Täter auf der Schulbank

Die Offiziersausbildung der Ordnungspolizei und der Holocaust
 
 
Tectum Wissenschaftsverlag
  • 1. Auflage
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  • erschienen am 13. November 2017
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  • 676 Seiten
 
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978-3-8288-6872-4 (ISBN)
 
Ohne die Polizei wäre der Holocaust nicht möglich gewesen. Während des "Dritten Reichs" befand sich ihre bedeutendste Schule in Fürstenfeldbruck bei München. Hunderte von Männern aus ganz Deutschland besuchten dort spezielle Kurse, in denen die Ordnungspolizei sie zu ihren Offizieren ausbildete. Neben hartem Drill und Paragraphen standen "Bandenkampf" und Antisemitismus auf dem Lehrplan. Ausgestattet mit diesem Wissen zogen zahlreiche Oberbeamte nach Ende ihrer Kurse in den "auswärtigen Einsatz", aus dem erschreckend viele von ihnen als Massenmörder und Kriegsverbrecher zurückkehrten. Nach Kriegsende führten sie ihre Karrieren einfach fort, ohne jemals angemessen bestraft worden zu sein. Sven Deppisch beleuchtet erstmals die Geschichte der Polizeischule Fürstenfeldbruck. Er zeigt, wie die Nationalsozialisten ihre führenden "Gesetzeshüter" für den Holocaust trainierten. Die Studie analysiert das Ausbildungssystem der NS-Diktatur und veranschaulicht, welche Fächer und Inhalte es in den besonderen Lehrgängen gab. Darüber hinaus deckt sie auf, wie das Leben an ihrer herausragenden Lehranstalt aussah und an welchen Massenverbrechen sich ihr Personal beteiligte. Dabei bringt sie ans Licht, dass in der deutschen Ordnungsmacht von der Weimarer Demokratie bis weit in die Bundesrepublik hinein die gleichen Denkweisen, Einsatzmuster und Feindbilder existierten, auf denen ihr schrecklicher Beitrag am Judenmord basierte.
  • Deutsch
  • Baden-Baden
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  • Deutschland
  • 9,71 MB
978-3-8288-6872-4 (9783828868724)
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Sven Deppisch studierte Neuere und Neueste Geschichte, Mittelalterliche Geschichte und Politische Wissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Seine Forschungsschwerpunkte sind vor allem die Geschichte der Polizei, der Nationalsozialismus und der Holocaust. Der promovierte Historiker arbeitet in den Bereichen Redaktion, Öffentlichkeitsarbeit und Marketing.

1Erich Bürkner, Streiflichter aus der Sowjet-Union. Nach Tagebuchblättern von Oberleutnant der SchP. E. Bürkner, in: Die Deutsche Polizei, 15.12.1941, Nr. 24, S. 424 f., hier: S. 424. Offensichtlich handelt es sich bei der genannten Stadt um Smolensk, die rund 370 km von Moskau entfernt ist. Sie fiel an die deutschen Besatzungstruppen nach einer Kesselschlacht mit der Roten Armee, die von Anfang Juni bis zum 5. August 1941 tobte, und wurde dabei fast komplett zerstört. Vgl. u. a. Gerhard Schreiber, Der Zweite Weltkrieg, 4. Aufl., München 2007, S. 60; Lothar Gruchmann, Der Zweite Weltkrieg. Kriegführung und Politik, 11., durchges. und akt. Aufl., München 2005, S. 131 und 133; Dieter Pohl, Die Herrschaft der Wehrmacht. Deutsche Militärbesatzung und einheimische Bevölkerung in der Sowjetunion 1941-1944, Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte, Bd. 71, 2. Aufl., München 2009, S. 123; Christian Hartmann, Unternehmen Barbarossa. Der deutsche Krieg im Osten 1941-1945, München 2011, S. 58; Ders., Wehrmacht im Ostkrieg. Front und militärisches Hinterland 1941/42, Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte, Bd. 75, München 2009, S. 254.

2Der Global Trust Report 2013 - eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) - gibt an, dass 81 % der Deutschen ihrer Polizei vertrauen, womit die Ordnungsmacht mit deutlichem Abstand an der Spitze aller Behörden steht. Vgl. GfK Verein, Jahresbericht 2012/13, Nürnberg 2013, S. 34 f.

3Vgl. u. a. Gerd Langguth, Die Protestbewegung in der Bundesrepublik Deutschland 1968-1976, Köln 1976; Simon Reeve, Ein Tag im September. Die Geschichte des Geiseldramas bei den Olympischen Spielen in München 1972, München 2006; Stefan Aust, Der Baader-Meinhof-Komplex, Hamburg 1985.

4Wie geläufig der Begriff des "Polizeistaats" in den ersten Nachkriegsdekaden war, zeigt z. B. das Buch des Politikwissenschaftlers Brian Chapman, in dem er sich mit dem Phänomen in seiner semantischen und historischen Dimension auseinandersetzt. Vgl. Brian Chapman, Der Polizeistaat, München 1972.

5Zur Entwicklung der Täterforschung im Folgenden vgl. u. a. Gerhard Paul, Von Psychopathen, Technokraten des Terrors und "ganz gewöhnlichen" Deutschen. Die Täter der Shoah im Spiegel der Forschung, in: Ders. (Hrsg.), Die Täter der Shoah. Fanatische Nationalsozialisten oder ganz normale Deutsche?, Dachauer Symposien zur Zeitgeschichte, Bd. 2, Göttingen 2002, S. 13-90; Michael Wildt, Von Apparaten zu Akteuren. Zur Entwicklung der NS-Täterforschung, in: Angelika Benz/Marija Vulesica (Hrsg.), Bewachung und Ausführung. Alltag der Täter in nationalsozialistischen Lagern, Geschichte der Konzentrationslager 1933-1945, Bd. 14, Berlin 2011, S. 11-22. Ferner: Peter Longerich, Tendenzen und Perspektiven der Täterforschung. Essay, in: Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ) 14/15 (2007), S. 3-7; Ulrich Herbert, Wer waren die Nationalsozialisten? Typologien des politischen Verhaltens im NS-Staat, in: Gerhard Hirschfeld/Tobias Jersak (Hrsg.), Karrieren im Nationalsozialismus. Funktionseliten zwischen Mitwirkung und Distanz, Frankfurt am Main/New York 2004, S. 17-42, hier: S. 19-26. Wie sich die Forschung zur Geschichte der Polizei im Nationalsozialismus entwickelte, skizziert ferner: Herbert Reinke, Die deutsche Polizei und das "Dritte Reich". Anmerkungen zur Geschichte und Geschichtsschreibung, in: Harald Buhlan/Werner Jung (Hrsg.), Wessen Freund und wessen Helfer? Die Kölner Polizei im Nationalsozialismus, Schriften des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln, Bd. 7, Köln 2000, S. 51-63; Ders., "Restauration" oder "Ein neuer Anfang": Zur Polizeigeschichte und -geschichtsschreibung des "Dritten Reiches" und der Bundesrepublik, in: Bundeskriminalamt (Hrsg.), Das Bundeskriminalamt stellt sich seiner Geschichte. Dokumentation einer Kolloquienreihe, Köln 2008, S. 143-159.

6Vgl. Wildt, Apparaten, S. 12.

7Vgl. Eugen Kogon, Der SS-Staat. Das System der deutschen Konzentrationslager, 44. Aufl., München 2006, S. 363-381.

8Wie Richard Breitman ausführt, wussten die USA und Großbritannien über die Massenverbrechen der Nationalsozialisten recht gut Bescheid. Seit Oktober 1939 fingen britische Geheimdienste den Funkverkehr der Ordnungspolizei ab und erfuhren so, dass auch dieses Exekutivorgan während des Krieges an Massakern in Osteuropa beteiligt war. Gegenüber den USA teilten sie diese Informationen jedoch nur in Ansätzen, weshalb ihre amerikanischen Kollegen über konkrete Einzelheiten relativ wenig wussten. Doch auch aus pragmatischen Gründen unterließen es die Westalliierten, die Ordnungspolizei in der Nachkriegszeit für ihre Verbrechen zur Verantwortung zu ziehen. Vgl. Richard Breitman, Staatsgeheimnisse. Die Verbrechen der Nazis - von den Alliierten toleriert, München 2001.

9Affidavit SS-82: Eidesstattliche Versicherung des Generalleutnants der Ordnungspolizei Adolf von Bomhard vom 13. Juli 1946, in: Der Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof Nürnberg 14. November 1945-1. Oktober 1946 (IMT), Bd. 42, Nürnberg 1949, S. 636-652, hier: S. 642.

10Ebd., S. 641.

11Ebd., S. 643. Hervorhebung im Original.

12Vgl. Paul Riege, Kleine Polizei-Geschichte, Kleine Polizei-Bücherei, Bd. 15/16, Lübeck 1954, S. 45 f.

13Ebd., S. 46.

14Vgl. Bernhard Heinrich Lankenau, Polizei im Einsatz während des Krieges 1939/1945 in Nordrhein-Westfalen, Bremen 1957, S. 5 und 167. Zur Person Lankenaus ferner: Christoph Spieker, Traditionsarbeit. Eine biografische Studie über Prägung, Verantwortung und Wirkung des Polizeioffiziers Bernhard Heinrich Lankenau 1891-1983, Villa ten Hompel. Schriften, Bd. 12, Essen 2015; Ders., Export von Münster nach Den Haag: BdO Dr. Heinrich Lankenau (1891-1983), in: Alfons Kenkmann/Ders. (Hrsg.), Im Auftrag. Polizei, Verwaltung und Verantwortung. Begleitband zur gleichnamigen Dauerausstellung, Villa ten Hompel. Schriften, Bd.1, Essen 2001, S. 176-191.

15Vgl. Hans-Joachim Neufeldt/Jürgen Huck/Georg Tessin, Zur Geschichte der Ordnungspolizei 1936-1945, Schriften des Bundesarchivs, Bd. 3, Koblenz 1957, S. VI.

16Vgl. Ermenhild Neusüß-Hunkel, Die SS, Hannover/Frankfurt am Main 1956, S. 99.

17Vgl. Paul, Psychopathen, S. 20; Wildt, Apparaten, S. 12.

18Hannah Arendt, Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen, 2. Aufl., München 2007, S. 398 [Künftig: Arendt, Eichmann (2007)]. Das englische Original wurde 1963 veröffentlicht, während die erste deutsche Fassung ein Jahr später erschien. Vgl. Dies., Eichmann in Jerusalem. A Report on the Banality of Evil, New York 1963; Dies., Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen, München 1964.

19Zu den Kontroversen um Arendts Buch und die Person Eichmanns vgl. u. a. Albert Wucher, Eichmanns gab es viele. Ein Dokumentarbericht über die Endlösung der Judenfrage, München/Zürich 1961; Die Kontroverse Hannah Arendt, Eichmann und die Juden, München 1964; Hans E. Holthusen, Hannah Arendt, Eichmann und die Kritiker, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte (VfZ) 13/2 (1965), S. 178-190; Shiraz Dossa, Hannah Arendt on Eichmann. The Public, the Private and Evil, in: The Review of Politics 46/2 (1984), S. 163-182; Gideon Hausner, Gerechtigkeit in Jerusalem, München 1967; Stephen J. Whitfield, Into the dark. Hannah Arendt and totalitarianism, Philadelphia 1980; Bernard J. Bergen, The Banality of Evil. Hannah Arendt and "The Final Solution", Lanham 1998; Gary Smith (Hrsg.), Hannah Arendt Revisited. "Eichmann in Jerusalem" und die Folgen, Frankfurt am Main 2000; Yaacov Lozowick, Hitlers Bürokraten. Eichmann, seine willigen Vollstecker und die Banalität des Bösen, Zürich/München 2000; Harry Mulisch, Strafsache 40/61. Eine Reportage über den Eichmann-Prozeß, 3. Aufl., Berlin 2002; Irmtrud Wojak, Eichmanns Memoiren und die "Banalität" des Bösen, in: Joachim Perels/Rolf Pohl (Hrsg.), NS-Täter in der deutschen Gesellschaft, Diskussionsbeiträge des Instituts für Politische Wissenschaft der Universität Hannover, Bd. 29, Hannover 2002, S. 17-39; Christian Volk, Urteilen in dunklen Zeiten. Eine neue Lesart von Hannah Arendts "Banalität des Bösen", Berlin 2005; Habbo Knoch, Verschobene Schuld. Täterbilder und historische Fotografien in einem Illustriertenbericht zum Eichmann-Prozess, in: Gerhard Paul (Hrsg.), Visual History. Ein Studienbuch, Göttingen 2006, S. 303-316.

20Hans Mommsen verwendete den Begriff der "Vernichtungsmaschinerie", um den NS-Staat als technokratischen Moloch zu charakterisieren. Vgl. Hans Mommsen, Hannah Arendt und der Prozeß gegen Adolf Eichmann, in: Arendt, Eichmann (2007), S. 9-48, hier: S. 26.

21Vgl. Wildt, Apparaten, S. 12-14; Paul, Psychopathen, S. 20-30.

22Vgl. Raul Hilberg, The Destruction of the European Jews, London 1961. In der deutschen Version: Ders., Die Vernichtung der europäischen Juden, 3 Bde., 10. Aufl., Frankfurt am Main 2007; Gerald Reitlinger, The Final Solution. The Attempt to Exterminate the Jews of Europe 1939-1945, London 1953. In der deutschen Version: Ders., Die Endlösung. Hitlers Versuch der Ausrottung der Juden Europas 1939-1945, Berlin 1956. Zwar ließe sich Reitlinger auch jener Autorengruppe zurechnen, die in den Tätern gescheiterte Existenzen erblickte. Ihm zufolge waren etwa die meisten Angehörigen der...

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