Lexikon Musiktherapie

 
 
Hogrefe (Verlag)
  • 2. Auflage
  • |
  • erschienen am 11. September 2009
  • |
  • 592 Seiten
 
E-Book | PDF mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8409-2162-9 (ISBN)
 
Ob als Nachschlagewerk für Praktiker, Lehrende, Forschende und Studierende oder als informatives »Lesebuch« bietet das Lexikon eine umfassende Orientierung in dem mittlerweile vielfältig verästelten Fachgebiet der Musiktherapie. In zweiter, überarbeiteter und erweiterter Auflage stellt dieses bewährte Handbuch kompakt aufbereitet und verständlich geschrieben die zentralen Positionen dieser künstlerischen Therapieform dar.
Ausgewiesene Experten behandeln in 123 Stichwörtern ein breites Spektrum an Themen, wie z.B. die Bedeutung des Hörens und seine Beeinträchtigungen, musiktherapeutische Diagnostik und Indikation, Spielarten (musik-)therapeutischer Methodologie und Praxeologie, Fragen der ästhetischen Positionierung oder der Ethik des Berufs. Dabei werden aktuelle Forschungsergebnisse vermittelt, die Theoriebildung nachgezeichnet und die konkrete Anwendung in unterschiedlichsten Feldern vorgestellt. Die in der zweiten Auflage neu aufgenommenen Beiträge behandeln unter anderem folgende Themen:
»Musiktherapie mit alten Menschen«, »Berufsrecht in der Musiktherapie«, »Geschichte der ostdeutschen Musiktherapie«, »Musiktherapie mit hyperaktiven und verstummten Kindern«, »Säuglingsforschung und Musiktherapie«, »Onkologie und Musiktherapie« oder »Musiktherapie an Musikschulen«.
weitere Ausgaben werden ermittelt
1 - Vorwort [Seite 6]
2 - Inhaltsverzeichnis [Seite 10]
3 - Abhängigkeitserkrankungen [Seite 20]
4 - Ästhetik und Musiktherapie [Seite 26]
5 - Aktive Musiktherapie [Seite 28]
6 - Altersdemenz und Musiktherapie [Seite 30]
7 - Von einer "Altorientalischen" zur "Ethnomusiktherapie" [Seite 37]
8 - Analogie und Musiktherapie [Seite 44]
9 - Anthroposophische Musiktherapie [Seite 52]
10 - Appelle und Appellwirkung von Musikinstrumenten [Seite 61]
11 - Archaische Musikinstrumente [Seite 65]
12 - Archivierung und Dokumentation von musiktherapeutischem Material [Seite 72]
13 - Assoziative Improvisation [Seite 73]
14 - Atemtherapie und Musiktherapie [Seite 76]
15 - Auditive Stimulation [Seite 79]
16 - Ausdruck [Seite 81]
17 - Ausdruckstherapie und Musiktherapie [Seite 83]
18 - Autismus [Seite 86]
19 - Balint-Arbeit [Seite 93]
20 - Behandlungsschritte [Seite 95]
21 - Berufsethik [Seite 102]
22 - Berufsrecht in der Musiktherapie [Seite 104]
23 - Berufsständische Organisationen der Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten [Seite 107]
24 - Beschreibung und Rekonstruktion [Seite 118]
25 - Beziehung Patient - Therapeut [Seite 123]
26 - Bildnerisches Gestalten [Seite 127]
27 - Cardiologische Rehabilitation und Musiktherapie [Seite 129]
28 - Community Music Therapy [Seite 134]
29 - Denkprozesse [Seite 139]
30 - Empathie [Seite 141]
31 - Ethnologische Aspekte in der Musiktherapie [Seite 142]
32 - Evaluationsforschung, Musiktherapeutische [Seite 146]
33 - Formenbildung [Seite 151]
34 - Forschungsmethodik [Seite 154]
35 - Frühe Mutter-Kind-Spiele [Seite 158]
36 - Funktionale Musiktherapie am Beispiel der neurologischen Rehabilitation von Schlaganfallpatienten [Seite 160]
37 - Geschichte der Musiktherapie/MusikMedizin nach 1945 in Deutschland [Seite 163]
38 - Geschichte der ostdeutschen Musiktherapie [Seite 166]
39 - Geschichtlicher Hintergrund zu musiktherapeutischen Methoden der Gegenwart [Seite 169]
40 - Gestalttherapie und Musiktherapie [Seite 174]
41 - Gruppendynamik [Seite 179]
42 - Gruppenfunktionen und Phasen der Gruppenbildung [Seite 182]
43 - Gruppenmusiktherapie [Seite 185]
44 - Guided Imagery and Music (GIM)/ Musikimagination (MI) [Seite 191]
45 - Handlungsbegriff [Seite 195]
46 - Harmonikale Forschung [Seite 198]
47 - Hörorgan: Entwicklung und Bedeutung [Seite 202]
48 - Hyperaktive und verstummte Kinder [Seite 206]
49 - Improvisation und Musiktherapie [Seite 209]
50 - Improvisationsbewegung, geschichtlicher Abriss [Seite 214]
51 - Improvisationsgehalt [Seite 219]
52 - Indikation [Seite 222]
53 - Innere Medizin [Seite 226]
54 - Integrales Bewusstsein [Seite 228]
55 - Integrative Musiktherapie [Seite 233]
56 - Intermusiktherapie [Seite 239]
57 - Introjekt, Introjektion [Seite 240]
58 - Katamnese (im Sinne: Wirkung von Behandlung) [Seite 242]
59 - Kindermusiktherapie [Seite 247]
60 - Klangtrance [Seite 253]
61 - Körperwahrnehmung [Seite 260]
62 - Komponenten [Seite 263]
63 - Kristallisationstheorie [Seite 272]
64 - Kultur- und sozialpsychologische Aspekte [Seite 274]
65 - Kurzzeittherapie [Seite 276]
66 - Lehrmusiktherapie [Seite 279]
67 - Leiborientierte Musiktherapie [Seite 281]
68 - Lenkung der Aufmerksamkeit (Fokussierende Musiktherapie) [Seite 284]
69 - Methoden der psychotherapeutischen Musiktherapie [Seite 286]
70 - Morphologische Musiktherapie [Seite 293]
71 - Musikanthropologische und ethnologische Aspekte [Seite 297]
72 - Musikbegriff [Seite 304]
73 - Musikethnologie - Schamanismus - Musiktherapie [Seite 309]
74 - Musik-imaginative Schmerzbehandlung (Entrainment) [Seite 314]
75 - Musikinstrumente in der Therapie [Seite 318]
76 - Musikmedizinische Forschung heute und morgen [Seite 322]
77 - Musikorientierte Methoden in den Praxisfeldern Beratung, Supervision und Coaching [Seite 326]
78 - Musikpädagogik - Musiktherapie, Berührung [Seite 330]
79 - Musikpsychologie [Seite 336]
80 - Musiktherapie an Musikschulen [Seite 341]
81 - Musiktherapie international [Seite 345]
82 - Musiktherapie in der Schule [Seite 356]
83 - Musiktherapie mit alten Menschen [Seite 360]
84 - Neurorehabilitation bei Menschen mit erworbenen Hirnschäden [Seite 365]
85 - Nordoff/Robbins-Musiktherapie (Schöpferische Musiktherapie) [Seite 372]
86 - Onkologie und Musiktherapie [Seite 376]
87 - Phasen der Gruppenmusiktherapie [Seite 381]
88 - Poesie-Therapie [Seite 386]
89 - Polaritätsverhältnisse in der Improvisation [Seite 390]
90 - Polyästhetische Therapie [Seite 394]
91 - Polyaisthesis, Therapie und Kunst [Seite 400]
92 - Pränatale und perinatale Psychologie und ihre Relevanz für Musiktherapie [Seite 405]
93 - Psychodynamic Movement [Seite 410]
94 - Psychodynamische Psychiatrie und Musiktherapie [Seite 412]
95 - Psychosomatik [Seite 417]
96 - Rating Scales [Seite 421]
97 - Rezeptionsforschung [Seite 423]
98 - Rezeptive Musiktherapie [Seite 430]
99 - Rhythmisches Prinzip [Seite 435]
100 - Rondo - Beziehungsrondo [Seite 438]
101 - Säuglingsforschung und Musiktherapie [Seite 440]
102 - Schizophrenie und Musiktherapie in der Psychiatrie [Seite 447]
103 - Schreibaby [Seite 456]
104 - Schwabe-Musiktherapie [Seite 460]
105 - Selbstpsychologie [Seite 472]
106 - Sinneswahrnehmung [Seite 476]
107 - Soziale Arbeit [Seite 479]
108 - Sozialrecht in der Musiktherapie [Seite 484]
109 - Spielraum [Seite 488]
110 - Spieltherapeutische Elemente in der Musiktherapie mit Kindern [Seite 490]
111 - Spiritualität und Seelsorge in der Musiktherapie [Seite 494]
112 - Stimme [Seite 500]
113 - Stimmforschung [Seite 509]
114 - Stimmung [Seite 515]
115 - Stationäre Behandlung von Suchtkranken [Seite 520]
116 - Suchtkrankenberatung und -behandlung, Ambulante [Seite 528]
117 - Supervision und Musiktherapie [Seite 536]
118 - Symbol [Seite 540]
119 - Technische Medien in der Musiktherapie [Seite 544]
120 - Therapeut als Künstler - Kunst als Therapie [Seite 548]
121 - Tinnitus und Hyperakusis [Seite 552]
122 - Trance [Seite 557]
123 - Trauma und sexueller Missbrauch und Musiktherapie [Seite 561]
124 - Verändertes Wachbewusstsein [Seite 569]
125 - Wiener Schule der Musiktherapie [Seite 577]
126 - Die Autorinnen und Autoren des Bandes [Seite 581]
127 - Sachwortregister [Seite 586]
Berufsständische Organisationen der Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten (S. 89-90)

Hanna Schirmer und Ilse Wolfram

Einleitung

Seit dem Jahr 1969 sind in Deutschland musiktherapeutische Verbände, Berufsverbände und Gesellschaften je nach politischem, theoretischem oder methodischem Hintergrund gegründet worden. An ihnen lässt sich auch die Geschichte der deutschen Musiktherapie in West und Ost nachvollziehen.

Der vorliegende Beitrag stellt einen Abriss dar, der sowohl die Entwicklung einzelner Organisationen als auch die früheren und aktuellen gegenseitigen Beziehungen der Verbände beschreibt. Die für die überschrift dieses Artikels verwendete Bezeichnung "berufsständische Organisationen", soll nicht nur einen Oberbegriff darstellen, sondern entspricht auch der Wortwahl der EMTC (European Music Therapy Confederation) auf der europäischen Ebene, deren Mitglieder ausschließlich "professional organizations", sind. Häufig wird die tatsächlich existierende Vielfalt der durch die deutschen Organisationen vertretenen fachlichen Ansätze positiv beschrieben.

Ob diese Bewertung zutrifft, und wie sich diese immer wieder erklärungsbedürftige Vielfalt auf die heutige Lage der Musiktherapie im Sozial- und Gesundheitswesen und die Bemühungen um eine berufsrechtliche Anerkennung auswirkt, ist eine Frage, auf die der vorliegende Beitrag eine Antwort zu geben versucht.

Rechtliche Grundlagen und allgemeine Ziele musiktherapeutischer Organisationen

Alle musiktherapeutischen Organisationen in Deutschland sind Vereine und damit juristische Personen, deren Rechtsform im BGB, Erstes Buch, §§ 21-79 geregelt ist. Ein Verein erhält seine Rechtsfähigkeit durch den Eintrag ins Vereinsregister (e.V.). Der Zweite Titel des BGB enthält Vorschriften für die Struktur von Vereinen im Einzelnen, z. B. im § 26 für den Vorstand, § 27 für die Geschäftsführung, § 32 gibt Auskunft über Rechte und Pflichten der Mitgliederversammlung, § 38 regelt die Mitgliedschaft und § 57/58 die Satzung (BGB, 2005). Der von den Mitgliedern gewählte Vorstand ist in seiner Geschäftsführung an die Satzung gebunden, deren wichtigste Bestandteile im BGB (a. a. O.) vorgeschrieben sind und die in ihren Feinheiten von der Mitgliederversammlung bestimmt wird. Dadurch besteht die Gewähr, dass ein Vorstand die Vereinszwecke verfolgt und die Interessen der Mehrheit seiner Mitglieder vertritt. Die Frage der Gemeinnützigkeit einer Organisation wird von den örtlichen Finanzämtern geprüft.

In der Regel ist dies ein sehr genauer Prüfungsvorgang, der die Anerkennung der Gemeinnützigkeit nur für eine bestimmte Frist entscheidet.

1. Berufsverbände - allgemeine Beschreibung

Berufsverbände als Zusammenschluss von Angehörigen einer Berufsgruppe sollen deren Berufsinteressen vertreten. Dazu gehören Verhandlungen zur Sicherung angemessener Arbeitsbedingungen, die Weiterentwicklung des Berufsbildes in Praxis, Lehre und Forschung, und u. a. die Wahrung und Weiterentwicklung professioneller Standards durch Aufnahmekriterien, Festlegung eines Berufskodex, sowie die Abstimmung der Qualifizierung mit den Studiengängen und Ausbildungen.

2. Fachverbände - allgemeine Beschreibung
Fachverbände verfolgen in der Regel die Förderung und Verbreitung des Berufszweiges, wobei es fließende übergänge zum Berufsverband geben kann. So versteht sich die "Deutsche Gesellschaft für Supervision DGSV", beispielsweise als "Fach- und Berufsverband",. In der Praxis der fachlichen und berufspolitischen Arbeit sind Gemeinsamkeiten, Zusammenarbeit und überschneidungen der Umsetzung der Aufgaben häufig geworden. Es kann Doppelmitgliedschaften geben."

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