Ein verführerischer Tanz

Roman
 
 
Blanvalet (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 19. August 2013
  • |
  • 448 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-08970-2 (ISBN)
 
Der hinreißende Auftakt der leidenschaftlichsten Trilogie seit Langem.

Spencer Dumarque, der vierte Duke of Morland, ist in der Londoner Gesellschaft als »Duke of Midnight« berüchtigt - der begehrteste Junggeselle der Stadt tanzt jeden Abend den Mitternachtswalzer mit einer anderen Dame. Doch keine berührt sein Herz. Bis die Wahl auf Lady Amelia d'Orsay fällt, die ihn im Sturm erobert. Doch der Duke hat ein dunkles Geheimnis, und Amelia muss zweifeln: Wird sie ihr Herz an einen rücksichtslosen Salonhelden verlieren oder am Ende doch die immerwährende Liebe finden?

  • Deutsch
  • München
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  • Deutschland
Blanvalet
  • 0,76 MB
978-3-641-08970-2 (9783641089702)
weitere Ausgaben werden ermittelt

1

London, Juni 1817

Brombeersoße.

Amelia d'Orsay biss sich in die Innenseite ihrer Wange und unterdrückte einen kleinen Freudenschrei. Eine junge wohlerzogene Dame kreischte nicht spontan los, denn damit hätte sie die Aufmerksamkeit der Umstehenden auf sich gelenkt, und Amelia hatte wenig Lust, vor den jungen Mädchen, die sie umringten, lange Erklärungen abzugeben und sich den Mund fusselig zu reden. Zumal der Grund für ihre Begeisterung weder ein triumphaler Sieg am Kartentisch war noch ein attraktiver Ehekandidat, der um ihre Hand anhalten wollte, sondern eine geniale Eingebung für eine delikate Soßenkreation.

Sie konnte sich die Reaktion bildhaft vorstellen.

»Oh Lady Amelia«, käme es von den jungen Damen, »wie können Sie in dieser Situation bloß ans Essen denken!«

Bisweilen hatte man eben in den unmöglichsten Momenten einen Geistesblitz, na und? Konnte Amelia etwas dafür, dass sie ausgerechnet in einem Ballsaal stand und ihre Gedanken um die Menüs kreisten, die sie während des Sommeraufenthalts auf dem Land für ihre Familie kochen wollte? Immerhin überlegte sie schon seit Wochen, welche Kreation sie statt der Apfelschnapssoße für den gebratenen Fasan verwenden konnte. Pikant sollte sie sein, ein bisschen ausgefallen, aromatisch, fruchtig und nicht zu süß. Brombeersoße war die Idee! Abgeschmeckt mit einem Hauch Nelkenpfeffer. Oooh, das klang göttlich!

Fest entschlossen, die Zutaten nachher in ihrem Rezeptbuch zu notieren, blendete Amelia die Idee für ihre neue Soße aus und lächelte stillvergnügt in sich hinein. Der Sommer in Briarbank versprach mal wieder perfekt zu werden.

Mrs. Bunscombe rauschte in einer Wolke fuchsiaroter Seide an ihr vorbei.

»Meine Damen, es ist halb zwölf«, flötete die Gastgeberin. »Fast Mitternacht.«

Fast Mitternacht, echote es in Amelias Kopf.

Eine Debütantin mit unschuldigem Engelsgesicht und kunstvoll gerüschten Tüllwogen ergriff Amelias Handgelenk.

»Er kann jeden Moment hier eintreffen. Wie kannst du da so gelassen bleiben? Wenn seine Wahl heute Abend auf mich fällt, falle ich bestimmt in Ohnmacht.«

Amelia seufzte. Es war jedes Mal das gleiche Lied. Auf jedem Ball, sobald es nach halb zwölf war.

»Macht euch keine Gedanken wegen der Konversation«, sagte eine junge Dame in pistaziengrünem Seidenchiffon. »Er redet nicht besonders viel.«

»Kann er überhaupt Englisch? Wie war das noch gleich? Ist er nicht in Abessinien aufgewachsen oder .«

»Nein, nein. Er kommt aus Kanada. Natürlich spricht er Englisch. Mein Bruder spielt öfter mit ihm Karten.« Die zweite junge Frau senkte die Stimme. »Aber er hat was Animalisches an sich, findet ihr nicht? Wie er sich bewegt.«

»Ich finde, du gibst zu viel auf Klatsch«, versetzte Amelia spitzfindig.

»Er tanzt wie ein junger Gott«, schwärmte eine dritte junge Frau. »Beim Walzer mit ihm schwebte ich förmlich über den Boden. Er hielt mich fest an sich geschmiegt, es war traumhaft.«

»Ach ja?« Amelia bedachte sie mit einem nachsichtigen Lächeln.

Erst mit Beginn der diesjährigen Ballsaison war der verschlossene und schwerreiche Duke of Morland in den feinen Londoner Kreisen aufgetaucht. Nur wenige Wochen später lag ihm bereits die ganze Stadt zu Füßen. Auf jedem Ball traf der Herzog um Punkt Mitternacht ein und suchte sich eine Partnerin aus den anwesenden Damen aus. Nach einer Tanzserie begleitete er die Lady zu einem Souper, und dann . verschwand er wieder.

Nicht lange und die Zeitungen ernannten ihn sinnigerweise zum »Duke of Midnight«, und Seine Hoheit wurde zu jedem gesellschaftlichen Ereignis eingeladen. Aus lauter Sorge, ihre Chance bei dem Herzog zu verpassen, verschmähten die unverheirateten Damen die anderen Herren und zeigten ihnen, wenn die Geisterstunde begann, die kalte Schulter. Um den dramatischen Effekt noch zu steigern, stellten die Gastgeberinnen überall Uhren auf und wiesen die Orchester an, um Schlag zwölf zu spielen zu beginnen. Keine Frage, dass die Tanzserie mit einem romantischen langsamen Walzer endete.

Dieses nächtliche Spektakel verschaffte der Crème de la Crème einen köstlichen, fesselnden Nervenkitzel. Auf jedem Ball knisterte die parfümschwere Luft vor Spannung, sobald die Zeiger der Uhr auf Mitternacht vorrückten. Irgendwann, so wurde heimlich spekuliert, würde es einer der reizend unschuldigen Debütantinnen glücken, sich den eisernen Junggesellen zu angeln . und damit Stoff für neue Geschichten liefern. Wie die mittelalterlichen Ritter mit ihrem Versuch, das Sagenschwert Excalibur aus dem Stein zu ziehen.

Stoff gab es allerdings auch so schon genug. Um einen reichen hochrangigen Adligen wie den Duke of Morland rankten sich jede Menge Geschichten.

»Ich hab gehört, er soll wie ein Waldkind in der kanadischen Wildnis groß geworden sein«, sagte die junge Dame in dem pistaziengrünen Seidenchiffon.

»Stimmt, ich hab gehört, dass er ein zerlumpter, unzivilisierter Bengel war, als sein Onkel ihn aufnahm«, bekräftigte die andere. »Und weil er so wild war, ist der arme alte Herzog einem Herzinfarkt erlegen.«

Die Lady in Grün murmelte:

»Mein Bruder hat mir von einem Vorfall in Eton erzählt. Von einer Messerstecherei oder Schlägerei . ich weiß nicht mehr genau. Aber ein Junge wäre fast gestorben, und Morland wurde deswegen der Schule verwiesen. Wisst ihr was, wenn man den Erben eines Herzogs aus dem Internat wirft, muss schon etwas sehr Schlimmes passiert sein.«

»Ihr werdet es nicht glauben«, warf Amelia mit einem theatralischen Augenaufschlag ein. Die Damen neigten sich neugierig zu ihr und spitzten die Ohren. »Ich hab gehört«, flüsterte sie, »dass sich Seine Hoheit in den Vollmondnächten in einen gierigen Werwolf verwandelt.«

Als das verschämte Gekicher ihrer Begleiterinnen verebbte, sagte sie laut: »Also ich begreife nicht, weshalb ihr euch so brennend für ihn interessiert! Der Duke kocht auch bloß mit Wasser.«

»Du würdest anders reden, wenn du mal mit ihm getanzt hättest.«

Amelia schüttelte heftig den Kopf. Sie hatte diesen Ringelpiez mit Anfassen in den letzten Wochen zur Genüge beobachtet, zugegeben mit leichter Belustigung. Denn sie hatte nie darauf spekuliert oder gehofft, selbst einmal die Auserwählte zu sein. Das hatte nichts mit den verbotenen Früchten zu tun, an die man eh nie herankam, nein, ganz bestimmt nicht. Was die anderen jungen Damen faszinierend und romantisch fanden, hielt sie für melodramatischen Unsinn. Pfui Spinne, ein lediger, steinreicher, attraktiver Herzog, der seine Bestätigung suchte, indem er dauernd Frauenherzen brach? Wahrscheinlich war er grotteneitel und dazu ein unausstehliches Brechmittel.

Und seine Auserwählten waren durch die Bank flatterhafte, unbedarfte junge Mädchen in ihrer ersten oder zweiten Ballsaison. Alle zierlich, alle bildhübsch. Da konnte Amelia nicht mithalten.

Schwang da etwa doch ein Hauch von bitterem Neid mit?

War das so verwunderlich? Wenn man wie Amelia bald das heiratsfähige Alter überschritten hatte, durfte die feine Gesellschaft ihr bitteschön zubilligen, dass sie heimlich, still und leise zur alten Jungfer mutierte. Sie mochte nicht daran erinnert werden, dass sie jahrelang aussichtsreiche Ehekandidaten ausgeschlagen hatte. Und wenn der unsägliche Herzog Schlag Mitternacht den Saal betrat und sein Blick direkt an ihr vorbei zu irgendeinem jungen hübschen Dummchen glitt, kam ihr logischerweise die Galle hoch.

Sicher, sie war keine besonders auffällige Erscheinung. Ihre Vermögensverhältnisse waren ebenfalls zu vernachlässigen, und selbst in ihrer ersten Saison hatte Amelia nicht mit bezaubernder Schönheit geglänzt. Ihre blauen Augen waren ein wenig zu hell, und sie wurde bei der kleinsten Kleinigkeit rot. Inzwischen sechsundzwanzig, hatte sie sich damit abgefunden, dass sie ein bisschen zu füllig war.

Unvermittelt stoben die anderen jungen Frauen wie eine Horde schnatternder Flattergänse auseinander.

»Du siehst umwerfend aus, Amelia«, flüsterte eine tiefe Stimme hinter ihr.

Seufzend wirbelte sie herum.

»Jack. Was willst du denn schon wieder von mir?«

Er warf sich in die Brust und machte eine übertrieben tiefe Verbeugung vor ihr.

»Muss ich denn immer gleich was von dir wollen? Kann ein junger Mann seiner über alles geliebten Schwester nicht einmal ohne Hintergedanken ein Kompliment machen, hm?«

»Nicht, wenn es sich bei dem fraglichen jungen Mann um dich handelt. Zudem ist es kein Kompliment für mich, von dir als über alles geliebte Schwester bezeichnet zu werden. Ich bin schließlich deine einzige Schwester. Wenn du Geld von mir willst, musst du es schlauer einfädeln.« Sie schlug einen scherzhaften Ton an und hoffte wider besseres Wissen, dass er protestieren würde: »Nein, Amelia. Ich will kein Geld von dir. Ich spiele nicht mehr und ich trinke nicht mehr und ich habe meine nichtsnutzigen >Freunde< in die Wüste geschickt. Ich studiere wieder. Und gehe in die Kirche, wie ich es unserer Mutter am Sterbebett versprochen hab. Und du siehst heute Abend wirklich bezaubernd aus.«

Nach einem schnellen Seitenblick auf die Umstehenden senkte er die Stimme.

»Hey, bloß ein bisschen Kleingeld. Mehr brauch ich nicht.«

Sie seufzte resigniert. Nicht mal Mitternacht, und seine Augen hatten bereits jenes wilde alkoholberauschte Funkeln, was darauf schließen ließ, dass er irgendetwas Unüberlegtes vorhatte.

Sie löste sich aus der Gruppe der jungen...

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