Die Wahrheit über unsere Medikamente

Wann sie helfen. Wann sie schaden. Wann sie Geldverschwendung sind
 
 
Lübbe Life (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 30. April 2021
  • |
  • 240 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7517-0426-7 (ISBN)
 

Wussten Sie, dass Ibuprofen tödlich sein kann, wenn Sie gleichzeitig ASS100 einnehmen? Haben Sie schon mal gehört, dass Johanniskraut die Wirkung der Anti-Baby-Pille reduziert? Und dass in pflanzlichen Arzneimitteln mehr Chemie steckt als in synthetischen? Viele Menschen kennen oft nicht die wichtigsten Fakten über die Tabletten, Sprays und Tropfen, die sie regelmäßig einnehmen. Dieses Buch klärt auf, wie die Bestseller aus der Apotheke wirken, was Sie bei der Einnahme beachten müssen und welche Mittel rausgeschmissenes Geld sind.

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#DerApotheker schreibt unter einem Pseudonym, denn er spricht immer Klartext und das mögen nicht alle. Er hat Pharmazie studiert und arbeitet seit etwa zehn Jahren als approbierter Apotheker. Der Autor bloggt unter https://publikum.net/author/derapotheker/. Außerdem verfasst er medizinische Artikel für DocCheck.com und ist als @ApothekerDer auf Twitter aktiv.

Des Apothekers Vorwort


Warum man ausreichend über Arzneimittel Bescheid wissen sollte und warum ich anfing, darüber aufzuklären


Als 17-Jähriger besuchte ich mit meinen Freunden oft eine Apotheke in meiner Heimatstadt, die einem Mann mittleren Alters gehörte. Wir ließen uns von ihm zu allen möglichen Dingen beraten und stellten ihm unendlich viele Fragen. Ganz egal, was wir wissen wollten, dieser Apotheker schien auf jede Frage eine Antwort zu haben. Das beeindruckte mich. Fortan hatte ich großen Respekt vor Apothekern und ihrem scheinbar endlosen Wissen. Und damals dachte ich tatsächlich, alle Apotheker wären so wie er.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich gerade meine Mittlere Reife abgeschlossen und mit einer naturwissenschaftlichen Ausbildung begonnen. Selbst Apotheker zu werden schien für mich ein Ding der Unmöglichkeit zu sein.

Die Jahre vergingen. Ich lebte längst in einer anderen Stadt, als ich mal wieder eine Apotheke aufsuchen musste. Dem Apotheker erklärte ich, dass ich mich ständig müde und erschöpft fühlte und deshalb einen Eisenmangel vermutete. Nachdem er sich das angehört hatte, empfahl er mir Lactose. Verunreinigte Lactose, um genau zu sein. Ferrum Phosphoricum D12. Ein Schüßler-Salz. Zwar keine Homöopathie, aber ebenfalls ohne Wirkung, die über den Placeboeffekt hinausgeht. Weil ich das damals jedoch nicht besser wusste, kaufte ich es. Ich ging davon aus, dass, wenn Eisen draufstünde, auch tatsächlich Eisen drin wäre. Es gab für mich keinen Grund, der Empfehlung eines Fachmannes zu misstrauen, und ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass er mir nur ein teures Placebo verkaufen würde. Geholfen hat es mir jedenfalls nicht.

Heute bin ich selbst Apotheker und kann mir das Verhalten meines Berufskollegen von damals nicht erklären. Warum empfahl er mir nicht, zum Arzt zu gehen und meine Eisenwerte überprüfen zu lassen? Er hätte mir auch erstmal niedrig dosierte Eisentabletten zur kurzfristigen Einnahme mitgeben können. Auf jeden Fall hätte eine ordentliche Beratung stattfinden müssen, da diese Symptome auch ganz andere Ursachen haben können.

Doch warum gab er mir nun ein Schüßler-Salz mit? Weil er mich nicht ernst nahm und still und heimlich entschied, dass ich kein Eisen bräuchte? Ich weiß es nicht.

Das Pharmaziestudium ist ein extrem naturwissenschaftliches Studium, dementsprechend sollte die Apotheke ein Ort der Naturwissenschaft und nicht des Glaubens sein. Wenn ich also dort Rat suche, gehe ich davon aus, dass das Arzneimittel, das mir empfohlen wird, auch eine nachgewiesene Wirkung hat. Denn der Rat eines Fachmanns sollte möglichst auf wissenschaftlichen Fakten basieren.

Deshalb gehört es für mich zu einer guten Beratung dazu, nur das zu empfehlen, was nachweislich besser als ein Placebo wirkt. Es steht uns einfach nicht zu, für unsere Kunden zu entscheiden, ob sie nun ein richtiges Arzneimittel mit nachgewiesener Wirkung benötigen oder nur eines mit Placeboeffekt. Das wiederum wirft die Frage auf, warum wir in den Apotheken überhaupt »Arzneimittel« verkaufen dürfen, deren Wirkung nicht wissenschaftlich belegt ist. Wenn ich es entscheiden könnte, wären Apotheken frei von solchen »Arzneimitteln« und man bekäme nur die angeboten, die auch wirklich besser als ein Placebo wirken. Da wir aber leider noch nicht so weit sind, bleibt mir in solchen Situationen nichts anderes übrig, als die Kunden darauf hinzuweisen, dass sie sich das Geld für das »Arzneimittel«, was sie sich gerade kaufen möchten, genauso gut sparen können, da es sich dabei lediglich um ein Scheinmedikament handelt.

Auch wenn es für Apotheken überlebenswichtig ist, Gewinn zu machen, bin ich der Meinung, dass sich eine ehrliche Beratung langfristig immer auszahlen wird. Hat der Kunde das Gefühl, dass es dem Apotheker nicht bloß um seinen Umsatz geht, schafft das Vertrauen. Und genau dieses Vertrauen und eine fachkundige Beratung sind letztendlich der Grund, warum sich der Kunde gut aufgehoben fühlt und wiederkommen wird. Das zählt am Ende mehr als der möglicherweise entgangene Umsatz, denn in erster Linie sind wir Fachleute für Arzneimittel und erst in zweiter Linie Verkäufer.

Genauso wie auf die Apothekerin oder den Apotheker sollte man sich aber auch auf die Ärztin oder den Arzt verlassen können. Je weniger man sich selbst mit der Medizin auskennt, desto mehr muss man als Patient seinem Arzt vertrauen können, dass er evidenzbasiert arbeitet. Eine Empfehlung seinerseits aus dem Bereich der Pseudomedizin kann das Vertrauen in ihn sehr schnell erschüttern, und unter Umständen lässt es sich danach nie wieder kitten.

Als ich vor vielen Jahren zu einem HNO-Arzt musste und ihm sagte, dass meine Nase oft verstopft wäre und ich deshalb schlecht Luft bekäme, empfahl er mir ein homöopathisches Nasenspray. Ich war darüber ziemlich erstaunt, ja, fast sogar ein Stück weit verärgert. Als ich wissen wollte, warum er mir nur ein Scheinmedikament empfahl, war seine Antwort, dass er damit immer gute Erfahrungen gemacht habe. Doch was nützen mir seine guten Erfahrungen, wenn korrekt durchgeführte Studien zu dem Ergebnis kommen, dass homöopathische »Arzneimittel« keine über den Placeboeffekt hinausgehende Wirkung haben? Da ich keine guten Erfahrungen mit ihm gemacht hatte, habe ich mir danach einen neuen HNO-Arzt gesucht.

Wie man unschwer herauslesen kann, bin ich jemand, für den es nicht nur sehr wichtig ist, dass Ärzte und Apotheker ihre Patienten überhaupt beraten, sondern, dass sie das auch evidenzbasiert tun. Es kommt immer mal wieder vor, dass Kunden, die direkt von ihrem Arzt zu mir in die Apotheke kommen, keine Ahnung haben, wie sie ihr Arzneimittel einnehmen müssen. Manche wissen noch nicht einmal, warum sie es eigentlich nehmen sollen.

Abhilfe möchte hier eine Änderung der Arzneimittelverschreibungsverordnung schaffen. Denn seit dem 1. November 2020 sind Ärzte verpflichtet, für jedes verschreibungspflichtige Arzneimittel entweder die Dosierung auf dem Rezept zu notieren oder den Hinweis, dass eine Dosierungsanweisung mitgegeben wurde. Auch wenn das in der Praxis nicht immer klappt, so ist vielen Patienten dadurch zumindest klar, »wie« sie ihr Arzneimittel einnehmen müssen. Die Frage, »warum« sie es überhaupt verordnet bekommen haben, können wir dann meistens mit ihnen zusammen klären.

Dass Ärzte unter enormen Stress stehen, weil sie zu viele Patienten in zu kurzer Zeit behandeln müssen, ist kein Geheimnis. Wurde der Patient in der Arztpraxis aus Zeitmangel nicht über die richtige Einnahme seines Arzneimittels aufgeklärt, ist die letzte Instanz ja immer noch die Apotheke. Könnte man zumindest meinen. Aber leider funktioniert auch das aus den unterschiedlichsten Gründen nicht immer.

Hin und wieder berichten Kunden darüber, dass ihnen zuvor das verordnete Arzneimittel in der Apotheke lediglich auf den Handverkaufstisch (HV-Tisch) gelegt wurde, ohne dass man sie gefragt hätte, ob sie mit der Einnahme vertraut sind. Das Einzige, was man ihnen über das Arzneimittel mitteilte, war der Preis, den sie dafür zu bezahlen hatten.

Es ist schade, wenn eine Beratung in der Apotheke nicht einmal angeboten wird. Eigentlich dürfte das auch nicht passieren, denn wir sind zur Beratung verpflichtet. Zu Recht! Denn nicht zu wissen, wie man sein Arzneimittel einnehmen muss, kann gefährlich sein. Es handelt sich dabei schließlich nicht um Süßigkeiten, und eine unsachgemäße Einnahme kann im schlimmsten Fall sogar tödlich enden.

So negativ, wie das jetzt alles klingen mag, ist es meistens natürlich nicht. Die Mehrheit der Patienten gibt an, sowohl von ihrem Arzt als auch ihrer Apotheke gut über die Arzneimittel aufgeklärt worden zu sein. Dennoch wundere ich mich, dass immer mal wieder Kunden mit »Das hat mir noch nie jemand gesagt!« antworten, wenn ich ihnen wichtige Informationen zu ihren seit Jahren verordneten Arzneimitteln mitteile. Liegt das daran, dass sie weder beim Arzt noch in der Apotheke dazu beraten wurden, weil sie immer angegeben haben, die Arzneimittel schon jahrelang einzunehmen und deshalb bereits darüber Bescheid wissen?

Relativ häufig fällt dieser Satz zum Beispiel dann, wenn die Patienten ein Arzneimittel einnehmen müssen, das mit der Grapefruit Wechselwirkungen hat (siehe Kapitel 13). Aber genauso häufig auch bei Kunden, die seit Jahren das Schilddrüsenhormon L-Thyroxin einnehmen, nachdem ich sie darüber aufgeklärt habe, dass sie ihre Tablette nur mit Leitungswasser einnehmen sollten und im Anschluss darauf für mindestens eine halbe Stunde nichts essen und nichts trinken dürfen. Vor allem keinen Kaffee mit Milch (siehe Kapitel 19).

Diese und viele andere Aha-Erlebnisse in der Apotheke brachten mich letztendlich auf die Idee, mit dem Twittern anzufangen. Ich wollte aufklären. Über die Homöopathie, über Pseudomedizin und natürlich auch über Arzneimittel im Allgemeinen.

Ende Mai 2018 meldete ich mich deshalb unter dem Pseudonym #DerApotheker (@ApothekerDer) bei Twitter an. Ein Jahr später erschien dann mein erster Blog-Artikel, in dem ich darüber aufklärte, warum die Wirkung der Homöopathie nicht über den Placeboeffekt hinausgeht. Da mir zu dem Zeitpunkt schon ein paar Tausend Menschen bei Twitter folgten, hatte ich das Glück, dass er auch wirklich gelesen wurde. Im selben Monat veröffentlichte ich noch einen Artikel, der diesmal die fünf häufigsten Fälle von »Das hat mir noch nie jemand gesagt!« zum Thema hatte. Da dieses Format gut ankam, folgten noch weitere Teile. Das meiste positive Feedback erhielt ich jedoch für einen Text über Ibuprofen, in dem ich versuchte, leicht...

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