Glücksfall Fachkräftemangel

Wie Unternehmen und Führungskräfte von der Krise profitieren
 
 
Campus (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 10. September 2020
  • |
  • 268 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-593-44482-6 (ISBN)
 

Fachkräftemangel? Kein Problem!

Der Fachkräftemangel gilt als zentrale Bedrohung für den künftigen Unternehmenserfolg. Stefan Dietz dreht den Spieß um, indem er den Fachkräftemangel als Glücksfall begreift. Seine These: Der Leidensdruck macht die Arbeitswelt besser. Unternehmen bemühen sich stärker um Mitarbeiter. Schlechte Führungskräfte haben ausgedient. Menschen lassen sich weniger gefallen und werden intensiver umworben.

Die Profiteure aus dem Fachkräftemangel werden Firmen sein, die Sinn bieten und Menschen als Persönlichkeit sehen, wertschätzen und fördern. Firmen, für die Mitarbeiterzufriedenheit keine hohle Phrase ist, sondern die Raum für Entwicklung gewähren. Es sind diese großartigen Arbeitgeber, die als Gewinner aus den aktuellen Krisen hervorgehen werden.

Und Corona? Zwar werden manche Entwicklungen vorübergehend gebremst, andere dafür massiv beschleunigt. Vorsprung gewinnt, wer jetzt die Erfahrungen der Krise nutzt und die Weichen für die Zukunft der Arbeit stellt.

"Glücksfall Fachkräftemangel" zeigt, wo Unternehmen ansetzen können: Ein motivierender Unternehmenssinn, umfassende Personalentwicklung und eine überzeugende Führungs- und Unternehmenskultur bilden die Basis. Mit einer klar erkennbaren und gut kommunizierten Arbeitgebermarke gewinnen gute Firmen auch in Zukunft genügend talentierte und engagierte Mitarbeiter. Für schlechte und durchschnittliche Firmen bleibt der Fachkräftemangel eine Bedrohung und ist vielleicht sogar ihr Todesurteil.

"Geht bei uns nicht!" gilt nicht als Ausrede. Stefan Dietz beleuchtet gezielt verschiedene Branchen und ihre besonderen Herausforderungen und Chancen und findet heraus: Herausragende Arbeitgeber gibt es im Mittelstand wie im Handwerk, in sozialen Einrichtungen wie in Verwaltungen, in Start-ups wie in Traditionsunternehmen.

  • Deutsch
  • Frankfurt
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  • Deutschland
  • 3,26 MB
978-3-593-44482-6 (9783593444826)
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Stefan Dietz hat Hunderte von Führungskräften trainiert. Er hat Fusionen begleitet, Umstrukturierungen und Wachstumsprozesse unterstützt, hat in jungen Firmen geholfen, fehlende Strukturen aufzubauen, und in alten Firmen, lähmende Strukturen aufzulösen und beweglicher zu werden. Die von ihm gegründete und geführte kleine Unternehmensgruppe wurde selbst als attraktiver Arbeitgeber ausgezeichnet. Stefan Dietz inspiriert in Vorträgen zur Zukunft der Arbeit und begleitet Unternehmen auf dem Weg zum großartigen Arbeitgeber. Mehr unter www.stefandietz.com

Kapitel 1
ARBEITSMARKT: Wie alte Sicherheiten hinweggefegt werden


Sie wissen, wie die Wirtschaft läuft. Arbeit spielt eine zentrale Rolle im Leben. Man hat in Ausbildung investiert, um den Job gekämpft und Karriere gemacht. Was Menschen nicht alles für ihren Job tun: Sie ziehen dahin, wo die Arbeit ist, halten Jobs aus, die keinen Spaß machen, und zittern in Bewerbungsgesprächen. Über fünfzig kündigt man nicht mehr. Millionen Menschen stehen täglich im Stau. Väter und Mütter arbeiten lange, pendeln weit und verpassen, wie ihre Kinder aufwachsen. So war das eben.

Jahrelang haben Arbeitslosenzahlen die Schlagzeilen beherrscht. Das ändert sich. Jetzt reden wir vom Mangel an Fachkräften. Der Arbeitsmarkt dreht sich. Wenn das so weitergeht, steht er bald Kopf. Firmen finden kaum noch gute Bewerber.1 Je ländlicher der Standort und je unbekannter das Unternehmen, desto schlimmer. Stellenanzeigen funktionieren nicht mehr wie früher. Zum einen kommen weniger Bewerber, zum anderen stellen sie höhere Ansprüche. Jetzt müssen Firmen nett sein zu ihren Leuten, damit sie an Bord bleiben. Der Schaden erst: Umsätze können nicht gemacht werden, Firmen sind gefährdet. Der Fachkräftemangel wird zur zentralen Bedrohung.

Stopp. So kennen Sie die Geschichte, so steht sie in jeder Zeitung. Und diese Bedrohung soll jetzt ein Glücksfall sein? Vertrauen Sie mir! Ich bin auf Ihrer Seite. Ich bin sogar überzeugt, dass die guten Unternehmen und die guten Führungskräfte vom Wandel im Arbeitsmarkt profitieren, wenn sie die Weichen richtig stellen. Für alle, die das nicht tun, ist der Fachkräftemangel kein Glücksfall, eher ein Todesurteil.

Der Arbeitsmarkt steht Kopf - Was Polizei und Pizzeria eint


Auf der Seite des Polizeiautos prangt ein junger, strahlender Typ in Uniform.
Er zielt mit seiner Pistole schräg am Betrachter vorbei.
Der Slogan darunter: »Karriere mit Schuss«.

So was hat es früher auf Polizeiautos nicht gegeben. Da muss man erst mal draufkommen. Die Not muss groß sein und sie macht erfinderisch. Was gestern noch normal war, funktioniert nicht mehr. Brauchte man Leute, hat man Stellenanzeigen geschaltet, eine Flut von Bewerbungen erhalten und in Bewerbungsgesprächen haben die Bewerber geschwitzt. Wer unangemessene Forderungen stellte, war raus. »Jeder ist ersetzbar« war gängiger Chefkommentar.

Selten sind sich Dachdecker, Steuerberater und IT-Unternehmer so einig: »Houston - wir haben ein Problem.« Es gibt zu wenig Bewerber und die sind schlechter als früher. Azubis ohne Abitur haben Probleme mit dem Dreisatz. Leute mit Abitur wollen studieren. Softwareentwickler wollen in die Großstadt. Selbst die Verwaltung findet immer schwerer Nachwuchs.

Schuldige sind schnell ausgemacht. Die Schulen bilden zu schlecht aus. Die Gesellschaft betont das Akademische zu stark und keiner will mehr eine Ausbildung machen. Die Verbände tun zu wenig. Überhaupt diese ganze Internet-Kultur. Junge Leute starren ständig auf ihre Smartphones und können sich nicht mehr richtig konzentrieren. Früher war alles besser - schon klar.

Hilferufe auf allen Kanälen

Früher war auch alles einfacher: Stellenanzeigen schalteten wir im Stellenmarkt. Auf Häuserwänden, Bushaltestellen und LKW-Planen warben wir für Bier, Versicherungen und Kosmetik. Die Controller der Außenwerbebranche wissen vermutlich am besten, wie groß die Not ist, an der sie verdienen. Wo gestern noch meterhohe Bierwerbung prangte, schreien uns Personalsuch-Sprüche entgegen. In der aktuellen, noch frühen Phase des Mangels an Bewerbern meistens laut und fantasielos. »Kollegen gesucht!«, »Wir stellen ein!«, »Karriere beim Marktführer«. Das wird hoffentlich noch origineller. Gerüste an Hochhausfassaden sind mit Imagemotiven großer Versicherungen bespannt und werben für die Karriere im Gebäude dahinter. Anzeigenstrecken in Fachzeitschriften zielen auf Mitarbeiter. Die Polizei plakatiert das »Fahndungsziel Karriere«. Am Bahnsteig im Münchner Hauptbahnhof stehen lebensgroße Pappaufsteller im Weg und werben für Jobs bei der Bahn. Agenturen nennen das wohl »Störer«.

Die Veränderungen reichen bis in oder besser vor die Gastronomie. Wie schlimm es ist, zeigt die Größe der Aufsteller vor der Pizzeria. Schild Nummer eins ist das traditionelle mit der Speisekarte - das darf da stehen. Heute steht ein mindestens gleich großes direkt daneben: »Jungkoch gesucht«. Das ist nicht nur beim Italiener so. Je nach Gastrozweig reicht das vom »Sous-Chef« bis zur »Restaurantleitung«. Bei Francesco1 oder Panagiotis ist das Schild handgeschrieben, bei der Franchisekette von einer Agentur gestaltet. Die Botschaft ist die gleiche: »Hilfe, wir brauchen Leute!«

Gibt es ein Problem, kümmern sich auch Kammern und Verbände. Kampagnen werden beauftragt - mal originell, mal weniger. Manches Präsidium war so lange stolz auf die agentur-geskriptete Nachwuchskampagne, bis sie der Shitstorm der Zielgruppe in sozialen Netzwerken pulverisiert hat.

Not macht erfinderisch

Als ich mit meinem Sohn die Messe Gamescom verlassen will, müssen wir durch eine martialisch wirkende Halle. Alles sieht nach Ego-Shooter aus. Der Panzer ist echt und wirbt für die »Karriere« bei der Bundeswehr. Hören wir in den Nachrichten von Beschaffungsproblemen und nicht fliegenden Hubschraubern - hier wird der Eindruck dauernden Häuserkampf-Spielens für Große erweckt.

Selbst an Orten des kurzen Rückzugs verfolgt uns das Thema. Clevere Werber haben irgendwann entdeckt, dass wir Jungs dort für eine Minute stehen bleiben und nicht weg können. Was sehe ich in Augenhöhe? Fange ich in Dresden im Hotel als Azubi an, bekomme ich meinen Führerschein bezahlt und eine Antrittsprämie von 500 Euro obendrauf. Ehe ich anfange, über den Berufswechsel nachzudenken, verlasse ich das Örtchen. Ob es das auf Damentoiletten auch gibt?

Ein Versicherungsunternehmen nutzt das Interesse an abgefahrenen Maßnahmen geschickt. Jeder Bewerber, der zum Bewerbungsgespräch eingeladen wird und tatsächlich kommt, erhält 500 Euro. Wird ein Arbeitsvertrag unterzeichnet, gibt es noch mal 5?000 Euro obendrauf. Die Meldung schafft es in alle Tageszeitungen. So was könnte normal werden. Dann steht es aber nicht mehr in der Zeitung. Ich bin sicher, das ist erst der Anfang. Die Not wird Blüten treiben, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können.

Die Entwicklung zeigt: Das Problem ist erkannt, doch die eingeleiteten Maßnahmen wirken aktionistisch und hilflos. Außenwerber und Agenturen reiben sich die Hände ob des neuen Geschäfts. Natürlich gibt es kompetente Agenturen, die großartige Arbeit in Employer Branding und Nachwuchskampagnen leisten. Aber vieles ist erstaunlich oberflächlich und wirkungsarm. Agenturen bebildern und plakatieren die Hilflosigkeit, zimmern Slogans auf Karrierewebsites und hübschen Stellenanzeigen auf. Das hilft meistens nicht, schafft aber wenigstens Arbeitsplätze - leider nicht bei den Auftraggebern.

Personalberater können sich vor Anfragen kaum retten. Sie steigern die Preise und ärgern sich schwarz, dass auch sie die gesuchten Talente immer schwerer finden. Würde das Arbeitsrecht nicht dagegenstehen, das Modell aus dem Fußball hätte längst Schule gemacht und Berater mit lebenslangen Verträgen würden bei jedem Wechsel mitverdienen.

Verknappt sich das Angebot, steigen Preise und Ansprüche

Es spricht sich rum, dass man heute andere Ansprüche stellen kann. Wer etwas zu bieten hat, kann sich seinen Job aussuchen. Nicht zuletzt durch die öffentlichen Hilferufe ist das jedem Bewerber klar. Soziale Netzwerke tun ihr Übriges und spülen passende Jobangebote in die Newsfeeds. Wie sollte man da nicht auf die Idee kommen, den eigenen Marktwert zu testen?

Veränderungen spürt man auch in den Firmen. Chefs sind auf einmal so nett, Firmen bemühen sich um ihre Mitarbeiter. Zusatzversicherungen und Angebote des betrieblichen Gesundheitsmanagements werben mit der Mitarbeiterbindung. Manche meinen das sogar ehrlich. Dass sich wirklich etwas verändert, spürt man in Krisen. Wo man früher relativ leichtfüßig Mitarbeiter entlassen und im...

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