John Sinclair - Folge 1714

Der Cockpit-Dämon
 
 
Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 17. Mai 2011
  • |
  • 64 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8387-0794-5 (ISBN)
 
Das wärmere Wetter hatte die Eisschicht auf dem kleinen See aufgebrochen. Allerdings war die Wasseroberfläche noch nicht überall frei, sodass Suko und ich mit den Ruderstangen die Eisschollen zur Seite schieben mussten. Unser Ziel lag an der anderen Seeseite. Ein schlichtes Bootshaus. Bisher war alles reibungslos verlaufen und wir rechneten auch nicht mit irgendwelchen Problemen, als ich Sukos Stimme hörte. »Verdammt, John, da ist was!«
1. Aufl. 2011
  • Deutsch
  • 0,78 MB
978-3-8387-0794-5 (9783838707945)
383870794X (383870794X)
"(S.  5-6)

Es war ein Mann, und er war nicht nackt. Die Kleidung klebte an ihm wie ein grauer Anstrich, und selbst das Gesicht hob sich kaum davon ab. Der Tote lag auf dem Rücken. Die Arme waren leicht nach unten gesunken, und so schaukelte er auf den allmählich auslaufenden Wellen langsam hin und her. »Ja«, sagte Suko, »das ist schon eine Überraschung.« Er hatte damit den Nagel auf den Kopf getroffen. Für mich war die eigentliche Überraschung unser Handeln, denn wir hatten uns da auf etwas eingelassen, ohne zu wissen, wie es enden würde. Wir waren einem Telefonanruf gefolgt und in diese einsame Gegend gefahren, wo es diesen kleinen See gab. Im Sommer sicherlich ein wunderbares Wanderziel.

Jetzt aber – im Winter – sah alles trist aus, und wir waren auch die einzigen Menschen weit und breit. Tja, der Anruf! Eine Stimme, die weder Suko noch ich kannten. Der Anrufer wusste jedoch über uns Bescheid, sonst hätte er uns nicht hergeschickt. Wir hatten zuerst nicht fahren wollen, dann jedoch den Ernst und die Dringlichkeit in seiner Stimme gehört. Dass alles dringlich war und auch gefährlich werden konnte. Wir hatten den Anrufer natürlich nach seinem Namen gefragt. »Ihr kennt mich!« Das war die Antwort gewesen. Bis jetzt hatten wir ihn nicht gesehen, aber wir hatten uns darauf eingelassen, waren hergefahren und hatten uns in das Boot gesetzt, um zum Bootshaus hinüber zu rudern. Es war eigentlich Unsinn, denn wir hätten uns auch am jenseitigen Ufer treffen können. Der Anrufer hatte aber darauf bestanden, dass wir über den See fuhren, und jetzt wussten wir auch, warum er das verlangt hatte.

Da das Gesicht unter Wasser lag, war es nicht besonders deutlich zu sehen. Irgendetwas störte mich jedoch. Ich wusste, dass diese Gestalt mir unbekannt war. Trotzdem hatte sie etwas an sich, das mich stutzig werden ließ und mich auch irgendwie nachdenklich machte. Ich schaute auf den Toten. »Fällt dir was auf?« »Nur, dass er tot ist. Wobei ich mich frage, ob er ertrunken ist. Oder man ihn schon tot hier in den blöden Teich geworfen hat.« »Das meine ich nicht.« »Sondern?« »Gute Frage. Ich weiß es nicht, und doch kommt er mir irgendwie bekannt vor, ob du es glaubst oder nicht. Das hier ist der bekannte Unbekannte, wenn du so willst.«

»Da kann ich dir leider auch nicht helfen.« »Dachte ich mir.« Bisher hatte ich die Leiche im Blick gehabt, das änderte ich jetzt, richtete mich auf und ließ meinen Blick über den kleinen See schweifen, bis hin zum Ufer, das an allen Stellen gleich aussah. Dichter Bewuchs, der auch im Winter kaum lichter geworden war. An einigen Stellen ragten ufernah Gräser und Schilfrohre aus dem Wasser. Beides war vom Eis niedergedrückt worden und würde sich wieder aufrichten, wenn das Eis getaut war. Und das Eis bedeckte noch den Großteil des Sees. Die Schollen waren von unterschiedlicher Größe und Form. Überall sahen wir die breiten Risse. Es sah aus, als wäre die Eisfläche von harten Hammerschlägen zertrümmert worden. Suko hielt die Leiche, die halb unter und halb über dem Eis lag, mit der Ruderstange fest. »Was meinst du? Lassen wir den Toten hier im Wasser?«"

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