Die Tränen des Teufels

Thriller
 
 
Blanvalet (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 20. Februar 2017
  • |
  • 448 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-19628-8 (ISBN)
 
Der tödliche Countdown läuft

Am Silvestermorgen feuert in Washington, D.C. ein Unbekannter in einer U-Bahn-Station wild in die Menge und tötet 23 Menschen. Kurz darauf fordert der Drahtzieher »Digger« in einem Erpresserbrief 20 Millionen Dollar, andernfalls findet bis Mitternacht alle vier Stunden ein weiteres Blutbad statt. Als der einzige Kontaktmann Diggers bei einem Verkehrsunfall stirbt, kann nur noch einer dem FBI helfen: Handschriftenexperte Kincaid Parker, der mithilfe des Erpresserbriefs Digger auf die Spur kommen soll. Parker wollte seinen Kindern zuliebe eigentlich Abstand von der Verbrecherjagd gewinnen, doch nun wird er bald selbst zur Zielscheibe eines skrupellosen Killers .

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Blanvalet
  • 0,96 MB
978-3-641-19628-8 (9783641196288)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Jeffery Deaver gilt als einer der weltweit besten Autoren intelligenter psychologischer Thriller. Wie kaum ein anderer beherrscht der von seinen Fans und den Kritikern gleichermaßen geliebte Jeffery Deaver den schier unerträglichen Nervenkitzel, verführt mit falschen Fährten, überrascht mit blitzschnellen Wendungen und streut dem Leser auf seine unnachahmliche Art Sand in die Augen. Seit dem ersten großen Erfolg als Schriftsteller hat er sich aus seinem Beruf als Rechtsanwalt zurückgezogen und lebt nun abwechselnd in Virginia und Kalifornien. Seine Bücher, die in 25 Sprachen übersetzt werden und in 150 Ländern erscheinen, haben ihm bereits zahlreiche renommierte Auszeichnungen eingebracht. Die kongeniale Verfilmung seines Romans Die Assistentin unter dem Titel Der Knochenjäger (mit Denzel Washington und Angelina Jolie in den Hauptrollen) war weltweit ein sensationeller Kinoerfolg und hat dem faszinierenden Ermittler- und Liebespaar Lincoln Rhyme und Amelia Sachs eine riesige Fangemeinde erobert.

1

8:55

Der Digger ist in der Stadt.

Der Digger sieht aus wie du, der Digger sieht aus wie ich. Er geht durch die winterlichen Straßen, so wie alle, die Schultern in der feuchten Dezemberluft hochgezogen, Hals und Kinn im Mantelkragen verborgen.

Er ist weder groß noch klein, weder dick noch dünn. Seine Finger in den dunklen Handschuhen könnten fleischig sein, aber das sind sie nicht. Seine Füße sehen groß aus, aber vielleicht liegt das auch nur an den Schuhen.

Würde man ihm in die Augen schauen, würde man weder ihre Form noch ihre Farbe wahrnehmen, sondern allein die Tatsache, dass sie nicht ganz menschlich wirken, und wenn der Digger deinen Blick erwidert, könnten seine Augen das Letzte sein, was du auf dieser Welt siehst.

Er trägt einen langen schwarzen Mantel, vielleicht auch dunkelblau, und keine Menschenseele auf der Straße bemerkt, wie er vorübergeht, obwohl es viele Zeugen gibt - auf den Straßen von Washington, D.C. wimmelt es in der morgendlichen Rushhour nur so von Menschen.

Der Digger ist in der Stadt, und es ist Silvester.

Mit einer Einkaufstüte vom Bauernmarkt in der Hand weicht der Digger Paaren, einzelnen Passanten und Familien aus, geht unbeirrt weiter. Vor sich sieht er die Metro-Station. Man hat ihm gesagt, er solle Punkt neun Uhr morgens dort sein, und so wird es sein. Der Digger kommt nie zu spät.

Die Tüte in seiner vielleicht fleischigen Hand ist schwer. Sie wiegt fünf Kilo, doch bei der Rückkehr in sein Motelzimmer wird sie deutlich leichter sein.

Ein Mann rempelt ihn an, lächelt und sagt: »Entschuldigung«, aber der Digger würdigt ihn keines Blickes. Der Digger sieht niemals jemanden an und will auch nicht, dass man ihn ansieht.

»Niemand darf .« Klick. ». dein Gesicht sehen. Schau weg. Nicht vergessen!«

Ich vergesse es nicht.

Klick.

Schau auf die Lichter, denkt er, schau auf die . klick . auf die Neujahrsdekoration. Dicke Babys in wehende Luftschlangen gehüllt, und da ist natürlich auch Gevatter Zeit.

Komische Dekoration. Komische Beleuchtung. Komisch, wie hübsch das aussieht.

Er ist am Dupont Circle, dort, wo Geld und Kunst zu Hause sind, wo sich die jungen, eleganten Menschen herumtreiben. Der Digger weiß das, aber er weiß es nur, weil ihm der Mann, der ihm alles sagt, vom Dupont Circle erzählt hat.

Er hat den Eingang zum U-Bahn-Schacht erreicht. Der Morgenhimmel ist bedeckt, und da es Winter ist, liegt ein trübes Grau über der Stadt.

Der Digger denkt an seine Frau, er denkt an Tage wie diesen. Pamela mochte die Dunkelheit und die Kälte nicht, deshalb . klick . deshalb . Was hat sie deshalb gemacht? Ach ja. Sie hat rote Blumen und gelbe Blumen gepflanzt.

Er richtet den Blick auf die Metro-Station und denkt an ein Bild, das er einmal irgendwo gesehen hat. Er und Pamela waren in einem Museum. Sie schauten sich ein altes Gemälde an.

Und Pamela sagte: »Das ist unheimlich. Lass uns gehen.«

Es war ein Bild vom Eingang zur Hölle.

Der Metro-Tunnel befindet sich zwanzig Meter unter der Erde. Manche Fahrgäste gleiten hinab, andere kommen herauf. Es sieht genau aus wie auf jenem Bild.

Der Eingang zur Hölle.

Lauter junge Frauen mit kurz geschnittenem Haar und Aktentaschen unterm Arm. Lauter junge Männer mit Sporttaschen und Handys.

Und da ist der Digger mit seiner Einkaufstüte.

Vielleicht ist er dick, vielleicht ist er dünn, jedenfalls sieht er aus wie du, sieht er aus wie ich. Der Digger fällt nicht auf, und genau das ist der Grund, weshalb er seine Aufgaben so hervorragend erledigt.

»Du bist der Beste«, hat ihm der Mann, der ihm alles sagt, im letzten Jahr gesagt. »Du bist der . klick, klick . der Beste.«

Um 8:59 steht der Digger neben der Rolltreppe, die nach unten führt und voller Leute ist, die alle hinunter in den Höllenschlund fahren.

Er greift in die Tüte und legt die Finger um den Griff der Pistole, die eine Uzi oder eine Mac-10 oder eine Intertech sein könnte, die aber eindeutig fünf Kilo wiegt und mit einem Hunderter-Magazin 22er-Langwaffenmunition geladen ist.

Der Digger hat Appetit auf eine Suppe, lässt sich davon jedoch nicht ablenken.

Weil er der . klick . der Beste ist.

Er lässt den Blick über die Menge schweifen, aber er sieht niemanden an, sieht nur zu, wie die Leute warten, bis sie an der Reihe sind, die Rolltreppe nach unten zu betreten, die sie in die Hölle bringt. Er sieht weder die Männer mit den Telefonen noch die Frauen mit den Frisuren von Supercuts an, dem schicken Laden, bei dem sich auch Pamela immer die Haare schneiden ließ. Auch die Familien sieht er nicht an. Er presst die Tüte an die Brust, so wie es jeder mit seinen Feiertagseinkäufen machen würde. Eine Hand auf dem Griff der Waffe, was auch immer es für eine sein mag, die andere - außerhalb der Tüte - um etwas gekrümmt, das man für einen Laib Brot halten könnte, Brot, das hervorragend zur Suppe passen würde, aber in Wirklichkeit ein mit Mineralwolle und Gummi-Ummantelung bestückter leistungsstarker Schalldämpfer ist.

Seine Armbanduhr piept.

Neun Uhr.

Er zieht den Abzug durch.

Mit einem zischenden Geräusch arbeitet sich die Geschossgarbe die Rolltreppe hinunter, durch die Fahrgäste, die unter dem Beschuss nach vorne taumeln. Mit einem Mal wird das pst pst pst der Maschinenpistole von Schreien übertönt.

»Oh Gott, Achtung, mein Gott was ist denn los, ich bin verletzt, ich falle.« Ach, all so was.

Pst pst pst.

Dazu das grässliche Knallen der Fehlschüsse, der Kugeln, die auf Metall und Fliesen treffen. Dieses Geräusch ist unangenehm laut. Die Treffer klingen viel gedämpfter.

Alle Leute drehen sich um, niemand weiß, was eigentlich geschieht.

Auch der Digger sieht sich um. Alle runzeln verwirrt die Stirn. Auch er runzelt verwirrt die Stirn.

Keiner kommt auf den Gedanken, dass hier geschossen wird. Sie glauben, jemand sei gestürzt und habe eine Kettenreaktion ausgelöst, in deren Folge die Leute aufeinander fallen und die Rolltreppe hinunterpurzeln. Scheppern und Krachen, wenn Handys, Aktenmappen und Sporttaschen den Händen der Opfer entgleiten.

Die hundert Schuss sind in wenigen Sekunden weg.

Niemandem fällt der Digger auf, der sich wie alle anderen verdutzt umschaut.

Und dabei die Stirn runzelt.

»Schnell einen Krankenwagen Polizei, Polizei, großer Gott dieses Mädchen braucht Hilfe, sie braucht Hilfe, kann denn keiner helfen o mein Gott, er ist tot um Gottes willen, ihr Bein, ihr Bein, mein Kind, mein Kind .«

Der Digger lässt die Einkaufstüte sinken. Sie hat nur am Boden, dort, wo die Kugeln herausgekommen sind, ein kleines Loch. In der Tüte liegen die vielen heißen Metallhülsen.

»Abschalten, abschalten, schaltet die Rolltreppe aus, o mein Gott, so helft doch die Rolltreppe anhalten, sie werden alle zerquetscht .«

Und all so was.

Der Digger sieht hin. Weil alle hinsehen.

Aber es ist nicht leicht, in die Hölle zu blicken. Unter ihm stapelt sich ein Haufen blutiger Körper, wird immer höher, die Leiber winden sich . Manche leben noch, andere sind tot, einige versuchen verzweifelt, sich aus dem ständig wachsenden Haufen am Fuß der Rolltreppe herauszuarbeiten.

Der Digger schiebt sich vorsichtig rückwärts in die Menge. Und dann ist er verschwunden.

Er ist sehr gut im Verschwinden. »Wenn du gehst, mach es wie ein Chamäleon«, hatte der Mann gesagt, der ihm alles sagt. »Weißt du, was ein Chamäleon ist?«

»Eine Eidechse.«

»Genau.«

»Die ihre Farbe verändert. Habe ich im Fernseher gesehen.«

Der Digger auf den überfüllten Bürgersteigen. Leute rennen hin und her. Komisch.

Komisch .

Niemand bemerkt den Digger.

Der wie du und ich und eigentlich völlig unauffällig aussieht, mit einem Gesicht, weiß wie ein Morgenhimmel - oder dunkel wie der Eingang zur Hölle.

Im Gehen - langsam, langsam - denkt er an sein Motelzimmer. Wo er die Pistole nachladen, die Mineralwolle im Schalldämpfer austauschen und sich dann mit einer Flasche Wasser und einem Teller Suppe in seinen gemütlichen Stuhl setzen wird. Dort bleibt er dann bis zum Nachmittag sitzen und ruht sich aus, und dann - es sei denn, der Mann, der ihm alles sagt, lässt ihm eine Nachricht zukommen, die ihn davon abhält - zieht er wieder seinen langen schwarzen oder blauen Mantel an und geht hinaus.

Um das, was er eben getan hat, wieder zu tun.

Es ist Silvester. Und der Digger ist in der Stadt.

Während immer mehr Krankenwagen zum Dupont Circle rasten und Rettungsmannschaften sich durch den entsetzlichen Berg von Körpern in der Metro-Station gruben, spazierte Gilbert Havel ungefähr drei Kilometer entfernt in Richtung Rathaus.

An der Ecke Fourth und D Street, neben einem schlafenden Ahornbaum, blieb Havel stehen, öffnete den Briefumschlag, den er bei sich trug und las die Mitteilung ein letztes Mal durch.

Bürgermeister Kennedy -

Das Ende...

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