Herzensbrecher auf vier Pfoten

Roman
 
 
Goldmann (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 30. Mai 2013
  • |
  • 544 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-11364-3 (ISBN)
 
Herrenlose Streuner, einsame Herzen und die Frage: Wer hat hier eigentlich wen adoptiert?

Als Rachel von ihrer Tante Dorothy ein Haus auf dem Land samt einem Heim für herrenlose Hunde erbt, packt sie ihre Koffer und kehrt London den Rücken. Zwar ist sie nicht gerade eine Hundeliebhaberin, aber nach einer Trennung kommt ihr der Tapetenwechsel wie gerufen. Und siehe da: Die charmanten Vierbeiner geben Rachels Leben eine vollkommen neue Richtung. Aber nicht nur Rachel, sondern auch die allein erziehende Mutter Zoe und das kinderlose Paar Natalie und Johnny lernen an der Seite ihrer schwanzwedelnden Begleiter eine Menge über Freundschaft, Treue und bedingungslose Liebe .

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Goldmann
  • 4,09 MB
978-3-641-11364-3 (9783641113643)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Lucy Dillon kommt aus Cumbria, einer Grafschaft im Nordwesten Englands. Sie studierte Englische Literatur in Cambridge und lebt heute mit ihren zwei Hunden, einem alten Range Rover und viel zu vielen Büchern in einem Dorf in der Nähe von Hereford.



2


Als sie die Haustür mit ihrer Schulter aufstieß, wurde Rachel ziemlich schnell klar, dass dieser offizielle Eingang nicht derjenige war, den Dot täglich benutzt hatte.

Das Holz hatte sich durch die seltene Nutzung verzogen, und in dem dunklen Flur waren keinerlei Anzeichen eines Alltagslebens zu erkennen – nirgendwo lagen Pizzazettel oder sonstige Werbeprospekte herum. Stattdessen befand sich hier ein Pflanzenständer aus Mahagoni mit einer verstaubten Schusterpalme darin, und in der Ecke stand eine mit Messing beschlagene Standuhr. Vor der dunkelroten Tapete hingen eine Reihe Bilder von Cockern mit schokoladenbraunen Augen, schlaffe Vögel in den Schnauzen.

Rachel roch Bienenwachspolitur und Lavendelduft, seltsamerweise jedoch keine Hunde. Val hatte immer gemurrt, dass es in Dots Haus wahrscheinlich »wie in einem nassen Hundezwinger stank«, doch Rachels sensible Nase konnte nichts dergleichen feststellen. Wegen der hohen Decken schienen sich alle Hundegerüche zu verflüchtigen.

Seit ihrem letzten Besuch an Silvester vor sieben Jahren hatte sich hier nichts verändert. Sie war nach dem ersten ernsthaften Streit mit Oliver hergekommen. Damals hatte sie immer noch versucht, ihn dazu zu überreden, die Feiertage mit ihr zu verbringen, anstatt sie durch seine Weigerung dazu zu verdammen, die Familienfeste allein durchzustehen. Da sie Vals andauernde, holzhammerhafte Andeutungen, doch nun endlich eine Familie zu gründen, nicht mehr ertragen konnte und Olivers ausweichendes Verhalten leid war, hatte sie für sich und Oliver einen Skiurlaub gebucht, den er in der letzten Minute abgesagt hatte, die feige Ratte. Anstatt also zu Hause dem kollektiven Mitleid ausgeliefert zu sein, hatte Rachel Dot angerufen, die sie spontan einlud, zu ihr zu kommen.

Noch während Rachel kilometerlang allein auf weiter Flur nach Worcestershire fuhr, fragte sie sich ernsthaft, was um alles in der Welt sie hier tat, da sie doch in einem nur für Mitglieder zugelassenen Club in Soho hätte flirten können. Doch der Wunsch, unauffindbar zu sein, spornte sie an. Nachdem sie in Longhampton angekommen war, sah die Sache jedoch anders aus. Dot hatte sie in die warme Küche geführt, wo sie gerade einem Hörspiel auf Radio Four lauschte und einen Fish Pie zubereitete. Das Hörspiel zog auch Rachel allmählich in seinen Bann. Den Fish Pie verspeisten sie dann in gemeinschaftlichem Schweigen, mit Ausnahme des Jaulens von etwa sieben herrenlosen Welpen, das aus einer Kiste in der Nähe des Ofens ertönte.

Mitternacht kam und wurde vor dem Holzfeuer verbracht, dazu wurde mit einem Champagner der Marke Krug angestoßen. Dot fragte Rachel nicht, warum sie in einer Nacht wie dieser allein war, wo die meisten Frauen ihres Alters ausgelassen feierten, sondern erkundigte sich nur, ob sie glücklich sei. Diese schlichte Frage durchbrach Rachels aufgesetzte Lässigkeit, weshalb sie Dot unversehens mehr anvertraute als ihrer eigenen Mutter. Obwohl sie ihr nicht alles verriet; sie erklärte lediglich, dass es schwierig war, Oliver auf irgendetwas festzunageln, und dass sie selbst zu stolz gewesen sei, um sich zu Hause den neugierigen Fragen der Familie zu stellen.

»Männer geben sich gern kompliziert«, erwiderte Dot daraufhin mit gequälter Miene, sodass Rachel den Eindruck bekam, dass sie sehr genau wusste, wovon sie sprach. »Du darfst aber nicht zulassen, dass sie dich beherrschen. Das ist das Schöne an Hunden – ihre Liebe ist aufrichtig. Ein Spaziergang, ein wenig Futter, ein Körbchen …« Sie hielt inne und zog eine Augenbraue hoch. »Eigentlich …«

Dot wirkte in diesem Augenblick Jahrzehnte jünger, während sich Rachel mehr wie ein naives Kind vorkam als wie eine abgespannte Städterin. Doch sie traute sich nicht, nachzufragen. Val hatte ihnen strikt verboten, Tante Dot auch nur eine einzige Frage zu dem seltsamerweise fehlenden Ehemann zu stellen. Alte Gewohnheiten ließen sich eben nur schwer überwinden.

Dot bot Rachel einen Whisky an und reichte ihr kandierte Früchte von Fortnum & Mason, dann hingen beide wieder ihren eigenen Gedanken nach. Rachel ihrerseits wunderte sich, woher Dot die teuren kandierten Früchte von Fortnum & Mason und den Champagner hatte. Dies passte so gar nicht zu dem Bild, das Val gern von Dot zu Weihnachten malte: Angeblich teile Dot mit anderen nur eine Dose Hundefutter mit einem Ilexzweig darin.

Als diese Erinnerung in ihr erwachte, hielt Rachel kurz inne. Damals war sie früh am Neujahrsmorgen aufgebrochen, um sich auf die Besprechung mit einem Kunden vorzubereiten. Danach hatten Dot und sie das gemeinsame Silvestererlebnis nie wieder erwähnt. An ihrer traurigen Beziehung, die sich auf gelegentliche Geburtstags- und Weihnachtskarten beschränkte, hatte sich nichts geändert. Von diesem Silvester an half Rachel jedoch ehrenamtlich in einem Obdachlosenheim aus, um Oliver einen Denkzettel zu verpassen. Was ihn jedoch völlig unbeeindruckt gelassen hatte.

Rachel drang in den Flur vor. Ganz eindeutig hatte Dot seit ihrem Einzug in den frühen Siebzigern nicht mehr renoviert, doch der leicht heruntergekommene Zustand passte zu dem Landhaus. Mit einem hellen Anstrich und ein paar Blumenvasen würde alles ganz anders aussehen. Bald schon würde das Haus ihr gehören, und dann konnte sie alles nach ihrem Geschmack gestalten. Doch diese Erkenntnis versetzte Rachel nicht so sehr in Aufregung, wie sie es eigentlich erwartet hätte.

»Möchtest du dich zuerst ein wenig frischmachen?«, erkundigte sich Megan, die mit einer von Rachels Taschen über der Schulter am Fuße der mit Teppichboden ausgelegten Treppe stehen geblieben war. »Oder ist es dir lieber, zuerst der Mannschaft hallo zu sagen, damit du es hinter dir hast? Ich bin um siebzehn Uhr an der Reihe, mit ein paar Hunden Gassi zu gehen. Wenn du dich uns anschließen willst, bist du herzlich dazu eingeladen. Du könntest dich exklusiv um Gem kümmern …«

Ihre Stimme verebbte, als Rachel nicht antwortete. »Tut mir leid, ich klinge so, als würde ich dich in einem Hotel begrüßen, nicht wahr? Dabei gehört das Haus jetzt dir.«

»Schon okay«, entgegnete Rachel. Nicht Megans Worte waren es, die ihr Unbehagen bereiteten. Vielmehr war es die Vorstellung, mit Fremden Small Talk betreiben zu müssen, obwohl sie eigentlich nichts lieber getan hätte, als sich eine Schlafmaske über die Augen zu ziehen und dann alles auszublenden, was sie zu Hause in Chiswick ins Rollen gebracht hatte. Ihr auf »Lautlos« gestelltes Handy brummte in der Tasche, und sie wusste, dass es nur Oliver sein konnte. Aber sie wollte seine Nachrichten nicht hören; mittlerweile war er wahrscheinlich außer sich vor Wut, nach allem, was sie getan hatte. »Ähm, wen genau meinst du eigentlich mit ›Mannschaft‹ …?«

»Eigentlich meinte ich die Hunde.« Megan grinste. »Sorry, aber du wirst dich schnell an alles gewöhnen. Aber George, der Tierarzt, ist gerade hier. Ich denke, du musst dich ohnehin mit ihm über die Zwinger unterhalten?«

George, der Tierarzt. Das Bad und eine Flasche Wein waren zwar verlockend, doch Rachel schaffte es, ihre als PR-Beraterin gewohnt professionelle Miene aufzusetzen. Je eher sie alles hinter sich hatte, desto besser.

»Gute Idee!«, erwiderte sie ein wenig dumpf. Sogleich meldete sich ihr schlechtes Gewissen zu Wort, als sie den Flur entlanggingen und sie Megans eifriges, ehrliches Lächeln bemerkte.

»Wir haben ein ganzes Team, das mit den Hunden Gassi geht«, erklärte Megan. »Ohne das könnten wir einpacken, um ehrlich zu sein. Ein paar der Ehrenämtler kommen jeden Moment zurück und liefern ihre Terrier wieder ab.«

»Ehrenämtler?«, wiederholte Rachel, obwohl sie nur mit halbem Ohr zuhörte. Dies war ein alter Kundentrick, den sie sich bei Oliver abgeschaut hatte – wenn man nicht selbst etwas sagen wollte oder man keine Lust hatte zuzuhören, wiederholte man einfach eines der letzten Wörter, damit die andere Person dies zum Anlass nahm fortzufahren.

»Ja, das sind Hundebesitzer aus dem Ort, die gern zusammen mit ihren eigenen Lieblingen ein paar herrenlose Hunde Gassi führen. Außerdem gibt es auch ein paar Kinder, die zu Hause keine Tiere halten dürfen, sowie ein paar ältere Leute, die nicht mehr in der Lage sind, sich rund um die Uhr um einen Hund zu kümmern. Somit ist jeder zufrieden.«

»Hmm«, brummte Rachel und blieb vor einem Foto von Dot stehen, auf dem diese aufrecht dastehend und mit weißen Haaren zu sehen war, eingerahmt von ein paar Hunden, die an ihr hochsprangen. Hier und da hingen große Porträtbilder fröhlich herumtollender Greyhounds und Collies, ganz ähnlich, wie Val die Wände ihres penibelst gestaubsaugten Wohnzimmers mit Fotostudioaufnahmen von Amelia, Grace und Jack pflasterte.

»Was machst du eigentlich beruflich?«, erkundigte sich Megan beiläufig. »Gerald sagte, du arbeitest in der PR-Branche? Das klingt ziemlich cool.«

»O nein, das ist es nicht wirklich. Ich kümmere mich hauptsächlich darum, Internetseiten von neuen Unternehmen und Online-Firmen ins Netz zu stellen – als spannend kann man das nicht bezeichnen …« Rachel merkte, wie sie von hinten angestupst wurde, und machte einen Satz.

Hinter ihr streckte Gem gerade den Kopf vor und stupste sie sanft an die Wade. Dann hielt er inne, schaute zu ihr hoch und neigte den Kopf zur Seite, sodass sein Ohr nach unten flappte.

»Gem! Du ungezogener Hund!«, rief Megan streng, obwohl sie sichtlich amüsiert war. »Du musst sein rechthaberisches Verhalten entschuldigen, Rachel. Er ist eben ein waschechter Collie. Immer, wenn er der Meinung ist, dass wir uns nicht schnell genug...

Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

7,99 €
inkl. 19% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen