Dorian Hunter 49 - Horror-Serie

Blut für Lukretia
 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 14. Juli 2020
  • |
  • 64 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7325-9893-9 (ISBN)
 
Coco vernahm einen unmenschlichen Schrei und riss die Augen auf. Einen Augenblick lang war der Mond von einem riesigen Geschöpf verdeckt, das rasch näher kam. Es war eine Vampirfledermaus mit gewaltigen Flügeln und einem halbmenschlichen schwarzen Körper. Die scharfen Krallen des Vampirs schlugen sich in den Rücken des Mannes, der den glühenden Dolch hielt. Sie rissen den Mann hoch, der Dolch entfiel seinen Händen, und dann hörte man das Krachen zersplitternder Knochen. Das ist die versprochene Hilfe der Oppositionsdämonen!, dachte Coco erleichtert. Dorian Hunter und Coco sind dem Monstrum Tangaroa entkommen und versuchen über Manila und Bangkok, zurück nach Europa zu gelangen. Um sich vor Olivaro zu verbergen, nimmt Dorian dabei ­erneut die Hilfe der Oppositionsdämonen in Anspruch - aber steht die blutsaugende Dämonin Lukretia wirklich auf ihrer Seite?
1. Aufl. 2020
  • Deutsch
  • Köln
  • |
  • Deutschland
  • 2,70 MB
978-3-7325-9893-9 (9783732598939)

1. Kapitel


»Ich glaubte, dass du selbst Coco und den Dämonenkiller fangen wolltest, Olivaro.«

Olivaro blieb vor dem unscheinbaren Dämon stehen, und seine Miene verfinsterte sich. »Stimmt«, gab er zu. »Aber ich habe einen Fehler gemacht.«

Kadron war überrascht. In den vielen Jahren, die er Olivaro kannte, hatte der selbsternannte Herr der Schwarzen Familie noch nie einen Fehler zugegeben.

»Es war falsch, dass ich Tangaroa erweckte«, fuhr Olivaro fort.

Olivaro hatte das Monster geweckt, um der Schwarzen Familie einen Beweis seiner Macht zu geben, doch das war gründlich daneben gegangen. Sogar die mit ihm verbündeten Dämonenfamilien - an ihrer Spitze der mächtige Te-Ivi-o-Atea - waren entsetzt gewesen und hatten ihn bestürmt, das Monster zu töten. Es war ihm nichts anderes übrig geblieben, da das Ungeheuer immer mehr seiner Kontrolle entglitten war. Diesen Fehlschlag hätte er noch verschmerzen können. Aber noch mehr störte ihn, dass Coco und der Dämonenkiller im letzten Augenblick von einem Hubschrauber gerettet worden waren.

Kadron schwieg. Er kannte Olivaros Probleme. Einige der mächtigsten Sippen, die vor wenigen Tagen neutral gewesen waren, stellten sich nun offen gegen Olivaro. Und die wenigen Familien, die noch zu Olivaro hielten, waren unsicher geworden. So wie es im Augenblick aussah, war die Situation für Olivaro alles andere als rosig. Er würde sich etwas Besonderes einfallen lassen müssen, um dem Lauf der Dinge eine andere Richtung zu geben. Olivaro war es seinem Ruf schuldig, dass Coco Zamis und Dorian Hunter getötet wurden.

»Nimmst du den Auftrag an, Kadron?«

»Ja. Es ist eine Aufgabe, die mich reizt. Viele haben schon versucht, den Dämonenkiller unschädlich zu machen, doch keinem ist es bisher gelungen. Ich werde ihn und Coco gefangen nehmen.«

»Unterschätze Hunter nicht, Kadron!«

»Ich unterschätze meinen Gegner nie, Olivaro. Deshalb habe ich immer meine Aufträge erfüllt. Ich weiß, dass Hunter gefährlich ist. Und ich weiß auch, dass er in vielen Fällen Glück gehabt hat und nur deshalb am Leben geblieben ist. Asmodi machte auch den Fehler, dass er Hunter unterschätzte. Anfangs sah er belustigt zu, wie Hunter seine Brüder tötete. Das war ein großer Fehler. Er hätte sofort zuschlagen sollen, doch er hielt sich zurück. Und dann war es zu spät. Er selbst wurde durch einen von Hunters Tricks hereingelegt und fand dabei den Tod. Ich werde vorsichtig sein.«

»Hunter hat sich mit einigen Familien verbündet, die mir feindlich gegenüberstehen«, sagte Olivaro.

»Ich weiß«, meinte Kadron. »Ich werde nichts übereilen, sondern alles ganz genau prüfen und dann einen Plan entwickeln. Wo steckt Hunter im Augenblick?«

»In Thailand.«

»Was ist mit Coco?«

Olivaros Miene verdüsterte sich. Der Gedanke an Coco versetzte ihn in Wut. »Sie hat einige ihrer Fähigkeiten als Hexe zurückgewonnen.«

»Auch die Spezialität der Familie Zamis?«

»Du meinst den rascheren Zeitablauf?«

»Genau«, sagte Kadron.

Olivaro zuckte mit den Achseln. »Es gab Tage, da verfügte sie über ungewöhnliche Fähigkeiten. An anderen Tagen war sie mehr oder minder hilflos. Ich vermute, dass es etwas mit ihrer Schwangerschaft zu tun hat.«

»Das werde ich herausfinden.« Kadron stand auf. »Die Jagd auf Hunter und Coco kann beginnen.«

Die Luft flimmerte, und seine Gestalt wurde durchscheinend, dann löste sie sich auf.

Olivaro setzte sich und schloss die Augen. Kadron hatte noch bei keinem Auftrag versagt. Er würde auch diesmal Erfolg haben. Olivaro schob den Gedanken an Coco und Hunter zur Seite. Er musste den Kampf gegen die feindlichen Dämonenfamilien weiterführen, und dieser Kampf beanspruchte seine ganzen Kräfte. Aber er hoffte noch immer, dass er als Sieger hervorgehen würde.

Dorian hatte lange gezögert, ob er sich mit den Oppositionsdämonen in Verbindung setzen sollte. Nun hatte er sich doch dafür entschieden. Zu seinem größten Erschrecken hatte Coco fast alle magischen Fähigkeiten verloren, sie traten nur noch sporadisch und unkontrollierbar auf. Und mit jedem Tag wurden sie geringer. Coco war für ihn keine Hilfe mehr.

In Manila hatten sie sich neu eingekleidet und waren einige Tage im Hotel geblieben. Dorian befürchtete, dass jeder seiner Schritte von Olivaros Spitzeln überwacht wurde. Er hatte Angst davor, auf direktem Weg nach London zu reisen. Schließlich hatten sie beschlossen, nach Bangkok zu fliegen. Sie hatten verschiedene Tricks versucht, um ihre Verfolger abzuschütteln. In Bangkok hatten sie sich in einem einfachen Hotel einquartiert. Dorian hatte einen VW gemietet und einige Gegenstände gekauft, die er unbedingt benötigte, um mit den Oppositionsdämonen in Verbindung zu treten.

Er stand am Fenster und blickte auf die Straße hinunter. Er musste warten, bis es dunkel wurde. Die Beschwörung konnte er nicht in einem geschlossenen Raum durchführen, sondern nur im Freien. Er drehte sich langsam um und sah Coco lächelnd an. Sie saß nachdenklich auf dem Bett. Das ausdrucksvolle Gesicht mit den hohen Backenknochen, den grünen Augen und das lange, pechschwarze Haar gaben ihr ein leicht exotisches Aussehen. Die Schwellung ihres Bauches war nicht mehr zu übersehen.

Es kam dem Dämonenkiller noch immer wie ein Wunder vor, dass sich Coco wieder an seiner Seite befand.

»Woran denkst du?«, fragte er.

Coco hob den Kopf. »Ich bin mir nicht sicher, ob es tatsächlich eine gute Idee ist, dass du die Oppositionsdämonen anrufst, Dorian.«

Der Dämonenkiller seufzte. »Es bleibt uns keine andere Wahl, Coco«, sagte er und setzte sich neben Coco. »Wir wissen nicht, was Olivaro beabsichtigt. Aber ich bin mir sicher, dass er unsere Spur nicht verloren hat - ich traue ihm jede Teufelei zu. Wir brauchen Hilfe.«

Coco nickte langsam. »Alles wäre einfacher, wenn ich meine Fähigkeiten gezielt einsetzen könnte.«

»Wir müssen uns damit abfinden«, sagte Dorian und nahm Cocos Hände in die seinen. »Und nur die Oppositionsdämonen können uns helfen.«

»Ob sie uns helfen werden?«, fragte Coco leise. »Du bist für sie unwichtig geworden.«

»Solange Olivaro nicht tot ist, können sie mich noch immer gegen ihn einsetzen.«

Coco schüttelte den Kopf. »Das bezweifle ich. Ich glaube, dass Olivaros Tage als Herr der Schwarzen Familie gezählt sind. Seine Position ist zu sehr angeschlagen.«

»Stimmt. Und deshalb glaube ich auch, dass ich Hilfe von den Oppositionsdämonen erhalten werde.«

»Und worauf stützt du deinen Optimismus?«

»Das ist ganz einfach. Olivaro muss uns töten, das steht fest. Wir brauchen nicht damit zu rechnen, dass er sich in irgendeiner Weise zurückhalten wird. Wir sind zu einer reinen Prestigeangelegenheit für ihn geworden. Es wäre zweifellos ein Plus für ihn, wenn er uns töten könnte. Die Oppositionsdämonen sind kühle Rechner, sie werden es unter keinen Umständen zulassen, dass Olivaro auch nur den kleinsten Vorteil aus einer Situation zieht. Deshalb bin ich sicher, dass sie uns helfen werden. Sie helfen uns nicht, weil sie dich und mich ins Herz geschlossen haben, sondern nur, weil es in ihre Pläne passt.«

»Deine Vermutung hat etwas für sich«, sagte Coco.

»Und wir gehen dabei kein Risiko ein. Wir können nur gewinnen.«

An der Tür wurde geklopft. Dorian stand auf. Die rechte Hand schob er in die Tasche und umklammerte die entsicherte Pistole. »Wer ist da?«

»Ich bringe das Essen, Sir.«

Dorian drehte den Schlüssel um und riss die Tür ruckartig auf. Dabei trat er einen Schritt zur Seite. Ein freundlich lächelnder Kellner stand mit einem Servierwagen vor der Tür. Dorian ließ die Pistole los und griff nach dem Wagen.

»Wir bedienen uns selbst«, sagte er und drückte dem Kellner einen Fünfzig-Baht-Schein zu, den dieser einsteckte und sich tief verbeugte.

Dorian sperrte die Tür ab und schob den Servierwagen zum Tisch. Er hatte ein einfaches Mahl bestellt, aber das schien es in Thailand für Ausländer nicht zu geben. Mehr als zehn verschiedene Speisen befanden sich auf dem Wagen. Während sie aßen, wurde es langsam dunkel. Für Coco und Dorian waren die Speisen nichts Ungewohntes, da sie in London häufig thailändische, indische und chinesische Restaurants besuchten.

Besonders gut schmeckte der Kao Pad, gebratener Reis, und das süßsaure Rindfleisch. Dazu tranken sie deutsches Bier. Zu Dorians größter Überraschung hatte Coco einen gesegneten Appetit. Nach einer halben Stunde waren die vielen Tassen und Schüsseln bis auf einige Bissen leer.

Der Kellner hatte eine englischsprachige Abendzeitung, die Bangkok World, mitgebracht. Noch immer beschäftigte sich die Presse mit Tangaroa. Wie üblich waren sich die Wissenschaftler nicht einig....

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