Ethik und Verantwortung im Finanzsektor

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Schäffer Poeschel (Verlag)
  • erschienen am 6. September 2017
  • |
  • 97 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
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978-3-7910-4043-1 (ISBN)
 

Wozu wird Ethik in der Finanzwirtschaft benötigt? Dieser Frage geht der Autor nach. Zunächst indem er die ethischen Probleme der drei Hauptakteure im Finanzbereich analysiert - die der Sparer, der Investoren und der Finanzintermediation. Dann indem er mögliche Wege weist, durch die das Finanzwesen das Vertrauen der Gesellschaft wieder gewinnen kann.

Ausgehend von der Rückkehr zur Vernunft, macht er Reformvorschläge:

  • Stärkere Auseinandersetzung mit Finanzfragen
  • Erneuerung der persönliche Beziehungen der Finanzakteure
  • Vereinfachung der Prozesse im Finanzbereich
  • Modernisierung der Lehre in den Hörsälen

Ein Essay, der zum Handeln anregt.

1. Auflage 2017
  • Deutsch
  • Stuttgart
Schäffer-Poeschel
  • 0,50 MB
978-3-7910-4043-1 (9783791040431)
379104043X (379104043X)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Paul H. Dembinski, Professor für Strategie und internationalen Wettbewerb, Universität Fribourg;Tischner European University, Krakau, Università Cattolica del Sacro Cuore, Mailand

Einleitung - Weshalb ist Ethik in der Finanzwirtschaft erforderlich?

Finanzwirtschaft und Ethik: eine doppelte Aktualisierung

Die ethischen Dilemmas des Kapitaleigentümers: der Sparer und der Rentier

Die ethischen Dilemmas der Kapitalabnehmer: Schuldner und öffentliche oder private Investoren

Die ethischen Dilemmas der Finanzintermediation

Handlungsmöglichkeiten

2   Finanzwirtschaft und Ethik: eine doppelte Aktualisierung


2.1   Kann man die Finanzwirtschaft definieren?


Unter den zahlreichen Definitionen der Finanzwirtschaft, die in der Literatur vorgeschlagen werden, liefert die aus dem Titel des Werkes von Pierre-Noël Giraud stammende Definition eine für dieses Buch perfekt angepasste Eintrittstüre. Das Werk heißt übersetzt "Der Handel mit Versprechen. Kleine Abhandlung über die moderne Finanzwirtschaft"9. Der bildliche Titel erlaubt es, die Tiefe (auch in ethischer Hinsicht) dieser menschlichen Handlungen zu erahnen.

Um jede Art von Vereinfachung zu vermeiden, muss diese knappe und vielversprechende Definition in drei Punkten verfeinert werden.

  • Erstens darf man den Begriff "Versprechen" nicht nur in seiner noblen Bedeutung verstehen; neben den Versprechungen - die, wie der Sinnspruch sagt, nur diejenigen bindet, die sie hören - muss jede Form von Verpflichtung oder von Positionierung gegenüber der Zukunft eingeschlossen werden. Auf diese Weise werden einerseits formelle Verpflichtungen, wie zum Beispiel Verträge, eingeschlossen und andererseits auch die Wetten auf eine mögliche Zukunft, die mehr auf einer inneren Überzeugung beruhen als auf Versprechungen eines Dritten. Sie beinhalten aber dennoch finanzielle Verpflichtungen.

  • Zweitens gehören zu den Versprechungen, Wetten und Verpflichtungen der Finanzwirtschaft nur diejenigen, die heutige oder künftige Zahlungen betreffen.

  • Drittens schließlich muss die Definition der Finanzwirtschaft, damit sie vollständig ist, über den Handel mit Versprechen hinausgehen und auch deren Produktion und Verwaltung einschließen.

So bestünde also die Finanzwirtschaft aus der Produktion, aus der Verwaltung und aus dem Handel mit Versprechen, Verpflichtungen und Wetten über heutige und künftige Zahlungen.

Jeder Begriff dieser lapidaren Definition, die hier ausgewählt wurde, lässt einen bestimmten Aspekt der finanzwirtschaftlichen Aktivität erahnen: "Produktion, Verwaltung und Handel" betreffen die technische und organisatorische Seite; "Versprechen" verweist auf den psychologischen und emotionalen Aspekt, aber auch auf die juristische und formale Dimension, die dem Begriff der Verpflichtung zwischen zwei Parteien innewohnt. Die "Wette" - im Sinne, dass auf eine mögliche Zukunft gesetzt wird, ohne in der Lage zu sein, darauf Einfluss zu nehmen - zeigt, dass Spekulation integraler Bestandteil der Finanzwirtschaft ist. Schließlich beinhaltet diese Definition auch die monetäre Dimension und streicht so die große Nähe zwischen Geld und Finanzwirtschaft heraus. In der Tat ist der Gebrauch und die Verwaltung brachliegender monetärer Geldbestände das notwendige Gegenstück zur finanzwirtschaftlichen Aktivität und davon untrennbar.

Die Grundeinheit der Finanzwirtschaft ist also die Transaktion oder der Vertrag, der - in der großen Mehrzahl aller Fälle - einerseits über eine sofortige Zahlung und andererseits über eine Verpflichtung, ein Versprechen oder eine Erwartung (wie im Falle einer Wette) einer künftigen Zahlung lautet. Ein solcher Vertrag begründet - implizit oder explizit - eine gegenseitige Abhängigkeit zwischen den zwei Parteien, die bis zur Vertragserfüllung verbunden bleiben. Zwischen dem Zeitpunkt der ersten Zahlungen und demjenigen der Vertragserfüllung werden die Dokumente, welche die Versprechen, Wetten und Verpflichtungen bescheinigen, zu Finanzvermögen.

Einige dieser Vermögenswerte sind in der Lage, sich ohne direktes Zutun der anfänglichen Vertragsparteien weiterzuentwickeln, und werden als Bezugspunkt für die Schaffung anderer Arten von Vermögenswerten verwendet, wie im Falle der Derivate und der "strukturierten" oder "synthetischen" Produkte.

Mit der hier verwendeten Definition der Finanzwirtschaft können vier Bereiche von Aktivitäten in der heutigen Finanzwirtschaft identifiziert werden, wobei jeder von einer ihm eigenen Logik getragen wird:

  • Die "Produktion von Versprechen". Es handelt sich um die Gesamtheit aller Entscheidungen, durch die sich jeder individuelle Akteur festlegt, ob sich der Stand seiner kurzfristigen Bedürfnisse an Geldmitteln einerseits und seine Bereitschaft, längerfristige Verpflichtungen einzugehen und zu formalisieren andererseits entsprechen. Technisch gesprochen, geht es hier um die Verwaltung der Passivseite der Bilanzen von Akteuren außerhalb des Finanzsektors.

  • "Der Kauf, das Halten und der Verkauf von Versprechen und Verpflichtungen und das Eingehen von Wetten", die von anderen Akteuren ausgehen. Die Halter von Versprechen versuchen, ihre Handelspositionen an die sich bietenden Gelegenheiten anzupassen, um sowohl Risiko/Rendite als auch die Fälligkeiten im Griff zu behalten. Diese Aktivitäten entsprechen der Verwaltung des finanzwirtschaftlichen Teils auf der Aktivseite der Bilanzen von Akteuren außerhalb des Finanzsektors.

  • Die Gesamtheit aller Finanzinstitute und ihrer Interaktionen, welche die Vermittlung zwischen den Erzeugern und den wirtschaftlich Berechtigten dieser Versprechungen, Wetten und Verpflichtungen gewährleisten. Zu diesem Segment gehören Produkte, Institute und Märkte, aber auch weniger klassische Intermediäre wie z. B. Schattenbanken ebenso wie auch die Investitions- oder Anlagefonds und die Anbieter von Derivaten und strukturierten Produkten.

  • Das vierte Segment der Finanztätigkeit beinhaltet die Überwachung und Regulierung durch das Gemeinwesen, verkörpert durch die öffentliche Hand, die jeder dieser oben erwähnten Aktivitäten oder Finanzinstituten einen gesetzlichen und reglementarischen Rahmen auferlegt. Ein wachsender Anteil der reglementarischen Aktivität auf nationaler Ebene wird durch Entscheide, die von der Europäischen Union oder auf globaler Ebene, zum Beispiel durch das Forum für Finanzstabilität, gefällt werden, angeregt oder ergibt sich direkt daraus.

Die ersten zwei Segmente, die Erzeugung und das Halten von Versprechen und Wetten, werden durch die Logik des Gebrauchs von Finanzdienstleistungen geleitet. In dieser Logik sind Finanzaktiva nur Instrumente, um Ziele außerhalb der Finanzwirtschaft zu erreichen. So geht es hier zum Beispiel um die Entwicklung der Familie, den Schutz der Existenzgrundlagen für den Ruhestand, das Wachstum eines Unternehmens oder die Verbesserung des Angebots an öffentlicher Infrastruktur für die öffentliche Hand.

Im Segment der Vermittlung herrscht im Gegenteil die Logik des Verkaufs von Dienstleistungen vor, also einer beruflichen Vermittlungsfunktion, die Einkünfte für die Anbieter generiert.

Was die regulatorische Logik anbelangt - dem vierten Segment - so hat sie die Mission, dafür zu sorgen, dass die Finanztätigkeit Wohlstand und Harmonie des Gemeinwesens fördert und dass sie sich ohne Schaden für das Vertrauen in die öffentlichen Institutionen entwickelt. Heute konzentriert sich diese Mission insbesondere auf die Suche nach einer gerechten Verteilung der Risiken und Renditen zwischen den Akteuren der Finanzwirtschaft und auf den Erhalt der finanzwirtschaftlichen Stabilität auf der Makroebene.

2.2   Finanzwirtschaft und Geld: die Macht der Versprechen


Die Finanztätigkeit - der Handel mit Versprechen - ist in punkto Geld nicht autonom, da finanzielle Versprechen Zahlungen mit sich bringen. In den modernen Gesellschaften unterliegt die Verwaltung des Geldes einer öffentlichen Logik, und die monetäre Funktion wird durch die Zentralbank wahrgenommen. Tatsächlich macht die Gesellschaft über die Vermittlung der Zentralbank Versprechen über ihren eigenen Fortbestand. Bargeld ist der (immer weniger) greifbare Ausdruck dieser Versprechen, die nebeneinandergesetzt, den geteilten Glauben der Benutzer des Geldes in ihre Zukunft als Zahlungsgemeinschaft widerspiegelt. Geld ist also ein Versprechen über die künftige wirtschaftliche Aktivität der Gesellschaft und nicht eine Verpflichtung auf die Aktiva ihrer Zentralbank, wie dies zur Zeit des Goldstandards und seiner Varianten der Fall war. Über dieses Versprechen hinaus hat Bargeld keinen Wert "an sich". Zur Zeit des Edelmetallgeldes war dies anders, denn Gold hatte einen Wert an sich, der auch außerhalb der Zahlungsgemeinschaft anerkannt war.10

In Anbetracht dieser Definition erscheint die Finanzwirtschaft als ein Ort, wo ein Versprechen oder eine private Verpflichtung gegen Geld umgetauscht wird, das heißt gegen ein öffentliches Versprechen. Abgesehen vom gesetzlichen Zahlungsmittel besteht der Unterschied zwischen dem modernen Bargeld und Finanzaktiva aus der wahrgenommenen Stabilität der darunterliegenden Versprechen: das institutionelle Versprechen einer Gemeinschaft, die sich mit ihrem eigenen Überleben verpflichtet, auf der einen Seite, das private Versprechen eines Individuums oder einer Unternehmung, die sich gegenüber Dritten für ihre Aktiven verpflichtet, auf der anderen.

Gemäß einem von F. Hayek11 vorgeschlagenen Szenario würden in einer Welt ohne öffentliches Geld die privaten Verpflichtungen monetäre Aufgaben übernehmen. Sie würden dies tun, indem sie sich im Wettbewerb dem Urteil des Marktes überlassen, der so den Wert der jeweiligen "Unterschriften" und damit ihre Akzeptanz als Zahlungsmittel bestimmt. In dieser Hypothese wäre faktisch jede Zahlung eine Finanztransaktion, denn eine Ware würde gegen eine private Verpflichtung...

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