zu sagen«, stellte ich klar. »Was soll denn passieren? Wird deine Göttin hier auftauchen und mich bestrafen? Soll sie ruhig! Ich habe eine Menge Fragen an sie. Zum Beispiel, warum es sie einen Dreck schert, dass inzwischen schon sieben ihrer Priesterinnen einen grausamen Tod sterben mussten.«

Mein schärfer werdender Tonfall traf wohl genau ins Schwarze. Der hübsche Hexer nestelte am Gürtel seiner Tunika herum und senkte die Stimme. »Auch die Götter haben ihre Last zu tragen«, antwortete er ausweichend, bevor er schließlich seufzte und mich mit seinen zimtbraunen Augen fixierte. »Es gibt Dinge, die wir ändern können, und Dinge, die wir akzeptieren müssen. Das wusste auch Daphne.« Unvermittelt schob er mich zum Bett und drängte mich dazu, mich zu setzen. »Konzentriere dich auf das, was du ändern kannst«, fuhr Lorentin fort und kippte mich hintenüber, bis mein Kopf auf dem Kissen landete. Sein ausgestreckter Zeigefinger deutete zur Decke. »So hat es Daphne auch gemacht.«

Nur am Rande bekam ich mit, wie er das Zimmer verließ und die Tür ins Schloss zog, denn etwas anderes forderte meine Aufmerksamkeit: Jemand hatte mit Kreide einen Spruch an die Decke geschrieben. Die Buchstaben waren schon verblasst, aber mit einiger Mühe konnte ich sie dennoch lesen.

NE OBLITA SIS, QUOMODO PRO QUAMDIU.


Trotz der sommerlichen Temperaturen lief mir ein kalter Schauer über den Rücken. Es war, als würde mir Daphne eine Nachricht aus der Unterwelt schicken. Ein paar ehrfürchtige Augenblicke verstrichen, bevor ich kapierte, dass diese Botschaft nicht mir galt. Niemand hätte voraussehen können, dass ausgerechnet ich in diesem Zimmer untergebracht werden würde. Daphne musste die Worte für sich geschrieben haben - an einen Ort, an dem sie sie jeden Tag beim Aufwachen und Einschlafen lesen konnte.

Vergiss nicht, dass das >Wie< wichtiger ist als das >Wie lang<.


Ich lächelte. Offenbar hatte meine Freundin einen ganz eigenen Weg gefunden, mit ihrer Sterblichkeit umzugehen.

Meine Freundin .

Im Grunde genommen hatte ich Daphne nicht gut genug gekannt, um sie so zu nennen. Trotzdem war sie für mich das gewesen, was einer Freundin am nächsten kam. Sie hatte sich von meiner Unnahbarkeit nicht abschrecken lassen und mich immer nett behandelt, obwohl ich nicht - wie alle anderen hier im Tempel - über Hexenkräfte verfügte.

Ich stemmte mich aus den Kissen hoch und versuchte, mit der unablässigen Wut klarzukommen, die von innen an meinen Mauern kratzte. Eigentlich schützte ich durch diese mentale Abwehr meine Gefühle vor anderen, doch manchmal - wie jetzt - schützte ich auch mich vor meinen Gefühlen. Ohne sie kam ich mir nackt vor, ohne sie wäre ich längst an der himmelschreienden Ungerechtigkeit verzweifelt.

Warum hatte Daphne sterben müssen? Wieso hatte sie diese Einladung angenommen und war nicht einfach geflohen? Aus Loyalität? Pflichtgefühl? Überzeugung? Egal, wie oft und wie lange ich darüber nachdachte, ich konnte es nicht verstehen. Meine Gedanken kreisten, befeuerten meinen Zorn und kehrten wieder zu ihrem Ausgangspunkt zurück: Dämonen, Primus, Götter, wie auch immer sie sich nannten - sie waren schuld an allem, was in meinem Leben schieflief.

Ich gehörte ganz sicher nicht zu den militanten Primus-Gegnern. Jede Daseinsform hatte ihre Berechtigung. Es ging mir nur tierisch auf die Nerven, dass diese Unsterblichen glaubten, alles beherrschen zu dürfen.

Plötzlich riss mich ein hohes Sirren aus meiner Grübelei. Eine Wolke grüner Funken schoss zum Fenster herein und attackierte mich. Knisternd zerplatzte die Magie auf meiner Haut. Es tat nicht mehr weh als ein paar Insektenstiche, trotzdem sprang ich fluchend auf. Ich hatte die Zeit vergessen und sollte längst im Tempel sein. Panisch raste ich aus dem Zimmer, stolperte die Treppe hinunter und lief hinaus in die Gärten. Hinter dem Heiligtum zauberte die untergehende Sonne ein wunderschönes Farbenspiel auf den Himmel. Wie so oft wünschte ich mir, innehalten und das Abendrot genießen zu können, doch ich hatte eine Aufgabe zu erfüllen. Eine Aufgabe, die ich - trotz allem, was geschehen war - sehr ernst nahm. Zum einen wollte ich mir auf gar keinen Fall Unzuverlässigkeit nachsagen lassen. Das konnte ich mit meinem Stolz nicht vereinbaren. Zum anderen besaß ich genug Pragmatismus, um meinen Platz im Tempel nicht unnötig gefährden zu wollen. Roms Straßen waren nämlich kein sehr gnädiger Ort für alleinstehende junge Mädchen. Es kam ohnehin einem Wunder gleich, dass ich es damals irgendwie geschafft hatte zu überleben, ohne mich für Essen prostituieren zu müssen.

Ein schiefes Grinsen schlich sich auf meine Lippen. Das Schicksal hatte wirklich Humor bewiesen, mich ausgerechnet hierher zu führen. Der Venus-Tempel mochte kein Freudenhaus im eigentlichen Sinne sein, aber streng genommen blieb das Gewerbe dasselbe: Gegen eine angemessene Opfergabe konnte man gemeinsam mit den Priestern und Priesterinnen der Liebesgöttin huldigen.

An der kleinen Seitentür des Tempels angekommen, schob ich hastig den Riegel zur Seite und tauchte in eine altbekannte Flut von Sinneseindrücken ein: Dunkelheit, Öllampen, Ruß, Weihrauch und die zarte Melodie einer Lyra. Als sich meine Augen an das schummrige Licht gewöhnt hatten, unterdrückte ich einen Fluch. Die Tore waren bereits geöffnet und die Besucher eingelassen worden. Normalerweise hatte ich zu diesem Zeitpunkt nichts mehr hier unten zu suchen. So unauffällig ich konnte, flitzte ich an der Wand entlang zur anderen Seite der Haupthalle. Schon nach wenigen Schritten fühlte ich mich benebelt und leicht euphorisch. Mist! Das war die Magie der Hohepriesterin. Die weißhaarige Lucusta sorgte mit ihren allabendlichen Bannsprüchen für eine angenehme Stimmung unter den Besuchern. Bedienstete und Priesterinnen waren davon ausgenommen, da sie selbst allesamt Hexen waren - alle außer mir. Nun blieb mir nichts anderes übrig, als mich behutsam durch das Labyrinth aus Säulen und Vorhängen zu manövrieren, ohne über irgendwelche Paare zu stolpern, die sich bereits gefunden hatten oder noch finden würden. Mein Ziel war eine vergoldete Delfinskulptur. Dahinter führte eine Leiter in das mächtige Kuppeldach. Hastig erklomm ich sie und stellte mit Erleichterung fest, dass sich meine Sinne mit jeder Sprosse ein wenig mehr klärten. Lucustas Zauber wirkte hier oben nicht. Vorsichtig balancierte ich eine schmale Galerie entlang, umrundete einige Statuen und erreichte schließlich meinen Arbeitsplatz: eine unscheinbare Nische neben Amors rechtem Marmor-Zeh. Sie bot eine perfekte Sicht auf die große Halle und alle Besucher, die sich ein wenig Liebe erkaufen wollten.

Heute waren es eine Handvoll Prätorianer, einige Händler, Handwerker und mindestens fünf Gesichter, die ich noch nie zuvor gesehen hatte. Nichts Ungewöhnliches, wenn man bedachte, dass der Tempel an einer viel genutzten Straße am Stadtrand stand. Trotzdem kontrollierte ich jeden einzelnen Besucher nach dämonischen Auffälligkeiten. Das war es nämlich, weswegen Lucusta mich brauchte. Als eine der mächtigsten Hexen Roms mochte sie es mit Dämonen aufnehmen können. Sie vermochte es sogar, sie aus dem Tempel oder ihren Hüllen zu verbannen, doch ihr Geist war nicht gefeit gegen die Manipulationen und...

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