Forschungsmethoden der Psychologie und Sozialwissenschaften für Dummies

 
 
Wiley-VCH (Verlag)
  • erschienen am 2. Februar 2017
  • |
  • 340 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Adobe DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-527-80588-4 (ISBN)
 
Eine aussagekräftige Stichprobe wählen, die richtigen Fragen stellen, ein Experiment professionell vorbereiten, eine Umfrage so gestalten, dass das Ergebnis repräsentativ ist ... Wenn Sie als Psychologe oder Sozialwissenschaftler forschen, gibt es eine ganze Reihe von empirischen Methoden, die Sie kennen sollten. Bei Experimenten, Befragungen, Beobachtungen und psychologischen Tests gibt es einiges zu beachten, damit die Ergebnisse auch aussagekräftig sind. Martin Dempster und Donncha Hanna begleiten Sie von der Wahl des Forschungsdesigns bis zur Präsentation des Ergebnisses, erklären den Unterschied zwischen qualitativen und quantitativen Ansätzen, zwischen interner und externer Validität und vieles mehr. Damit Ihr nächstes Experiment glückt und Ihre Befragung sinnvolle Ergebnisse liefert.
1. Auflage
  • Deutsch
  • Weinheim
  • |
  • Deutschland
  • 7,67 MB
978-3-527-80588-4 (9783527805884)
3527805885 (3527805885)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Dr. Martin Dempster ist Psychologe und Forschungskoordinator an der Queen's University in Belfast. Dr. Donncha Hanna ist dort Dozent für Statistik und Forschungsmethoden.
  • Titelseite
  • Impressum
  • Inhaltsverzeichnis
  • Über den Autor
  • Einführung
  • Über dieses Buch
  • Törichte Annahmen über den Leser
  • Symbole in diesem Buch
  • Wie es weiter geht
  • Teil I: Forschungsmethoden kennenlernen
  • Kapitel 1 Forschung und wozu sie dient
  • Was Forschung ist
  • Sinn der empirischen Forschung
  • Forschen in der Psychologie und den empirischen Sozialwissenschaften
  • Forschung planen
  • Sich zwischen qualitativer und quantitativer Forschung entscheiden
  • Ein Forschungsdesign wählen
  • Forschungsarbeiten dokumentieren und veröffentlichen
  • Verschiedene Forschungsmethoden kennenlernen
  • Fragebogen und psychometrische Tests
  • Persönliche Befragungen (Interviews)
  • Fokusgruppen
  • Beobachtungsmethoden
  • Psychophysische und psychophysiologische Methoden
  • Kapitel 2 Reliabilität und Validität
  • Die Validität von Studien beurteilen
  • Bedrohungen der Validität von Studien
  • Interne und externe Validität
  • Die Reliabilität von Studien
  • Reliabilität und Validität von Tests
  • Arten der Testvalidität
  • Arten der Testreliabilität
  • Kapitel 3 Forschungsethik
  • Ethik verstehen
  • Keinen Schaden zufügen
  • Körperliche Schäden
  • Psychische Schäden
  • Forschungsethik bei Studien mit menschlichen Teilnehmern
  • Gültige Einwilligungserklärung
  • Das Recht, von der Teilnahme zurückzutreten oder diese abzubrechen
  • Vertraulichkeit und Datenschutz
  • Täuschung
  • Nachbesprechung
  • Wahrung der wissenschaftlichen Integrität
  • Der Antrag bei der Ethikkommission
  • Aufklärungsbogen
  • Einwilligungserklärung
  • Informationsblatt für die Nachbesprechung
  • Teil II: Externe Validität verbessern
  • Kapitel 4 Erhebungsdesigns und -methoden
  • Erhebungsdesigns verstehen
  • Querschnittdesigns
  • Längsschnittdesigns
  • Designs mit aufeinanderfolgenden unabhängigen Stichproben
  • Erhebungsmethoden
  • Schriftlich-postalische Befragungen
  • Persönliche (face-to-face) Interviews
  • Telefonische Befragungen
  • Online-Befragungen
  • Möglichst natürliche Gestaltung von Studien
  • Verdeckte und offene Beobachtungsmethoden
  • Teilnehmende und nicht teilnehmende Beobachtungsmethoden
  • Kapitel 5 Methoden für die Stichprobenauswahl
  • Stichproben und Grundgesamtheiten
  • Die Grundgesamtheit
  • Stichprobe für eine Studie
  • Verschiedene Möglichkeiten der Stichprobenauswahl
  • Probabilistische Methoden der Stichprobenauswahl
  • Nicht probabilistische Methoden der Stichprobenauswahl
  • Auch gute Stichproben können »schlecht werden«
  • Nonresponse-Verzerrung (Nonresponse-Bias)
  • Abbruch (Dropout)
  • Kapitel 6 Fragebogen und psychometrische Tests
  • Messen psychologischer Variablen
  • Auswahl eines bereits vorhandenen Fragebogens
  • Reliabilität und Validität
  • Empfindlichkeit
  • Eignung des gewählten Fragebogens
  • Entwickeln eines Fragebogens
  • Formulierung der Items
  • Anordnung der Items
  • Einzelbefragungen im Vergleich zu Gruppenbefragungen
  • Therapie im Vergleich zu Forschung
  • Interpretation von Gruppendaten im Vergleich zu Einzeldaten
  • Teil III: Interne Validität verbessern
  • Kapitel 7 Einfache Versuchsdesigns (Experimentaldesigns)
  • Versuchsdesigns verstehen
  • Unabhängige Variablen
  • Abhängige Variablen
  • Einfache Versuchsdesigns
  • Ein-Gruppen-Designs
  • Reine Posttest-Designs
  • Prätest-Posttest-Designs
  • Gedanken zum Messwiederholungsdesign (oder: Warum man einen Prätest braucht)
  • Vorteile eines Messwiederholungsdesigns
  • Grenzen eines Messwiederholungsdesigns
  • Reihenfolgeeffekte durch Ausbalancieren ausgleichen
  • Unabhängige-Gruppen-Designs
  • Vorteile eines Unabhängige-Gruppen-Designs
  • Grenzen eines Unabhängige-Gruppen-Designs
  • Zufälle Zuteilungen erreichen
  • Matched-Pairs-Design
  • Einschränkung der Spannweite
  • Verblindung
  • Das Beste aus beiden Welten: Prätest und Vergleichsgruppen kombinieren
  • Randomisierte kontrollierte Studien
  • Vorsicht bei quasi-experimentellen Versuchsplänen
  • Kapitel 8 Komplexere Versuchsdesigns
  • Studien mit mehr als zwei Bedingungen durchführen
  • Vorteile von Studien mit mehreren Bedingungen
  • Placebogruppen im Unterschied zu Kontrollgruppen
  • Realistische Hypothesen mit faktoriellen Versuchsplänen prüfen
  • Haupteffekte
  • Interaktionseffekte
  • Kovariate verstehen
  • Ausgangswert als Kovariate verwenden
  • Vorteile der Verwendung des Ausgangswerts als Kovariate
  • Die Verwendung eines Prätests (Pretests) kann problematisch sein
  • Mere-Measurement-Effekt
  • Solomon-Vier-Gruppen-Design
  • Kapitel 9 Kleine experimentelle Studien
  • Versuche mit kleinen Stichproben durchführen
  • Designs mit unterbrochenen Zeitreihen
  • Mögliche Probleme bei Designs mit unterbrochenen Zeitreihen
  • Designs mit unterbrochener Zeitreihe mit einem Vergleich (Komparator)
  • Klingt wie Abba!
  • Designs mit mehreren Ausgangswerten
  • Designs mit mehreren Ausgangswerten bei verschiedenen Fällen
  • Designs mit mehreren Ausgangswerten und verschiedenen abhängigen Variablen
  • Designs mit mehreren Ausgangswerten bei verschiedenen Settings
  • Analyse von experimentellen Studien mit kleinen Stichproben
  • Sinnvolle Ergebnisse erkennen
  • Diagramme verstehen
  • Kleine Studien, die keine Experimente sind
  • Teil IV: Qualitative Forschung
  • Kapitel 10 Qualität in der qualitativen Forschung
  • Qualitative Forschung verstehen
  • Stichprobenauswahl in der qualitativen Forschung
  • Den Stichprobenumfang festlegen
  • Eine ethisch vertretbare Stichprobe auswählen
  • Qualitative Daten erheben
  • Faktoren, die sich auf die Datenerhebung auswirken können
  • Interviews durchführen
  • Mit Fokusgruppen arbeiten
  • Qualitative Daten transkribieren
  • Kapitel 11 Qualitative Daten analysieren
  • Grundsätze der Analyse qualitativer Daten
  • Bedeutsame Themen in den Daten erkennen
  • Transparenz gewährleisten
  • Vorzeitige Beendigung der Analyse vermeiden
  • Aussagekraft prüfen
  • Ein Beispiel: Die thematische Analyse
  • Mit den Daten vertraut werden
  • Text codieren
  • Themen identifizieren
  • Kapitel 12 Theoretische Ansätze und Methodik in der qualitativen Forschung
  • Erfahrungsorientierte und diskursive Ansätze im Vergleich
  • Relativistische und realistische Epistemologien
  • Der erfahrungsbedingte Ansatz: Fokus auf der Phänomenologie
  • Der diskursive Ansatz: Fokus auf dem Sozialkonstruktivismus
  • Interpretierende phänomenologische Analyse
  • Den idiografischen Ansatz verstehen
  • Die doppelte Hermeneutik durchdenken
  • Das Endergebnis ermitteln
  • Die Grounded Theory verstehen
  • Offene Stichprobenauswahl und Codierung
  • Axiale Stichprobenauswahl und Codierung
  • Selektive Stichprobenauswahl und Codierung
  • Ergebnis einer Grounded-Theory-Studie
  • Teil V: Forschungsarbeiten dokumentieren und veröffentlichen
  • Kapitel 13 Einen Forschungsbericht schreiben
  • Titelfindung
  • Konzentration auf den Abstract
  • Aufbau der Einleitung
  • Überblick
  • Literaturübersicht
  • Begründung
  • Hypothesen
  • Beschreibung der Methoden
  • Studiendesign
  • Teilnehmer
  • Materialien
  • Vorgehensweise
  • Analyse
  • Darstellung der Ergebnisse
  • Beschreibende Statistik
  • Statistische Tests
  • Durchdringen der Diskussion
  • Das Literaturverzeichnis
  • Ergänzende Informationen in Anhängen
  • Kapitel 14 Forschungsergebnisse präsentieren
  • Ein Poster ist kein Forschungsbericht
  • Inhalt
  • Format
  • Posterpräsentationen
  • Erfolgreiche und packende Vorträge vorbereiten und halten
  • Gestaltung von Folien
  • Vorbereitung hilft gegen Nervosität
  • Den bestmöglichen Vortrag halten
  • Fragen beantworten
  • Kapitel 15 APA-Richtlinien für Forschungsberichte
  • Den APA-Stil anwenden
  • Warum, was und wann zitieren?
  • Literatur in einem Forschungsbericht zitieren
  • Ein Autor
  • Zwei Autoren
  • Drei bis fünf Autoren
  • Sechs oder mehr Autoren
  • Wörtliche Zitate
  • Mehr als eine Quelle auf einmal zitieren
  • Sekundärquellen
  • Gestaltung des Literaturverzeichnisses
  • Fachaufsätze aus einer Zeitschrift zitieren
  • Bücher zitieren
  • Kapitel aus einem Herausgeberwerk zitieren
  • Webseiten zitieren
  • Zahlen richtig verwenden und formatieren
  • Zahlen in Worten ausdrücken
  • Zahlen in Ziffern ausdrücken
  • Das Dezimalzeichen und wann eine Null davor gehört
  • Wie viele Nachkommastellen sind richtig?
  • Wann verwenden Sie Tabellen und Diagramme?
  • Statistische Tests richtig wiedergeben
  • Teil VI: Das Exposé
  • Kapitel 16 Literaturrecherche
  • Wozu eine Literaturübersicht dient
  • Literatur für eine Übersicht finden
  • PsycNET/PsycINFO
  • PsychSpider des ZPID
  • Web of Science
  • Google Scholar
  • Gefundene Arbeiten beschaffen
  • Relevante Artikel erkennen
  • Auf Volltextfassungen zugreifen
  • Literaturdaten elektronisch speichern
  • Kapitel 17 Berechnung des Stichprobenumfangs
  • Effekte messen
  • Effektstärken für Beziehungen zwischen zwei Variablen
  • Effektstärken für den Vergleich von Unterschieden zwischen zwei Gruppen oder Bedingungen
  • Effektstärken für den Vergleich von Unterschieden zwischen drei oder mehr Gruppen oder Bedingungen
  • Effektstärken schätzen
  • Studien mit geeigneter statistischer Teststärke durchführen
  • Statistische Teststärke und der Alpha-Wert
  • Statistische Teststärke und Effektstärke
  • Den Stichprobenumfang schätzen
  • Berechnen des Stichprobenumfangs für Zusammenhänge zwischen zwei Variablen
  • Berechnen des Stichprobenumfangs für Unterschiede zwischen zwei Gruppen oder Bedingungen
  • Stichprobenumfänge für Prävalenzstudien berechnen
  • Kapitel 18 Ein Exposé erarbeiten
  • Ideen für ein Forschungsprojekt entwickeln
  • Wissen, wo man anfängt
  • Gute Forschungsideen erkennen
  • Die Machbarkeit einer Forschungsidee prüfen
  • Die Eignung einer Forschungsidee prüfen
  • Die nötigen Ressourcen auftreiben
  • Erkennen, worauf Sie keinen Einfluss haben
  • Zugang zu Teilnehmern
  • Ein Exposé schreiben
  • Die Einleitung für ein Exposé schreiben
  • Forschungsziele, Forschungsfragen und Hypothesen formulieren
  • Den Forschungsplan schreiben
  • Einen Datenanalyseplan einschließen
  • Weitere mögliche Elemente für ein Exposé
  • Teil VII: Der Top-Ten-Teil
  • Kapitel 19 Zehn Stolperfallen, die Sie bei der Stichprobenauswahl vermeiden sollten
  • Zufallsstichproben und zufällige Zuteilung sind nicht dasselbe
  • Zufällig bedeutet systematisch
  • In der quantitativen Forschung ist die Stichprobenauswahl immer wichtig
  • Die Zufallsstichprobe ist nicht alles
  • In der quantitativen Forschung ist die zufällige Stichprobenauswahl immer am besten (außer, wenn das nicht der Fall ist)
  • Forschung ist nicht immer schlecht, nur weil keine Zufallsstichprobe vorliegt
  • Zufallsstichproben müssen groß sein
  • Je größer die Stichprobe, desto besser - in Maßen
  • Keine Ausreden bei kleinen Stichproben
  • Vermeiden Sie es, Offenkundiges zu erklären
  • Kapitel 20 Zehn Tipps für Forschungsberichte
  • Für Einheitlichkeit sorgen
  • Die eigene Frage beantworten
  • Eine Geschichte erzählen
  • Wissen, mit wem man es zu tun hat
  • Den Text fließen lassen
  • Zusammenfassen will gekonnt sein
  • Kritisch, aber nicht fatalistisch sein
  • Redundanz ist redundant
  • Die Kleinigkeiten gründlich und mehrfach prüfen
  • Korrekturlesen muss sein
  • Stichwortverzeichnis
  • Wiley End User License Agreement

Kapitel 1

Forschung und wozu sie dient

IN DIESEM KAPITEL

Was Forschung ist und wozu empirische (Sozial-)Forschung dient

Die verschiedenen Stadien einer Forschungsstudie

Unterschiedliche Forschungsmethoden und wie damit Informationen gewonnen werden

In diesem Kapitel stellen wir Ihnen die wichtigsten Forschungsmethoden, Studiendesigns und andere Aspekte der wissenschaftlichen Forschung vor, die Ihnen im Rahmen Ihres Studiums begegnen werden. Außerdem zeigen wir hier auf, in welchen Kapiteln des Buches Sie weiterführende Informationen dazu finden.

Was Forschung ist

Unter Forschung versteht man in der Regel die systematische Erhebung von Daten, um eine Hypothese zu prüfen.

Eine Hypothese ist einfach eine prüfbare (oder falsifizierbare) Aussage. Eine gute Hypothese könnte zum Beispiel sein: »Es gibt einen statistisch signifikanten Unterschied zwischen den Mittelwerten der Testergebnisse für Selbstbewusstsein bei männlichen und weiblichen Studierenden der Psychologie.« Eine schlechte Hypothese dagegen ist nur schwer zu prüfen (oder zu falsifizieren). Ein Beispiel wäre: »Geschlechtsspezifische Unterschiede im Selbstbewusstsein entstehen bei manchen Menschen bereits im Mutterleib.« Wie könnte man Daten erheben, um so eine Aussage zu widerlegen?

Das Ziel einer einzelnen Forschungsstudie sollte es nicht sein, eine Hypothese abschließend zu beweisen. Vielmehr erzeugen Studien mit der Zeit immer neue Hypothesen, prüfen diese, formulieren sie genauer und prüfen die überarbeiteten Hypothesen erneut. Dadurch werden Daten generiert, aus denen wiederum Wissen erwächst. Je mehr sich eine Theorie der Widerlegung durch empirische Studien widersetzt, umso besser kann sie sich bewähren. Forschung ist also ein Prozess, keine einmalige Angelegenheit.

Sie brauchen das nötige Rüstzeug, um eigene Forschungsarbeiten durchführen zu können, aber Sie müssen auch bereits bestehende Studien kritisch prüfen und bewerten können.

Sinn der empirischen Forschung

Wir könnten Ihnen jetzt erzählen, dass Sie im Rahmen Ihres Studiums forschen müssen, weil es Spaß macht, weil Sie so etwas ganz Neues herausfinden können, das noch niemand weiß, weil Sie darüber Einsicht in faszinierende Teilgebiete Ihrer Wissenschaft erhalten und sich gleichzeitig Fertigkeiten aneignen, die Ihnen auch an anderer Stelle noch viel nützen werden. Aber Sie würden uns wahrscheinlich für voreingenommen halten und uns nicht glauben.

Also versuchen wir es anders: In der Psychologie und den empirischen Sozialwissenschaften gibt es zwei wesentliche Gründe, aus denen geforscht wird. Forschung dient erstens dazu, das Fachwissen zu erweitern und soziale sowie psychologische Phänomene zu erklären. Zweitens ist Forschung nötig, um das neu gewonnene Wissen anzuwenden und so Einzelnen und der Gesellschaft insgesamt zu helfen. Indem sie eine verlässliche Datenbasis schaffen, können Forscher Verhalten beschreiben und erklären, Ursache-Wirkungs-Beziehungen erkennen und Ergebnisse vorhersagen. Von Forschungsergebnissen profitieren so politische Entscheidungsträger, klinische Psychologen und Ärzte, aber auch Einzelpersonen.

Denken Sie an einen Psychologen in seiner ersten Sitzung mit einer Klientin, die an Depressionen leidet und der ihr eine passende Therapie empfehlen möchte.

Woher weiß er, dass das Konstrukt Depression überhaupt existiert?

Woher weiß er, dass der Fragebogen oder die strukturierte Befragung zur Beurteilung der Depression diese auch erfasst?

Woher weiß er, dass eine Intervention zur Linderung der Depression wirkt?

Woher weiß er, ob eine Maßnahme besser wirkt als eine andere?

Woher kennt er die möglichen Ursachen einer Depression?

Auf alle diese Fragen lautet die Antwort: aus der Forschung!

Forschen in der Psychologie und den empirischen Sozialwissenschaften

Ein Forschungsprojekt durchzuführen kann ein sehr komplexer Prozess sein. Betrachten Sie die verschiedenen Stadien, die Sie dabei durchlaufen müssen (und von denen Sie keins einfach überspringen dürfen!):

Als Allererstes brauchen Sie einen umfassenden und durchführbaren Plan. Dazu benötigen Sie eine Idee und müssen eine Forschungsfrage formulieren.

Sie müssen entscheiden, ob Sie die Aspekte, die Sie interessieren, messen und quantifizieren wollen (quantitative Forschung) oder die Erfahrungen und Meinungen von bestimmten Personen in deren eigenen Worten zusammentragen möchten (qualitative Forschung).

Als Nächstes müssen Sie sich für ein Forschungsdesign entscheiden, das es Ihnen erlaubt, Ihre Forschungsfrage auch zu beantworten.

Zuletzt müssen Sie Ihre Forschungsergebnisse nach Abschluss der Forschungsarbeiten auch veröffentlichen, beispielsweise in einem Bericht, einem wissenschaftlichen Poster oder in einem Vortrag.

Die einzelnen Abschnitte eines Forschungsprojekts lassen sich nicht immer sauber voneinander trennen. zum Beispiel müssen Sie sich möglicherweise gleichzeitig zwischen quanitativer und qualitativer Forschung entscheiden sowie verschiedene Forschungsdesigns in Erwägung ziehen. Bei der Arbeit mit diesem Buch werden Sie erkennen, dass sich die verschiedenen Stadien durchaus überlappen können.

In den folgenden Abschnitten werden die verschiedenen Stadien eines Forschungsprojekts skizziert. Es wird auf die zugehörigen Kapitel im Buch verwiesen, die Ihnen helfen können, Ihr Forschungsprojekt erfolgreich durchzuführen.

Forschung planen

Wenn wir unseren Studierenden die Aufgabe stellen, eine Forschungsstudie durchzuführen und ihre Ergebnisse zu dokumentieren, wollen sie sich meistens sofort in die Arbeit stürzen. Die Planungsphase empfinden sie als frustrierende Verzögerung. Gute Forschung ist aber ohne Planung einfach nicht möglich - und eine gute Planung erfordert Zeit.

Zunächst müssen Sie Ihre Idee formulieren. Dazu müssen Sie erst einmal lesen, was schon alles auf dem Gebiet publiziert wurde, das Sie interessiert. Eine gute Literaturrecherche zeigt Ihrem Betreuer, dass Ihnen die veröffentlichte Literatur bekannt ist und dass Sie Stärken und Schwächen früherer Arbeiten kennen. Sie sorgt auch dafür, dass Sie es merken, falls Ihre Forschungsfrage bereits beantwortet oder bearbeitet wurde. Außerdem können Sie Ideen für die Verbesserung Ihrer Forschungsidee bekommen, beispielsweise eine neuartige Methode kennenlernen oder die Einbeziehung einer Variablen, an die Sie noch nicht gedacht hatten. Außerdem können Sie später Ihre eigenen Forschungsergebnisse in den aktuellen Forschungs- und Diskussionsstand einsortieren und mit den Ergebnissen anderer Studien vergleichen.

Eine umfassende Literaturrecherche braucht Zeit. Unterschätzen Sie nicht, wie lange es dauert, mit elektronischen Suchmaschinen die relevanten Quellen zu finden, sich diese zu besorgen und dann das Ergebnis der Recherche aufzuschreiben. Zahlreiche Informationen zur Durchführung einer Literaturrecherche finden Sie in Kapitel 16.

Wenn Sie sich für eine Forschungsidee entschieden und Ihre Forschungsfrage formuliert haben, müssen Sie Ihr Forschungsvorhaben beschreiben. Das daraus entstehende Dokument bezeichnet man als Forschungsantrag, Exposé oder auch Research Proposal. Sie halten darin fest, was Sie machen möchten und warum. Dieses Exposé müssen Sie bei Ihrem Betreuer oder unter Umständen bei einer Ethikkommission einreichen, um sich die Durchführung der Arbeiten aus fachlicher und ethischer Sicht genehmigen zu lassen (Kapitel 3 behandelt das Thema Ethik in der Forschung und wie man diese Genehmigung beantragt).

Der Forschungsantrag sollte aus zwei Abschnitten bestehen:

Aus einer Einleitung, die Ihre Literaturrecherche beschreibt und die Forschungsfragen oder Hypothesen aufführt.

Aus einem detaillierten Forschungsplan, der Design und Methodik der geplanten Studie beschreibt, für die Sie sich entschieden haben (Forschungsdesigns betrachten wir noch ausführlicher im nachstehenden Abschnitt »Ein Forschungsdesign wählen«). Im Exposé geben Sie klar und deutlich an, was Sie vorhaben und wie diese Arbeiten der Beantwortung Ihrer Forschungsfrage oder der Prüfung Ihrer Hypothesen dienen. Sie beschreiben auch, wie Sie Ihre Daten analysieren möchten und stellen einen Zeitplan für die einzelnen Stadien des Forschungsvorhabens auf.

In Kapitel 18 begleiten wir Sie schrittweise durch die Entwicklung eines soliden Forschungs-antrags.

Ein guter Forschungsantrag hilft sowohl Ihnen selbst (als Forschendem) als auch Ihrem Betreuer, festzustellen, ob Ihr Projekt überhaupt machbar, also praktisch und realistisch durchführbar ist. Ihre Idee mag brillant sein - aber können Sie Ihr Vorhaben auch in der vorgesehenen...

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