John Sinclair - Folge 1727

Der Schrecken von Dartmoor
 
 
Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 16. August 2011
  • |
  • 64 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8387-1044-0 (ISBN)
 
Eine solche Nacht konnte nur der Teufel erschaffen! Sie war düster, aber nicht völlig dunkel. In der Ferne und über dem Sumpf, wo ein Gebilde von Wolken den Himmel bedeckte, zeigten sich einige Lücken, in denen ein gelbliches Licht glühte, als hätte der Höllenherrscher dort Schwefel zum Brennen gebracht. Es war zudem eine Nacht, in der die alten Mythen wieder zum Leben erwachten. Böse Geschichten, die Menschen dazu zwangen, sich in ihren Häusern zu verstecken und darüber zu sprechen, was früher passiert war und noch passieren würde -
1. Aufl. 2011
  • Deutsch
  • 0,73 MB
978-3-8387-1044-0 (9783838710440)
3838710444 (3838710444)
(S. 7-8)

Erica jubelte. Nur nicht nach außen, sondern innerlich. Sie steckte voller Freude, denn mit dieser Wendung hatte sie nicht gerechnet. Es war einfach sagenhaft. Man hatte sie doch nicht im Stich gelassen, und darüber konnte sie sich einfach nur freuen. Jetzt gab es wieder eine Zukunft für sie. Dieser Abend und auch der Anfang der Nacht waren schon etwas Besonderes. Sie dachte daran, dass sie mit ihrer Tochter telefoniert hatten. Es war so wunderbar gewesen, schon da hatte sie gespürt, dass etwas im Anmarsch war. Und jetzt das hier! Das Tier war gekommen. Diese Ziegenbockfratze mit den Glutaugen und den Hörnern, die aus der blanken Stirn wuchsen. Die dünne Haut über den Knochen, die wie Pergament wirkte.

Das fette und widerliche Grinsen des Mauls, die knochige Nase mit den breiten Nüstern. Ja, das war er, das musste er einfach sein. Das Fenster war noch immer geöffnet. Sie sah den Besucher nicht nur in der Nähe. Sie hörte ihn auch. Es war ein Schnaufen und ein Stöhnen, eine Melodie, die wohlige Schauer in ihr auslösten. Sie nickte dem Besucher zu und flüsterte: »Du hast uns nicht im Stich gelassen – oder?« Das Maul grinste noch breiter. »Können wir uns auf dich verlassen?«

»Ja …« War es eine Antwort gewesen oder hatte sie sich diese nur eingebildet? Es war eine Antwort gewesen, und sie machte ihr Mut. In ihrem Kopf drehten sich die Gedanken, die allerdings kein klares Ergebnis brachten. Und das blieb auch so, denn die Gestalt zog sich zurück, ohne sich verabschiedet zu haben. Die Dunkelheit nahm sie auf, und Erica schaute ihr mit leuchtenden Augen so lange nach, bis sie nicht mehr zu sehen war. Erst dann drehte sie sich um. Winston saß weiterhin auf seinem Platz. Aber sein Blick war jetzt klarer geworden. Eine Frage musste er nicht stellen, er erhielt auch so eine Antwort.

»Wir haben Besuch gehabt, Winston. Hast du es gesehen?« »Nein, nicht richtig. Aber ich sehe, dass du sehr zufrieden bist, meine Liebe.« »Das bin ich auch, denn nun weiß ich, dass man uns nicht vergessen hat. Er war da.« Sie nickte. »Ja, er! Kannst du dir das vorstellen, Winston?« »Du sprichst von unserem besonderen Freund?« »Genau. Vom Tier. Und ich weiß, dass sich die Zeiten ändern werden. Nicht in dieser Nacht, aber in einer der nächsten. Davon bin ich fest überzeugt.« Winston Fox gab keine Antwort. Er wusste, dass er nur die zweite Geige spielte. Seine Frau war stärker als er, aber auch sie hatte es nicht geschafft, die Tochter zu halten, die ihren eigenen Weg gegangen war und nun in London lebte. Als Polizistin, deren Eltern in einer psychiatrischen Klinik eingesperrt waren. »Worauf muss ich mich denn einrichten, Erica?«

»Es ist ganz einfach. Richte dich darauf ein, dass wir bald ein neues Leben beginnen können. Man hat uns nicht vergessen. Man hat nur so lange gewartet, bis die Zeit reif ist. Und jetzt ist sie reif, das spüre ich.« Winston nickte ihr zu. Er hätte sich eigentlich freuen müssen, was er nicht konnte. Schon einmal hatten sie voll und ganz auf die andere Seite gesetzt, was ihnen leider nichts eingebracht hatte. Genau deshalb kamen ihm die Bedenken. Denn wo Licht ist, da ist auch Schatten …

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