Wer braucht schon Liebe?

 
 
cbt (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 13. Mai 2013
  • |
  • 384 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-08020-4 (ISBN)
 
Komm mir nicht mit Liebe!

Die 16-jährige Alex hat es nicht leicht. Seit ihre Mutter gestorben ist, hat ihr Vater nur noch Arbeit im Kopf. Und engagiert massenweise Personal. Wie diese durchgeknallte Stylistin Marsha, die sich einbildet, sie müsste nett zu ihr sein. Als ob das helfen würde. Nein, für Alex ist ihr Vater auch gestorben. Sie vertraut niemandem mehr, sie liebt niemanden mehr und sie verlässt sich auf niemanden mehr. Auch nicht auf David McFadden, und wenn er noch so schöne blaue Augen hat. Denn wer nicht liebt, kann auch nicht verlieren .

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
  • 0,79 MB
978-3-641-08020-4 (9783641080204)
weitere Ausgaben werden ermittelt

1 Der Rockstar

Okay. Es ist also 15 Uhr 40. Alle haben nur eins im Kopf: nach Hause gehen. In zehn Minuten. Nein, in neun. Vor der Klasse steht Ms Kelly (stellt euch einen Spatzen vor), wippt auf den Fußballen und wartet darauf, dass jemand die Frage beantwortet, die sie gerade gestellt hat.

»Was ist ein Freund? Oder eine Freundin?«

Wir sind sechzehn. Man sollte meinen, dass wir inzwischen wissen, was ein Freund ist oder eine Freundin. Niemand wird eine so lahme Frage beantworten. Ich lasse den Blick über die Klasse schweifen. Müde und gelangweilt beschreibt alle hier ziemlich gut. Mich eingeschlossen. Aber dann eine Stimme. Es ist Sarah, eine meiner Freundinnen, die so was von gar nichts am Hut hat mit diesem gefühlsduseligen Zeug.

»Eine Freundin«, sagt sie und sieht Rachel neben sich bedeutungsvoll an, »ist jemand, der SMS beantwortet.«

Oh, aha.

»Ja, Sarah. Sehr gut«, sagt die Fußballenwippe fröhlich, ohne dass sie die Anspielung versteht. »Jemand, der Textnachrichten beantwortet.« Sie sieht sich um. »Sonst noch jemand?«

Mark Delaney hebt die Hand. Es kommt Leben in die Klasse. Delaney tut so, als würde er am Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom leiden, also muss er nicht mitarbeiten. Dass er tatsächlich aufgepasst hat, ist total neu.

»Eine Freundin«, sagt er, »rastet nicht aus, wenn man sie darauf hinweist, dass ihre künstliche Bräune nicht gleichmäßig verteilt ist.« Das gilt Orla Tempany.

Die sofort zurückgiftet. »Ein Freund würde so etwas nicht vor der ganzen Klasse sagen.«

Und plötzlich ist es egal, dass die Freiheit in ein paar Minuten auf uns wartet.

»Ein Freund zahlt zurück, was er sich leiht«, sagt Peter Sweetnam zu Simon Kelleher.

»Ein Freund lässt einen nicht allein auf der Tanzfläche stehen.« (Amy Gilmore)

»Okay, okay«, sagt die Fußballenwippe und hebt beschwichtigend die Hände. »Ein paar sehr gute Beispiele für gegenseitigen Respekt, und Respekt ist ein wichtiger Teil von Freundschaft.« Sanft legt sie die Handflächen aneinander, wie eine Nonne. »Aber ich meine etwas anderes, einen anderen wesentlichen Teil von Freundschaft.«

Sie ist wie Buzz Lightyear, der dachte, er sei ein Superheld, dabei war er nur ein Spielzeug. Sie denkt, sie versteht uns. Da liegt sie total falsch. Wenn sie sich nicht eingemischt hätte, dann hätten wir zur Abwechslung vielleicht mal eine anständige Diskussion am Laufen gehabt. Ich schaue auf die Uhr. Noch vier Minuten. Wenn alle den Mund halten, lässt sie uns vielleicht einfach gehen.

»Ein Freund ist jemand, der zuhört«, sagt David McFadden auf seine übliche lässige Art. Ich werfe ihm einen Blick zu, als wäre er ein totaler Loser, denn wenn es jemanden gibt, der mir auf die Nerven geht, dann ist es David McFadden. Er lächelt bloß und schlägt seine Bücher zu. Und da kapiere ich es: Er hat die Frage nur beantwortet, um die Stunde zu beenden.

Es hat geklappt.

»Also gut, Leute.« (Ich wünschte, sie würde uns nicht so nennen.) »Vergesst nicht. Morgen fängt der Segelkurs an. Nicht dass ihr morgen um neun hier auftaucht. Er findet unten am Jachtklub statt.«

Das Klassenzimmer beginnt sich zu leeren. Rachel und Sarah kommen wie immer an meinen Tisch. Sie schweben mehr, als dass sie gehen, fließende Bewegungen, perfekte Körperhaltung. Reif für den Catwalk. Rachel ist eine Mischung aus Pocahontas (die Haare) und Anne Hathaway (das Gesicht). Sarah ist mehr Paris Hilton (aber gut aussehend).

»Ich habe deine SMS nicht bekommen«, sagt Rachel gerade. »Das hab ich dir schon gesagt.«

»Bei mir stand Gesendet

»Kann sein, aber ich habe sie nicht gekriegt.«

»Los, gehen wir«, sage ich und setze mich in Bewegung.

Immer noch streitend, folgen sie mir.

»Es geht mir nur ums Prinzip.« (Sarah)

»Okay, aber das war unnötig. Ich beantworte fast alle deine SMS

»Fast alle. Aber nicht alle.«

»Ein paar, liebe Sarah, verlangen keine Antwort«, sagt Rachel.

Gut 70 Prozent meiner Meinung nach. Es wundert mich, dass Sarah kein RSI-Syndrom hat. Fairerweise muss man sagen, dass eigentlich ich unter Beschuss stehen müsste. Ich antworte nur auf direkte Fragen von Sarah - was so 30 Prozent ihrer SMS sein dürften. Rachel ist viel höflicher. Sie macht sich richtig Arbeit. Obwohl sie in letzter Zeit ein bisschen nachgelassen hat. Deswegen reagiert Sarah wahrscheinlich so empfindlich. Sie fürchtet, dass sie bald keinen mehr hat zum Simsen.

»Ist doch egal«, sage ich und schiebe die Tasche auf meiner Schulter zurecht, »wenigstens sind wir raus hier.« Kaum zu glauben, wie wir uns auf das Übergangsjahr gefreut haben. Theoretisch klang es toll - ein ganzes Jahr, um uns auf das Leben nach der Schule vorzubereiten, anders gesagt, das totale Lotterleben. Statt mit richtiger Schularbeit verbringen wir die meiste Zeit mit Projekten, gemeinnütziger Arbeit, Abenteuerwochenenden, Reisen ins Ausland, Praktika. Oder zumindest hätte es so sein sollen. Zwei Wochen sind um und wir haben noch nichts weiter erlebt als eine Überdosis Gefühlsduselei.

Wir gehen zum Schultor hinaus und den Hügel hinunter. Es ist eigentlich noch nicht kalt genug für eine Jacke, aber ich wickle meine eng um mich. In den letzten sechs Monaten ist mir nie warm gewesen - egal, wie das Wetter war.

»Wollt ihr mit zu mir kommen?«, fragt Rachel.

»Ich kann nicht«, sage ich. »Der Rockstar ist wieder da.«

»Ach ja?« Sarah horcht auf.

»Wie ist es mit den Aufnahmen gelaufen?« Rachel versteht sich gut mit ihren Eltern. Wenn ihr Dad weg gewesen wäre, um ein Album aufzunehmen, dann würde sie es uns brühwarm erzählen.

»Gut«, sage ich, um weiteren Fragen aus dem Weg zu gehen, aber tatsächlich habe ich keine Ahnung. Bei den seltenen Gelegenheiten, bei denen er anruft, beantworte ich seine Fragen. Das ist alles. Ich weiß nicht, warum ich mich darauf freue, ihn zu sehen. Ich weiß, dass ich enttäuscht sein werde. »Gehen wir zum Jitter Mug«, sage ich und beschließe, dass ich noch nicht so weit bin, nach Hause zu gehen.

»Klasse«, sagt Sarah, die nie nach Hause will.

Das Jitter Mug ist ein tolles Café in Blackrock. Es ist groß und luftig mit hoher Decke und bequemen Sesseln, in denen man versinken kann. Wenn die Schule aus ist, gehört der Laden uns. Neunzig Prozent der Gäste tragen unsere Uniform. Wir bestellen das Übliche: drei Tropicana-Smoothies. Wir setzen uns an unseren üblichen Platz, mitten im Geschehen, damit Sarah ja nichts verpasst vom Klatsch und Tratsch.

»Ist David McFadden nicht total caliente?«, sagt sie gerade und reißt bei »caliente« die Augen weit auf.

Caliente ist unser Code für sexy. Wir benutzen ihn seit dem Tag, als wir uns zum ersten Mal getroffen haben, dem Tag, als wir Freundinnen wurden. Das war Tag Eins am Strandbrook College. Wir saßen zufällig zusammen. Unsere erste Stunde war Spanisch. Und herein kam ein unglaublich gut aussehender Lehrer. Sarah hat irgendetwas gekritzelt. Dann gab sie einen Zettel weiter: »Señor Martin ist TOTAL caliente.«

Señor Martin war vielleicht caliente, aber er war nicht sehr erfreut. Als er auf Rachel zuging und die Hand nach dem Zettel ausstreckte, riss Sarah ihn ihr aus der Hand und aß ihn auf. Wir waren so geschockt, dass wir lachen mussten. Und beim Nachsitzen landeten. Hier ein Rat für Lehrer: Wenn ihr nicht wollt, dass drei Schülerinnen Freundinnen werden, lasst sie nicht am ersten Tag miteinander nachsitzen.

Sarah hebt den Deckel von ihrem Smoothie, um einen prüfenden Blick hineinzuwerfen, und greift dann das Thema David McFadden wieder auf: »Er surft, wisst ihr.«

»Nicht wirklich überraschend«, sagt Rachel, »wenn man bedenkt, dass er aus Kalifornien kommt.«

»Ich könnte ihn den ganzen Tag anschauen«, sagt Sarah träumerisch. »Er erinnert mich an eine von diesen Skulpturen, die man in Rom kriegt. Mein Gott, ich bin so froh, dass er das Jahr wiederholen muss.«

»Ich bin mir sicher, dass er das anders sieht«, sage ich. Seine Mum ist gestorben und er ist letztes Jahr durch die Abschlussprüfung gerasselt.

»Mark ist auch ziemlich caliente«, sagt Sarah. »Ich finde, wenn zwei caliente Jungs zusammen abhängen, dann macht sie das extra caliente.«

Mark Delaney ist zur selben Zeit in unsere Klasse gekommen wie David McFadden, nämlich als seine Mum, eine Diplomatin, von einem Job in Südafrika zurückkam. Und obwohl sie total unterschiedlich sind, verstehen sie sich gut.

»David ist süß«, sagt Rachel. »Aber Mark. Diese Sache mit dem ADS. Das muss man sich mal vorstellen, seine Eltern so reinzulegen....

"Die Autorin schafft es wirklich wunderbar, das Thema Verlust eines Elternteils und die anschließende Trauer einfühlsam und vor allem auch ehrlich aufs Papier zu bringen."
 
"Das Buch besticht durch eine perfekte Geschichte, meist sympathische und gut durchdachte Charaktere, einen Schreibstil, der so viele Gefühle transportiert."

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