Herrlich komplizierter Lauf der Zeit

Reportagen
 
 
Zytglogge (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 22. September 2017
  • |
  • 304 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7296-2192-3 (ISBN)
 
Viele Leben erleben

«Walter Däpps Berufsarbeit führt ihn immer wieder zu den Menschen. Oft sind es nicht die Berühmtheiten und Prominenten, sondern jene am Rand der Gesellschaft. Ihnen verschafft Gehör. Er schreibt immer wieder Artikel über Themen, die es sonst kaum in die Zeitung brächten: zu Themen, die den Alltag der gewöhnlichen und vielleicht gerade deshalb ungewöhnlichen Menschen spiegeln. Diese besucht er - stellvertretend für seine Leserinnen und Leser.
Das Schreiben, das Formulieren steht erst ganz am Schluss eines langen Prozesses. Schauen, beobachten, zuhören, riechen, mitfühlen, empfinden, staunen, überlegen, einordnen, fragen und auch immer wieder hinterfragen: Das gehört bei Walter Däpp dazu und fliesst in seine Artikel ein.

Deshalb haben seine Texte Bestand. Man kann sie auch noch lesen, wenn der Aktualitätsbezug nicht mehr da ist - wie nun zum Beispiel in diesem Reportagebuch.»
Hansueli Trachsel, Fotograf
1., Auflage
  • Deutsch
  • Basel
  • |
  • Schweiz
  • 22,30 MB
978-3-7296-2192-3 (9783729621923)
3729621920 (3729621920)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Geb. 1946 in Bern - Journalist, (seit vielen Jahren vor allem beim "Bund". Zuvor Redaktor bei (Radio SRF. Für SRF1 seit 2002 Autor von Morgengeschichten. (Verheiratet, zwei erwachsene Kinder und Grosskinder. Lebt in Bern.
  • "Titel"
  • "Inhaltsverzeichnis"
  • "Vorwort"
  • "Wymanns filigrane Faltervielfalt"
  • "Der Friedensruf, der von der Schweibenalp hallt"
  • "Eine Begegnung, die unter die Haut geht"
  • "Ein Haus zum Leben und ein Haus zum Sterben"
  • "Eine Nacht bei den Steinböcken"
  • "Familie Wirz ist gut in Dubai gelandet"
  • "Herrlich komplizierter Lauf der Zeit"
  • "Lob für Standhaftigkeit und Treue"
  • "Tierschützer Palmers und Metzger Gerber"
  • "Ihre Heimat bleibt das Meer"
  • "Wenn Rösi â?¹z Alpâ?º geht, bekommt sie Hühnerhaut"
  • "Christines lange Nacht in der Antarktis"
  • "Mit Meisterhand vom Rumpf getrennt"
  • "«Ich war dazu bestimmt, ein Sklave zu sein»"
  • "«Andere machen Yoga, ich jodle»"
  • "Sainab steht wieder auf eigenen Beinen"
  • "Die Alp, auf der man über Leichen geht"
  • "Nurfa â?? ein Mädchen, das überlebte"
  • "Nach dem Tod heissts «nichts wie weg»"
  • "Mände Leus verlorene zehn Jahre"
  • "Der freie Viehverkehr"
  • "Frühling auf dem Kindergrab"
  • "Jakobs sind über den Berg"
  • "Ein Lächeln, trotz allem"
  • "800 Mal Matterhorn retour"
  • "Eine Gemeinde mit null Einwohnern"
  • "Die Golperlaui ist schon gekommen"
  • "Mit dem Kaminfeger ins Landesinnere"
  • "Benjamin lebt â?? und spielt wieder Cello"
  • "Wie das Kuhhorn wegrationalisiert wird"
  • "Zwischen Uzwil und Flawil plötzlich ein Reh"
  • "Einer, der im Bachbett der Engstligen seinen Traum lebt"
  • "«Als wir oben waren, zogen wir die Sauerstoffmasken aus»"
  • "Es begann damit, dass ein Zwanzigjähriger ein Dorf kaufte"
  • "«Tanze mit mir in den Morgen, tanze mit mir in das Glück»"
  • "Männer, die den Durchbruch schaffen"
  • "Ein Emmentaler in Näkkälä"
  • "Die Italiener, die uns am nächsten sind"
  • "Abschied von Pickel, dem grössten Absamer aller Zeiten"
  • "Er war freiwillig lebenslänglich auf dem Thorberg"
  • "Der Käse kam trotz allem prompt nach Ossago"
  • "«In der Lawine war es nicht weiss, sondern schwarz»"
  • "Barry â?? ein Hund hat einen runden Geburtstag"
  • "Der Wegweiser"
  • "Dank und Fotonachweis"
  • "Ã?ber den Autor"

Wymanns filigrane Faltervielfalt


Hans-Peter Wymann ist mit der feinen Formen- und Farbenvielfalt der (noch) etwa 3700 Schmetterlingsarten in der Schweiz vertraut. Er ist wissenschaftlicher Schmetterlingszeichner. Sein Werk ist ein kunstvolles und prachtvolles Archiv der Artenvielfalt.

Er hat es schön. Seit Jahren ist er zwar nicht gerade umschwärmt, aber doch umgeben von Schmetterlingen. Er zeichnet und malt sie. Von Berufes wegen. Zwei Tage pro Woche ist er Lehrer in Jegenstorf, drei Tage ist er im Naturhistorischen Museum der Burgergemeinde Bern wissenschaftlicher Schmetterlingszeichner. «Vielleicht etwa 4000 dieser wundervoll symmetrischen Wesen» hat er in den letzten 25 Jahren zu Papier gebracht - was ihn nun selber ein bisschen zu erstaunen scheint. Er sei nämlich «eher ein ungeduldiger Typ», sagt er. Doch beim Schmetterlingszeichnen habe er auch nach so langer Zeit die Geduld nicht verloren. An gewissen Tagen gehe ihm das Zeichnen zwar besser, an anderen Tagen schlechter von der Hand, doch der Schmetterling als scheinbar stets gleiches und doch immer wieder anderes Sujet sei für ihn nach wie vor faszinierend. «Schmetterlinge sind schlicht und einfach schön», sagt er, «man könnte sie nicht schöner machen - mit ihren wunderbar aufeinander abgestimmten Farben und der Harmonie ihrer Formen.» Ihre «Flügelwelten» seien «unglaublich vielfältig und grossartig». Mit jedem Pinselstrich tue sich, auch bei scheinbar grauen Faltern, eine neue Welt auf. Eine Welt, die ihn schon als Bub interessiert habe.

Im Moment kritzelt und pinselt er mit feinsten Zeichen- und Malutensilien an Eulenfaltern (Noctuidae). Er arbeitet mit Farbstiften und Aquarellfarben und mit verschieden feinen Pinseln. «Wenn ein Pinsel hervorragend ist, kann man auch noch mit einem einzigen Haar malen. Aber nur, wenn dieses Haar die Feuchtigkeit halten kann.» Er malt auf versiegeltes Papier, sodass er filigrane Feinheiten mit dem Japanmesser herauskratzen kann. Wenn auf seinem Zeichenblatt pro Tag ein neuer Falter entsteht («oder manchmal auch zwei»), ist er mit der Arbeit zufrieden. «Eulenfalter heissen sie», erklärt er, «weil gewisse Eulenfalterarten auf der Brust haarartige Büschel haben. Wenn man sie von vorn, axial, betrachtet, erhält man den Eindruck eines Eulenkopfs.» Dies erkenne man aber nur bei lebenden Tieren - «wenn sie die Haarbüschel aufgestellt haben».

Zufrieden, wenn pro Tag ein Schmetterling entsteht: Hans-Peter Wymann.

«So, wie ich sie haben will» | Schmetterling: Das ist nur der weit gefasste Überbegriff. Es gehören nicht nur die wundervollen Prachtexemplare dazu, die man im Sommer manchmal im Freien bewundern kann, sondern auch viele unscheinbare Schmetterlingsarten, die man als Laie fast nicht wahrnimmt und auch kaum auseinanderhalten kann. Alle Tag- und Nachtfalterarten gehören dazu, und «all diese kleinsten Schmetterlinge, die nur drei bis vier Millimeter Spannweite haben und die man als Motten bezeichnet», wie Wymann sagt: «In der Schweiz gibt es etwa 3700 Schmetterlingsarten, davon nur knapp 200 Tagfalterarten. Die allermeisten Schmetterlinge sind also Nachtfalter.»

Inzwischen habe er als Schmetterlingszeichner eine gewisse Routine, lacht er. Die Falter kämen nun jedenfalls «einigermassen so heraus, wie ich sie haben will». Doch warum werden sie im Computerzeitalter noch immer von Hand gezeichnet und nicht fotografiert? Es gebe zwar bereits «hervorragend fotografierte Werke», sagt Wymann, doch winzige und kaum wahrnehmbare Unterscheidungsmerkmale seien zeichnerisch eben nach wie vor besser zu erfassen. Eulenfalter zum Beispiel seien sich äusserlich sehr ähnlich, die einzelnen Merkmale seien sehr fein. «Beim Fotografieren versinken diese Feinheiten», sagt er. Als Zeichner habe er die Möglichkeit, die entsprechenden Objekte «in eine Sprache zu übersetzen, die man lesen kann». Dabei dürfe er den Falter zwar «nicht so überzeichnen, dass er zur Karikatur verkommt». Aber er könne die für die entsprechende Art typischen Merkmale so herausarbeiten, dass das Auge des Betrachters automatisch und gezielt auf diese wichtigen Details gelenkt werde. Auch Fotos könnten heute am Computer zwar ähnlich bearbeitet werden, doch die Aussagekraft der guten Zeichnung sei seiner Meinung nach noch immer unerreicht.

Er illustriert es am Beispiel der Ypsilon-Eule (Agrotis ypsilon), einem Nachtfalter aus der Familie der Eulenfalter - einem sehr verbreiteten subtropischen Falter, der oft tausend- oder sogar millionenfach von Süden her einfliege. «Auffallend an diesem Falter sind seine markanten schwarzen Spickel», sagt Wymann, «das ist ein für ihn typisches Merkmal, das ich als Zeichner diskret und doch klar erkennbar heraushole. Auch diese kleinsten weissen Schuppen, die fotografisch verschwinden würden, kann ich zeigen. Und auch die Adern kann ich sehr schön akzentuieren - die Äderung, in der die Flügel wie ein Schirm am Schirmgestell aufgespannt sind. Erkennbar sind auch die Unterschiede der Falten und Adern im Flügel oder die dunklere vordere und die hellere hintere Flügelhälfte.»

Als Vorlagen stehen Wymann Falterpräparate zur Verfügung, die oft leicht beschädigt sind, die Risse oder schattige Partien haben. Als Zeichner könne er dies ausmerzen. Und er könne sein Werk auch perfektionieren, indem er «eine Symbiose zwischen dem linken und dem rechten Flügel» zeichne. Diese seien meist leicht asymmetrisch.

«Eine Welt ohne Schmetterlinge wäre weniger
bunt und weniger lebenswert.»

«Eine generalisierte Synthese» | «Ich zeichne die Falter also nicht ganz so, wie sie in der Natur vorkommen», sagt er, «aber so, dass sie für ihre Art modellhaft sind.» Dies sei möglich, weil er als Zeichner auch generalisieren, also Irritierendes und Täuschendes weglassen und Wichtiges und Typisches hinzufügen könne: «Ich kann mich auf die wesentlichsten Merkmale konzentrieren. Wenn ich für eine Bestimmungshilfe einen präparierten Schmetterling fotografiere, ist er stets ein Individuum. Das will ich aber nicht darstellen. Ich stelle keine strikt naturgetreue Abbildung her, sondern eine generalisierte Synthese.» Dies sei beispielsweise beim Schillerfalter (Apatura iris) heikel, weil die Farben seiner Flügel, je nach Optik, schillerten: «Manchmal ist der ganze Falter braun, manchmal wird er ganz violett. Um dies zu zeigen, zeichne ich beide Flügel. Für die wissenschaftliche Darstellung genügt sonst ein Flügel.»

Der Körper eines Schmetterlings besteht übrigens aus dem Kopf, der Brust (dem Thorax) und dem Hinterleib (dem Abdomen). Die Flügel und Beine sind am Thorax angewachsen, die Verdauungs- und Geschlechtsorgane am Hinterleib. Und das Herz reicht, dorsal, «wie ein Schlauch» über den ganzen Rücken. «Diese Dreiteilung des Körpers ist das klassische Prinzip der Insekten», sagt Wymann, «Insekt heisst .» Faszinierend ist für ihn auch immer noch die Verwandlungsfähigkeit der Schmetterlinge, ihre vier völlig unterschiedlichen Lebensformen - «das Ei, die Raupe, die Puppe und der Schmetterling». Schmetterlinge seien grösstenteils Nützlinge, betont er, vor allem bei der Blütenbestäubung. Oder als Nahrung für andere Tiere. Ein einziges Meisenpaar benötige für die Aufzucht seines Nachwuchses viele Tausend Raupen. Nur einzelne Arten seien Schädlinge, etwa die Maiszünsler, die als Raupen in Monokulturen grosse Schäden anrichten könnten.

«Unsere 3700 Schmetterlingsarten zeigen,
was Biodiversität ist.»

Schmetterlinge sind gefährdet | Schmetterlinge sind durch die heutigen Umwelteinflüsse allerdings bedrängt und gefährdet. Laut Pro Natura hat in den letzten Jahrzehnten keine andere Tiergruppe so grosse Einbussen erlitten wie der Tagfalter. Viele ihrer Lebensräume wie Moore, lichte Wälder und Auen sind verschwunden. Die Landwirtschaft sei «viel zu intensiv», sagt Wymann, das Mittelland sei «eine von Siedlungsbrei und Verkehrswegen zerschnittene Agrarwüste». Und auch in Gärten und Parks mit exotischem Grün hätten Schmetterlinge keinen Platz mehr. Dies sei nicht unbedeutend; Schmetterlinge und ihre Raupen seien auch Indikatoren für den Zustand der Umwelt: «Auf klimatische Veränderungen oder auf Luftverschmutzung reagieren sie viel schneller als Pflanzen. Und eine Welt ohne Schmetterlinge wäre nicht nur weniger bunt, sie wäre auch für andere Lebewesen weniger lebenswert.»

Hans-Peter Wymann stellt fest, dass es heute noch genauso viele Schmetterlinge gibt, wie es «in der Natur für sie Nischen gibt». Für jede einzelne Art gebe es eine Nische. Und mit jeder Nische, die verschwinde, verschwinde eine Schmetterlingsart. An seinem Wohnort Jegenstorf habe er vor einiger Zeit untersucht, wie viele Tagfalterarten vor hundert Jahren hier noch heimisch waren: Von rund 70 Arten seien noch 25 übrig geblieben. Schlimm sei nicht in erster Linie das Verschwinden des einzelnen Schmetterlings, sagt er, schlimm sei die extreme Verarmung der Landschaft generell, die sich eben auch im Verschwinden der Schmetterlinge darstelle: «Je mehr Schmetterlingsarten es gibt, desto reichhaltiger ist die Natur - unser Lebensraum. Trotz schönen Löwenzahnmatten ist unsere Landschaft eben verarmt.» Schmetterlinge illustrierten also modellhaft, was Biodiversität sei. Und sie seien auch Indikatoren für den Klimawandel, weil sie sehr schnell auf Umweltveränderungen reagierten. Gewisse...

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