Kein schönes Land in dieser Zeit

Das Märchen von der gescheiterten Integration
 
 
Random House ebook (Verlag)
1. Auflage | erschienen am 24. November 2011 | 240 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-06141-8 (ISBN)
 
Auf der Suche nach einem Platz zwischen den Kulturen

Er spricht besser Deutsch als viele Deutsche und war der erste Deutsch-Türke im Bundesvorstand einer deutschen Partei. Er hat es als Beinahe-Sonderschüler und als Hauptschüler bis nach Harvard und Yale gebracht, und trotzdem: Als ungebrochene Erfolgsgeschichte sieht Dr. Mehmet Gürcan Daimagüler sein Leben in Deutschland nicht.

Mit seinem Buch bietet Mehmet Gürcan Daimagüler einen spannenden und durchaus selbstkritischen Blick in das Innenleben eines türkischstämmigen Mannes in Deutschland. In provokativen Schlaglichtern erzählt er aus seinem Leben und schlägt den Bogen von seinen persönlichen Erfahrungen zu gesellschaftspolitischer Relevanz. Bei ihm ist das Persönliche politisch und das Politische persönlich.

Mehmet Gürcan Daimagüler schont niemanden, auch nicht sich selbst. Er erzählt von seinen Depressionen und von Gewalt, die er als Opfer und Täter erlebt hat. Dabei bietet er mehr als die Worthülsen, mit denen gegenwärtig oft in Deutschland über Einwanderung und Integration debattiert wird. Und er ist ein deutsch-türkischer Patriot im besten Sinne, dem eine gute Zukunft seiner Heimat, der alten wie der neuen, am Herzen liegt.



Geboren 1968 in Siegen als Sohn türkischer Gastarbeiter studierte er Jura, VWL und Philosophie in Bonn, Kiel, Witten-Herdecke, Harvard und Yale. Er wurde als »World Fellow« der Yale University und als »Littauer Fellow« der Harvard University ausgezeichnet. Er war Berater der Boston Consulting Group und ist als Rechtsanwalt und Strategieberater in Berlin tätig.

Neben seinem Studium war Mehmet Daimagüler Assistent der Bundestagsabgeordneten Gerhart Baum und Burkhard Hirsch. Als Mitglied im Bundesvorstand der FDP war er der erste Türkischstämmige, der in das oberste Beschlussgremium einer deutschen Partei gewählt wurde, noch vor dem Grünen-Politiker Cem Özdemir, seinem ehemaligen WG-Partner. 2007 trat er wegen der einseitigen Fokussierung der Parteispitze auf Steuersenkungsthemen aus der FDP aus.

Das »World Economic Forum« in Davos kürte Mehmet Daimagüler im Jahr 2005 auf Initiative des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder zum »Young Global Leader«.
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Geboren 1968 in Siegen als Sohn türkischer Gastarbeiter studierte er Jura, VWL und Philosophie in Bonn, Kiel, Witten-Herdecke, Harvard und Yale. Er wurde als »World Fellow« der Yale University und als »Littauer Fellow« der Harvard University ausgezeichnet. Er war Berater der Boston Consulting Group und ist als Rechtsanwalt und Strategieberater in Berlin tätig. Neben seinem Studium war Mehmet Daimagüler Assistent der Bundestagsabgeordneten Gerhart Baum und Burkhard Hirsch. Als Mitglied im Bundesvorstand der FDP war er der erste Türkischstämmige, der in das oberste Beschlussgremium einer deutschen Partei gewählt wurde, noch vor dem Grünen-Politiker Cem Özdemir, seinem ehemaligen WG-Partner. 2007 trat er wegen der einseitigen Fokussierung der Parteispitze auf Steuersenkungsthemen aus der FDP aus. Das »World Economic Forum« in Davos kürte Mehmet Daimagüler im Jahr 2005 auf Initiative des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder zum »Young Global Leader«.
Vom Rhein über den großen Teich (S. 145-146)

Am Landgericht

Im Spätsommer 1994 fand ich mich pünktlich morgens um 9.00 Uhr im Landgericht Siegen ein. Meine Vereidigung als Rechtsreferendar stand an. Der Präsident oder der Vize-Präsident des Gerichts stand mit der Verfassung des Landes Nordrhein-Westfalen vor mir und fragte, ob ich den Eid mit oder ohne »religiöse Beteuerung« erklären wolle. Über diese Frage hatte ich gar nicht nachgedacht. Aber was soll’s, dachte ich und sagte: »Ja bitte, mit religiöser Beteuerung.«

»Dann sprechen Sie mir nach: ›Ich schwöre, dass ich das mir übertragene Amt nach bestem Wissen und Können verwalten, Verfassung und Gesetze befolgen und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.‹« Und ich sagte: »›Ich schwöre, dass ich das mir übertragene Amt nach bestem Wissen und Können verwalten, Verfassung und Gesetze befolgen und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Allah helfe.‹« Weshalb ich mir diese kleine Provokation erlaubte, weiß ich gar nicht so genau. Vielleicht lag es einfach an meiner Querulantennatur. Man kann ja im Leben eine Menge mitmachen.

Aber Humor muss sein. Ohne den ist alles nichts. Natürlich war es nicht todernst gemeint, denn Allah bedeutet auf Arabisch nichts anderes als »Gott«. Auch die arabischen Christen nennen ihren Gott »Allah«. Wäre ich ein Hindu gewesen, dann hätte ein anderer Wortlaut wirklich Sinn gemacht. Dann hätte es heißen müssen »So wahr mir die Götter helfen«. Mein Spruch löste Hektik aus. Ein Gerichtsbeamter wurde losgeschickt, um einen Kommentar zum Beamtengesetz zu bringen. Zwei weitere Richter stießen hinzu. Gemeinsam wurde das Gesetz studiert, was aber auch keine Klarheit brachte.

Am Ende wurde ich gefragt, ob ich den Eid nicht der Einfachheit halber ohne religiöse Beteuerung leisten könne. Ich konnte und die Situation war gerettet. 21 Jahre nach unserer Ankunft in Deutschland hatten wir den ersten Beamten, sogar »im höheren Dienst«, in der Familie, wenn auch nur »zur Probe«. Aber immerhin. Heute würde ich übrigens einen solchen Scherz nicht mehr machen. Die Welt hat sich geändert. Man landet ja Ratzfatz in Guantanamo. Spannend war meine Zeit bei der Staatsanwaltschaft. Strafrecht hatte mir schon immer Spaß gemacht. Jetzt bearbeitete ich richtige Fälle. Zwar nicht Mord und Totschlag, aber vieles knapp darunter.

Teil unserer Aufgaben als Referendare war die so genannte »Sitzungsvertretung«. Dabei vertraten wir die Staatsanwaltschaft bei den Gerichtsverhandlungen. Wir trugen die schwarze Robe eines Staatsanwalts und taten alles, was auch ein richtiger Staatsanwalt tun würde: die Anklageschrift verlesen, Zeugen verhören und das Strafmaß beantragen. Für die Angeklagten und ihre Verteidiger war es gar nicht ersichtlich, dass da kein »echter« Staatsanwalt im Raum war. Allerdings waren unsere Befugnisse stark eingeschränkt. Zum einen mussten wir mit dem eigentlich zuständigen Staatsanwalt die Akte besprechen.

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