Run - Sie jagen dich

Thriller
 
 
Piper ebooks (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. Dezember 2017
  • |
  • 448 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
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978-3-492-97876-7 (ISBN)
 

Im Kampf um Recht und Gerechtigkeit setzt er alles aufs Spiel?...

Hurrikan Katrina wütet über New Orleans. Ex-Geheimagent John Milton findet gerade noch Unterschlupf bei einer Familie, bevor die Naturkatastrophe über ihn hinwegrast. Als er erfährt, dass die Familie bedroht wird, zögert er keine Sekunde und bietet seinen Schutz an. Doch die Ermittlungen führen ihn in ein Netz aus Intrigen und Korruption - und zu einem alten Bekannten, der auf Auftragsmorde spezialisiert ist.

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Piper ebooks in Piper Verlag
  • 1,14 MB
978-3-492-97876-7 (9783492978767)
3492978762 (3492978762)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Mark Dawson wurde in Suffolk, Großbritannien, geboren. Nach verschiedenen Aushilfsjobs entschloss er sich, Jura zu studieren, und arbeitete anschließend zehn Jahre lang als Anwalt in London. Momentan ist er in der Filmbranche tätig und lebt mit seiner Frau und zwei Kindern im Südwesten Englands.

Kapitel 1

John Milton spähte angestrengt durch den Regen, der auf die Windschutzscheibe prasselte, und versuchte, die schlimmsten Schlaglöcher auf der schlammigen Straße zu umfahren. Inzwischen war er seit sechs Stunden unterwegs; anfangs hatte er im dichten Verkehr festgesteckt - endlose Fahrzeugkolonnen mit Leuten, die wie er aus der Stadt flüchteten -, dann war er wegen der schlechten Straßen, der eingeschränkten Sicht und der Tatsache, dass er sich in der Gegend nicht auskannte, nicht vorwärtsgekommen. Er fuhr an einer Weggabelung vorbei, bremste und parkte am Straßenrand. Inzwischen hatte sich die Straße zu einem Feldweg verjüngt, der durch ein Wäldchen aus moosbehangenen Zypressen und pfeilgerade ins Herz des Sumpfs führte.

Laut Wegbeschreibung sollte er nach einem großen roten Ahorn Ausschau halten.

Er entdeckte ihn direkt neben der Straße.

Er war vor einer Woche in New Orleans eingetroffen, gerade als die Meteorologen Katrina ihren Namen gegeben und die Bewohner der Stadt gewarnt hatten, dass der Tornado direkt auf sie zuhielt. Zu Anfang hatten die Leute noch darüber gelacht, und Milton hatte an jeder Ecke gehört, dass es dieses Mal auch nicht anders ausgehen würde als bei all den anderen Stürmen, die hier aufs Festland getroffen waren. Aber dann waren die Vorhersagen immer apokalyptischer geworden, die Experten hatten Katrina zu einem Hurrikan der Kategorie fünf hochgestuft und gewarnt, dass er ernsthaft zerstörerische Ausmaße annehmen würde. Der Bürgermeister und die Gouverneurin hatten Evakuierungsbefehl gegeben, und langsam, aber sicher hörten die Leute sogar auf die Warnungen. Bis Norco wälzten sich die Autos Stoßstange an Stoßstange, und auch danach zogen sich die Kolonnen bis zur Ausfahrt in Laplace, ehe der Verkehr endlich wieder floss und Milton das Sumpfgebiet ansteuern konnte.

Hurrikane wie diesen hatte Milton schon öfter erlebt, deshalb wusste er genau, was sie anrichten konnten. Manche Leute weigerten sich immer noch, die Stadt zu verlassen, und erklärten den Reportern stolz, dass sie sich nicht aus ihren Häusern vertreiben ließen. Milton hatte nur den Kopf über ihre blasierte Dummheit geschüttelt. Hätte er die Wahl gehabt, er hätte sein Haus verlassen. Aber der Mann, auf den er angesetzt war, gehörte auch zu diesen Sturköpfen, die sich weigerten, die Beine in die Hand zu nehmen, und deswegen musste er ebenfalls bleiben.

Milton warf einen letzten Blick auf seine Wegbeschreibung. Zuerst war er seinem GPS gefolgt und hatte dann, als das nicht mehr weiterhalf, auf die schriftliche Beschreibung zurückgegriffen, die er verbrennen würde, sobald er sein Ziel erreicht hatte.

Er stieg aus und trat auf den schlammigen Straßenrand und war innerhalb kürzester Zeit pitschnass. Er öffnete die Beifahrertür und holte die Schaufel heraus, die er bei Walmart besorgt hatte, legte sie sich über die Schulter und marschierte ins Sumpfland.

Er erkannte die Stelle von dem Foto wieder, das man ihm in London gezeigt hatte. Ein Zypressenhain, der eine kleine Lichtung säumte, mit einem großen, deplatziert wirkenden Felsen in der Mitte.

Milton trat darauf zu, dann machte er drei Schritte zurück auf die Lichtung und begann zu graben. Die Erde hatte sich bereits mit Wasser vollgesogen, sodass sich die Schaufel ohne große Mühe durch die Grasnarbe stoßen ließ. Er rammte das Blatt in die Erde, drückte es mit dem Stiefel hinunter, hob den nassen Erdbatzen heraus und schleuderte ihn hinter sich. Innerhalb kürzester Zeit war er schlammverschmiert. Nach zehn Minuten hörte er ein metallisches Geräusch. Er schätzte die Ausmaße des Gegenstands ab und hob dann rundherum so viel Erdreich aus, dass er ihn mit den Händen herausziehen konnte.

Es war ein Metallschrank, anderthalb Meter hoch, dreißig Zentimeter breit, mit massiven Beschlägen und einem großen Vorhängeschloss. Milton zog einen Schlüssel aus der Tasche und öffnete es.

Als Erstes sah er das M16-Sturmgewehr, nahm jedoch zuerst das restliche Sortiment in Augenschein: ein gewöhnliches Gewehr, Maschinenpistolen, halbautomatische Waffen. Schachteln mit Munition in diversen Kalibern, Nachtsichtbrillen, Zielfernrohre für Scharfschützengewehre, Überwachungs- und Spionageabwehrtechnik und verschlüsselte Satellitentelefone. Und dann noch über eine Million Dollar in kleinen und großen Scheinen, in mehrere wasserdichte Plastiktüten eingeschweißt.

Milton brauchte nichts Ausgefallenes. Er ließ die schwere Artillerie links liegen und nahm sich eine Sig Sauer P226, ein diskretes Schulterholster und ein zweites Magazin. Er zog seine Lederjacke aus, legte das Schulterholster an, schob die Waffe hinein und ließ das Magazin in die Innentasche seiner Jacke gleiten. Außerdem nahm er eine .25 NAA Guardian mit einem Holster, das sich per Klettband am Fuß befestigen ließ. Er schlüpfte in eine andere Jacke, legte das Vorhängeschloss wieder vor und schob den kleinen Spind in die Grube zurück.

Am Ende griff er nach seiner Schaufel und schüttete alles wieder zu.

Der Regen fiel. Ströme. Reißende Flüsse. Die reinste Sintflut. Das Wasser lief von den Dächern und rauschte durch die Rinnsteine in die mittlerweile überfließenden Gullys. Es spritzte aus Regenrinnen, hinterließ tückische Riesenpfützen mitten auf der Straße, durchtränkte Beete mit Hibiskus- und Bananenpflanzen und Palmen, flutete Hortensien, prasselte immer heftiger und heftiger herunter, bis es kaum schlimmer werden konnte. Aber es wurde trotzdem schlimmer.

John Milton brachte den Mietwagen am Straßenrand zum Stehen, stellte den Motor ab und lauschte dem Tosen des Sturms, der von Minute zu Minute zulegte. Vom Balkon im zweiten Stock eines Wohnblocks wurde ein Blumentopf heruntergerissen, dessen Scherben über die überspülte Straße flogen. Die Holzteile des Zauns zwischen den Wohnblöcken ratterten und klapperten, während sich allmählich die Nägel lockerten, sodass die Einzelteile demnächst durch die Luft fliegen würden.

Und dann - als hätte jemand einen Schalter umgelegt - hörte der Regen auf.

Er öffnete die Autotür, stieg aus und warf einen kritischen Blick zum Himmel. Der Sturm schob sich weiter über den Golf von Mexiko. Angeblich sollten die ersten Ausläufer in wenigen Stunden hier sein. Die Luft fühlte sich bereits klamm und feucht an, es roch nach Salzwasser und nassen Pflanzen, als wäre der Ozean näher an die Stadtgrenzen gerückt. Es war Samstagabend, und Straßen, in denen normalerweise jetzt Hochbetrieb geherrscht hätte, lagen menschenleer und verlassen da. Die indigoblaue Kuppel der Dämmerung war gelb und blutrot geädert; als wäre die Sonne noch nicht verschwunden, sondern plante einen spektakulären Sonnenuntergang, um dem Wüten des Sturms etwas entgegenzusetzen. Milton hielt einen Moment inne und blickte in Richtung Süden, in die tiefere Dunkelheit, die sich über dem Golf zusammenzog; er spürte die prickelnde Elektrizität in der Luft. Der Sturm war noch nicht bereit. Er hatte noch nicht begonnen. Sondern holte erst einmal tief Luft.

An der Rezeption des Intercontinental sah sich der Concierge gerade den Bericht eines Lokalsenders im Fernsehen an. Eine Radaraufnahme des Hurrikans wurde gezeigt, während der Sprecher die Anwohner aufforderte, die Küste zu verlassen. Der Sturm sah aus wie ein riesengroßes, bösartiges Windrad.

»Nachrichten für mich da?«

Der Mann schaute auf und sah den Schlamm auf Miltons Kleidern.

»Ich weiß«, sagte Milton und schüttelte den Kopf. »Ich bin ausgerutscht, ich gehe mich gleich umziehen. Nachrichten für mich?«

»Nein, Sir.«

Die Falten im Gesicht des Mannes sprachen von seinem Alter und all den anderen Stürmen, die er erlebt haben musste. »Hat der Wind Sie erwischt?«

Milton nickte. »Unglaublich, was der für eine Kraft hat.«

»Noch ist es nicht vorbei«, meinte der Concierge. »Das war noch gar nichts.«

Schweigend ließen sie den Augenblick auf sich wirken, in düsterer Vorahnung, dass bald etwas Schlimmes geschehen würde.

»Nein«, sagte Milton.

»Sie sollten im Gebäude bleiben, Sir. Hier kann Ihnen nichts passieren. Ich habe mit den Jungs unten in der Küche gesprochen, die haben jede Menge Lebensmittel und Wasser, und im Keller steht ein großer alter Generator, für den Fall, dass der Strom ausfällt.«

»Gut zu wissen.«

»Wollen Sie einen Drink? Geht heute Abend aufs Haus.«

»Danke«, sagte Milton. »Könnte gut sein, dass ich darauf zurückkomme.«

Milton hatte sich eine Suite im obersten Stockwerk genommen. Er nahm das Holster mitsamt Waffe ab und hängte es über eine Stuhllehne. Dann zog er seine pitschnasse Lederjacke aus, nahm sich eine Flasche Bier aus der Minibar und trat vor das große Panoramafenster. Er war im zehnten Stock, oberhalb der umstehenden Gebäude, das einen atemberaubenden Blick über die Dächer der Stadt bot. Milton hatte ein ungutes Gefühl - nicht nur wegen des Hurrikans. Sondern wegen des Auftrags, der ihn hergeführt hatte.

Wegen des Mannes, zu dessen Liquidierung Control ihn hergeschickt hatte.

Milton hatte seine eigene Art, damit umzugehen: Er dachte nicht über die Männer und Frauen nach, deren Ermordung man ihm auftrug, sondern wollte bloß die Informationen, die er brauchte, um zu gewährleisten, dass sie sich so schnell wie möglich von dieser Welt verabschiedeten. Er wollte nichts über ihre Familien wissen, über ihre Geschichte, über die Menschen, die sie vermissen würden, wenn sie tot waren. Doch es sprang ihm aus jeder zweiten Zeile ihrer Akten entgegen, und er war viel zu sehr Profi, um...

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