Die Manöverinszenierungen der Oktober-Revolution in Petrograd

Theatralität zwischen Fest und Ritual
 
 
Narr Francke Attempto (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 12. Dezember 2016
  • |
  • 453 Seiten
 
E-Book | PDF mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7720-5601-7 (ISBN)
 
Zwischen 1917 und 1920 feiert das (bürger)kriegsgeschundene Russland die Stationen der virulenten, allseits bedrohten Revolution in zahllosen Umzügen und grandiosen Freilichtschauspielen. Trotz Elend und Chaos finden Fest und Feiern statt in einem Ausmaß und einer Pracht, die alle Kräfte und ganz Petrograd mobilisieren - und die Erklärung 'Propaganda' und andere Totschlagwörter als logische Rohrkrepierer entlarven. Kernstück der Arbeit sind drei nahezu unbekannte, spektakuläre Aufführungen, deren Handlungsverlauf, Kontext und Wirkungsästhetik hier dank seltener Quellen und Abbildungen gründlich ausgeleuchtet werden. Erstmals wird die kulturelle Rückbindung des revolutionären Aufbruchs als primäre Schubkraft für den immensen Erfolg der Manöverinszenierungen fokussiert: der sozialpolitische 'Perspektivwechsel' gründet in der umgekehrten Perspektive der östlichen Ikonenmalerei, die Feiern übernehmen die Riten der orthodoxen Liturgie, und die Feste tradieren Bräuche des paganen Jahrmarkts. Deren Ästhetik befragt und erneuert den Wertecode, den jeder 'Bauer in Uniform' zuverlässig versteht. Theatralität erweist sich hier einmal mehr als sicheres, produktives Re/Medium für das, was eine Gemeinschaft oder Gesellschaft im Inneren zusammenhält.

Marina Dalügge hat Theaterwissenschaft und Slavistik studiert, und nach zwei Forschungsaufenthalten in St.Petersburg am Institut für Theaterwissenschaft der FU Berlin promoviert. Sie arbeitet heute als Lektorin für Film und Fernsehen
  • Deutsch
  • Tübingen
  • |
  • Deutschland
  • 22,50 MB
978-3-7720-5601-7 (9783772056017)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Marina Dalügge hat Theaterwissenschaft und Slavistik studiert, und nach zwei Forschungsaufenthalten in St.Petersburg am Institut für Theaterwissenschaft der FU Berlin promoviert. Sie arbeitet heute als Lektorin für Film und Fernsehen
  • Intro
  • Inhalt
  • Einleitung
  • 1. Festrahmen und Schwellenphasen
  • 2. "Ausschlag" oder "Wangenröte"?
  • 3. Kontaminationen und Konfrontationen
  • 4. Forschungsstand und Problemstellungen
  • 5. Thesen und Vorgehensweise
  • I. Symptome der Theaterkrise: Von der "Unnötigen Wahrheit" zur "Verneinung von Theater"
  • I.1. "Doppeldeutigkeit" und 'Dilemma' von Revolution (1905) zu Revolution (1917)
  • I.1.1. "Zeitsplitter"
  • I.1.2. Orthodoxie im symbolhaften und instrumentellen Verhalten
  • I.1.3. Kulturkrise: "Doppeldeutigkeit" versus 'Dilemma'
  • I.1.4. Theaterkrise: 'System' und "Synthese"
  • I.1.5. Zeitläufe und Zeitstrukturen: Die Manöverinszenierungen zwischen Ritual / Kulthandlung und Fest / Spektakel
  • I.2. Das Theater als ästhetische Krisenanstalt: Schauspieler und Handlung
  • I.3. Das Theater als soziale Krisenanstalt: Zuschauer und Wahrnehmung
  • I.4. Das Theater und sein Wi(e)dergänger: Der Fall Ajchenval'd
  • II. Gegenkonzepte zur Theaterkrise: Von der "Synthese" zum 'Perspektivwechsel'
  • II.1.1. Von Chören und Solisten
  • II.1.2. "Sobornost'" als Gemeinschaftsbegriff
  • II.1.3. "Sobornost'" als Handlungsbegriff
  • II.1.4. "Sobornost'" und "Communitas"
  • II.1.5. Ivanovs Chorhandlung
  • II.1.6. Die Chorhandlung - Dilemma zwischen Glaubensgemeinschaft und Theatergemeinde
  • II.2. Vsevolodskijs "Dejstvovanie"
  • II.3. Lunacarskijs 'Perspektivwechsel'
  • III. Die Eroberung des öffentlichen Raums
  • III.1. Zeitsprünge
  • III.2. (Bürger)Krieg und (Diktat)Frieden: die Akteure
  • III.3. Das "Mythologische Bewusstsein"
  • III.4. Krieg und Kunst: vom "Ort" zum "Raum"
  • III.5. Der 'mythologische Marsch'
  • III.6. Vom "Raum" zum "Ort"
  • IV. DER STURZ DER SELBSTHERRSCHAFT
  • IV.1. Die "inscenirovka" als Szenarium eines Soziotops
  • IV.2.1. Handlungsverlauf des STURZES im geschlossenen Raum
  • IV.2.2. Handlungsverlauf des STURZES unter freiem Himmel
  • IV.3. Bezugsrahmen und Subtext
  • IV.4. Bezugsgröße: Der STURZ zwischen "revolutionärer inscenirovka" und Ritual
  • IV.5. Wirkungsästhetik des STURZES:' Manöverhaftigkeit' als "Zeugniswerk" eines Soziotops
  • IV.5.1. Materialität und Ästhetizität
  • IV.5.2. Medialität und Semiotizität
  • V. DIE III. INTERNATIONALE
  • V.1. Vorbemerkung
  • V.2. Skizze des Handlungsverlaufs
  • V.3. Bezugsrahmen und Subtext
  • V.4. Bezugsgrößen: Jahrmarkt, Balagan, Schlachten-Stücke
  • V.5. Wirkungsästhetik der III. INTERNATIONALE: 'Manöverhaftigkeit' als Spiel- und Funktionslust der Truppen
  • V.5.1. Materialität und Ästhetizität
  • V.5.2. Medialität und Semiotizität
  • VI. DIE ERSTÜRMUNG DES WINTERPALAIS
  • VI.1. Inszenierung eines Coup d'État - Inscenirovka als Coup de théâtre
  • VI.2. Montage des Handlungsverlaufs
  • VI.3. Bezugsrahmen und Subtext
  • VI.4. Bezugsgröße: Die ERSTÜRMUNG als Triumphzug der Bolschewiki
  • VI.5. Wirkungsästhetik der ERSTÜRMUNG: 'Manöverhaftigkeit' als Manövrierbarkeit der Massen
  • VI.5.1. Materialität und Ästhetizität
  • VI.5.2. Medialität und Semiotizität
  • Schlusswort
  • 1. Neue "Grammatik" mit alten "Ismen"
  • 2. Alter Hiatus der neuen Grenzgänger: Masseninszenierung vs. Manöveraufführung, und Begründungen für deren Ende
  • 3. Von "Anführern", Aufführern und "Ausführern"
  • 4. Der Faktor "Zeit" trennt Effektivität von Effizienz
  • 5. Theatralität als Re--Medium gegen kompetitive Raster
  • Literatur
  • Abbildungsnachweise
  • Denken und Danken

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